Kundalini Yoga: Alles über das Yoga der Energien

Kundalini Yoga: Alles über das Yoga der Energien & Chakren

Du willst deine Chakren öffnen und die Energien des Körpers fließen lassen? Hast du Lust auf eine besonders spirituelle Yoga-Praxis, ist das Kundalini Yoga die richtige Wahl für dich. Alles, was du wissen musst.

Was genau ist Kundalini Yoga?

Kundalini Yoga wird auch "Yoga des Bewusstseins“ genannt und ist ein Stil, der viele Elemente des Yoga miteinander verbindet, im Fokus stehen aber die Energien und Kraftquellen, die in jedem von uns schlummern. Die indische Praxis zählt zu den ältesten Yoga-Arten und ist nicht nur ein schweißtreibendes Fitnessworkout, sondern bezweckt die spirituelle Freisetzung der universellen Lebenskraft. Traditionell wurde die Praxis von Gurus an die Schüler und Schülerinnen im Geheimen weitergegeben, 1969 hat jedoch der Sikh Yogi Bhajan die Lehre öffentlich gemacht. Yogi Bhajan reiste dafür nach Kalifornien wo er begann, Kundalini Yoga öffentlich zu unterrichten.

Diese Urenergie wird in der Kundalini-Lehre symbolisch als eine schlafende Schlange dargestellt, die am unteren Ende der Wirbelsäule ruht. Werden die Energiekanäle durch die verschiedenen Kriyas (so werden die Übungsreihen im Kundalini genannt) geöffnet, kann die symbolische Schlange in uns geweckt werden. Sie durchläuft dann die sieben Chakren (Energiezentren) unseres Körpers und kann am Ende, wenn sie oben am dritten Auge angekommen ist, zur Erleuchtung führen. Um das zu erreichen, werden beim Kundalini Yoga verschiedene Praktiken angewendet. Eine Kriya vereint:

  • Pranayama (Atemübungen)
  • Asanas (körperliche Bewegungsabläufe)
  • Meditation mit Mudras (Handhaltungen)
  • Chanten (eine Art singen) von Mantras
  • Bandhas (innere Konzentrationspunkte)

Welche Wirkung hat Kundalini Yoga auf den Körper und die Seele?

Ziel der Lehre ist es, nach und nach alle sieben Chakren des Körpers zu öffnen, um am Ende die Lebensenergie fließen zu lassen und die ultimative Erleuchtung und Öffnung des dritten Auges zu erreichen. In der Kundalini Praxis werden die Energiezentren geöffnet, um mehr Bewusstsein zu schaffen und das wahre Ich, das sogenannte "Sat Nam“ kennenzulernen.

Gleichzeitig lernt man, wie man Stress im Alltag bewältigt und Dinge annimmt, wie sie kommen. Studien haben bestätigt, dass Kundalini Yoga dabei hilft, Stress abzubauen und sogar Depressionen überwinden kann. 

Doch nicht nur der Geist, sondern auch der Körper wird beim Kundalini Yoga gefordert. So kommst du bei den dynamischen Bewegungen teilweise ins Schwitzen, regst deinen Kreislauf an und auch deine Dehnbarkeit wird trainiert. Die verschiedenen Kriya haben psychische und physische Effekte und folgen meist einem bestimmten Zweck, je nachdem, welches Chakra in der jeweiligen Übungsreihe angegangen wird. Die sieben Chakren verbinden den vertikalen Hauptenergiefluss. Jedes Chakra beeinflusst je nach Lage eine bestimmte Körperregion:

