Aerial Yoga: Schwerelos beim Yoga im Tuch

Aerial Yoga: Schwerelos beim Yoga im Tuch

Beim Aerial Yoga werden alle Asanas schwebend im Tuch durchgeführt. Die Schwerelosigkeit soll einem helfen, loszulassen. Wie genau das schwebende Workout funktioniert und welche Erfahrungen wir gemacht haben, verraten wir dir hier.

Was genau ist Aerial Yoga?

Während es beim Vinyasa Yoga vor allem um die Verbindung von Bewegung und Atem geht und Kundalini Yoga auf die spirituelle Freisetzung der Energien im Körper abzielt, steht beim Aerial Yoga vor allem eines im Vordergrund: Spaß. Bei diesem Workout dreht sich alles um ein an der Decke aufgehängtes, sechs Quadratmeter großes Tuch. Alle gängigen Yoga Asanas (so werden die einzelnen Übungen im Yoga genannt) werden in und mit diesem Tuch durchgeführt. Das Tuch ist der wichtigste Trainingspartner beim Aerial Yoga.

Beim Training hängst du dich in das Tuch, wickelst dich darin ein oder stützt oder dehnst einzelne Körperteile mithilfe des Tuches. Die Schwerkraft unterstützt dich in den Asanas, du fühlst dich schwerelos und gibst Kontrolle ab. Das kann für körperliche als auch für psychische Entspannung sorgen.

Wirkung: Was bringt es?

Das Workout beim Aerial Yoga hat eine zweifache Wirkung. Es hat sowohl physische aus auch psychische Effekte. Das Yoga im Tuch ist ein perfektes Ganzkörperworkout, es trainiert sowohl Kraft und Ausdauer als auch die Beweglichkeit und Dehnbarkeit. Sämtliche Körperpartien werden mithilfe des Tuchs als Workoutpartner trainiert. Vor allem die Rumpfmuskulatur wird gestärkt, bei regelmäßigem Training ist also eine starke Bauchmuskulatur vorprogrammiert. Und auch die Balance wird trainiert, da du die Instabilität des Tuches mit deinen Bewegungen ausgleichen musst. Nebenbei kann die Luftakrobatik bei Verspannungen lösend wirken und auch Wirbelsäule und Gelenke entlasten. Und auch die Faszien werden beim Aerial Yoga dank der Kompressionen durch das Yoga trainiert.

Und für deinen Kopf ist das Workout im Tuch eine große Entlastung. Du bist hier auf die akrobatischen Übungen fokussiert und kannst das Gedankenkarussell für eine kurze Zeit abschalten. Du gibst beim Aerial Yoga etwas Kontrolle ab, verlässt dich ganz auf das Tuch, kannst loslassen und hast ein freies Gefühl. Du schwebst durch die Luft, hast Spaß beim Training und nimmst deinen Körper mal ganz anders wahr. So ist das Training auch ein toller Weg, um Stress abzubauen und sorgt für einen kurzen Moment für Entspannung.

Für wen ist Aerial Yoga geeignet?

Auf den ersten Blick wirkt Aerial Yoga sehr anspruchsvoll und es scheint, als könnten nur Personen, die akrobatisch begabt sind, das Workout durchführen. Doch so schwer, wie es wirkt, ist es gar nicht. Das Training ist sowohl für Fortgeschrittene als auch für Einsteiger geeignet. Viele Asanas könnten dir sogar in der Luft leichter fallen als am Boden, da das eigene Körpergewicht reduziert wird.

Eine gewisse Grundspannung vor allem in der Rumpfmuskulatur solltest du aber schon mitbringen. Ansonsten hängst du wortwörtlich in den Seilen und kommst mit den Asanas im Tuch nicht zurecht. Da die Luftakrobatik auch einiges an Koordination erfordert, solltest du auch hier nicht ganz planlos sein. Wichtig ist außerdem, dass du eine gute Portion Mut und Selbstüberwindung mitbringst, denn einigen kann es am Anfang schwerfallen, die Kontrolle abzugeben und das gesamte Körpergewicht an das Yogatuch anzugeben. Bei Problemen mit der Wirbelsäule oder einem hohen Blutdruck solltest du vorsichtig beim Schwebe-Yoga sein und Übungen über Kopf meiden. 

Übungen: Das erwartet dich in einer Aerial Yoga Stunde

Aerial Yoga folgt, anders als zum Beispiel beim Bikram Yoga, keinem vorgegebenen Ablauf. Die Trainerinnen und Trainer können selbst entscheiden, wie sie ihre Stunde strukturieren und welche Asanas integriert werden. Manche Instructor legen eher Wert auf Dehnung und Mobilität, während andere ein schweißtreibendes Workout und die Kräftigung der Muskeln in den Fokus setzen. Such dir den Trainer oder die Trainerin raus, bei der dir die Akrobatik am meisten Spaß macht. Es gibt aber Teile, die in fast jeder Aerial Yoga Stunde wiederkehren. Dazu gehören unter anderem:

  • Atemübungen
  • Meditationen
  • Entspannungsübungen im Tuch
  • Praxis von Grundübungen im und mit dem Yogatuch
  • Praxis von neuen Übungen im und mit dem Yogatuch
  • Umkehrhaltungen

Es gibt einige Grundhaltungen, die in fast jeder Aerial Yoga Praxis wiederkehren. Besonders beliebt sind unter anderem diese drei Asanas:

  1. Hip Hang: Platziere das Tuch vor den Hüften in der Hüftbeuge und gehe dann erst mal in die halbe Vorbeuge. Lehne dich in das Tuch hinein. Von hier kannst du sogar auch in den Herabschauenden Hund gehen.
  2. Rips Hang: Das Tuch am Rücken hängen lassen, mit den Armen das Tuch seitlich umarmen, langsam nach vorne laufen, bis das Tuch dich in den Ellenbogen zurückhält. Nun lehnst du dich nach vorne, sodass dich das Tuch an den Ellenbogen zurückhält.
  3. Aerial Bhadrasana: Diese Umkehrhaltung wird auch Schmetterlingspose genannt. Du hängst kopfüber im Tuch, welches dich in der Hüftbeuge hält. Du lässt dich hängen und wechselst die Perspektive.

