Monogamie: Nur eine Illusion der großen Liebe?

Monogamie: Nur eine Illusion der großen Liebe?

Treue und Vertrauen sind die Grundbausteine für eine Beziehung. Warum es in Beziehungen an der sexuellen Treue scheitert und ob die Monogamie nur eine Illusion ist, liest du hier.

Paar liegt glücklich im BEtt
© iStock
Sind wir Menschen überhaupt für eine monogame Beziehung bestimmt oder warum können viele ihrem Partner nicht treu bleiben?

Gibt es wirklich die wahre Liebe zwischen zwei Menschen, die bis zum Rest ihres Lebens halten kann oder spielt uns die Psychologie einen Streich? Funktioniert die Monogamie auf lange Sicht wirklich? Warum scheitern so viele Beziehungen ausgerechnet wegen der Untreue am Partner? Es gibt viele Fragen, die in diese Richtung gehen, wenn wir uns über die Monogamie Gedanken machen. Welche Idee steckt hinter der Monogamie und ist dieses Konzept der Liebe für uns Menschen natürlich?

Wenn wir an eine glückliche Beziehungsform denken, sehen wir das übliche Modell der Partnerschaft vor Augen: monogame Liebe, die auf Treue basiert. Egal ob zwischen Frau und Mann, zwei Frauen oder zwei Männern. Warum scheitern dann so viele Menschen in ihrer Beziehung und sind schon fremdgegangen? Sind die Seitensprünge ein Zeichen dafür, dass die monogame Liebe für uns Menschen gar nicht funktioniert? 

Was ist Monogamie? 

Per Definition bedeutet die Bezeichnung "Monogamie" eine lebenslange und exklusive Lebensgemeinschaft zwischen zwei Menschen. In der Tierwelt geht es primär um das Paarungsverhalten zwischen Männchen und Weibchen und deren Fortpflanzung. Bei uns Menschen muss es nicht mit einer Fortpflanzung verbunden sein. Nicht alle Frauen hegen den Wunsch nach einer Fortpflanzung genauso wie Männer – daher scheidet schon mal das Paarungsverhalten bei Menschen aus. Die Monogamie ist der Gegensatz der Beziehungsform der Polygamie.

Die Sexualität ist zweitrangig

Die Sexualität spielt bei Beziehungsformen keine Rolle. Nicht nur bei der Monogamie ist die Sexualität zweitrangig. Bei der polygamen Beziehung und auch der Polyamorie setzt man viel mehr auf die zwischenmenschliche Bindung, weniger auf deren Sexualität. In einer Monogamie geht es also darum, dass sich zwei Menschen finden und ihr gesamtes Leben lang zusammen bleiben. Zwei Menschen, egal welchen Geschlechts, finden zueinander und teilen ihre Interessen und Leidenschaften. Die geistigen, körperlichen und sozialen Bedürfnisse werden gegenseitig befriedigt. Diese Art der Beziehungsform wird manchmal mit einer Ehe gefestigt.

Leider schaffen es nicht alle Paare, diese Exklusivität der Zweisamkeit zu genießen und bringen einen dritten Menschen ins Spiel, der in den meisten Fällen die monogame Beziehung zerstört. Daher führen viele von uns im Laufe ihres Lebens einfach mehrere Partnerschaften. Der Satz „Bis, dass der Tod euch scheidet“, ist leider kein Erfolgsgarant für eine Ehe. Monogame Beziehungen sind eine Form der Partnerschaft, die im westlichen Teil der Welt ausgelebt wird. Andere Teile der Welt und Kulturen leben in einer Polygamie, die auch von der Gesellschaft akzeptiert wird. In Deutschland jedoch ist die Monogamie das gängige Modell der Beziehung.

Sind wir Menschen für Monogamie gemacht?

