Symbiotische Beziehung: Darum ist sie gefährlich

Symbiotische Beziehung: Darum ist sie gefährlich

Was bedeutet der Begriff symbiotische Beziehung? Und warum ist das Phänomen gefährlich? Wir erklären es dir und verraten auch, woran du sie erkennst.

Symbiotische Beziehung: Paar vor Fenster unter einem Tuch
© Pexels
Was ist eine symbiotische Beziehung?

Platonische Liebe, bedingungslose Liebe oder wahre Liebe – es gibt so einige Arten von Liebe und Beziehungen. Während einige Partnerschaften gesund sind, bewirken andere genau das Gegenteil. So auch die symbiotische Beziehung. Was macht die Beziehungsform so toxisch? Woran erkennst du sie? Und wie kannst du eine symbiotische Beziehung lösen? Hier erfährst du es.

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Was bedeutet symbiotische Beziehung?

Der Begriff Symbiose stammt ursprünglich aus der Biologie, wird aber auch in der Psychologie angewandt. Die biologische Definition von Symbiose bezeichnet nichts anderes als das Zusammenleben artfremder Individuen im Hinblick auf ihren gegenseitigen evolutionären Nutzen.

Die Definition der Psychologie ist etwas negativer behaftet. Hier beschreibt die Symbiose eine Abhängigkeit zweier Menschen in einer Partnerschaft. Ein Abhängigkeitsverhältnis ist erst mal nichts schlimmes, doch in einer symbiotischen Beziehung reicht die Abhängigkeit voneinander so weit, dass jede*r als einzelne Person nahezu nicht mehr existiert. Sprich: Die beiden Personen verschmelzen und bilden eine Person.

Symbiose in der Partnerschaft

Wenn Paare eine symbiotische Beziehung führen, verschmelzen sie so sehr miteinander, dass von den Einzelpersonen fast nichts mehr übrig bleibt. Der*die Beziehungspartner*in wird so wichtig, dass kein anderer Mensch mehr im Leben beider Personen Platz hat. Psychologen sind sich einig: Eine gesunde Beziehung ist das nicht – eine gesunde Bindung besteht aus zwei "Ichs" und einem "Wir".

Darum ist eine symbiotische Beziehung gefährlich

Wenn wir uns als Person und unser Leben zugunsten unserer Beziehung komplett aufgeben, laufen wir Gefahr, alles zu verlieren. Nicht nur das eigene Leben, sondern auch uns selbst. Unsere Wünsche, Ziele, Fähigkeiten und Interessen – all das ist nichts mehr wert. Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und die persönliche Entfaltung bleiben auf der Strecke. Wir haben nichts eigenes mehr, was wir in die Beziehung einbringen können. Sollte die Beziehung irgendwann enden, stehen wir ohne alles da, denn wir haben verlernt, auch alleine glücklich sein zu können. 

Was ist der Grund für eine symbiotische Beziehung?

Dass wir zu Beginn einer neuen Beziehung Feuer und Flamme sind und am liebsten gar nicht mehr ohne den*die neue Partner*in sein wollen, ist ganz klar. Wir verbringen möglichst viel Zeit miteinander und würden uns am liebsten komplett aus dem Alltag zurückziehen, um diese frische, neue Liebe in vollen Zügen auszukosten. Denn natürlich: Temporär können erstmal alle Bedürfnisse von dem*der Partner*in gestillt werden. Nach der Zeit legt sich dies aber. Der Alltag kehrt zurück und wir versuchen, Beziehung, Freunde, Hobbys und Job unter einen Hut zu bekommen.

Und trotzdem gibt es Menschen, die in eine symbiotische Beziehung abrutschen. Der Grund dafür ist häufig auf Selbstwertproblematiken zurückzuführen. Durch Erfahrungen und Geschehnisse in der Vergangenheit besteht ein geringes Selbstwertgefühl, sodass die Angst, den Partner zu verlieren, sehr groß ist. Aus diesem Grund sucht man immer mehr Nähe und versucht sich als Paar komplett abzugrenzen, um potenziellen Gefahren gar nicht erst in die Quere zu kommen.

Woran erkennt man eine symbiotische Beziehung?