Video: Aerial Yoga Basics

Erfahrungsbericht: Schwerelos beim Flying Pilates

Natürlich musste ich das schwebende Workout auch mal selber ausprobieren. Ich habe mich für Flying Pilates entschieden. Wie Aerial Yoga findet das auch in der Luft statt, doch wie auch beim normalen Pilates ist das Training noch etwas dynamischer und der Fokus liegt stärker auf einem anstrengenden und muskelkräftigenden Workout als beim Yoga.

Ich habe das Flying Pilates bei Sonja in Hamburg gemacht. Sie hat das spezielle Trainingsprogramm vor knapp 10 Jahren ins Leben gerufen. Es vereint Pilates, Functional Fitness, Suspension Training und Aerial Arts. "Klingt perfekt", denke ich mir, wechsle direkt in meine Trainingsklamotten und bin bereit, mich in die Tücher zu hängen.

Doch bevor es ab in die Lüfte geht, muss erst mal das Tuch richtig eingestellt werden. Sonja hilft mir dabei und gibt mir eine kleine Einführung. Sie zeigt mir, wie ich das Tuch greifen muss und wie ich mich dann hineinsetzen kann. Der erste Moment im Tuch kostet etwas Überwindung. "Hält es mich wirklich?", frage ich mich. Doch Sonja versichert mir: "Bis zu zwei Tonnen hält das Tuch aus. Das erreicht glaube ich keiner von uns 😉".

Das Training ist dynamisch und schnell merke ich: So easy, wie ich es mir vorgestellt hatte, ist das Ganze gar nicht. Es ist sogar richtig anstrengend. Übungen, die ich sonst auf dem Boden mache wie Sit-ups, sind in der Luft noch viel anstrengender. Am nächsten Tag habe ich sogar einen ordentlichen Muskelkater im Bauch.

Die größte Herausforderung der Stunde ist die Übung der Woche, eine Pose in der Luft, um die die gesamte Stunde gestaltet wurde. Sonja nennt die "Rockstar Pose", denn man hängt im Seil wie ein Rockstar. Jetzt ist vor allem eines gefragt: meine Koordination. Fuß ins Seil, die Stränge kreuzen, das Knie durchschieben, hochdrücken, eindrehen, umgreifen, zurücklehnen... ganz schön viel auf einmal, doch irgendwie schaffe ich es am Ende mit Sonjas Hilfe, wie ein Rockstar in der Pose zu hängen. Lange halte ich es zwar nicht aus, doch ich hab's geschafft. Was ein Erfolgserlebnis!

Das Training in der Luft bringt mir neben Anstrengung, Koordination und Kontrollabgabe vor allem eines: richtig viel Spaß. Zusammen mit den anderen Teilnehmern und Teilnehmerinnen schaffe ich es, über mich hinauszuwachsen, mir mehr zuzutrauen und der ein oder andere Lacher sorgt zwischendurch für noch mehr Endorphine. Am Ende gehe ich kaputt und gleichzeitig motiviert aus dem Trainingsraum und freue mich schon auf meine nächste Flugstunde.

Aerial Yoga Studio
© Jolie.de
Schwebendes Workout beim Flying Pilates in Hamburg.

Wo kann man Aerial Yoga machen?

Aerial Yoga kannst du vor allem in speziellen Yogastudios durchführen, die einen Raum mit Vorrichtungen für die Tücher haben. Es gibt aber auch einige Fitnessstudios, die diese Akrobatik Kurse anbieten. Vor allem in größeren Städten findest du entsprechende Aerial Yoga Kurse. Wir haben dir deutschlandweit einige Studios herausgesucht, die aktuell Aerial Yoga oder Aerial Pilates anbieten:

Aerial Yoga zu Hause: Das musst du beachten

In der Regel führt man das Aerial Yoga in einem Yogastudio durch, da es hier entsprechende Räume und Vorrichtungen an den Decken gibt, an denen die Tücher aufgehängt werden können. Hier hast du auch den Vorteil, dass ein geschulter Trainer bzw. eine geschulte Trainerin dich anleitet und deine Bewegungen gegebenenfalls korrigieren kann. Bist du aber schon etwas erfahren und möchtest die Luftakrobatik auch zu Hause durchführen, solltest du vor allem die Deckenhöhe beachten. Diese sollte mindestens 2 Meter betragen, damit du das Heimtraining absolvieren kannst.

Außerdem wichtig ist es, dass du ein hochwertiges Aerial Yogatuch verwendest. Besonders beliebt ist das AerialX Aerial Yogatuch (ca. 180 Euro hier bei Amazon). Es hält bis zu 220 Kilogramm, der Polyamid Stoff ist sehr elastisch und die verwendeten Farbstoffe unbedenklich. Ebenfalls enthalten ist alles, was du zur Montage brauchst plus Anleitung.

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Verwendete Quellen: yogabox.de, yogaluft.de, yogaworld.de

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