Verlustangst: Ursachen, Symptome und Tipps

Verlustangst: Ursachen, Symptome und Tipps gegen die Angst, verlassen zu werden

Die Angst, eine geliebte Person zu verlieren, ist immer da. Doch bei einigen Menschen überschatten sie die ganze Beziehung – hier liest du alles über Verlustangst.

Ob in der Familie, im Freundeskreis oder in der Beziehung – die Angst, einen geliebten Menschen irgendwann zu verlieren, ist immer da. Doch manchmal wird diese Angst so groß, dass sie die gesamte Beziehung überschattet. Verlustangst kann für alle Beteiligten belastend sein, wir erzählen dir, was die Ursachen und Symptome sind und geben dir Tipps im Umgang.

Was ist Verlustangst?

Das Wort bezeichnet schon ziemlich genau, was das Gefühl ausmacht: Die Angst vor einem Verlust. Dabei handelt es sich meist um Menschen, die einem besonders nahestehen. Es geht nicht nur um die Angst, einen Menschen durch den Tod zu verlieren, viel mehr haben Betroffene Angst, verlassen zu werden – auch, wenn diese Angst unbegründet ist. Verlustängste können auch Bereiche wie den Beruf betreffen. So fürchten sich Betroffene davor, ihren Job zu verlieren und keine finanzielle Grundlage mehr zu haben. Für außenstehende Menschen sind diese Ängste oft nicht nachvollziehbar. Doch woher kommen diese Gefühle und Gedanken?

Verlustangst: Was sind die Ursachen?

Die Psychologie kennt mehrere Ursachen, die für die Verlustangst einer Person ausschlaggebend sein können. Irgendwann werden wir die Personen, die uns lieb sind, verlieren. Doch dadurch, dass wir tagtäglich andere Erfahrungen machen, sind diese Gedanken nicht präsent. Woran liegt es, dass diese Gedankenspirale bei einigen Menschen trotzdem da ist?

  • Kindheitstrauma: Hast du in der Kindheit von deiner Mutter, deinem Vater oder einer wichtigen Bezugsperson in deinem Leben Zurückweisung, Kontrollzwang oder Liebesentzug erhalten, kann das zu Verlustangst führen. Das kann noch andere Dinge mit sich führen, wie das Gefühl, wertlos zu sein oder nicht vertrauen zu können. Weitere Faktoren können Scheidungen oder Trennungen der Eltern in der Kindheit sein, aber genauso auch übervorsichtige, ängstliche oder klammernde Eltern.
  • Tod eines Menschen: Verlustangst kann auch von einem wirklichen Verlust rühren. Ob im Kindes-, Teenager- oder Erwachsenenalter, der Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod kann dich nachhaltig beeinflussen.
  • Schlechte Erfahrungen: Unvorhergesehene Trennungen oder Trennungen, die dich besonders mitgenommen haben, können die Ursache deiner Verlustangst sein.
  • Unsicherheit: Bist du dir nicht sicher, wie dein Partner oder deine Partnerin zu dir steht, weil er oder sie es dir noch nicht gesagt hat oder es dir zu wenig zeigt, kann sich das in Verlustangst äußern. Auch das kann auf schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit zurückzuführen sein.
  • Eigener Trennungswunsch: Ein Grund für deine Verlustangst, an den du vielleicht noch gar nicht gedacht hast, ist der eigene Trennungswunsch. Bist du unzufrieden in deiner Partnerschaft, hast aber Angst vor dem nächsten Schritt, projizierst du den Wunsch nach einer Trennung eventuell auf deinen Partner oder deine Partnerin. Dabei bist eigentlich du es, der oder die die Trennung will.
  • Depressionen: Verlustangst kann ebenfalls durch nicht erkannte oder nicht behandelte Depressionen entstehen.

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Verlustangst: An diesen Symptomen erkennst du sie

Leidest du oder dein Partner oder deine Partnerin an Verlustängsten, äußert sich das häufig durch bestimmte Symptome und Muster. Daran erkennst du Verlustangst bei dir, deinem Partner, deiner Partnerin oder einer nahestehenden Person:

  • Fehlendes Vertrauen: Du willst ständig wissen, was dein Partner oder deine Partnerin macht? In dir kommt ständig das Gefühl auf, er oder sie betrügt dich, lügt dich an oder verheimlicht dir etwas. Fehlendes Vertrauen bringt auch oft Kontrollzwang mit sich.
  • Klammern: Am liebsten verbringst du mit deinem Partner oder deiner Partnerin 24 Stunden am Tag gemeinsam. Du fühlst dich nicht wohl, wenn ihr getrennt voneinander seid, deswegen gibt es eigentlich keinen Freiraum.
  • Eifersucht: Mit fehlendem Vertrauen geht auch oft Eifersucht einher. Du bist eifersüchtig, wenn dein Partner oder deine Partnerin sich mit Freunden trifft, wenn er oder sie Zeit mit wem anders verbringt. Verlustangst äußert sich häufig in Eifersucht.
  • Bestätigungsbedürfnis: Dein Partner oder deine Partnerin muss dir ständig zeigen, dass er oder sie dich liebt. Tut die Person dies nicht, stellen sich schnell Zweifel ein, ob er sie dich auch wirklich liebt.
  • Selbstzweifel: Du verstehst nicht, warum dein Partner oder deine Partnerin überhaupt mit dir zusammen ist? Selbstzweifel und fehlendes Selbstbewusstsein führen schnell zu dem Gefühl der Verlustangst. Betroffene sehen den Grund für ein Problem in der Partnerschaft meist sofort bei sich.
  • Überfürsorge: Verlustangst muss nicht immer nur die Angst vor dem Verlassenwerden bedeuten. Betroffene haben oft auch Angst, dass eine geliebte Person krank wird und stirbt – selbst, wenn es dazu keinen medizinischen Grund gibt. Das äußert sich auch oft darin, die Menschen vor Gefahren beschützen zu wollen, auch wenn man sie dabei einengt.
  • Überreaktionen und Pessimismus: Es kommt zum Streit mit deinem Partner oder deiner Partnerin und du denkst, er oder sie verlässt dich? Schon kleine Alltagssituationen, die nicht so laufen, wie geplant, lösen in dir Stress aus. Hinzu kommt, dass du immer nur das Schlechte siehst. In jeder Situation siehst du etwas Dramatisches – er oder sie geht nicht ans Telefon? Deine Gedanken kreisen nur darum, ob die Person dich vielleicht verlassen will oder ob etwas Schlimmes passiert ist.
  • Emotionale Abhängigkeit: Hat ein Mensch Verlustangst, fällt es ihm oder ihr schwer, Grenzen zu ziehen. Sie lassen zu viel mit sich machen und würden alles tun, um es dem anderen Menschen in der Partnerschaft recht zu machen. Auch, wenn sie sich dabei selbst aufgeben.
  • Bindungsangst: Verlustängste können sich genauso gegenteilig äußern. Denn bevor von Verlustängsten betroffene Menschen sich in eine Beziehung begeben, kann auch ein starkes Autonomiebedürfnis eintreten. Bevor man verlassen wird, verlässt man lieber selber. Um sich selbst zu schützen, lässt sich der von Verlustängsten geplagte Mensch lieber gar nicht erst darauf ein. Statt zu klammern, steht hier die Bindungsangst im Vordergrund.

Bis wann ist das Gefühl von Verlustangst normal?

Hast du das Gefühl der Verlustangst, ist es bis zu dem Grad normal, bis zu dem es einen Anlass dafür gibt. Gibt es berechtigte Annahmen dafür, dass dein Partner oder deine Partnerin fremdgeht, sind Verlustängste berechtigt. Distanziert sich ein Teil der Partnerschaft und äußert Zweifel an der Beziehung, sind diese Ängste ebenso begründet. Sich um seine Liebsten zu sorgen und Angst zu haben, dass ihnen etwas passiert, ist zu einem gewissen Grad normal.

Schwierig wird es, wenn du unterbewusst eigentlich nur darauf wartest, verlassen zu werden. Mache dir klar, ob in eurer Beziehung zueinander etwas falsch ist oder ob die Angst nur in dir steckt. Hast du in der Partnerschaft eigentlich genug Sicherheit, die Verlustangst verschwindet aber nicht, ist da Gefühl nicht mehr normal.

Verlustangst: Tipps zum Überwinden

Hast du starke Verlustangst, solltest du dir professionelle Hilfe bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten suchen, um sie zu überwinden. Es gibt jedoch einige Tipps, wie du deine Angst im Leben selbst bereits etwas in den Griff bekommen kannst:

  1. Suche den Auslöser: In welchen Situationen spürst du die Verlustangst? Schreibe dir auf, wann du diese Ängste hast.
  2. Durchbrich deine Gedankenmuster: Hast du die Situation erkannt, in der du die Ängste normalerweise spürst, kann ein Gedankenstopp dir helfen. Merkst du das nächste Mal, dass du wieder grübelst, sage dir laut "Stopp!“.
  3. Arbeite an dir und deinem Selbstwertgefühl: Du hast das Gefühl, der Fehler liegt bei dir und fühlst dich wertlos? Solltest du das kennen, wird es Zeit, an dir selbst zu arbeiten. Denn du bist gut genug und um glücklich zu sein, brauchst du nur dich.
  4. Entspannungsübungen: Körperliche Symptome können bei Verlustangst einhergehen. Besonders Stress tritt häufig auf, um diese Symptome zu überwinden, können Meditation und Entspannungsübungen helfen.
  5. Sprich über deine Angst: Um seine Ängste zu überwinden, ist es notwendig, offen über sie zu sprechen. Besonders außenstehende Menschen können oft nicht verstehen, wie du dich fühlst. Durch klare Kommunikation kannst du andere Menschen besser verstehen lassen, was dich bedrückt.
  6. Hilfe annehmen: Kommst du mit deinen Problemen nicht weiter, ist es absolut in Ordnung, dir professionelle Hilfe bei einem Arzt oder einer Ärztin zu suchen. Es kann dir aber auch schon helfen, die Hilfe deiner Familie oder von Freunden und Freundinnen anzunehmen.

Verwendete Quellen: hellobetter.de, lemonswan.de, stefaniestahl.de

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