Weiblicher Orgasmus: Das solltest du wissen

Tipps für den Höhepunkt: DAS solltest du über den weiblichen Orgasmus wissen

Der weibliche Orgasmus gilt oft immer noch als Mysterium. Höchste Zeit, dass wir das ändern! Alles, was du wissen solltest, plus die besten Tipps für mehr sexuelle Höhepunkte findest du hier.

Wir Frauen kommen beim Sex deutlich weniger zum Höhepunkt als Männer! Höchste Zeit nachzuziehen und endlich auch mal auf unsere Kosten zu kommen. Vorbei sind die Nächte, in denen wir unseren Orgasmus vortäuschen. Jetzt klären wir das Mysterium weiblicher Orgasmus und sorgen dafür, dass das Feuerwerk zwischen den Laken so richtig explodiert. Alles, was du über die weibliche Lust wissen solltest und welche Tipps wirklich helfen, zum Orgasmus zu kommen, liest du hier.

Das passiert bei einem Orgasmus im Körper der Frau

Hast du dich schon mal gefragt, was eigentlich genau mit deinem Körper passiert, wenn du einen Orgasmus hast? Schauen wir uns mal die genauen Vorgänge während des Körpers an. Die Sexualforscher Masters und Johnson haben den weiblichen Orgasmus bereits in den 60er-Jahren in vier Phasen unterteilt.

1. Erregungsphase

In der ersten Phase, der Erregungsphase, baut sich die sexuelle Erregung auf. Das kann zum Beispiel durch das Anregen der Fantasie, audio-visuelle Stimulation oder Küsse und sanfte Berührungen an den erogenen Zonen des Körpers der Frau geschehen. Das Blut strömt in die Genitalien und Empfindsamkeit erhöht sich und die Muskeln spannen sich stärker an – vor allem die Beckenbodenmuskulatur. Der Puls und der Blutdruck steigen an, Schamlippen und Klitoris schwellen an und die Vagina wird feucht (Lubrikation). Durch das Feuchtwerden der Vagina wird später das Eindringen des Penis (oder eines Sexspielzeuges) erleichtert.

2. Plateauphase

Die nächste Phase, die Plateauphase, hält bis zum Orgasmus an. Sie äußert sich durch eine anhaltende Anspannung. Die zuvor angeschwellte Klitoris zieht sich wieder zurück, was einer direkten Stimulation im Wege steht. Die Vagina wird weiterhin verstärkt durchblutet und die Scheidenwände werden empfindsamer. Die Schamlippen sind angeschwellt und verengen den Scheideneingang und es entwickelt sich die sogenannte "orgasmische Manschette“, eine Ansammlung von Muskeln im Genitalbereich, die bei Anspannung für beide Sexualpartner die Lust erhöhen kann.

3. Orgasmusphase

In der dritten Phase, der Orgasmusphase, erlebt die vorherige Anspannung ihren Höhepunkt. Bei richtiger sexueller Stimulation kommt es hier also zu Orgasmus. Die Muskeln der orgasmischen Manschette kontrahieren mehrmals rhythmisch und selbst in der Gebärmutter und am Schließmuskel können Kontraktionen entstehen. Wie lange die Orgasmusphase dauert, ist unterschiedlich. Tendenziell dauert der weibliche Orgasmus aber länger als der männliche.

4. Entspannungsphase

Nach der maximalen Spannungsentladung kommt die letzte Phase, die Entspannungsphase. Die Kontraktionen im Beckenboden sind vorbei, der Puls, die Atemfrequenz und der Blutdruck fahren wieder runter und auch die Schwellung der Genitalien klingt ab. Gleichzeitig kann man ein Gefühl der Entspannung empfinden. Theoretisch können Frauen aber auch direkt nach der Orgasmusphase wieder in die Erregungsphase übergehen und sich auf den nächsten Orgasmus vorbereiten. Während es bei Männern meist nur zu einem Orgasmus kommt, können Frauen theoretisch multiple Orgasmen hintereinander erleben.

