Offene Beziehung: Regeln, die gelten müssen

Offene Beziehung: Regeln, mit denen das polyamore Modell funktioniert

Für viele Paare ist die offene Beziehung das Zukunftsmodell schlechthin. Ohne Regeln geht aber auch das nicht – welche gelten sollten, erfährst du hier.

Was ist eine offene Beziehung?

Paare, die in einer offenen Beziehung oder einer offenen Ehe leben, haben kein monogames Verhältnis zueinander. Das bedeutet, dass sie nicht exklusiv und ausschließlich mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin sexuelle und emotionale Zuneigung austauschen, sondern sich dazu entscheiden, die Beziehung für andere Menschen zu öffnen. Kuscheln, küssen, Sex und Gefühle gehen in einer offenen Beziehung also auch mit mehr Personen als dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin. Geeignet ist das offene oder polygame Beziehungskonzept für diejenigen, die sich zwar Geborgenheit und Zweisamkeit wünschen, aber nicht in dem Maße monogam leben wollen, dass sie sich in der Liebe dauerhaft nur auf eine Person konzentrieren möchten. Solange alles im Einverständnis passiert, handelt es sich hierbei also nicht um Fremdgehen oder Untreue. Übrigens: Polyamorie muss nicht bedeuten, gleichzeitig mit vielen Menschen Sex zu haben. Jeder und jede definiert den polyamoren Beziehungsstatus für sich selbst.

Für einige Paare ist Polyamorie eine absurde Idee und ein unvorstellbarer Zustand voller Eifersucht – für andere wiederum löst dieses Beziehungskonzept alle Probleme. Um die eigene Beziehung für andere Sexualpartner zu öffnen, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, die wir dir hier zusammengefasst haben.

Diese 4 Regeln sollten in einer offenen Beziehung gelten

Obwohl die offene Beziehung oft die Vorstellungskraft unserer eher prüden Gesellschaft überschreitet – ein ganz regelfreier Raum sollte auch dieses Beziehungskonzept nicht sein. Zwar legt jedes Paar individuell fest, was geht und was nicht; hier kommen aber unsere Tipps, welche vier Regeln unbedingt vor Öffnung der Partnerschaft besprochen werden müssen. So viel sei betont: Beide Parteien müssen mit den Regeln klarkommen.

1. Ehrliche Kommunikation

Sprich in deiner Beziehung offen über deine Sorgen und Ängste und ignoriere nicht Probleme. Eine Idee wäre, ein proaktives Gefühls-Update zu vereinbaren. An einem festen Tag setzt ihr euch regelmäßig als Paar zusammen, um darüber zu reden, ob sich eventuell an eurer Gefühlslage etwas verändert hat oder ihr Klärungsbedarf habt. Eifersucht, Heimlichtuereien und Scham haben hier nichts verloren.

2. Grenzen abstecken

Jeder Mensch bestimmt seine Grenzen für sich. So kann es sein, dass dein Partner oder deine Partnerin vielleicht trotz aller Sex-Positivität und Offenheit es nicht mag, von deinen Bettgeschichten oder erotischen Abenteuern zu hören. Vereinbart deshalb feste Grenzen - detailliert von anderen sexuellen Kontakten zu berichten, ist für viele eben ein No-Go. Andere Tabus können auch bestimmte Personen im direkten Umfeld oder Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit sein. Vergiss nie: Die Partnerschaft steht trotzdem noch an erster Stelle, deshalb muss die Grenze des Anderen immer respektiert werden. Und da es für manche polyamore Paare auch nicht nur um Sex mit anderen Menschen geht, sondern sie auch Gefühle für Dritte entwickeln können, solltest du vorher entscheiden, ob auch das für dich in Ordnung ist.

3. Verhütung

Die dritte Regel ist von großer Wichtigkeit in der Polyamorie, denn sie schützt vor Krankheiten. Safe Sex ist immer ein Muss! Aber gerade in offenen Beziehungen mit mehreren Sexualpartnern muss die Verhütung geklärt werden. Wenn ihr euch darauf geeinigt habt, mit anderen Menschen intim zu werden und somit mehrere Sexualkontakte habt, darf auf ein Kondom nicht verzichtet werden. Wenn du als Frau nicht verhütest oder dich auf hormonelle Hütung verlässt, steht bald ein Ping-Pong-Spiel mit sexuell übertragbaren Krankheiten ins Haus. Um deinen Partner oder deine Partnerin nicht zu gefährden und um selbst gesund zu bleiben, müsst ihr euch aufeinander verlassen können. Habe von nun an immer ein Kondom dabei – ob für One-Night-Stands oder für längerfristige Sexualpartner.

