Beziehungsunfähigkeit: Warum keine deiner Beziehungen hält

Beziehungsunfähigkeit: DAS ist der Grund, warum keine deiner Beziehungen hält

Hast du Beziehungen abgeschworen, weil du denkst, dass du beziehungsunfähig bist? Oder du datest jemanden, der eine Bindungsangst hat? Dann solltest du nun gut aufpassen. 

"Keine Beziehung hält bei mir. Ich glaube, ich bin beziehungsunfähig." Hast du diesen Gedanken vielleicht auch schon mal gehabt? Dann geht es dir so, wie vielen jungen Menschen. Das Stigma, dass heutzutage unsere gesamte Generation beziehungsunfähig sei, hält sich nachhaltig. Doch was steckt dahinter? Gibt es überhaupt eine Beziehungsunfähigkeit? Und wenn ja, wie äußert sich diese, worin liegen die Ursachen und wie kann man sie überwinden? Diese und weitere Fragen klären wir nun für dich.

Beziehungsunfähig: Was heißt das?

In der Alltagspsychologie werden Menschen dann als beziehungsunfähig bezeichnet, wenn sie sich zwar eine Beziehung wünschen, es jedoch nicht schaffen, eine funktionierende Beziehung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Vor allem Personen, die häufig wechselnde Partner oder Partnerinnen haben, werden als beziehungsunfähig eingestuft. Die Beziehungsbiografie weist also mehrere kürzere Beziehungen auf, die meist nicht die Ein- oder Zweijahresgrenze überschreiten. Und obwohl das Problem häufig den Männern zugeschrieben wird, sind heute auch viele Frauen davon betroffen.

Doch Experten bemängeln die Bezeichnung "Beziehungsunfähigkeit" oft, denn es gibt keine Personen, die beziehungsunfähig sind. In jedem Menschen ist das Grundbedürfnis nach Liebe und Bindung fest verankert. Und anders als beispielsweise die Bindungsangst ist Beziehungsunfähigkeit nicht als psychische Krankheit klassifiziert.

Was sind Symptome von Beziehungsunfähigkeit?

Grob gesagt, können Männer und Frauen, die umgangssprachlich als beziehungsunfähig bezeichnet werden, in zwei Kategorien eingeteilt werden. Wir haben einmal die Flüchtenden und dann noch die Klammerer

Die Flüchtenden sind Freiheitsliebende, die sich durch eine Beziehung schnell eingeengt fühlen. Für sie ist die Nähe too much und früher oder später ergreifen sie die Flucht und beenden die Beziehung.

Die Klammerer klammern an ihrem Partner oder ihrer Partnerin, engen ihn oder sie zum Teil so sehr ein, dass dieser oder diese dann irgendwann genug hat und sich trennt.

Beide Beziehungstypen haben gleichermaßen Schwierigkeiten, sich langfristig an eine andere Person zu binden. Viele Menschen sind sogar beides: flüchtend und klammernd. Je nach Phase der Beziehung kann sich das ändern. Zu Beginn ist alles total intensiv und leidenschaftlich und dann sind die Gefühle wie auf einen Schlag weg. Meist passiert das, wenn die Beziehung an der Schwelle zur Verbindlichkeit steht. Beim Zusammenzug, beim Thema Ehe oder Familiengründung.

5 Ursachen: Was steckt dahinter?

Die Gründe für eine Bindungsstörung können sehr unterschiedlich sein. Oft liegen die Ursachen in der Kindheit. Wir klären hier fünf Gründe, die besonders häufig sind. 

1. Bindungsangst

Beziehungsunfähige leiden oft auch unter einer Angst vor Bindung, welche meist auf Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen ist. Zum Beispiel die Scheidung der Eltern kann eine Bindungsangst hervorrufen. Aus der Angst vor Verlust und Verletzung entsteht dann wiederum eine Abwehrhaltung. Um sich den Schmerz beim Verlust zu sparen, verliebt man sich gar nicht erst oder stößt die Person dann ab, wenn es verbindlich wird. Man kann keine Nähe zulassen und baut die Beziehungen nur mit größerer Distanz auf.