3 verschiedenen Orgasmus-Arten

Doch wie fühlt sich eigentlich ein Orgasmus an? Diese Frage stellen sich Frauen auf der ganzen Welt immer wieder. Um mehr über den weiblichen Orgasmus herauszufinden, haben Sexualforscher und -forscherinnen die Daten von insgesamt 54 Frauen, die einen sogenannten Biofeedback-Vibrator benutzt haben, ausgewertet und ihre Ergebnisse ihrer Studie 2022 im Fachmagazin "The Journal of Sexual Medicine“ veröffentlicht. Mithilfe von am Vibrator angebrachten Sensoren konnten Daten erhoben werden. Durch die Auswertung der Daten des Gerätes in Kombination mit einer Befragung konnten die Forscher und Forscherinnen drei verschiedene Arten von weiblichen Orgasmen unterscheiden.

  1. Wellenorgasmus: Die Mehrheit der Teilnehmerinnen (26 von 54) spürten den Orgasmus in Form einer Welle. Spürbar ist der Wellenorgasmus durch aufeinanderfolgende Kontraktionen von Anspannung und Entspannung.
  2. Lawinenorgasmus: Am zweithäufigsten (17 von 54) war der sogenannte Lawinenorgasmus zu spüren. Er äußert sich durch eine starke Anspannung vor dem Höhepunkt, die sich während des Orgasmus rasant auf einmal löst.
  3. Vulkanorgasmus: Am seltensten (11 von 54) wurde der sogenannte Vulkanorgasmus festgestellt. Hierbei gibt es eine gleichbleibend niedrige Anspannung, bevor sie beim Höhepunkt drastisch ansteigt.

Klitoraler vs. vaginaler Orgasmus

Oft wird zwischen dem "klitoralen" und dem "vaginalen" Orgasmus einer Frau unterschieden. Von dem klitoralen Orgasmus spricht man bei einer äußeren Stimulation des sogenannten Kitzlers, also der Klitorisperle – vom vaginalen Orgasmus spricht man bei einer inneren Stimulation der Vagina beim Penetrationssex. Wissenschaftler sind sich jedoch noch nicht ganz im Klaren darüber, ob es wirklich einen Unterschied zwischen diesen beiden Orgasmus-Arten gibt. 

Angenommen wird nämlich, dass auch hinter dem sogenannten "vaginalen" Orgasmus die Klitoris steckt. Diese ist nämlich deutlich größer und umfangreicher, als auf den ersten Blick vermutet. Die Klitoris erstreckt sich zum größten Teil im Inneren des Körpers und besteht nicht nur aus dem Kitzler, wie viele zunächst annehmen. Hinter dem "vaginalen“ Orgasmus steckt also sehr wahrscheinlich eine Stimulation der Klitorisarme im Inneren.

Das macht übrigens auch die Theorie des Psychoanalytikers Sigmund Freud, dass der "klitorale“ Orgasmus nur ein "kindlicher“ Orgasmus sei, während es sich beim "vaginalen“ Orgasmus um den "richtigen“ Orgasmus handelt, zunichte. Viele Sexualwissenschaftler halten diese Theorie heute für absoluten Schwachsinn. Leider hat sich diese veraltete Theorie bis heute in viele Köpfe eingebrannt, sodass sich viele Frauen (und Männer) stressen, wenn sie nicht durch den Penetrationssex kommen.

Das Gehirn ist das wohl wichtigste Sexualorgan

Von vielen Seiten hört man immer wieder, dass das Gehirn das größte Sexualorgan ist. Und im Grunde stimmt diese Behauptung, denn nur, wenn auch im Kopf sexuelle Erregung entsteht, ist sie auch tatsächlich "untenrum“ zu spüren. Es steht und fällt am Ende alles mit den Vorgängen in unserem Gehirn. Fühlen wir uns gehemmt, weil wir uns in unserem Körper nicht wohlfühlen, weil wir uns in einer bestimmten Situation nicht wohlfühlen oder weil uns noch die lange To-do-Liste im Kopf herumschwirrt, wird auch die Lust auf sich warten lassen.

