Emotionale Abhängigkeit: An diesen Anzeichen erkennst du sie

Emotionale Abhängigkeit: An diesen 10 Anzeichen erkennst du, ob du emotional abhängig bist

Emotionale Abhängigkeit unterscheidet sich stark von Liebe. Wie du sie erkennst und was du tun kannst, um aus einer toxischen Beziehung zu kommen, verraten wir hier.

Ist es Liebe oder Abhängigkeit? Diese Frage eindeutig zu beantworten, ist für viele gar nicht so einfach. Der Grad zwischen gesunder Zuneigung und toxischer Abhängigkeit ist nämlich sehr schmal. Vor allem Paarbeziehungen haben das Potenzial, ungesund und toxisch zu sein. Befindest du dich in einer emotionalen Abhängigkeit von deinem Partner oder deiner Partnerin? Hier kannst du es herausfinden. Wir erklären auch, was hilft.

Was genau versteht man unter emotionaler Abhängigkeit?

In einer gesunden Partnerschaft können das Selbst und die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin koexistieren. Man verbringt liebend gerne Zeit mit der anderen Person, hat aber auch noch ein eigenes Leben, eigene Interessen, eigene soziale Kontakte. Statt "Ich kann nicht mehr ohne dich leben“, heißt es "Ich möchte nicht mehr ohne dich leben“. Man weiß also, dass man auch ohne den anderen zurechtkommen würde, doch man möchte ihn oder sie nicht missen.

Anders sieht das in einer toxischen Beziehung aus, in der einer oder beide Partner emotional abhängig sind. Wie auch bei einer Alkohol-, Drogen- oder Nikotinsucht fühlt man sich am Anfang der Beziehung extrem gut. Die Abhängigkeit von anderen kommt erst schleichend. Irgendwann kann sie bis zur vollständigen Selbstaufgabe führen. Die Aufrechterhaltung der Beziehung wird zur alleinigen Priorität, dabei kann dieser Zustand extrem qualvoll sein und die Beziehung und das eigene Wohlergehen stark gefährden.

Am häufigsten kommt die emotionale Abhängigkeit in Paarbeziehungen vor. Doch auch Freundschaften oder familiäre Beziehungen können toxisch sein.

Was sind die Gründe für emotionale Abhängigkeit?

Um die Ursachen für eine emotionale Abhängigkeit und toxische Beziehungen zu finden, ist es zunächst wichtig, die unterschiedlichen Bindungstypen zu verstehen. Es gibt den sicheren Bindungstyp, der etwa 50 Prozent aller Menschen ausmacht. Personen mit dem sicheren Bindungstyp haben ein stabiles Selbstwertgefühl und empfinden eine Partnerschaft als emotional unterstützend. Ihnen gegenüber stehen die vermeidenden und ängstlichen Bindungstypen (und deren Mischformen). Der vermeidende Bindungstyp hat Bindungsprobleme. Er kann schwer Nähe zulassen und fühlt sich oft eingeengt in festen Partnerschaften. Der ängstliche Bindungstyp zeichnet sich durch einen geringen Selbstwert aus. Er holt sich Sicherheit und Bestätigung von seinem Partner. Bekommt er diese nicht, lässt ihn das in ein tiefes Loch fallen.

Toxische Beziehungen und emotionale Abhängigkeit kommen oft zustande, wenn Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil und Menschen mit einem vermeidenden Bindungsstil aufeinandertreffen. Sie werden zu Co-Abhängigen auf eine sehr ungesunde Art und Weise. Während der eine Partner wenig in die Beziehung investiert und auf Abstand geht, sucht der andere Nähe, braucht Bestätigung und legt nicht selten ein kontrollierendes Verhalten an den Tag. Verlustangst und Bindungsangst stehen sich gegenüber, wie zwei Seiten einer Medaille. Der toxische Cocktail für eine abhängige und zerstörerische Partnerschaft ist gemixt.

Die Ursachen für unseren persönlichen Bindungsstil liegen übrigens meist in unserer Kindheit. Wie wir aufgewachsen und sozialisiert sind, bestimmt später, wie wir uns in Beziehungen verhalten. Haben wir ein geringes Selbstwertgefühl, zählen wir höchstwahrscheinlich zum ängstlichen Bindungstyp und haben große Chancen darauf, in einer emotionalen Abhängigkeit zu landen.

