Offene Beziehung: Alles was du über sie wissen musst

Offene Beziehung: Alles was du über sie wissen musst

Eine offene Beziehung bietet Raum für Sex mit anderen Menschen. Doch wie funktioniert eine offene Beziehung und macht sie glücklicher als die Monogamie?

Offene Beziehung
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Wir erklären dir alles, was du über das Beziehungsmodell offene Beziehung wissen musst.

Die offene Beziehung als Beziehungsform rückt immer weiter in unseren Kosmos vor. Für viele ist es die Lösung für eine noch glücklichere Beziehung, andere sehen nur Konflikte und Gefahr. Doch was ist der Unterschied zu polyamourös und was sagen Eheberater und eine Expertin dazu? Wir verraten es dir. Übrigens: Diesen Artikel gibt es nun auch zum Hören bei Podimo! Hier entlang!

Was ist eine offene Beziehung?

  • Glückliche Paare oder Gruppen, die sich in einer offenen Beziehung befinden, gewähren sich in diesem Beziehungsmodell gegenseitig unromantischen Sex mit anderen Menschen. Sie haben die Freiheit, an bestimmten Tagen oder in bestimmten Wochen Sex mit anderen Personen zu haben. Der/die Partner*in weiß darüber Bescheid und ist damit einverstanden. Mit der offenen Beziehung oder Ehe wollen viele Paare ihre sexuelle Selbstbestimmung ausleben und den Sex nicht nur auf eine Person beschränken.
  • Wichtig in einer offenen Beziehung ist es, den Sex mit anderen auf rein körperlicher Ebene zu vollziehen. Romantik und emotionale Bindungen wie Liebe sollten ausgeschlossen sein. Eine offene Beziehung ist daher vor allem für Menschen und Paare geeignet, die Sex ohne Gefühle haben können.

Wie klappt eine offene Beziehung ohne Eifersucht?

  • Wenn du in einer Beziehung bist und gerade daran denkst, dass der/die geliebte Partner*in hin und wieder Sex mit Fremden hat, dürfte das ein Gefühl in dir auslösen. Wärst du eifersüchtig oder findest du die Idee einer offenen Beziehung spannend und hast schon einmal über Sex mit anderen in einer Beziehung nachgedacht oder kannst es dir vorstellen? Wichtig ist, dass man sich in einer offenen Beziehung wohlfühlt, Bedürfnisse kommuniziert, ehrlich zueinander ist und niemandem das Herz gebrochen wird. 
  • Wenn du eher ein eifersüchtiger Typ bist, der den/die Partner*in emotional und sexuell für sich allein haben möchte, ist das Konzept einer offenen Beziehung möglicherweise keine Option. Am besten und ohne Eifersucht funktioniert sie, wenn beide Partner schon im Alltag wenig eifersüchtig sind und Exklusivität nicht die größte Rolle spielt.

Macht eine offene Beziehung glücklich?

Das Universal-Rezept zu einer noch glücklicheren Beziehung gibt es nicht. Doch wenn du deine/n Partner*in liebst und dich doch hin und wieder gefragt hast, ob er oder sie bis an dein Lebensende die einzige Person sein wird, mit der du Sex haben willst, könnte es dich noch glücklicher machen, zeitweise oder für immer in einer offenen Beziehung zu leben. Wenn es so ist, solltest du deinen Wunsch ehrlich kommunizieren.

Mit diesen Regeln funktioniert eine offene Beziehung

Du und dein/e Partner*in möchten eine offene Beziehung ausprobieren? Dann solltet ihr vorher Regeln aushandeln, um Konflikte zu vermeiden und die bestmögliche Lösung zu finden.

  • Wollen es beide Partner*innen?
  • Wie oft wird sich mit anderen Personen zum Sex getroffen?
  • An welchen festen Tagen?
  • Mit welchen Personen werdet ihr schlafen? Gibt es Ausnahmen wie Freunde, Ex-Freunde oder Arbeitskollegen?
  • Wo wird dich zum Sex getroffen?
  • Gibt es nur einmaligen Sex?
  • Möchtet ihr über die anderen Sexualpartner Bescheid wissen?
  • Redet in regelmäßigen Abständen ehrlich über eure Gefühle und aufkommende Gefahr
  • Ängste und Bedenken kommunizieren
  • Eine offene Beziehung nicht zum Kompromiss bei Bindungsangst machen

Offene Beziehung als Retter einer kaputten Beziehung?