Pädagogin und Sexualtherapeutin Gertrud Wolf ist der Meinung, dass wir Menschen „nicht von Natur aus monogam“ sind. Grund für ihre Meinung sei der Fakt, dass etwa ein Drittel ihrer Klienten, egal ob Frauen oder Männer, bereits fremdgegangen sind. Obwohl die sexuelle Treue der meisten Paare so wichtig sei, scheitert die Beziehung genau an dem Punkt. Paare, die sich fest die Treue schwören, können sich niemals zu hundert Prozent vertrauen. Je nachdem, wie sich das Paar ihre Liebe vorstellt, es gehören immer zwei dazu, die sich für diese Form der Liebe entscheiden. Da jeder Mensch eine eigene Empfindung und Meinung hat, können die Regeln der Treue anders interpretiert werden. Die Definition der Treue ist sehr dehnbar.

Ist die Treue eine Herausforderung?

Wir leben in gesellschaftlichen Strukturen, in der eine Paarbindung ein wichtiger Teil des Lebensabschnittes bedeutet. Wir Menschen hegen alle den Wunsch nach einem Partner, der uns Liebe schenkt und unsere Bedürfnisse befriedigt. Doch sehen wir uns nur nach diesem einen Menschen? Die kulturelle Form der Beziehung ist zwar sehr stark im westlichen Teil der Welt ausgeprägt, allerdings ist diese Art eher eine untypische Form. Wusstest du, dass nur etwa 16 Prozent aller Kulturen auf der Welt nach einer monogamen Beziehungsform leben? Auch wenn das Beziehungsmodell der Monogamie für viele funktioniert, ist die sexuelle Treue des Partners meist die größte Herausforderung. Daher wird das monogame Konzept der Liebe oft kritisch beleuchtet. Diplom-Psychologin und elitePartner-Expertin Lisa Fischbach ist der Meinung, dass das „Monogamiemodell nicht für jedermann gedacht ist. Die Monogamie kann in vielen Beziehungen, aber mit Sicherheit gelingen“. 

Es gibt Pärchen, die ein ganz besonderes Beziehungsmodell ausleben. Die Monogamie hat oberste Priorität: Sie gestatten sich keinen Kontakt zu anderen Geschlechtern, mit denen auszugehen, sich zum Essen verabreden oder einfach nur zu treffen. Solche Aktivitäten könnten zu Eifersucht führen. Um diesem Konflikt aus dem Weg zu gehen, entscheiden sich die Paare für eine absolute Zweisamkeit. Niemand darf diese Zweisamkeit stören. Aber ist das gesund und entspricht das der Realität? Oder ist es alles nur eine Frage der Zeit, bis einer aus diesem engen Kreis der Zweisamkeit ausbrechen möchte?

Wie realistisch ist Monogamie? 

Monogamie scheint eher unrealistisch zu sein. So sehen es zumindest die Wissenschaftler. Dennoch halten wir Menschen an diesem Beziehungsmodell fest, sobald wir den einen Menschen gefunden haben, den wir lieben und nie wieder vermissen wollen. Welche Vorteile die Monogamie mit sich bringt und welche Argumente für den einen oder anderen eher gegen eine exklusive Zweisamkeit sprechen, haben wir hier aufgelistet:

Vorteile der monogamen Beziehung

  • Treue: Niemand mag es, betrogen zu werden. Auch wenn es in uns Menschen nicht biologisch zu 100 Prozent verankert ist, so sehnen sich über die Hälfte der Paare nach einer Treue und einem gesunden Vertrauen in ihrer Beziehung. 
  • Sicherheit: Es gibt gute und schlechte Zeiten in einer Beziehung. Wer sie schwierigen Phasen gemeinsam gemeistert hat, weiß, dass es zusammenschweißt und die Liebe zueinander verstärkt. Die Beziehung zum Partner gibt Menschen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.
  • Psychische Gesundheit: Viele Menschen vielen sich mit einem Partner besser. Der Faktor der Lebenszufriedenheit steigt an und das Wohlbefinden wird bestärkt. Eine Partnerschaft kann viel Freude im Leben bereiten und sorgt auch für einen immens positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit.  

