Romance Gap: Wie Gender-Stereotypes das Dating erschweren

Romance Gap: Wie uns Gender-Stereotypes das Dating erschweren

Frauen sind verzweifelt auf der Suche nach einem Partner und Männer müssen "hard to get“ sein. Diese Erwartungen an die Geschlechter werden durch die Romance Gap beschrieben. Warum sie uns Beziehungen auf Augenhöhe verwehrt, liest du hier.

Von der Gender Pay Gap oder der Gender Orgasm Gap hast du vielleicht schon einmal etwas gehört. Doch wie sieht es mit der Romance Gap aus? Wie die Gender Pay Gap oder die Gender Orgasm Gap auch, geht die Romance Gap von einer Ungleichheit der Geschlechter aus und verdeutlicht, warum uns Klischees und Vorurteile heute immer noch das Dating erschweren. Wir verraten dir, was du über die Romance Gap wissen musst und erklären, warum absolut niemand von der Stereotypisierung der Geschlechter bei der Partnersuche und in Beziehungen profitiert.

Das versteht man unter Romance Gap

"Viele Geschlechterdynamiken beim Dating und in Beziehungen sind längst veraltet – und machen es uns schwer, gesunde, gleichberechtigte Beziehungen aufzubauen.“ Das behauptet die Dating-App Bumble, nachdem sie eine von YouGov in mehreren europäischen Ländern durchgeführte Studie veröffentlicht hatte. Ganze 74 Prozent der Befragten stimmten in der Studie der Aussage zu, dass es in romantischen Beziehungen immer noch unterschiedliche Erwartungen an die Geschlechter gibt. Ausgelöst von geschlechterspezifischen Klischees und Vorurteilen gibt es laut der Mehrheit der Befragten heute noch eine Ungleichheit in den Erwartungen an das Verhalten von Männern und Frauen beim Dating und in partnerschaftlichen Beziehungen.

Vielleicht nimmst du diese Erwartungen auch in deinem Umfeld und sogar bei dir wahr. Der Mann muss immer den ersten Schritt machen, die Frau richtet sich nach dem Mann und passt ihr Verhalten an… No shame, wenn dir diese Gedanken bekannt vorkommen. Doch sie könnten der Grund dafür sein, warum es dir schwerfällt, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen. Klischees und Vorurteile sorgen nicht nur für eine enorme Diskrepanz zwischen den Geschlechtern, sondern üben auch sehr viel Druck auf alle Beteiligten aus. Wir plädieren für mehr Gleichberechtigung der Gender beim Dating und in Beziehungen.

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Beispiele für die Romance Gap der Geschlechter

Mit Sicherheit kommen dir die Beispiele der Romance Gap bekannt vor. Keine Sorge. Das ist ganz normal, denn sie sind fest in unserer Gesellschaft verankert und eine Folge des ewig vorherrschenden Patriarchats. Genderspezifische Stereotype verstecken sich oft hinter den "Spielchen“ beim Dating, auf die wir alle keine Lust haben, sie aber trotzdem mitspielen, weil wir denken, dass sie Teil der Spielregeln sind. "Ich darf ihm bloß nicht direkt antworten, sondern muss ihn zappeln lassen“ oder "Ich muss ihr unbedingt das Abendessen beim ersten Date zahlen“ sind nur wenige Beispiele dafür, wie sich die Romance Gap gleich schon am Anfang des Kennenlernens einschleichen kann. Dahinter stecken viele Klischees, die wir uns nun näher anschauen wollen.

1. Klischee: Männer müssen die Initiative ergreifen

Jetzt mal Real-Talk! Schreibst du lieber an oder wirst du lieber angeschrieben? Gehörst du zu zweiten Sorte, dann zählst du wohl zu der Mehrheit der Frauen. Laut der Bumble Umfrage geben 52 Prozent der Befragten an, dass von Männern immer noch erwartet wird, dass sie den ersten Schritt machen. In der Umfrage erwarten das nur 8 Prozent der Befragten von Frauen. Das übt eine Menge Druck auf den Mann aus und rückt die Frau mir nichts, dir nichts in eine passive Rolle beim Dating und auch später in der Beziehung.

2. Klischee: Frauen wirken schnell verzweifelt

44 Prozent der Befragten der Studie geben an, dass von Frauen erwartet wird, nicht zu interessiert und anhänglich zu wirken. Das könne sie schnell als verzweifelt abstempeln. Auch dieses Klischee drängt die Frau in die passive Position und vermittelt den Eindruck, dass eine interessierte Frau direkt "too much“ ist. Sei interessiert, aber nicht zu verzweifelt, schenke dem Mann Aufmerksamkeit, aber sei ja nicht anhänglich. Fakt ist: Du bist nicht "too much“, wenn du deine Gefühle und Interessen offen kommunizierst. Das ist gesund und ebnet den Grundstein für eine gleichberechtigte, gesunde Beziehung.