2. Niedriges Selbstwertgefühl

Ein gestörtes Selbstwertgefühl kann ebenfalls in der Kindheit begründet sein und eine Beziehungsunfähigkeit hervorrufen. Wird der Selbstwert als sehr niedrig betrachtet, nimmt man sich als nicht liebenswert wahr und denkt, man verdiene keine aufrichtige Liebe. Man kann sich nicht auf andere Personen einlassen und hat ein Problem damit, anderen zu vertrauen.

3. Hohe Erwartungen

Zu hohe Erwartungen an eine Partnerschaft können dafür sorgen, dass eine Beziehung vorzeitig scheitert. Erwartet man zum Beispiel, dass das der perfekte Partner oder die perfekte Partnerin werden muss, mit dem oder der man zusammenzieht, heiratet und eine Familie gründet, übt das Druck auf eine Sache aus, die sich im Normalfall ganz von alleine entwickeln muss. Man merkt schnell, dass die Beziehung nicht diesen hohen Erwartungen gerecht wird und beendet das Ganze noch bevor die Partnerschaft die Chance hat, sich zu entfalten. 

4. Persönlichkeitsstörungen

Viele Personen verstecken sich hinter dem Begriff "beziehungsunfähig", um sich nicht ernsthaft mit der eigenen Psyche beschäftigen zu müssen. Ein Grund, warum die Beziehungen einfach nicht halten wollen, ist, dass sich die Person zurückzieht, bevor der Partner oder die Partnerin den wunden Punkt entdeckt.

Und dann gibt es noch die Narzissten, denen ebenfalls oft eine Beziehungsunfähigkeit zugeschrieben wird. Narzissten sind so egoistisch und ich-bezogen, dass sie sich teilweise von dem Partner oder der Partnerin bedroht fühlen. Kompromisslosigkeit und Kontrollzwänge sind Begleiterscheinungen des Narzissmus. Unter diesen Voraussetzungen kann sich keine gesunde, funktionierende Beziehung entwickeln.

5. Fomo

Fomo oder Fear of missing out (übersetzt: die Angst, etwas zu verpassen) betrifft nicht nur die Wochenendpläne, sondern auch das Dating. Viele Personen wollen sich nicht ernsthaft auf eine Person festlegen, da es eventuell eine andere Person gibt, die noch besser zu einem passt. Dating-Apps, die einem das Gefühl geben, den perfekten Partner in nur wenigen Swipes zu finden, sind da keine große Hilfe.

Personen, auf die diese Angst vor Bindung zutrifft, suchen sich oft unverbindliche Beziehungsmodelle wie Freundschaft Plus, in denen sie die Freiheiten des Singles genießen können und gleichzeitig körperliche und teilweise sogar emotionale Nähe zulassen. Diese bleibt dann aber nur oberflächlich.

6 Tipps: Wie kann ich die Beziehungsunfähigkeit überwinden?

Was hilft gegen Beziehungsunfähigkeit? Es gibt mehrere Strategien, die angewendet werden können, um die Angst vor Bindung und die Beziehungsunfähigkeit zu heilen. Das kannst du unternehmen, um die Chancen auf eine feste, langanhaltende und gesunde Partnerschaft zu erhöhen und deine Bindungsstörung loszuwerden.

1. Keine Ausreden mehr: Versteck dich nicht hinter deiner vermeintlichen Beziehungsunfähigkeit, sondern geh das Problem an und beschäftige dich wirklich aufrichtig mit deinem unsicheren Bindungsstil. Es nützt nichts, wenn du auch noch in 15 Jahren sagst, dass du einfach noch nicht die richtige Person gefunden hast und dich in Ausreden verstrickst.

