Polyamorie: Kann man mehr als einen Menschen lieben?

Polyamorie: Kann man mehr als einen Menschen lieben?

Kann man mehr als einen Menschen lieben? Polyamorie beschreibt nämlich genau das. Hier erfährst du alles über polyamore Beziehungen.

Die Diskussion, ob die Liebe exklusiv ist, sein soll, muss oder kann – ist seit einiger Zeit wieder salonfähig. Viele – vor allem – junge Menschen suchen nach Alternativen zur Monogamie. Demnach finden immer mehr Menschen Gefallen an der Polyamorie. Was genau verbirgt sich dahinter? Können polyamore Beziehungen auf Dauer funktionieren? Und wie verhält es sich da eigentlich mit der Eifersucht? Diese Fragen klären wir jetzt. 

Was bedeutet Polyamorie?

Die Definition von Polyamorie ist gar nicht so kompliziert. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Polyamorie so viel wie "Vielliebe" (polys = viel, amor = Liebe). Wer eine polyamore Beziehung führt, der lebt mit mehr als einem Menschen in einer Liebesbeziehung. Was aber nicht bedeutet, dass Polyamorie moralisch verwerflich ist. Hier versteckt sich nämlich der springende Punkt: Die Tatsache, dass eine Person mehrere Partner oder Partnerinnen liebt, ist allen Beteiligten bekannt. Polyamore Beziehungen sind einvernehmlich. Die Lebensform gründet auf einem langfristigen und vertrauensvollen Miteinander. Verliebtheit, Zärtlichkeit, Gefühle und Sexualität – also all das, was wir auch aus einer monogamen Beziehung kennen, findet sich auch in der Polyamorie wieder. Übrigens ist man nicht ein Leben lang polyamorös bzw. monogam. Unsere Ansprüche an die Liebe verändern sich mit den Jahren genauso wie alle anderen Bedürfnisse.

Was ist der Unterschied zwischen Polyamorie und Polygamie?

Auch wenn sie sich ähnlich anhören, sind Polyamorie und Polygamie zwei unterschiedliche Beziehungsmodelle. Bei der Polygamie kommt im Gegensatz zur Polyamorie die Ehe ins Spiel. Polygamie bedeutet nichts anderes, als "Vielehe". Führt ein Mann eine Beziehung zu mehreren Ehefrauen, handelt es sich um eine Polygynie. Andersrum kann aber auch eine Frau mehrere Ehemänner lieben. Diese Verbindung wird als Polyandrie bezeichnet. Bei der Polygynandrie sind mehrere Männer und mehrere Frauen gleichzeitig miteinander verheiratet.

Was ist der Unterschied zwischen Polyamorie und einer offenen Beziehung?

Auch diese zwei Beziehungsmodelle werden häufig miteinander verwechselt. Doch sie unterscheiden sich in einem sehr wichtigen Punk. Während es sich bei der Polyamorie um eine Liebesbeziehung zwischen mehreren Personen handelt, sind bei einer offenen Beziehung nur zwei Partner bzw. Parterinnen in einer Liebesbeziehung. Diese Beziehung zeichnet sich (wie jede monogame Beziehung auch) durch eine gegenseitige Liebe, Vertrauen und gemeinsame Zukunftspläne aus. Der Unterschied zu einer monogamen, "geschlossenen" Beziehung ist, dass eine offene Beziehung für einen oder beide Partner oder Partnerinnen Raum schafft, sich auch außerhalb der Beziehung sexuell auszutoben. Haben beide zum Beispiel unterschiedliche (sexuelle) Bedürfnisse, so können sie sich diese von anderen Menschen außerhalb der Beziehung holen. Dabei muss jedoch jedes Paar seine eigenen Regeln für eine offene Beziehung aufstellen, damit das Ganze funktioniert.

Ist Polyamorie verboten?

Sofern Polyamorie auf freiwilliger Basis beruht und einvernehmlich geführt wird, ist sie nicht verboten. Jede und jeder darf schließlich lieben, wen er will und leben, mit wem er will. Die Polygamie hingegen ist in Deutschland verboten. Ganz im Gegensatz zum islamischen Recht: Hier darf ein Mann mit vier Frauen gleichzeitig verheiratet sein. 

Wie kann Polyamorie funktionieren?