3. Klischee: Männer entscheiden, wann es ernst wird

Wer fragt, wann das erste Date stattfindet? Wer fragt, ob man offiziell ein Paar sein wird? Und wer stellt die Frage aller Fragen bei einem Heiratsantrag? Natürlich der Mann. Jedenfalls sagen das 45 Prozent der Befragten der von Bumble durchgeführten Studie. Nur vier Prozent waren der Meinung, dass diese Erwartung auch für Frauen gälte. Was bedeutet das? Der Mann gibt den Ton an, die Frau will erobert werden. So langsam ergibt sich ein Muster: Mann = aktiv, Frau = passiv. Wer diese Erwartungshaltung über Bord wirft, kann auch eine Beziehung auf Augenhöhe führen. Wer hat gesagt, dass nur der Mann auf die Knie fallen und einen Ring in einer Box präsentieren kann?

4. Klischee: Frauen haben ein "Verfallsdatum“ beim Dating

Dieses Vorurteil ist besonders boshaft. Es vermittelt den Eindruck, dass Frauen ein "Verfallsdatum" haben, wenn es um das Dating und die Gründung einer Partnerschaft geht. 42 Prozent der in der Umfrage Befragten geben an, dass von Frauen erwartet wird, sich rechtzeitig darum zu kümmern, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, bevor sie zu alt sind. Weil dieses Vorurteil sich wacker in der Gesellschaft hält, geben ein Drittel der weiblichen Befragten an, dass das solch einen Druck auf sie ausübe, dass sie das Gefühl haben, auf der Partnersuche Abstriche machen zu müssen. Durch dieses Klischee wird das Selbstbewusstsein von Frauen aktiv gemindert, der Zwang nach Jugendlichkeit erhöht und Druck auf uns Frauen ausgeübt. Für den Mann gilt das "Verfallsdatum“ auf der Partnersuche übrigens nicht im selben Maße wie für Frauen. Von Gleichberechtigung keine Spur.

5. Klischee: Männer müssen die Brötchen verdienen

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen wir Frauen finanziell abhängig von Männern waren. Wir gehen unsere Finanzplanung eigenständig an, fordern mehr Gehalt und investieren clever. Doch das scheint noch immer nicht überall angekommen zu sein. Ein Großteil der Befragten sind der Meinung, dass auch heute noch erwartet wird, dass der Mann das größere Einkommen hat und so erstrangig für den Lebensunterhalt sorgt. Das übt jede Menge Druck auf den Mann aus. Mehr als die Hälfte der männlichen Befragten haben sich bereits in der Vergangenheit unter Druck gesetzt gefühlt, mehr als ihre bessere Hälfte verdienen zu müssen.

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6. Klischee: Frauen passen sich an

Bei all diesen Vorurteilen überrascht es nicht, dass Frauen sich oft anpassen und ihr Verhalten ändern. Bloß nicht zu interessiert oder anhänglich wirken, immer dem Mann das Gefühl von Überlegenheit geben, seinem Tempo folgen und ja nicht "too much“ sein. Wir wollen die Spielchen spielen, die uns eine glückliche Partnerschaft bescheren sollen. Doch was kostet uns das? Wir verlieren uns selbst und tragen gleichzeitig dazu bei, dass auch der Mann unter einer Menge Stress und Druck leidet. Fazit: Die Romance Gap der Geschlechter ist für alle Beteiligten von Nachteil.

Das stellt die Romance Gap mit uns an

Überraschung! Die Romance Gap tut niemandem gut. Sind die Geschlechter beim Dating und während einer Beziehung nicht auf Augenhöhe, hat das für alle Beteiligten mehrere Nachteile. Frauen dürfen nicht sie selbst sein, aus Angst, zu verzweifelt zu wirken, Männer empfinden großen Druck, weil sie den Ton angeben sollen. Diese Erwartungshaltung ist nicht nur kräftezehrend für alle Beteiligten, sie erschwert das Dating und Beziehungen auch unnötig. Diesen Eindruck bestätigt auch die von Bumble durchgeführte Studie. 47 Prozent der befragten Männer und Frauen sind der Meinung, dass solche klischeebehafteten Geschlechterrollen es deutlich schwerer machen, eine gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe zu führen.

Was hilft, die Romance Gap zu überwinden?

Wir finden: Es ist höchste Zeit für einen Wandel. Wir wünschen uns mehr Gleichberechtigung in der Liebe. Niemand sollte sich mehr auf Dates verstellen müssen, um einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Die Spielregeln, dass der Mann mehr verdienen sollte oder dass die Frau auf den Heiratsantrag warten muss, sollten zumindest einmal gut überdacht, am besten aber direkt aus dem Fenster geschmissen werden. Wir machen unsere eigenen Regeln beim Dating und das heißt auch, dass wir offen miteinander kommunizieren, unsere Bedürfnisse und Grenzen mitteilen und uns nicht mehr verstellen. Weg mit den stereotypisierten Geschlechterrollen und her mit gleichberechtigter Liebe auf einer Wellenlänge.

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Verwendete Quellenthebeehive.bumble.com

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