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10 Anzeichen, an denen du erkennst, dass du emotional abhängig bist

  1. Du hast keine anderen sozialen Kontakte mehr: Früher hast du noch mit deinen Mädels regelmäßig einen Kinoabend gemacht oder ihr habt euch jeden Sonntag in eurem Lieblingscafé getroffen, heute siehst du deine Freunde kaum noch. Du stellst deinen Partner immer an erste Stelle und willst am liebsten nur mit ihm Zeit verbringen. Vielleicht siehst du deine Clique ja doch noch ab und zu, doch dann möchtest du ihn immer dabei haben. Oder du schreibst den ganzen Abend am Handy mit ihm. Euch gibt es nur noch im Doppelpack.
  2. Du kannst nichts mehr alleine entscheiden: Du machst alle deine Entscheidungen von deinem Partner abhängig und lässt am liebsten ihn entscheiden. Was er sagt, gilt. Oft gehst du dabei Kompromisse ein, ohne es als solches wahrzunehmen, da du deine eigene Meinung verdrängst und nur noch nach dem Mund deines Partners redest. Du möchtest ihm gefallen und ihm das Gefühl geben, dass ihr stets auf einer Wellenlänge seid.
  3. Du brauchst ständig Bestätigung von deinem Partner: Bist du emotional abhängig von deinem Partner, hast du fast dauerhaft das Gefühl, nicht gut genug für ihn zu sein. Du suchst deshalb immer nach Anerkennung und Bestätigung und fühlst dich unsicher und hast Angst, sobald du diese nicht ausreichend bekommst. Deinen Selbstwert ziehst du nicht aus dir selbst, sondern von deinem Partner. Das macht dich extrem abhängig von ihm.
  4. Du stellst deinen Partner vor dich und deine Bedürfnisse: Er will heute rausgehen und was unternehmen, obwohl du total k. o. von der Arbeit bist? Trotz deiner Müdigkeit und Erschöpfung zeihst du mit ihm um die Häuser, weil du gewohnt bist, deine Bedürfnisse hinten an zu stellen. Du willst es ihm ständig recht machen und gehst dabei immer wieder Kompromisse ein. Seine Bedürfnisse zählen, was du willst, steht hinten an.
  5. Du hast Probleme damit, allein zu sein: "Ich kann nicht mehr ohne dich sein.“ Was in Filmen so romantisch klingt, ist es im Grunde gar nicht. Kannst du nicht ohne deinen Partner sein, ist das ein Anzeichen für eine emotionale Abhängigkeit. Stell dir vor, du bist eine Woche von ihm getrennt, weil du auf Geschäftsreise bist. Wirst du ihn vermissen? Klar. Das ist ganz normal. Doch bekommst du Panik, weil du nicht weißt, wie du ohne ihn zurechtkommen sollst, fühlst dich verloren und bist tief traurig, dann bist du abhängig von ihm.
  6. Du bist die treibende Kraft in der Beziehung: Dein Partner ist dein Lebensmittelpunkt und du möchtest um jeden Preis, dass eure Beziehung hält. Du steckst enorm viel Kraft darein, die Partnerschaft im Gange zu halten und bemühst dich, seine Zuneigung zu erlangen. Doch während du unglaublich viel in die Beziehung investierst, zieht sich dein Partner mehr und mehr zurück und tut kaum etwas für die Partnerschaft. Einseitigkeit ist ein wichtiges Symptom für emotionale Abhängigkeit.
  7. Du bist ohne Grund eifersüchtig: Eifersucht gehört zu einer Beziehung dazu und ist in einem geringen und gesunden Maß vollkommen normal. Bist du jedoch grundlos und krankhaft eifersüchtig und siehst in jeder Situation eine Gefahr für dich, ist das alles andere als gesund. Deine Angst und grundlose Eifersucht sind ein Zeichen von geringem Selbstwert.
  8. Du hast kaum noch Hobbys oder Interessen neben der Beziehung: Wer bist du eigentlich außerhalb der Beziehung? Was sind deine Interessen und was macht dir Spaß, nur weil DIR es gefällt und nicht deinem Partner? Bist du in einer emotionalen Abhängigkeit, kann es dir schwerfallen, Antworten auf diese Fragen zu finden. Vielleicht begeisterst du dich mittlerweile für seine Hobbys und Interessen, weil du ihm gefallen willst, hast aber keine Ahnung, was dir eigentlich wirklich Freude beschert.
  9. Du fühlst dich schlecht, wenn dein Partner schlecht gelaunt ist: Emotionale Abhängigkeit bedeutet in besonderem Maße, abhängig von den Gefühlen des Partners zu sein. Ist er schlecht gelaunt, denkst du vielleicht direkt, dass etwas in eurer Beziehung nicht stimmt. Seine schlechte Laune wird zu deiner schlechten Laune. Du fühlst dich unsicher. Doch geht es ihm gut, ist auch bei dir alles fein.
  10. Du möchtest deinen Partner ständig kontrollieren: Wo bist du? Was machst du? Mit wem bist du zusammen? Hast du keine Kontrolle über deinen Partner, bekommst du schnell Verlustangst. Deine Unsicherheit sorgt dafür, dass du das Bedürfnis hast, ihn immer und überall kontrollieren zu müssen. Verlierst du ihn aus den Augen, siehst du eine Gefährdung für die Beziehung.