Für viele klingen offene Beziehungen erst mal abschreckend. Vermutlich weil man nicht genau weiß, wie Polyamorie wirklich funktioniert. Auf welchen Werten baut die Beziehungsform auf? Damit Polyamorie wirklich alle Beteiligten glücklich macht, sollten folgende Wertvorstellungen eingehalten werden:

  • Ehrlichkeit und Respekt
  • Treue
  • Kommunikation und Verhandlung
  • Hingabe und Verbindlichkeit

1. Ehrlichkeit und Respekt

Polyamorie bedeutet nicht, dass man den Partner oder die Partnerin betrügt. Ehrlichkeit und Respekt sind unerlässlich in dieser Beziehungsform. Bestimmte Dinge dem Partner oder der Partnerin zuliebe nicht auszusprechen, führt zu seelischen Schmerzen, Ängsten und Eifersucht. Genau wie in einer monogamen Bindung geht es um die wahre Liebe zwischen den Menschen, welche Ehrlichkeit und Respekt einschließt.

2. Treue

Wer polyamorös lebt, der ist untreu? Falsch. Treue wird oft mit Monogamie gleichgesetzt. Doch auch in der Polyamorie ist Treue ein wichtiger Punkt. Genauso wie Fremdgehen ein No-Go ist. Mit anderen Worten: In einer polyamoren Bindung gibt es nicht das Verlangen, dass der Partner oder die Partnerin nur Sex mit einer Person haben darf. Wichtig ist jedoch, dass der bzw. die andere darüber in Kenntnis gesetzt wird, mit wem der andere Sex hat, und gemeinsame Absprachen getroffen werden.

3. Kommunikation und Verhandlung

Das führt auch schon zum nächsten Punkt. Communication is Key. Es ist völlig normal, dass alle Beteiligten unterschiedliche Vorstellungen der polyamoren Beziehungen haben. Diese unterschiedlichen Erwartungen müssen aber angesprochen werden, damit sich am Ende alle innerhalb dieser Verbindung wohlfühlen und keine Gefühle verletzt werden.

4. Hingabe und Verbindlichkeit

Wie in anderen Beziehungsmodellen ist es wichtig, sich loyal in Bezug auf die Partnerschaft zu verhalten. Das schließt auch den Willen ein, die Beziehung nicht ohne Weiteres zugunsten einer anderen Partnerschaft aufzugeben bzw. sich aufkeimenden Problemen zu stellen. Und wenn du nach Jahren merkst, dass die offene Beziehung nicht mehr das Richtige für dich ist, müssen alle Beteiligten darüber in Kenntnis gesetzt werden. 

Gibt es in polyamoren Beziehungen Eifersucht?

Eifersucht ist nicht abhängig vom Beziehungsmodell, sondern vom Menschen und dessen Bedürfnissen. Jede Person, die sich für eine polyamore Beziehung entscheidet, tut das aus Überzeugung und weiß, worauf sie sich einlässt. Natürlich kann es in der Polyamorie zur Eifersucht kommen. Etwa, wenn der Partner oder die Partnerin gerade keine Zeit hat oder man sich vernachlässigt fühlt. Diese Form der Eifersucht gibt es aber auch in monogamen Beziehungen. Egal ob monogam oder polyamorös: Wichtig ist Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt und vor allem Kommunikation, um Eifersucht zu verhindern. 

Wie funktioniert Polyamorie, wenn man Kinder hat?

Was passiert, wenn Kinder im Spiel sind? Polyamorie und Kinder lassen sich durchaus vereinbaren – zumindest, wenn die Bezugspersonen in einer stabilen Partnerschaft leben. Sofern die Kinder in einem stabilen, familiären Umfeld aufwachsen, kann die Polyamorie kaum negative Auswirkungen auf den Nachwuchs haben. Bei Teenagern in der Identitätsfindungs-Phase kann eine nichtmonogame Beziehung der Eltern durchaus auf Unsicherheit oder Ablehnung stoßen. Hier ist es wichtig, zu kommunizieren und die verschiedenen Standpunkte zu erläutern.

Erfahrungen: Wie sieht Polyamorie genau aus?

Du fragst dich, wie eine polyamoröse Bezoehung im Alltag genau aussieht? Nicole, Christian und Fabian sind in einer gemeinsamen Beziehung und haben sogar gemeinsame Kinder. Und auch Familie Michalski lebt das polyamore Leben. Im Video siehst du, wie ihre Beziehung zu dritt genau aussieht.

Buchtipp: Wenn du mehr über Polyamorie und alternative Beziehungsformen erfahren willst

Dich interessiert das Thema Polyamorie und du willst mehr erfahren? Diese Bücher können deinen Wissensdurst stillen.

Fazit: Kann man mehr als einen Menschen lieben?

Mehr als einen Menschen zu lieben ist möglich, nicht falsch und völlig erlaubt. Liebe ist grenzenlos. Genauso wie wir selbst an Erfahrungen wachsen, verändert sich auch die Art und Weise, wie wir Liebe erleben, im Laufe der Jahre. Wichtig ist nur, keine Gefühle zu verletzen und möglichst offen damit umzugehen.

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Verwendete Quellen: bnn.de, polyamorie.de, zeit.de

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