Scheide: Alles, was du über Vagina und Vulva wissen solltest

Du wolltest schon immer mal wissen, wie genau "das da unten“ funktioniert? Wir erklären dir alles über die Scheide, was du wissen musst.

Scheidenpilz Symptome
© Pexels | Polina Zimmermann
Alles, was du schon immer mal über die Scheide wissen wolltest.

Ausfluss, weibliche Ejakulation, Geburt… Um das Geschlechtsorgan einer Frau ranken sich viele Mythen. Doch wie genau funktioniert die Scheide (Vagina, Vulva) eigentlich, wie sieht die Anatomie genau aus und welche Krankheiten können hier vorkommen? Wir klären die wichtigsten Fragen. Weiter unten findest du eine Artikelübersicht über alle Themen, die sich rund um Vagina und Vulva drehen.

Disclaimer: Im Folgenden sprechen wir von dem weiblichen Geschlechtsorgan bzw. dem Geschlechtsorgan einer Frau. Doch nicht nur cis-Frauen, sondern auch nicht-binäre Personen und Transmänner können eine Scheide haben. Egal, wie du dich identifizierst: Hast du eine Scheide, bist du hier genau richtig. Aber natürlich auch Personen mit Penis können sich hier umfassend über Vagina und Vulva informieren. Wir finden: Jeder Mensch sollte mehr über die unglaublichen Funktionen der Scheide wissen. Spannend und interessant sind Vagina und Vulva allemal.

Scheide: Definition

Unter der Scheide versteht man im Allgemeinen das weibliche Geschlechtsorgan. Die Scheide besteht aus der Vulva und der Vagina. Die Vulva ist der äußere Teil der Scheide, die Vagina der innere Teil des Geschlechtsorgans. Die Vagina ist ein dehnbarer Schlauch aus Muskel- und Bindegewebe, der am oberen Ende in den Gebärmutterhals mit dem Muttermund mündet. Am unteren Ende wird der Scheideneingang von den inneren Venuslippen (Schamlippen) umschlossen.

Zur Begrifflichkeit: "Scheide“ ist ein sehr umstrittener Begriff. Warum? Er geht zurück auf die mittelalterliche Schwertscheide, in die ein Mann sein Schwert steckt. Ziemlich veraltet und sehr problematisch. Denn: Das weibliche Geschlechtsorgan nicht nur dafür da, dass ein Mann sein "Schwert“ reinstecken kann. Alternativ werden die Begriffe Vagina und Vulva für das äußere und innere Geschlechtsorgan verwendet. Es kommt vermehrt der Wunsch auf, einen allgemeinen Begriff für das weibliche Geschlechtsorgan zu finden, der sowohl Vagina als auch Vulva beinhaltet. "Vulvina" ist ein Vorschlag, über den man nun häufiger stolpert. Im Grunde darf aber jede Person mit weiblichem Geschlechtsorgan selbst entscheiden, wie "das da unten“ heißen soll: ob Vagina, Vulvina, Pussy etc.

So sieht die Anatomie der Scheide aus

Die Scheide hat also einen äußeren und einen inneren Teil. Der äußere Teil, die Vulva, umfasst…

  • Venushügel
  • Äußere Venuslippen (Schamlippen)
  • Innere Venuslippen (Schamlippen)
  • Klitorisperle (Kitzler)
  • Scheidenvorhof

Der Venushügel und die äußeren Venuslippen sind schützende Fettpolster, die das Zentrum der Vulva (innere Venuslippen, Klitorisperle und Scheidenvorhof) schützen. Zwischen den inneren Venuslippen (Schamlippen) liegt der Scheidenvorhof, in dem auch der Scheideneingang zu finden ist. Doch nicht nur das. Hier befindet sich auch der Ausgang der Harnröhre, ein kleines Loch, das nur bei genauem Hinsehen zu sehen ist. Zwischen dem Scheideneingang und dem Darmausgang (Anus) ist der Damm. Harnröhre und Damm gehören genau genommen nicht zur Vagina bzw. Vulva, auch wenn sie sich räumlich in der Nähe der Scheide befinden.

Der innere Teil der Scheide ist die Vagina. Sie ist ein etwa 10 Zentimeter langer Schlauch, der in das Körperinnere ragt. Nach oben endet die Scheide am Muttermund. Zusammen mit der Gebärmutter, den Eierstöcken und Eileitern bildet die Vagina die inneren Geschlechtsorgane einer Frau.

Anatomie der Scheide
© iStock
Die Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane.

Die Funktionen der Scheide

Hast du eine Vagina und Vulva, sind dir die genauen Vorgänge, die da Tag täglich vonstattengehen, vielleicht gar nicht bewusst. Immerhin ist es selbstverständlich, dass alles seinen Lauf geht. Du willst mehr wissen? Wir erklären dir einige wichtige Funktionen, die die Vagina und Vulva haben. 