4. Emotionale Basis stärken

Stabilität in der emotionalen Basis zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass euer Grundvertrauen unerschütterlich ist. Bekenne dich bedingungslos zu deinem Partner oder deiner Partnerin. Stimmt das Grundgerüst, kann schließlich problemlos darauf gebaut werden. Ihr seid füreinander nicht nur die Basis, sondern auch der Fallschirm: Du kannst dich auf deinen Mann oder deine Frau verlassen, ihm oder ihr zu jeder Zeit blind vertrauen. Halte die andere Person immer auf dem Laufenden und scheue dich nicht davor, sie auch mit negativen Gefühlen zu konfrontieren. Während man Erfahrungen in einer neuen Beziehungsform sammelt, kommen ständig neue Eindrücke und Bedenken hinzu. Bei deinem Partner oder deiner Partnerin solltest du an der richtigen Adresse sein, dich darüber auszutauschen.

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Wie kann eine offene Beziehung funktionieren?

Klar ist: Beide Partner müssen zu 100 Prozent an Bord mit dem polyamoren Plan sein. Wenn nur einer von beiden eine offene Beziehung will, kann das oft der Anfang vom Ende sein. Denn ein einseitiger Wunsch nach Veränderung stößt meist auf taube Ohren. Vielleicht hast du schon eine Vorahnung, ob es deinem Gegenüber ähnlich geht wie dir selbst. Vertraue hier auf dein Bauchgefühl. Ob eine offene Beziehung funktioniert oder letztendlich scheitert, hängt aber an noch mehr Faktoren. Begib dich zunächst auf Erkundungstour durch deine eigenen Gefühle und finde heraus, warum du dir eine offene Beziehung wünschst. Ist der Grund Neugierde oder Experimentierfreude? Sind es sexuelle Bedürfnisse oder vielleicht der Versuch, eine instabile Beziehung zu retten? Wenn du nicht nur verstehst, wie dein Partner oder deine Partnerin tickt, sondern auch, was in deinem eigenen Kopf vorgeht, ist es leichter, im Reinen mit der Situation zu sein.

Grundsätzlich kann das polyamore Vorhaben also nur klappen, wenn die Basis stimmt. Wenn der einzige Störfaktor in deiner Partnerschaft ist, dass ihr euch beide nach etwas Neuem sehnt, ihr euch aber zutiefst vertraut und einander nicht verlieren möchtet, ist das eine solide Voraussetzung für eine offene Beziehung. Wenn allerdings deine Frau oder dein Mann bereits in der monogamen Version der Beziehung zu großer Eifersucht neigt, helfen vermutlich auch die klarsten Regeln nicht viel.

Gehe nicht mit dem Gedanken in eine polygame Beziehung, dass diese alles einfacher und unkomplizierter machen würde – denn das ist definitiv nicht der Fall! Offene Beziehungen und polygame Ehen erfordern Vertrauen, Kommunikation und Zeit. Nur dann, wenn du bereit bist, viel Arbeit in das Beziehungsmodell zu stecken und die Regeln, die ihr miteinander ausgemacht habt, einzuhalten, kann die Liebe halten.

So beginnst du eine offene Beziehung

Wenn du jetzt nicht weißt, wie du deinen Partner oder deine Partnerin darauf ansprechen sollst, dass du über eine offene Beziehung nachdenkst, bist du damit nicht alleine – aller Anfang ist schwer und das Thema besonders heikel, da es schnell in die falsche Richtung gehen und Eifersucht hervorrufen kann. Wenn du deinen Wunsch nach einer offenen Beziehung äußerst, beginne das Thema behutsam und erkläre deinem Gegenüber, dass auch eine monogame Beziehung viele Risiken mit sich bringt. Zum Beispiel die Gefahr, sich im Zweiertrott zu verlieren und sich zu langweilen, sowie das Risiko, trotz der versprochenen Exklusivität untreu zu werden und damit die Erwartungen des Anderen zu enttäuschen. Die Person, die man liebt, tief zu verletzen, ist ein schreckliches Gefühl, das nicht sein muss: Offene Beziehungen und sogar offene Ehen haben des Öfteren bewiesen, Vorteile für das Zusammenleben zu haben. Am Ende des Tages müsst ihr euch für eine offene Beziehung aber gemeinsam entscheiden.

Dein Partner oder deine Partnerin wird es zu schätzen wissen, dass du auf ihn oder sie zukommst und deine Gefühle äußerst, statt hinter seinem oder ihrem Rücken das Vertrauen zu betrügen. Viele Paare kommen sich durch die pure und von Grund auf ehrliche Kommunikation näher, denn sie müssen nichts mehr voreinander verstecken oder ihre Gedanken verdrängen. Sie können sein, wer sie sind, ohne die Partnerschaft zu verlieren und intensivieren so ihre Liebe. Und wie vielerlei Erfahrungen zeigen: Wendet man sich einvernehmlich von der Monogamie ab, wächst das Gefühl von Freiheit in einem selbst und im Gegenüber.

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Verwendete Quellen: paar-ehe-beratung.de, focus.de, familienleben.ch

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