Nachteile der monogamen Beziehungsform

Jede Medaille hat zwei Seiten, daher sollten auch die Nachteile einer monogamen Beziehungsform beleuchtet werden:

  • Untreue: Da es der Menschheit biologisch scheinbar nicht vorgesehen ist, eine treue Beziehung zu einer Person zu führen und das in unseren Genen liegt, wird das Bedürfnis der Untreue unterdrückt und bis zu einem gewissen Zeitpunkt nur geduldet. Sexualmediziner Alfred Pauls erklärte zudem, dass es uns Menschen gar nicht möglich sei, einen einzigen Menschen attraktiv zu finden. 
  • Unglück: Eifersucht, Neid und die Untreue führen in den Beziehungen nicht nur zu vielen Streitigkeiten, sondern machen auf Dauer extrem unglücklich. Oft ist hier die Trennung die beste Lösung. Die Beziehung könnte gerettet werden, wenn es beide Parteien auch wirklich wollen. Ansonsten quält sich der betrogene Partner und reitet sich weiter in sein eigenes Unglück. 
  • Selbstverwirklichung: Wer extrem an seiner monogamen Beziehung festhält, wird sich für seinen Partner verbiegen und seine eigenen Bedürfnisse komplett vernachlässigen. Die Person wird sich auf den Partner fokussieren und sich immer darum bemühen, dass es ja nicht zu einer Untreue kommen darf. Die Freiheit wird bei beiden Partnern auf verschiedenste Weisen eingeschränkt. Bei einigen geht es so weit, dass sie sich selbst verlieren. 
  • Bindung: Die Bindung zueinander wird über die Jahre verstärkt, sodass egal ob Frauen oder Männer, ab einer gewissen Zeit, sehr an ihrer Beziehung festhalten. Bei Untreue fällt es einigen besonders schwer einen Schlussstrich zu ziehen. Schließlich verbindet die zwei Menschen eine innige und lange Zeit. 

So funktioniert die monogame Liebe

Natürlich gibt es Gründe, die für eine monogame Beziehungsform sprechen. Wenn dir dieses Modell der Beziehung zusagt und du verstärkt an dir und deinem Partner arbeiten möchtest, Tipps benötigst oder einfach für die Zukunft besser Bescheid wissen möchtest, gibts hier die Tipps, um mit deiner großen Liebe glücklich zu werden.

  1. Vertrauen: Vertrauen ist das A und O. Gebe dir und deinem Partner Freiräume. Jeder darf seine Freunde und seine Bekannten treffen, seine Hobbys ausüben und sollte auch als eigenständige Person leben dürfen. Alles andere würde dich und deinen Partner nur einengen. 
  2. Gemeinsame Hobbys finden: Gemeinsame Interessen verbinden definitiv! Suche dir gemeinsam mit deinem Partner eine Freizeitaktivität aus, die euch beiden große Freude und Spaß bereitet. Das stärkt eure Beziehung zueinander.
  3. Kommunikation: Die Kommunikation ist der Schlüssel, der viele Türen öffnet. So auch in deiner Beziehung. Eine Beziehung, egal ob monogam oder polygam, kann nur dann funktionieren, wenn alles offen und ehrlich kommuniziert wird. Missverständnisse werden durch Kommunikation aus dem Weg geräumt und Konflikte können so problemlos gelöst werden.
  4. Ehrlichkeit: Offene Kommunikation und ehrliche Worte sind der Grundbaustein für eine funktionierende Beziehung. Natürlich können ehrliche Worte verletzend sein. Doch mit gegenseitigem Respekt kann auch dieses Problem bestens gelöst werden, indem du und dein Partner einfach die richtigen Worte findet!

Dich interessiert das Konzept einer offenen Beziehung? Oder möchtest wissen, wie die platonische Liebe funktioniert? Du bist unglücklich verliebt und suchst nach Rat? Wir haben dafür die Antworten!

Verwendete Quellen: statista.de, elitepartner.de

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Mannes, der seiner Freundin einen Kuss auf die Nase gibt in der U-Bahn
Eine langfristige, glückliche Beziehung wünscht sich so ziemlich jeder. Mit der 2-2-2-Regel soll eure Liebe ewig halten. Wie sie funktioniert, lest ihr hier! Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...