Scheidenpilz Hausmittel: Die beliebstesten Mittel im Check

Scheidenpilz Hausmittel: Wie wirksam sind sie wirklich?

Viele Frauen versuchen, ihren Scheidenpilz mit Hausmitteln zu behandeln. Aber ist das wirklich sinnvoll? Wir haben die beliebtesten Mittel unter die Lupe genommen.

Was ist Scheidenpilz und wie macht er sich bemerkbar?

Es juckt, brennt und schmerzt: Fast jede Frau hatte schon einmal in ihrem Leben Scheidenpilz (auch Vulvovaginalmykose oder Vaginalpilz genannt). Dabei handelt es sich um eine Pilzinfektion im Bereich der Vulva und Vagina. Häufig wird sie durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöst.

Pilze gehören zur normalen Flora von Haut und Schleimhaut dazu und lösen keine Infektionen aus, solange sie mit anderen Mikroorganismen im Gleichgewicht leben. Hierzu zählen zum Beispiel Milchsäurebakterien, die das Milieu in der Scheide sauer halten und so vor Infektionen schützen. Der pH-Wert beträgt im Idealfall 4 bis 4,5. Gerät die Scheidenflora ins Ungleichgewicht, können sich die Pilze vermehren und Vaginalpilz auslösen. 

Dann kommt es zu unangenehmen Symptomen wie starken Juckreiz im Bereich der Scheide, Rötungen, Hautreizungen, Schwellungen, weißen und krümeligen Ausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen und Sex und/oder einem unangenehmen Geruch der Vagina.

Mögliche Ursachen von Scheidenpilz

Die Ursachen von Scheidenpilz sind vielfältig. Neben der falschen Hygiene und nicht atmungsaktiver Unterwäsche können auch ungeschützter Sex, ein geschwächtes Immunsystem, bestimmte Medikamente und Hormonveränderungen eine Scheidenpilzinfektion auslösen. 

Genaueres zu Ursachen und Symptomen liest du hier: Scheidenpilz erkennen: Auf diese Symptome solltest du achten

Scheidenpilz: Beliebte Hausmittel im Check

Es gibt viele Medikamente wie Zäpfchen, Cremes und Tabletten, die zuverlässig gegen Scheidenpilz helfen. Doch viele Frauen versuchen, den unangenehmen Vaginalpilz mit Hausmitteln zu bekämpfen. Kann das wirklich funktionieren? Wir haben die beliebtesten Hausmittel unter die Lupe genommen.

Joghurt 

Einige Frauen schwören auf Joghurt im Kampf gegen Vaginalpilz. Die enthaltenen Milchsäurebakterien sollen dafür sorgen, dass das Scheidenmilieu wieder ins Gleichgewicht gerät. Außerdem wird Joghurt nachgesagt, eine kühlende Wirkung auf die aufgetragenen Stellen im Intimbereich zu haben. Einige Frauen führen sich sogar einen in Joghurt getränkten Tampon in die Vagina ein. 

Ärztinnen und Ärzte raten jedoch von Joghurt als Hausmittel gegen Scheidenpilz ab. Abgesehen von Milchsäurebakterien enthält er nämlich auch andere Bakterien, die weitere Infektionen auslösen können. Zudem sind in Joghurt oft Konservierungsstoffe und andere Zusätze zu finden, die die Scheide eventuell zusätzlich reizen. 

Kokosöl  

Auf der Suche nach Hausmitteln gegen Scheidenpilz sind wir immer wieder auf die "Wunderwaffe" Kokosöl gestoßen. Es soll bei vielen Gesundheitsproblemen helfen – und auch bei Vaginalpilz. Der Gedanke dahinter: Kokosöl hat eine antibakterielle Wirkung, tötet so den Scheidenpilz ab und fördert zudem die Regeneration der Haut. Medizinisch belegt ist das allerdings nicht. Ist die Infektion überstanden, kann Kokosöl aber zur Hautpflege im Intimbereich verwendet werden – solange keine Zusatzstoffe enthalten sind.

Knoblauch  

Knoblauch enthält Allicin, ein Umsetzungsprodukt der Aminosäure Alliin, welches sich in Laborversuchen effektiv bei der Bekämpfung von Candida-Pilzen der gezeigt hat. Das Stichwort ist hier: Laborversuche! In der Scheide hat Knoblauch nichts zu suchen, denn es handelt sich nicht um einen sterilen Raum mit optimalen Bedingungen, sondern um ein komplexes Milieu, in dem viele Mikroorganismen in Wechselwirkung leben. Knoblauch ist zu aggressiv und stört die Scheidenflora. Er greift Milchsäurebakterien an, die verhindern, dass sich der Hefepilz weiter vermehrt. Eine "Behandlung" mit Knoblauch wirkt bei einer Scheidenpilzinfektion also kontraproduktiv.

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Kamille 

Kamille ist nachweislich entzündungshemmend und sorgt als Sitzbad in Kombination mit wohltuender Wärme für weniger Juckreiz bei Scheidenpilz. Kamille kann zwar die Symptome einer Pilzinfektion lindern, verhindert aber nicht das Wachstum der Hefepilze.