2. Ursache erkennen: Frag dich, was der Grund für dein bisheriges Verhalten in Beziehungen und anderen zwischenmenschlichen Verbindungen sein könnte. Ist es vielleicht in der Kindheit begründet? Kennst du die Ursache, kannst du dich selber besser verstehen und im Anschluss viel besser an dir arbeiten.

3. Ständige Selbstreflexion: Deine bisherigen Verhaltensmuster werden nicht von heute auf morgen verschwinden, als sei nie etwas gewesen. Es ist ein Prozess und ganz normal, dass du dich in der Zukunft wieder bei typischen bindungsängstlichen Verhaltensweisen erwischt. Deshalb ist es so wichtig, dass du dich ständig selbst reflektierst. Hol das Unbewusste ins Bewusstsein und setz dich damit auseinander.

4. Am Selbstwertgefühl arbeiten: Reflektiere auch dein Selbstwertgefühl. Wie nimmst du dich selber wahr? Ist dein Selbstwertgefühl niedrig und du hast das Gefühl, als seist du nicht liebenswert, dann solltest du unbedingt daran arbeiten. Jeder Mensch verdient Liebe und Nähe, auch du! Ein Tipp, um das Selbstwertgefühl zu stärken, sind positive Affirmationen. Leg dir einige Leitsätze zurecht, die dein Selbstwert stärken können (Beispiel: "Ich bin liebenswert und verdiene Liebe" oder "Ich bin nicht dazu fähig, eine funktionierende Beziehung zu führen"), stell dich vor einen Spiegel und spricht die Sätze laut aus. Wiederhole sie mehrmals und wende die Affirmationen täglich an, bis du das verinnerlicht hast, was du aussprichst.

5. Kommunikation in der Beziehung: Bist du in einer Beziehung und merkst, wie deine typischen Verhaltensmuster wieder auftreten, ist neben der Reflexion noch ein Punkt wichtig: die Kommunikation mit deinem Partner oder deiner Partnerin. Nur so kannst du verhindern, dass sich die Vergangenheit wiederholt und dein Gegenüber kann dich besser verstehen.

6. Professionelle Hilfe in der Therapie: Weißt du einfach nicht, wie du deine Beziehungsunfähigkeit angehen sollst, kann dir auch eine Therapie helfen. No shame in the therapy game – Therapie ist etwas ganz Normales und super wichtig, um deine Verhaltensmuster zu durchbrechen. Eventuell können hier Dinge aus der Kindheit aufgearbeitet werden, die sich heute noch bei dir durch dein Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen äußern. 

Wie gehe ich mit jemandem um, der beziehungsunfähig ist?

Lernst du eine Person neu kennen, ist es von Anfang an wichtig, ausreichend zu kommunizieren. Dabei darf es nicht bei Small Talk bleiben. Was ihr braucht, ist richtig wahrer Deep Talk. Sprecht über eure Kindheit, eure vergangenen Beziehungen und euren Beziehungsstil. 

Tipp: Frage die Person, die du gerade kennenlernst nach ihrer Love Language, also danach, wie sie Liebe in einer Beziehung äußert. Und auch Gründe für Trennungen in vergangenen Beziehungen sind kein Tabu. All das kann dir bereits von Anfang an einen Eindruck über den Beziehungsstil deines Crushes verleihen und du kannst eventuell schon jetzt feststellen, ob er oder sie eine Bindungsangst haben könnte.

Bedenke aber: Nur weil eine Person in der Vergangenheit nicht fähig war, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, heißt das nicht, dass du sie kategorisch ausschließen musst. Ist die Person dazu bereit, sich mit ihrer Bindungsangst auseinanderzusetzen und könnt ihr gut miteinander über dieses Problem kommunizieren, kann auch eine beziehungsunfähige Person irgendwann eine langfristige, funktionierende Beziehung führen.

Buchtipp: Falls du noch mehr über das Thema wissen willst

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Verwendete Quellen: jetzt.de, parship.de, sinnsucher.de

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