Um zum Orgasmus zu kommen, ist also auch das richtige Mindset enorm wichtig. Um sich in Stimmung zu bringen, kann es helfen, seinen eigenen Körper besser kennenzulernen, sich auditiv-visuell stimulierend zu lassen (zum Beispiel mithilfe von Frauenpornos oder Pornos für Paare), manche Frauen sprechen auch nur auf auditive Stimulation (zum Beispiel mithilfe von Audiopornos) an oder lassen gerne ihre Gedanken kreisen und so ihrer Fantasie freien Lauf. Es kann helfen, sich bewusst Zeit für intime Stunden zu nehmen, eine angenehme Stimmung (zum Beispiel mit Kerzen und Räucherstäbchen) zu schaffen und sich die richtigen Hilfsmittel parat zu legen. Mehr Tipps findest du im nächsten Absatz.

Während des Orgasmus ist unser Kopf übrigens nicht komplett leer. Die Sexualforscherin Dr. Nan Wise konnte bei einer kleinen Anzahl an Probandinnen in ihrer Studie feststellen, dass sich während des Orgasmus eine Aktivierung bestimmter Gehirnregionen abspielt. Diese umfassen zum Beispiel sensorische und motorische Hirnregionen, das Belohnungssystem und frontale kortikale und Hirnstammregionen. Während des weiblichen Orgasmus wird ein Hormon-Cocktail ausgeschüttet. So werden zum Beispiel das Glückshormon Dopamin und das Hormon Oxytocin, das für das Bedürfnis von Nähe zuständig ist, ausgeschüttet.

5 Wege, um zum Orgasmus zu kommen: Unsere besten Tipps

Hast du Orgasmusprobleme und weißt nicht, wie du diese überwinden kannst? Wir verraten dir, was dir helfen kann, besser zum Höhepunkt zu kommen. Setze dich aber ja nicht unter Druck, wenn es um den Orgasmus geht. Natürlich wünschen wir jeder Frau, dass sie Spaß am Sex hat und auch das Feuerwerk des Orgasmus spüren kann. Doch Sex kann auch ohne Höhepunkt Spaß machen – es gibt definitiv kein OrgasMUSS

1. Den eigenen Körper kennenlernen

Sich im eigenen Körper wohlfühlen und ihn in- und auswendig zu kennen, ist wohl die wichtigste Grundvoraussetzung für einen Orgasmus – egal ob beim Solo-Sex oder beim Geschlechtsverkehr mit Partner oder Partnerin. Vielen kann es helfen, sich einmal einen Handspiegel zu nehmen und die eigene Vulva genauestens zu betrachten. Bekomme ein Gefühl für deine Lust, nimm dir Zeit, um deine Sexualität zu erkunden und probiere aus, welche Berührungen sich gut anfühlen. Brauchst du dabei etwas Hilfe? Dann kann zum Beispiel ein Workshop, ein sogenanntes Vulva-Mapping, helfen. Hier leitet dich eine fachkundige Person an und hilft dir dabei, deine Vulva und Vagina und weitere erogene Zonen kennenzulernen. Digitale Workshops aller Art findest du zum Beispiel bei curaya.

2. Sexspielzeug ausprobieren

Sextoys können ein wahrer Segen sein und einem enorm dabei helfen zu kommen. Sie können beim Solo-Sex oder beim Sex mit Partner oder Partnerin zum Einsatz kommen und dir mit ihren Krümmungen, Vibrationen und Druckwellen dabei helfen, zum Orgasmus zu kommen. Wichtig ist aber, dass du dich nicht nur auf elektrische Sextoys verlässt, um die Nerven nicht "abzustumpfen“ und ihnen die Empfindsamkeit zu nehmen. Verwende mal die Hände, mal den Penis und mal den Vibrator. Probiere dich aus und schau, was für dich funktioniert. Diese drei Toys zählen zu unseren persönlichen Redaktionslieblingen:

3. Mit dem Partner oder der Partnerin reden

Orgasmusprobleme sind nicht nur ein Me-Problem, sondern etwas, was beide Partner oder Partnerinnen zusammen angehen sollten. Will es einfach nicht mit dem Orgasmus klappen, dann ist die Kommunikation mit dem Partner oder der Partnerin unglaublich wichtig. Hast du das Gefühl, dass du mit ihm oder ihr ganz offen reden kannst, fällt es dir vielleicht schon etwas leichter, dich fallenzulassen. Sag ihm oder ihr, was sich gut anfühlt, gib genaue Anleitungen und gezieltes Feedback wie "Das fühlt sich gerade total gut an“, "Mach bitte genau so weiter“, oder "Ich mag es total gerne, wenn du xy machst“. Dieser Dirty Talk kann nebenbei auch total erregend für euch beide sein.