  • Viele Menschen möchten ihre zum Scheitern verurteilte Beziehung mit einer Öffnung retten. Doch Paartherapeutin und Expertin Alexandra Hartmann hat noch kein Mal erlebt, dass eine offene Beziehung zum Retten einer Beziehung beigetragen hat. „Am Ende ist der Schuss jedes Mal nach hinten losgegangen“, betont die Expertin. „Weil sich letztendlich immer herausgestellt hat, dass es doch nur einer der beiden wirklich wollte.“ Dann spricht man häufig von einer pseudo-monogamen Beziehung.
  • Laut der Paartherapeutin zählen zu den falschen Gründen einer offenen Beziehung auch sexuelle Unzufriedenheit mit dem/der Partner*in, wenn in der Beziehung etwas fehlt oder nachlassende sexuelle Anziehung sich einschleicht. Auch Kinder spielen keine kleine Rolle. In diesem Fall kann sich der Gang zum Eheberater lohnen, in dem ihr die Probleme ehrlich vorstellen könnt und gemeinsam nach einer Lösung sucht. Oder aber ihr lebt eine toxische Beziehung.

Sind Menschen in einer offenen Beziehung glücklicher?

„therealtalk.de“ untersuchte in einer Studie, wie viele Menschen in einer offenen Beziehung leben. 10.000 Männer und Frauen nahmen teil, die sich bereits seit mindestens einem Jahr in einer Partnerschaft befinden. Um die offene Beziehung zu erfüllen, mussten die Studienteilnehmer folgende Kriterien erfüllen:

  • Beide Partner müssen mit einer offenen Beziehung, sprich sexuelle Kontakte außerhalb der Partnerschaft zu haben, einverstanden sein.
  • Beide Partner haben das Einverständnis explizit ausgesprochen.

Die Auswertung der Studie ergab, dass die Partnerschaften weder glücklicher noch unglücklicher als Menschen in sexuell treuen Partnerschaften sind. 

Anders ist es in pseudo-offenen Beziehungen, in denen sich nur ein/e Partner*in nach sexueller Freiheit sehnt. Diese Notlösung wird von der sexuell treuen Gegenseite akzeptiert, jedoch nicht gewünscht. In diesen pseudo-offenen Beziehungen sind Männer und Frauen deutlich weniger glücklich als andere Paare.

Wie viele Menschen leben in einer offenen Beziehung?

Laut „therealtalk.de“ gehen etwa 97% der Männer und Frauen im deutschsprachigen Raum eine Beziehung mit emotionaler und sexueller Treue ein. Lediglich drei Prozent leben in einer offenen Beziehung oder in einem anderen Modell der Liebe.

Beziehungskonzepte: Die Formen der Liebe

Neben einer offenen Beziehung, die nicht mit der Polygamie gleichzusetzen ist, denn dort ist eine emotionale und sexuelle Untreue erlaubt, gibt es viele weitere Formen der Liebe. Diese Beziehungskonzepte können für eine glückliche Beziehung sorgen:

  1. Monogamie: Die Monogamie als Beziehungsmodell beschreibt die ewige sexuelle und emotionale Treue bis an das Lebensende. Der Wunsch nach Exklusivität decken die größten Bedürfnisse.
  2. Polygamie: In der Polygamie sind sexuelle und emotionale Seitensprünge erlaubt, solange sie abgeklärt sind und offen kommuniziert werden. In diesem Beziehungskonzept ist der Heimathafen trotzdem der/die feste Partner*in.
  3. Polyamorie: In der Polyamorie als Beziehungsform sind neben sexuellen Erfahrungen auch Liebesbeziehungen polyamourös neben der Partnerschaft erlaubt. Hier ist das Wissen und Einverständnis ebenfalls wichtig.
  4. Verhandelte Monogamie (Offene Beziehung): In diesem Beziehungskonzept steht die emotionale Treue an erster Stelle, doch die sexuelle Öffnung wird verhandelt und an die Bedürfnisse aller Beteiligten angepasst.

Du möchtest mehr über das Thema Liebe erfahren? Lerne mehr über den Michelangelo-Effekt, Sex in der Beziehung und Paar-Rituale.

Verwendete Quellen: therealtalk.de, psychologiebringtdichweiter.de

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