Hassliebe: Ursachen und wichtige Tipps für das Gefühlschaos

Hassliebe: Ursachen und wichtige Tipps, mit denen du das Gefühlschaos überstehst

Kennst du diese eine Person, ohne die du nicht leben kannst, aber gleichzeitig kannst du sie nicht ausstehen? Dann verbindet euch vermutlich eine Hassliebe. Was das ist und wie du mit diesem Gefühl umgehen kannst, erfährst du hier.

Hassliebe in einer Beziehung
© Alex Green / Pexels
Wer Hassliebe für jemanden empfindet, der befindet sich ständig in einer Achterbahnfahrt der Gefühle.

Gefühle sind manchmal wirklich anstrengend. Nicht immer können wir unsere Emotionen klar benennen. Wir wissen auch nicht immer, warum wir sie fühlen. Manchmal sind sie so stark, dass wir gar nicht wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Besonders, wenn unsere Gefühle für eine Person von einem Extrem ins andere schwanken, sind wir oft verwirrt. Ein Beispiel dafür ist Hassliebe – doch was ist das genau?

Was ist Hassliebe und wie äußert sie sich?

Unter Hassliebe versteht man eine starke emotionale Bindung zu einer Person, die sich abwechselnd in Zu- und Abneigung äußert. Die Emotionen Hass und Liebe sind in dieser Beziehung gleich stark, obwohl sie eigentlich nicht unterschiedlicher sein könnten. Schließlich ist Hass das stärkste Gefühl der Ablehnung, während Liebe das stärkste Gefühl der Anziehung ist.

Hassliebe tritt in den verschiedensten zwischenmenschlichen Beziehungen auf. Besonders häufig ist sie in Partnerschaften, zwischen Mutter/Vater und Kind oder unter Freunden zu finden. Sie entsteht aus einer ungesunden Abhängigkeit zwischen zwei Menschen, doch die Ursachen können ganz unterschiedlich sein. Genau wie unerwiderte Liebe kann sie einen sehr belasten.

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Was sind mögliche Ursachen für Hassliebe?

Die Ursachen für Hassliebe sind von Person zu Person unterschiedlich, aber bestimmte Muster lassen sich immer wieder erkennen.

  • Zu wenig Selbstbewusstsein: Psychologin Margaret Clark und ihr Kollege Steven Graham von der Yale Universität haben bereits im Jahr 2006 herausgefunden, dass Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein besonders von Hassliebe betroffen sind. Sie neigen dazu, sich an einen bestimmten Menschen zu klammern, der ihnen eine Form von Sicherheit gibt und somit verantwortlich für ihr Wohlbefinden ist. Gibt ihnen dieser Mensch nicht genug Aufmerksamkeit oder verhält er sich in ihren Augen “falsch”, bricht diese Sicherheit weg. Die Person mit mangelndem Selbstbewusstsein fühlt sich dann im Stich gelassen. Sie fühlt in diesen Momenten Hass gegenüber der Person, obwohl sie sie eigentlich liebt. 
  • Narzisstische Persönlichkeit: Viele narzisstische Menschen haben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Hinter dem arroganten Auftreten steckt häufig eine tiefe Unsicherheit und wenig Vertrauen in sich selbst.
  • Starke emotionale Abhängigkeit: Menschen mit wenig Selbstbewusstsein sind häufig von anderen Personen – beispielsweise ihrem Partner – abhängig. Sie haben Angst, verlassen zu werden und suchen ständig nach Bestätigung. Oft basiert eine starke Abhängigkeit auf schlechten Erfahrungen in der Kindheit.
  • Wenig Kontrolle über die eigenen Gefühle: Ist man einmal in eine negative Gedankenspirale gerutscht, kommt man nur schwer wieder heraus. Hat man wenig Kontrolle über seine Gefühle und Denkweisen, können diese leicht ins Extreme rutschen. Die Folge sind starke Emotionen wie Liebe und Hass. Betroffene können keine gesunde Distanz zu ihren Gefühlen aufbauen und leiden unter ihnen.
  • Ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken: Personen, die in ihren Denkmustern nur zwischen zwei Extremen unterscheiden können, sind besonders anfällig für Hassliebe. Für sie gibt es kein Grau, sondern nur Schwarz und Weiß – also nur Liebe und Hass. Sie können nicht klar unterscheiden, welchem Gefühl sie mehr vertrauen sollen.

Hilfe, ich befinde mich in einer Hassliebe! Was kann ich tun?

Du merkst, dass du in einer Hassliebe gefangen bist? Dann solltest du deine Gefühle nicht ignorieren! Aber keine Sorge: Es gibt viele Möglichkeiten, was du in so einer Situation tun kannst.

  • Stärke dein Selbstvertrauen: Zu Anfang solltest du versuchen, an deinem Selbstvertrauen zu arbeiten. Natürlich klingt das leichter, als es eigentlich ist – sonst wärst du gar nicht erst in dieser Situation gelandet. Hierfür gibt es verschiedene Übungen, die du ausprobieren kannst. Erstelle zum Beispiel eine Liste mit Eigenschaften, die du an dir magst. Das können auch banale Dinge sein. So lernst du, dich mit dir selbst auseinanderzusetzen. Falls dir nicht genug Eigenschaften einfallen, frage Familie oder Freunde, was sie an dir schätzen. Es hilft auch, sich immer wieder nette Botschaften über sich selbst zu sagen.
  • Vertraue auf dich und deine Fähigkeiten: Unsicherheit eines Partners führt häufig zur Trennung. Sie ist ein wahrer Beziehungskiller. Aber je mehr du dir vertraust, desto weniger bist du von anderen abhängig und du kannst deine Gefühle besser kontrollieren. So kommst du weg vom Hass. 
  • Lasse Veränderungen zu: Egal, wie viel Zuneigung du gegenüber der Person empfindest, tief im Herzen weißt du: Eigentlich tut dir die Beziehung nicht gut. Du kannst entweder aktiv an ihr arbeiten und Probleme offen ansprechen oder es beenden. Denn manchmal hilft es nur, sich von dem Partner, einem toxischen Familienmitglied oder einer engen Freundschaft zu trennen, um im Leben weiterzukommen. Das ständige Auf und Ab tut keinem gut. Auch wenn eine Trennung schmerzt: Manchmal ist es das Beste für dich.

Wenn alle Tipps nichts bewirken und du dich einfach nur noch überwältigt fühlst, kann eine Psychotherapie helfen, deine Gefühle zu sortieren. Mit ihr kannst du besser verstehen, warum du dich so fühlst. Du kannst jederzeit einen Termin für ein Erstgespräch über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung unter der 116 117 oder online unter www.eterminservice.de/terminservice vereinbaren. 

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Verwendete Quellen:  netdoktor.de, news.yale.edu, questico.de, medizin-im-text.de

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