4. Gute Sexstellungen für den weiblichen Orgasmus

Um beim Penetrationssex zu kommen, ist es ebenfalls wichtig, die Stellungen zu wählen, die sich speziell für dich gut anfühlen. Da die Anatomie bei jeder Frau etwas anders ist und für die eine nicht unbedingt das funktioniert, was für die andere funktioniert, musst du dich etwas "austoben“. Schlaf dich einmal quer durch Kamasutra und hast du eine Stellung gefunden, die sich gut anfühlt, dann nimm sie fest in dein Repertoire mit auf.

Unser Tipp: Viele Frauen können bei einer doppelten Stimulation am besten kommen. Dabei wird beim penetrativen Sex mit Penis (oder Dildo bzw. Vibrator) auch der Kitzler von außen stimuliert. Das kannst du mit deinen Fingern machen, dein Partner oder deine Partnerin kann die Finger mit ins Spiel bringen oder ihr nehmt ein Toy zur Hilfe, das die Klitoris von außen stimuliert. Gleichzeitig fühlt es sich für viele Frauen gut an, wenn der Penis so eindringt, dass er den sogenannten G-Punkt stimuliert. Wie du den G-Punkt findest, liest du hier. Drei Sexstellungen, die sich für die doppelte Stimulation von G-Punkt und Klitorisperle besonders gut eignen, sind diese hier:

5. Gesundheit checken

Egal was du tust, du kannst einfach keine Lust empfinden? Auch das kann unter Umständen vorkommen. Ein sogenannter Libidoverlust kann zum Beispiel bei der Einnahme der Pille oder während der Wechseljahre vorkommen oder durch bestimmte Krankheiten ausgelöst werden. Lass dich im Zweifel von deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin genauestens beraten und ggf. untersuchen.

Das steckt hinter der Orgasm Gap zwischen Mann und Frau

2017 haben Sexualforscher und -forscherinnen in ihrer Studie herausgefunden, dass etwa ein Drittel der befragten Frauen beim Sex in heterosexuellen Partnerschaften überhaupt nicht kommen. Bei Männern sind es hingegen ganze 95 Prozent, die angeben, jedes Mal zu Höhepunkt zu kommen. Über 50.000 Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren wurden dafür befragt. In Anlehnung an die "Gender Pay Gap“ sprechen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in diesem Fall von der "Orgasm Gap“, also der Lücke zwischen den Geschlechtern, wenn es um den Orgasmus geht. Über dieses und weitere Themen der Frauengesundheit haben wir mit Patricia Stangner von Femacy in unserem Podcast "Jetzt mal Real-Talk! – Der Jolie Podcast“ gesprochen. Die Folge kannst du dir hier anhören:

Fazit: Kein Höhepunkt – keine Sorge

Der Orgasmus ist sowohl auf der Seite der Männer als auch bei uns Frauen viel zu häufig mit einem Performancedruck verbunden. Ob Angst vor dem Kontrollverlust beim Sex, fehlendes Wissen über den eigenen Körper oder einfach das gute alte Kopfkino, das uns im Wege steht – es gibt viele Gründe, warum es mit dem Feuerwerk einfach nicht klappen will.

Doch setze dich in diesem Fall bitte nicht unter Druck und stresse dich nicht. Auch Sex ohne Orgasmus kann Spaß machen und es muss nicht immer einen Höhepunkt geben. Fühle dich auf keinen Fall dazu gezwungen, einen Orgasmus vorzutäuschen. Stattdessen solltest du mit deinem Partner oder deiner Partnerin über das Thema sprechen und gemeinsam herausfinden, was für euch beide funktioniert. Was du ebenfalls nicht vernachlässigen solltest, ist die Zeit mit dir selbst. Beim Solo-Sex lernst du deine Sexualität ganz ohne Zwang kennen und kannst dich unbeobachtet ausprobieren.

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Verwendete Quellendeutschlandfunkkultur.de, zavamed.com, welt.de, stern.de

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