Wie wirkt sich eine emotionale Abhängigkeit auf die Beziehung aus?

Kontrolle, Anhänglichkeit, Einseitigkeit: Herrscht eine emotionale Abhängigkeit in der Partnerschaft (oder Freundschaft), bietet das Potenzial für eine toxische Beziehung. Der Partner oder die Partnerin ist der Lebensmittelpunkt, wodurch das eigene Selbst in den Hintergrund rückt. Wie man sich fühlt, was man macht und plant, ist abhängig von der anderen Person. Man steckt alle Energie in die Beziehung und hat kaum noch Reserven für das eigene Leben. Es gibt kein gesundes Verhältnis von Nähe und Distanz in der Partnerschaft. Die Beziehung zeichnet sich durch ein übertriebenes Maß an Hingabe und Arbeit aus, was im ersten Sinne nicht problematisch ist, denn Hingabe und Arbeit sind wichtig für eine gesunde Beziehung. Doch bei einer toxischen Beziehung haben sie nicht in ihren Ursprung in Liebe, sondern in Bedürftigkeit und Abhängigkeit. Nicht selten wird das dann ausgenutzt und kann so weit reichen, dass der eine Partner den anderen bewusst manipuliert.

3 Tipps: So löst du deine emotionale Abhängigkeit

Emotionale Abhängigkeit ist für viele Menschen schwer zu identifizieren. Sie denken, sie sind glücklich und leben in der perfekten Beziehung, doch ein kleiner Riss in der Fassade kann das Gebäude schon zum Einsturz bringen. Das große Dilemma kommt vor allem dann, wenn es zur Trennung kommen sollte. Dann fallen viele Betroffene in ein tiefes Loch, aus dem sie nur schwer wieder heraus kommen. 

Deshalb ist es wichtig, dass du dich aus dem Gefängnis der emotionalen Abhängigkeit befreist und daran arbeitest, gesunde Verbindungen einzugehen. Wie du das machen kannst, verraten wir dir hier:

  1. Reflexion: Hinterfrage dich und deine Beziehung und frag dich, ob du wirklich glücklich bist. Tut dir dein Partner gut? Machst du noch genug für dich selbst oder steht er im Mittelpunkt deines Lebens? Machst du dich mit der einseitigen Hingabe vielleicht selber kaputt? Einsicht ist der erste Schritt zur Lösung. Fällt es dir schwer, kann es auch helfen, Freunde um Rat zu fragen.
  2. Selbstliebe: Emotionale Abhängigkeit hat sehr viel mit Selbstliebe und dem Selbstwert zu tun. Um aus einer toxischen Beziehung zu kommen, solltest du unbedingt an deinem Selbstwertgefühl arbeiten. Positive AffirmationenJournaling, Therapie… tu das, was dir hilft, um deinen Wert zu erkennen. Dann wirst du dich auch nicht mehr unter Wert verkaufen. Du würdest ja auch keine Vintage Chanel Tasche für 30 Euro auf Ebay verkaufen, oder? Du musst dir selbst die Aufmerksamkeit, Bestätigung und Liebe entgegenbringen, die du dir sonst immer von einem Partner geholt hast. Selbstfürsorge ist der Schlüssel zu einer gesunden Beziehung zu sich selbst und somit auch zu gesunden sozialen Beziehungen.
  3. Geduld: Emotionale Abhängigkeit ist das Ergebnis eines instabilen Bindungsstils. Dieser ist meist in der Kindheit begründet. Um in Zukunft stabilere und sichere Verbindungen einzugehen, reicht es nicht, ein bis zwei Angewohnheiten zu ändern. Es ist ein langer Prozess, der mit viel Arbeit an sich selbst verbunden ist. Selbstfürsorge ist essenziell, jedoch nur erfolgreich, wenn du dir Zeit gibst und geduldig mit dir bist.

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Verwendete Quelleneric-hegmann.de, modernloveschool.com, greator.com

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