  1. Muladhara Chakra (Wurzelchakra): Dieses Chakra befindet sich am unteren Ende der Wirbelsäule und stellt Rektum, Wirbelsäule und Knochen in den Fokus. Es beeinflusst das Urvertrauen, die Sicherheit und Standfestigkeit und löst Ängstlichkeit und Nervosität.
  2. Svadhistana Chakra (Sakralchakra): Dieses Chakra befindet sich kurz unter dem Bauchnabel und hat Einfluss auf die Gefühle, Kreativität und Sexualität. Selbstzweifel und Pessimismus, aber auch Migräne, Blasenentzündungen oder Nierensteine sind typische Symptome in Bezug auf das Sakralchakra.
  3. Manipura Chakra (Nabelchakra): Dieses Chakra befindet sich kurz über dem Bauchnabel und dreht sich um das Durchsetzungsvermögen. Wird es geöffnet, schenkt es Selbstvertrauen und Mut. 
  4. Anahata Chakra (Herzchakra): Dieses Chakra befindet sich auf der Höhe des Herzens. Bei Angst vor Ablehnung, Kühlheit und Distanziertheit kann es geöffnet werden und sorgt dann für Liebe und Empathie. 
  5. Vishudda Chakra (Kehlkopfchakra): Dieses Chakra befindet sich um den Kehlkopf herum. Ist das Chakra gestört, fällt es einem schwer zu sprechen, man ist eher introvertiert und auch Halsschmerzen und Tinnitus können Symptome sein. Wird es geöffnet, fällt einem Kommunikation und Selbstausdruck viel leichter.
  6. Ajna Chakra (Stirnchakra): Dieses Chakra befindet sich zwischen den Augen. Es dreht sich um Erkenntnis und Visualisierung, ist es geöffnet, hat man eine gute Intuition und auch die Vorstellungskraft und Konzentrationsfähigkeit verbessert sich. Ist es blockiert, hat man öfter Kopfschmerzen oder Probleme mit den Augen.
  7. Sahasrara Chakra (Kronenchakra): Dieses Chakra befindet sich auf der Krone des Kopfes. Es stellt die Verbindung zum Spirituellen in den Fokus und ist es offen, fühlt man sich im Einklang mit der Welt.

Für wen ist es geeignet?

Im Grunde ist Kundalini Yoga für jeden Yogi geeignet. Willst du mehr Spiritualität erlangen, Stress abbauen und deinen Horizont für die uralte indische Lehre erweitern, bist du hier genau richtig. Kundalini ist vor allem für alle geeignet, die bereit sind, den eigenen Geist zu öffnen und die schlummernden Energien des Körpers zu wecken.

Bist du auf der Suche nach einem schweißtreibenden Fitnessworkout, bist du bei dieser Yoga-Art aber fehl am Platz. Zwar diesen die Asanas (Bewegungsübungen) auch dazu, Flexibilität und Kraft zu verbessern, doch viele Kalorien verbrennen wie beim HIIT wirst du hier wohl kaum.

Außerdem eignet sich Kundalini Yoga für Yogis jeden Einstiegslevels und du brauchst keine Vorkenntnisse. Es ist aber wichtig, dass du dich voll und ganz der Praxis hingibst und versuchst dabei den Kopf abzuschalten. Ansonsten können die teilweise etwas gewöhnungsbedürftigen Übungen, bei denen du zum Beispiel wie ein Hund hecheln oder ein bestimmtes Mantra singen musst, als unangenehm empfunden werden. 

Wie läuft eine Kundalini Yoga Stunde ab?

Es gibt nicht ein Kundalini Yoga. Dieser Stil hat mehr als 20 verschiedene Formen und Ausprägungen, die andere Herangehensweisen haben, um die Energien zum Fließen zu bringen. Es gibt Einheiten, die verschiedene Blockaden lösen und so beispielsweise bei Einschlafstörungen, Stress oder Migräne helfen können.

Immer wieder kehrt aber die sogenannte Feueratmung und das "Sat Nam“, ein Mantra, das gemeinsam gechantet wird. Die Stunde setzt sich außerdem zusammen aus verschiedenen Pranayama (Atemübungen), Asanas (körperliche Bewegungsabläufe), Meditationen, Mantras und Bandhas (innere Konzentrationspunkte). So kann eine Einheit in etwa aussehen:

  1. Meditation mit den Mantras "Ong Namo Guru Dev Namo“ gefolgt von "Ad Gureh Nameh“, die gechantet werden
  2. Aufwärmen mit klassischen Übungen wie Katze-Kuh
  3. Kriya (Übungsreihe) mit verschiedenen Asanas
  4. Shavasana, die Totenstellung, eine Ruhephase
  5. Abschluss-Meditation mit einem weiteren Mantra, das gechantet wird, oft in Kombination mit Mudras (Handhaltungen)
  6. Zum Abschluss dreimaliges Chanten des Mantras "Sat Nam“

