Liebeshormon Oxytocin: Wie sich das Hormon auswirkt

Hormon-High oder Liebes-Low? Diese Rolle spielt das Liebeshormon Oxytocin

Liebe gehört zu den intensivsten Gefühlen, die wir erleben. Das Kuschelhormon Oxytocin spielt dabei eine ganz besondere Rolle. Alles, was du darüber wissen solltest, gibt’s jetzt für dich zusammengefasst.

Kuscheln, küssen und die Partnerin oder den Partner in die Arme nehmen: Wenn wir verliebt sind, schüttet unser Körper Hormone aus, durch die wir uns zu unserem Gegenüber stark hingezogen fühlen. Das bekannteste Liebeshormon ist neben Dopamin das Hormon Oxytocin, welches für ordentlich Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch sorgt. Seine Wirkung wurde auf wissenschaftlicher Ebene in vielen Studien nachgewiesen und Forscherinnen und Forscher untersuchen schon seit geraumer Zeit die Effekte des Hormons – mit erstaunlichen Ergebnissen. Wir verraten dir, welche Prozesse durch das Liebeshormon im Körper ausgelöst werden und warum ein zu viel an Oxytocin durchaus schädlich sein kann.

Was wird unter dem Liebeshormon Oxytocin verstanden?

Oxytocin ist umgangssprachlich auch unter den Begriffen "Liebeshormon", "Bindungshormon" oder "Kuschelhormon" bekannt. Dabei ist Oxytocin nicht nur ein Hormon, sondern auch ein Neurotransmitter. Es wird im Gehirn produziert und besteht aus insgesamt neun Aminosäuren. Die Bezeichnung Oxytocin leitet sich vom Altgriechischen ab und heißt übersetzt "schnelle Geburt". Der Name ist Programm. Das Hormon Oxytocin steigert während des Sex nicht nur die Lust, sondern ruft im Körper auch ein Gefühl tiefer Verbundenheit mit deinem Partner oder deiner Partnerin hervor. Zeugt ihr ein Kind zusammen, so übernimmt Oxytocin gleich mehrere Funktionen bei der Geburt. Zum einen leitet das Hormon die Wehen ein, zum anderen regt es aber auch die Milchproduktion an und ermöglicht so das Stillen des Babys. Gleichzeitig stärkt es die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Oxytocin: Diese Wirkungen kann das Liebeshormon haben

Die Ausschüttung des Hormons Oxytocin hat mehrere Effekte auf den Körper und dein Wohlbefinden. Du hast schon erfahren, dass das Liebeshormon eine zentrale Rolle bei der Geburt einnimmt. Daher galt es lange Zeit als reines Hormon für Frauen. Zwar ist es immer noch ein entscheidender Bestandteil in der Geburtshilfe, allerdings wirkt es sich vielfältig auf den Körper aus – sowohl bei Frauen als auch Männern. In Studien konnten folgende Effekte festgestellt werden:

  • Das Hormon fördert ein positives Miteinander und soziales Zusammenleben der Menschen.
  • Oxytocin stärkt die Paarbindung, die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin und intensiviert die Liebe.
  • Das Liebeshormon kann Stress und Angst lindern.
  • Menschen fühlen sich stärker zu dem oder der Liebsten hingezogen.
  • Das Liebeshormon lässt das Vertrauen zwischen zwei Menschen steigen und schafft Intimität und Geborgenheit.
  • Oxytocin macht dich empathischer.

Die Studienlage: Harmloses Kuschelhormon oder doch Aggressor?

Und nun kommt das große Aber: Seit 2005 boomt die Forschung rund um das Liebeshormon und es wurden weltweit zahlreiche Studien durchgeführt, die die Effekte auf den menschlichen Organismus bei Männern und Frauen untersuchen. Außerdem sollte erforscht werden, inwiefern sich das Hormon auf die Liebe und das Bindungsverhalten auswirkt. Während der Botenstoff Dopamin einstimmig als Glücklichmacher identifiziert wurde, kommen die Forscherinnen und Forscher in Sachen Oxytocin keineswegs immer zu deckungsgleichen Ergebnissen. Aufgrund der Pluralität an Studien ist es umso wichtiger, die Ergebnisse aus der Wissenschaft richtig einzuordnen und zu interpretieren.

Angefangen hat alles mit der Forschung an Tieren. In Experimenten wurde Mäusen Oxytocin verabreicht und die Effekte untersucht. Dabei stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass das Hormon traumatische soziale Erfahrungen auslöschen kann. Bei Menschen konnte beobachtet werden, dass in vielen Fällen Angstzustände gemindert wurden. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde auch die Steigerung von Empathie und Vertrauen. Dem gegenüber steht eine Studie aus dem Jahr 2011, die ebenfalls Experimente mit Mäusen durchführte. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Oxytocin bei zu hoher Dosis Misstrauen und sogar Aggressionen zwischen Menschen hervorrufen kann.

Aktuell prüfen Forscherinnen und Forscher, inwiefern das Liebeshormon Oxytocin zu therapeutischen Zwecken genutzt werden kann und das Verhalten der Patientinnen und Patienten beeinflusst. Denkbar ist die Behandlung von sozialen Phobien oder Autismus. Gleichzeitig forschen sie zum Einsatz des Hormons in Bezug auf chronische Depressionen sowie Persönlichkeitsstörungen. Hier knüpfen sie an bereits durchgeführte und vielversprechende Studien aus dem Jahr 2010 an. Darin zeigte sich, dass Oxytocin die sozialen Fähigkeiten von Autisten verbesserte und die Rezeptoren im sozialen Gehirn aktiviert wurden.

Wirkt Oxytocin bei jedem Menschen gleich?

Auch auf diese Frage hat die Wissenschaft bisher noch keine eindeutige Antwort gefunden. Individuelle und hormonelle Prozess beim Menschen könnten mit dem Wirkungsgrad der Effekte zusammenhängen und begründen, warum nicht jeder Mensch gleich auf Oxytocin reagiert. Die menschlichen Rezeptoren springen unterschiedlich auf das Hormon an.

Vorsicht! Das solltest du beachten

Oxytocin wirkt sich in vielen Fällen also positiv auf deinen Körper aus. Allerdings konnten auch einige negative Effekte nachgewiesen werden, die zu einem vorsichtigen Umgang mit dem Hormon mahnen. Mittlerweile gibt es sogar Oxytocin-Präparate in Form von Hormon-Sprays. Experten und Expertinnen raten jedoch strikt von der Einnahme ab. Diese seien nur für bestimmte Zielgruppen angedacht und können nicht zwingend dazu beitragen, die Beziehungen zu verbessern oder das Vertrauen zum Partner oder der Partnerin zu stärken.

Auch spannend:

Verwendete Quellen: apotheken-umschau.de, mpg.de, dw.de

Paar kuschelt auf dem Sofa
Eine Studie hat herausgefunden, welche Gegenstände glückliche Paare miteinander teilen. Hier kommen die Ergebnisse. Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...