Scheidenflora

Die Schleimhaut der Vagina ist mit Milchsäurebakterien besiedelt. Doch keine Angst. Das sind keine gefährlichen Bakterien, genau genommen sind sie sogar gesund und sehr wichtig für eine intakte Scheidenflora. Die Milchsäurebakterien halten den pH-Wert der Vagina sauer, sodass sich Krankheitserreger hier nicht ausbreiten und Infektionen verursachen können. Das Milieu der Vagina hat einen sauren pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4. Kommt die Flora aus dem Gleichgewicht und es sind weniger Milchsäurebakterien vorhanden, können sich Krankheitserreger schneller breit machen und Infektionen auslösen. Dann kann zum Beispiel eine spezielle Milchsäurekur dafür sorgen, dass wieder mehr gesunde Bakterien das Scheidenmilieu stärken. Willst du mehr zu dem Thema Scheidenflora und Milchsäurebakterien erfahren, lies dir gerne diesen Artikel vor:

Milchsäurekur: So sorgt sie für eine gesunde Scheidenflora

Ausfluss

Die Vagina ist ein Organ, das sich selbst reinigt. Schon erstaunlich, oder? Der Ausfluss, den du in deinem Höschen siehst, ist also überhaupt nicht schlimm, sondern einfach ein Teil dieses Reinigungsprozesses der Scheide. In der Regel ist der Ausfluss milchig weiß und hat eine zähflüssige, cremige Textur. Der Geruch ist eher neutral. Der Ausfluss kann einem auch Aufschluss über die Gesundheit der Scheide geben. Tritt der Ausfluss nämlich verstärkt aus, hat eine andere Färbung oder Konsistenz als sonst und riecht unangenehm, kann das ein Hinweis auf eine Scheideninfektion sein. Also: Ein Blick ins Höschen lohnt sich.

Periode

Der weibliche Körper ist an einen Menstruationszyklus gebunden. Hormone steuern hier die Vorgänge im Körper einer Frau. Ab einem gewissen Alter setzt irgendwann die Periode bei Mädchen ein. Ab dann ist sie biologisch gesehen dazu fähig, Kinder zu bekommen. Der Körper bereitet sich Monat für Monat auf eine mögliche Schwangerschaft vor, baut in der Gebärmutter eine dicke Gebärmutterschleimhaut auf, damit sich die befruchtete Eizelle hier einnisten kann. Kam es nicht zu einer Schwangerschaft, wird diese Gebärmutterschleimhaut wieder abgestoßen und die Regelblutung setzt ein. Willst du mehr über den Zyklusverlauf erfahren und wissen, wie genau es zur Monatsblutung kommt, welche Vorgänge zu welchem Zeitpunkt im Zyklus in deinem Körper vorgehen und was die Hormone eigentlich damit zu tun haben? Dann lies dir auch diesen Artikel durch:

Weiblicher Zyklus: So funktioniert der Menstruationszyklus

Geburt

Die Geburt ist eines der größten Wunder der Natur. Es ist unglaublich, wie anpassungsfähig die Vagina ist. Während der natürlichen Geburt kann sich die Vagina kurzfristig und ohne Probleme um ihr Zehnfaches vergrößern. So wird Platz für das Kind gemacht, das auf natürlichem Wege durch den Geburtskanal auf die Welt kommt. Direkt danach bildet sich das Hohlorgan direkt wieder zurück und schon eine Stunde nach der Geburt kann man sich kaum noch vorstellen, dass da gerade ein Baby durchgepasst hat. Möglich ist das Ganze auch durch die Mithilfe des sogenannten Beckenbodens. Er hält in der Regel alles an Ort und Stelle und sorgt dafür, dass die Organe nicht nach unten rutschen. Hormonelle Vorgänge vor der Geburt sorgen dafür, dass sich der Beckenboden öffnet und das Baby so nach unten durch den Geburtskanal auf die Welt kommen kann. Nach der Geburt muss die gelockerte Beckenbodenmuskulatur wieder gestärkt werden. Wie das geht, erfährst du in diesem Artikel:

Beckenbodentraining nach der Geburt: Tipps und Übungen

Erogene Zonen

Vulva und Vagina sind aber auch dafür da, um Lust beim Geschlechtsverkehr oder bei der Selbstbefriedigung zu empfinden. Hier befindet sich die wohl größte und wichtigste erogene Zone einer Frau. Besonders der äußere Teil des Geschlechtsorgans, die Vulva, ist sehr empfindlich. Das Zentrum der Lust ist die Klitoris. Hier sitzen unglaublich viele Nervenenden, die dafür sorgen, dass jede Berührung ein intensives Lustgefühl auslösen kann. Was viele nicht wissen: Ist eine Frau erregt, füllen sich die Schwellkörper mit Blut (ähnlich wie beim Penis) und können bis zu 30 Prozent größer werden. Von außen zu sehen ist von der Klitoris nur die Klitorisperle (Klitoriseichel), doch der größte Teil liegt im Körper der Frau. Der innen liegende Klitoriskörper teilt sich in zwei Schwellkörper, die die Vagina hufeisenförmig umgeben. Auch die innere Stimulation der Vagina bei der Penetration ist somit eng mit der Klitoris verbunden. Willst du wissen, welche erogenen Zonen eine Frau noch hat, dann lies dir auch diesen Artikel durch:

Erogene Zonen Frau: 10 geheime Lustpunkte, die man(n) kennen sollte

Übrigens: Auch Frauen können beim Sex ejakulieren. "Squirten“ wird das dann genannt. Abgesondert wird bei Erregung eine Flüssigkeit, die von der weiblichen Prostata produziert wird. Willst du wissen, was hinter der weiblichen Ejakulation genau steckt und wie auch du beim Sex squirten kannst, dann lies dir diesen Artikel durch:

Squirten: So funktioniert die weibliche Ejakulation beim Sex

Typische Erkrankungen der Scheide

Nicht immer funktioniert die Scheide, wie sie soll. Gibt es Veränderungen und Erkrankungen, muss meist ein ärztlicher Rat zugezogen werden. Wir stellen dir hier zwei Erkrankungen vor, die besonders häufig auftreten können:

Scheideninfektionen

Vaginale Infektionen zählen zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Zu den Symptomen zählen ein Jucken und Brennen im Intimbereich, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen beim Sexualverkehr oder ein vermehrter und übel riechender Ausfluss. Fast jede Frau hatte schon mal eine Scheideninfektion.

Weiter oben haben wir dir ja schon etwas zum Scheidenmilieu erklärt. Es ist sauer und hält so Krankheitserreger fern. Doch die empfindliche Scheidenflora kann schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Auslöser für ein gestörtes Scheidenmilieu können sein:

  • Einnahme von bestimmten Medikamenten (zum Beispiel Antibiotika)
  • Hormonschwankungen (zum Beispiel während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren)
  • Übermäßige Intimpflege (zum Beispiel durch die Verwendung von Seifen oder bei Scheidenduschen)
  • Erkrankungen (zum Beispiel Immunschwächekrankheiten)

Besonders häufig tritt der Scheidenpilz auf. Hier macht sich der Erreger auf der inneren und äußeren Schleimhaut breit und kann für ein unangenehmes Jucken und teilweise sogar Schmerzen sorgen. Oft wird ein Pilz mit Antibiotika behandelt. Was genau ein Scheidenpilz ist, was ihn verursacht, welche Symptome typisch sind und wie er sich behandeln lässt, erfährst du hier:

Scheidenpilz Symptome: Daran erkennst du ihn

Vaginismus

Auch Vaginismus ist eine Krankheit der Vagina, die ernst zu nehmen ist. Hierbei handelt es sich um eine unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur, die die Scheide umgibt. Das führt dazu, dass nicht nur Sex fast unmöglich wird, da der Penis durch die Verkrampfung nicht mehr eindringen kann, auch Tampons und Finger können unter Umständen nicht mehr eingeführt werden. Und auch gynäkologische Untersuchungen werden zum Problem. Vaginismus kann bei einer Frau schon immer bestehen oder erst mit der Zeit auftreten. Es gibt sowohl organische Ursachen (Endometriose, Infektionen, Erkrankungen der Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke etc.) als auch psychische Ursachen wie die Angst vor Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, die die Erkrankung auslösen. Leidest du unter einem Vaginismus, solltest du unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen und dich beraten und behandeln lassen. Mehr über Vaginismus erfährst du hier:

Vaginismus: Scheidenkrampf beim Sex

Fazit: 5 Fakten über die Scheide, die du kennen solltest

  1. Scheide ist ein problematischer Begriff: Er ist veraltet und rückt das weibliche Geschlechtsorgan in ein falsches Licht. Besser ist es, die Begriffe Vagina und Vulva bzw. Vulvina zu benutzen.
  2. Vagina und Vulva sind nicht dasselbe: Man unterscheidet zwischen der Vagina, dem inneren Teil der Scheide und der Vulva, dem äußeren Teil des weiblichen Geschlechtsorgans. 
  3. In der Vagina sind gute Bakterien: Sogenannte Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass in der Vagina ein saures Milieu herrscht, damit Krankheitserreger keine Chance haben, sich auszubreiten.
  4. Die Scheide reinigt sich selbst: Der Ausfluss ist keinesfalls unnormal oder ekelig. Er ist lediglich ein Teil des Reinigungsprozesses der Vagina. Eine innere Reinigung mit Wasser und Seife ist deshalb nicht nötig und kann sogar schädlich sein.
  5. Auch Personen mit Scheide können ejakulieren: Beim sogenannten Squirten sondert die weibliche Prostata ein Sekret ab. Bei der richtigen Stimulation und Erregung kann also auch eine Frau ejakulieren. Das Sekret unterscheidet sich aber von dem Sperma eines Mannes.
Lade weitere Inhalte ...