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Übungen: So funktioniert Kundalini Yoga

Im Kundalini Yoga gibt es eine Vielzahl an Übungsreihen, die durch den Lehrer bzw. die Lehrerin angeleitet werden. Drei sehr beliebte Übungen für dich als Yogi zum Nachmachen stellen wir dir hier vor:

Feueratmung (Pranayama): Die Feueratmung, auch Kapalabhati genannt, wird angewendet, um den Körper von inneren Verunreinigungen zu befreien und Kopfhöhlen zu reinigen. Der Sinn: Wir kehren die Atmung um. Statt aktiv ein- und passiv auszuatmen, wird die Ausatmung sehr aktiv und die Einatmung passiv. Und so funktioniert’s:

  1. Setze dich aufrecht mit gestrecktem Rücken hin. Am besten in einem Schneidersitz. Deine Kopfkrone ist nach oben gerichtet und deine Hand liegt auf dem Bauchnabel. Schließe die Augen und konzentriere dich auf deinen Atem. 
  2. Nach dem Einatmen stößt du die Luft fest durch die Nasenlöcher aus. Dabei zeiht sich dein Bauch nach innen zusammen und entsteht ein schnaubendes Geräusch.
  3. Nun die kräftige Ausatmung lösen. Das Einatmen verläuft dadurch ganz instinktiv und passiv.
  4. Diese Technik mindestens 20 Mal wiederholen.

Sat Nam (Meditation mit Mantra): Das Sat Nam ist ein wichtiger Bestandteil im Kundalini. Das Mantra bedeutet so viel wie "wahres Ich“. So geht’s:

  1. Setze dich aufrecht mit gestrecktem Rücken hin. Am besten im Schneidersitz. Schließe die Augen.
  2. Bringe deine Handflächen zusammen vor das Herzchakra. 
  3. Singe oder summe bei Atmen die Silben "Sat“ und "Nam“, wobei das "Sat“ deutlich länger sein sollte als das "Nam“.
  4. Diesen monotonen Rhythmus mehrere Minuten durchhalten.

Der Bogen (Asana): Einige Asanas, die im Kundalini Yoga angewendet werden, stammen ursprünglich aus dem Hatha Yoga. Eine sehr beliebte Übung für mehr Kraft und Flexibilität im Rücken ist der Bogen. So funktioniert die Übung:

  1. Lege dich gerade auf den Bauch, der Blick nach unten gerichtet.
  2. Nun greifst du mit beiden Händen deine Knöchel.
  3. Beim Einatmen Brust und Beine vom Boden anheben und auch den Blick nach vorne richten. 
  4. Halte diese Pose für mehrere Minuten und löse ihn dann, während du ausatmest.

Video: Kundalini Yoga für das Herz

Eine klassische, 50-minütige Kundalini Yoga Stunde mit Satya Singh findest du hier:

Die wichtigsten Fragen geklärt

Ist Kundalini Yoga gefährlich?

Kundalini Yoga ist im Grunde nicht gefährlich, es kann jedoch sein, dass einen die neu erweckten Energien übermannen. Und auch bei den Asanas kann es sein, dass es durch falsche Durchführung zu Verletzungen kommen kann. Wichtig ist deshalb, dass die Praxis immer durch Anleitung eines geschulten Lehrers bzw. einer geschulten Lehrerin durchgeführt wird.

Wie anstrengend ist Kundalini Yoga?

Der Fokus von Kundalini Yoga liegt nicht auf der Steigerung der körperlichen Fitness, sondern von allem in der Öffnung der Chakren und den Energiefluss des Körpers. Zwar können einige Übungen sehr anstrengend werden, außer Atem wirst du aber eher selten kommen.

Warum trägt man weiße Kleidung beim Kundalini Yoga?

Traditionell trägt man beim Kundalini Yoga weiße Kleidung. Das soll einen positiven Einfluss auf das eigene und das kollektive Energiefeld haben. Der Lehrer bzw. die Lehrerin hat oft einen Turban auf. Am Ende ist es aber wichtig, dass du dich wohlfühlst. Zieh also das an, was dir gefällt.

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