Falls du Sorge hast, in einer symbiotischen Beziehung zu leben oder den Verdacht schöpfst, dass es früher oder später darauf hinauslaufen könnte, dann kannst du auf diese Anzeichen achten, die eine symbiotische Partnerschaft ankündigen können.

  • Ihr habt immer die gleiche Meinung und vermeidet Konflikte
  • Ihr seid ständig zusammen. Das Gefühl von Vermissen kennt ihr nicht.
  • Der Kontakt zu Freunden und Familie nimmt stark ab.
  • Ihr macht nichts mehr ohne den jeweils anderen.
  • Ihr trefft keine Freunde ohne den jeweils anderen.
  • Ihr habt keine eigenen Hobbys mehr, sondern geht ausschließlich gemeinsamen Aktivitäten nach.
  • Alle möglichen Aussagen kommuniziert ihr in der "Wir"-Form. 
  • Die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse vernachlässigt ihr.
  • Die Aussagen des*der Partners*Partnerin stellt ihr niemals infrage. 

Symbiotische Beziehung lösen: So geht's

Wenn man eine symbiotische Beziehung lösen will, ist sie meist schon so weit fortgeschritten, dass die Trennung therapeutischer Hilfe bedarf. Die Verhaltensmuster, die sich in einer solchen Partnerschaft bilden, sind nur schwer ohne professionelle Hilfe aufzubrechen. Hinzu kommt, dass eine symbiotische Partnerschaft oft auf bereits vorhandenen psychischen Problemen aufbaut.

Wenn du und dein*e Partner*in eurer Liebe eine Chance geben und dieses toxische Liebesmodell bekämpfen wollt, müsst ihr eure Autonomie wiederfinden. Viele denken, dass eine Beziehung nur dann perfekt ist, wenn man die gleichen Ansichten, Hobbys, den gleichen Musikgeschmack oder die gleichen Freunde hat. Natürlich sollte es immer irgendwo Überschneidungen geben in euren Interessen, aber eure beiden "Ichs" müssen und dürfen nicht identisch sein – dafür gibt es schließlich das "Wir". Diese Maßnahmen können euch dabei helfen, eure Autonomie zu finden:

  1. Findet euer eigenes "Ich".
  2. Erlaubt euch, Zeit ohne den anderen zu verbringen.
  3. Verbringt getrennt voneinander Zeit mit euren Freunden.
  4. Geht getrennt voneinander euren Hobbys nach.
  5. Verbiege nicht dich selbst und auch nicht deine*n Partner*in.

Eine symbiotische Beziehung gibt es auch zwischen Mutter und Kind

Symbiotische Beziehungen sind nicht ausschließlich romantischer Natur. Genau wie die bedingungslose Liebe findet sich die symbiotische Beziehung manchmal auch zwischen Mutter bzw. Eltern und Kind wieder. Dadurch, dass die Mutter durch das Austragen des Kindes und die Geburt sehr an das Baby gebunden ist, besteht hier ohnehin schon eine tiefe Verbundenheit. Doch mit der Zeit beginnt sich das Kind zu entfernen. Das ist ein natürlicher Entwicklungs-Prozess. Jedoch ist diese Selbstständigkeit und Distanz des Kindes für eine Mutter manchmal nur schwer zu ertragen. Umgekehrt kann ein ängstliches Kind aber auch Probleme bei der Abkapselung haben. Beide Fälle können zu einer symbiotischen Beziehung führen. Daran erkennst du eine Symbiose zwischen Mutter und Kind:

  • Das Elternteil nimmt dem Kind häufig unangenehme Tätigkeiten ab
  • Mutter und Kind verbringen sehr viel Zeit miteinander
  • Das Elternteil versucht das Kind ständig zu schützen und vor schmerzhaften Erfahrungen zu bewahren.

Auf den ersten Blick sind das keine erschreckenden Verhaltensmuster. Manchmal sind sie aber so intensiv, dass sich weder Mutter bzw. Eltern, noch Kind weiterentwickeln können. Auch hier ist eine therapeutische Behandlung ratsam.

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Verwendete Quellen: loesungswege-mit-system.de, match-patch.de

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