Apfelessig 

Das saure Milieu der Scheide macht es Pilzen schwer, sich anzusiedeln. Daher liegt die Vermutung nahe, dass ein Sitzbad mit Apfelessig hilft, Scheidenpilz zu besiegen. Hiervon wird allerdings dringend abgeraten. Laut Medizinerinnen und Medizinern wirkt Essig viel zu aggressiv und kann die Bakterienkulturen auf der Oberfläche der Vaginalschleimhaut zerstören. Die Folge: Das Scheidenmilieu kann sich nur langsam wieder regenerieren.

Teebaumöl und Honig

Auch Teebaumöl und Honig sollen gut zur Pilzbekämpfung sein. Verfechterinnen dieser Theorie stützen sich auf die Tatsache, dass beide eine antibakterielle Wirkung haben. Doch genau wie Essig schadet Teebaumöl eher, als dass es hilft. Die sowieso schon angegriffenen Schleimhäute werden durch das aggressive Öl zusätzlich gereizt. Der Nutzen von Honig ist medizinisch nicht belegt.

Brottrunk

Ein weiteres beliebtes Hausmittel ist Brottrunk. Dabei handelt es sich um ein leicht säuerliches Getränk aus vergorenem Vollkornbrot und Wasser. Es enthält viele Milchsäurebakterien (oder genauer: Brotsäurebakterien), die säureresistent und gesundheitsfördernd sind. Brottrunk hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Vaginalschleimhaut, kann aber das Immunsystem stärken und so dem Körper dabei helfen, sich gegen Infektionen zu wehren. Ausreichend belegt ist das aber nicht. Mit Brottrunk kannst du zwar nichts falsch machen, aber eben auch keinen Scheidenpilz behandeln.

Scheidenpilz: Die richtige Behandlung

Wie du siehst, können Hausmittel eine Infektion mit einem Hefepilz nicht behandeln, sondern höchstens die Symptome lindern. Bemerkst du Symptome einer Vaginalpilzinfektion, solltest du lieber nicht mit Hausmitteln experimentieren, sondern einen Termin bei einem Gynäkologen bzw. bei einer Gynäkologin vereinbaren und deine Sorge um eine Infektion schildern. Er oder sie wird dann einen vaginalen Abstrich machen und diesen untersuchen. 

Zur Behandlung der Beschwerden kommen meist sogenannte Antimykotika zum Einsatz. Dir stehen Zäpfchen, Cremes und Tabletten zur Auswahl. Am beliebtesten sind die Medikamente von Canesten. Dabei handelt es sich um Kombi-Produkte aus Zäpfchen und Creme, die du rezeptfrei in der Apotheke kaufen kannst. Die Canesten GYN 3-Tage Kombi wendest du an drei aufeinanderfolgenden Tagen an. Alternativ gibt es auch die Canesten GYN Once Kombi, die nur einmal angewendet wird. Danach ist eine Milchsäurekur ratsam, um die Scheidenflora wieder zu stärken.

Solltest du öfter unter Scheidenpilz leiden und die Symptome bereits eindeutig bemerken, kannst du dich auch einfach selbst mit den oben genannten Präparaten behandeln. Wenn du kürzlich ungeschützten Sex hattest, sollte sich auch dein Partner bzw. deine Partnerin behandeln lassen. Besonders in der Schwangerschaft ist es wichtig, den Pilz rechtzeitig zu behandeln, da er sich unter Umständen negativ auf das Baby auswirken kann. Mehr dazu hier: Scheidenpilz in der Schwangerschaft: Das solltest du wissen

Chronischer Scheidenpilz tritt öfter als viermal im Jahr auf. Ist das bei dir der Fall, sollte von einem Arzt bzw. von einer Ärztin genau festgestellt werden, um welche Pilzart es sich handelt oder ob es noch weitere Ursachen für die häufigen Infektionen gibt. 

Scheidenpilz vorbeugen

Damit es gar nicht erst zu einer Infektion kommt, gibt es einige Tipps, die du in deinem Alltag berücksichtigen kannst:

  • Trage atmungsaktive Unterwäsche aus Baumwolle, damit kein Feuchtigkeits- und Wärmestau entsteht. 
  • Wasche deine Vagina regelmäßig mit lauwarmem Wasser. Das reicht schon, denn die Vagina reinigt sich selbst. Nach dem Sport oder nach dem Geschlechtsverkehr ist es meist angenehmer, sie etwas gründlicher zu säubern. Dann kannst zu einer milden (!) Intimwaschlotion greifen. 
  • Wische nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten. Ansonsten könnten Darmbakterien in die Vagina gelangen und das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Wasche deine Höschen bei 60 Grad, damit Keime zuverlässig entfernt werden.
  • Verwende beim Sex immer ein Kondom.
  • Wechsle deine Periodenprodukte etwa alle vier Stunden.

Fazit

Unser Fazit: Hausmittel können Scheidenpilz nicht bekämpfen und wirken in einigen Fällen sogar kontraproduktiv. Lediglich Sitzbäder mit Heilpflanzen wie Kamille können die Symptome ein wenig lindern. Diese helfen aber nicht gegen die Ursache. Solltest du Symptome einer Vaginalpilzinfektion bemerken, ist es ratsam, lieber zu Arzneimitteln zu greifen und sich von einem Frauenarzt bzw. von einer Frauenärztin beraten zu lassen.

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Verwendete Quellen: carstens-stiftung.de, scheidenpilz.com, apotheken-umschau.de

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