Pearl-Index: So sicher sind Pille, Kondom und Co. wirklich

Pearl-Index: So sicher sind Pille, Kondom und Co. wirklich

Hast du dich schon mal gefragt, welche Verhütungsmethode am sichersten ist? Wir verraten es dir.

Pille, Kondom, Spirale – wenn es um die Verhütung beim Geschlechtsverkehr geht, gibt es viele Möglichkeiten, um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Schwer, bei der Riesen-Auswahl das perfekte Verhütungsmittel für einen zu finden. Ein Faktor, den du bei deiner Entscheidung unbedingt berücksichtigen solltest, ist der Pearl-Index. Was es mit damit auf sich hat, verraten wir dir hier. Außerdem findest du hier eine Übersicht über alle Verhütungsmittel und deren Pearl-Index.

Der Pearl-Index gibt an, wie sicher die Verhütungsmittel sind

Der Pearl-Index wurde nach dem amerikanischen Wissenschaftler Raymond Pearl benannt. Dieser hat den Pearl-Index 1933 eingeführt. Der Index gibt an, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. Er ist somit das offizielle Beurteilungsmaß der Verhütung. Generell gilt: Je niedriger der Pearl-Index eines Verhütungsmittels, desto sicherer ist es.

Die Zahl gibt an, wie viele von 100 Frauen trotz jeweiliger Verhütung schwanger geworden sind. Man kann sich das Ganze so vorstellen: 100 Frauen haben ein Jahr lang jeweils eine spezielle Verhütungsmethode angewendet. Die Anzahl an Frauen, die trotz der Anwendung des Verhütungsmittels schwanger geworden sind, geben den Pearl-Index an.

Beispiel:

  • Von 100 Frauen sind 4 Frauen trotz Anwendung des jeweiligen Verhütungsmittels schwanger geworden. Der Pearl-Index beträgt demnach 4,0
  • Von 1000 Frauen sind 1 bis 7 Frauen trotz Anwendung des jeweiligen Verhütungsmittels schwanger geworden. Der Pearl-Index beträgt demnach 0,1 bis 0,7.

Je niedriger also der Wert, desto weniger Frauen sind bei der Anwendung der jeweiligen Verhütungsmethode schwanger geworden und desto sicherer ist die Methode demnach auch. Trotzdem: Der Pearl-Index ist lediglich ein Richtwert. Es lässt sich nämlich nur schwer überprüfen, ob das Paar bei der Anwendung der Methode zur Verhütung alles richtig gemacht hat. Je nach Methode können auch andere Faktoren (zum Beispiel Erbrechen oder Durchfall bei oralen Verhütungsmitteln) die Wirksamkeit beeinflusst haben.

Pearl-Index aller Verhütungsmethoden im Überblick

In der Fachliteratur schwanken die Angaben zur Sicherheit der einzelnen Verhütungsmethoden. Das liegt daran, dass einige Erhebungen von einer perfekten Anwendung ausgehen (theoretischer Pearl-Index), während andere Anwendungsfehler mit einbeziehen (praktischer Pearl-Index). 

Wird bei einem Verhütungsmittel ein Wert "von bis" angegeben, so beschreibt der niedrigere Wert die perfekte Anwendung ohne Anwendungsfehler (theoretischer Pearl-Index) und der höhere Wert berücksichtigt Fehler bei der Anwendung (praktischer Pearl-Index). Sind beide Werte ungefähr gleich groß, ist die jeweilige Methode zur Verhütung einfach anzuwenden. Liegen die beiden Werte weit auseinander (wie es zum Beispiel beim Kondom oder Diaphragma plus Spermizid der Fall ist), ist das ein Hinweis darauf, dass häufig Anwendungsfehler passieren und dass die Sexualpartner das Verhütungsmittel konsequent und sorgfältig anwenden müssen, damit es wirksam vor einer ungewollten Schwangerschaft schützt.

Die folgenden Pearl-Index-Werte stammen von Pro Familia, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

  • Hormonspirale: 0,16
  • Pille: 0,1 – 0,9
  • Depotspritze: 0,3 – 0,88
  • Minipille: 0,5 – 3
  • Vaginalring: 0,4 – 0,65
  • Verhütungspflaster: 0,72 – 0,9
  • Kupferspirale: 0,3 – 0,8
  • Hormonimplantat: 0 – 0,08
  • Symptothermale Methode (nur wenn kombiniert mit Verzicht auf Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen): 0,4 – 1,8
  • Diaphragma: 1 – 20
  • Kondom: 2 – 12
  • Portiokappe: 6
  • Kondom für die Frau: 5 – 25
  • Chemische Verhütungsmittel (Spermizid): 3 – 21
  • Coitus Interruptus: 4 – 18
  • Keine Verhütung: 85
  • Sterilisation der Frau: 0,2 – 0,3
  • Sterilisation des Mannes: 0,1
  • Kalendermethode: 9

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Schwächen des Pearl-Index

So praktisch der Pearl-Index auch ist – ganz fehlerfrei kommt er nicht daher. So berücksichtigt er zum Beispiel nicht, dass einige Paare fruchtbarer sind als andere oder mehr Geschlechtsverkehr haben als andere. Auch wird nicht angegeben, wie viel Erfahrung ein Paar mit der Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode hat. Diese persönlichen Faktoren werden außer Acht gelassen.

Auch sagt er nichts darüber aus, warum eine Methode versagt hat. Deshalb wird oft zwischen der Methodensicherheit und der Anwendungssicherheit unterschieden.

  • Methodensicherheit (theoretischer Pearl-Index): Die Zahl der Schwangerschaften, zu denen es ohne Anwendungsfehler gekommen ist.
  • Anwendungssicherheit (praktischer Pearl-Index): Die Zahl der Schwangerschaften, zu denen es inklusive Anwendungsfehler gekommen ist.

Wird eine Verhütungsmethode also nicht korrekt angewendet, kann es zu Anwendungsfehlern kommen, die den Pearl-Index der jeweiligen Methode verschlechtert, obwohl sie bei korrekter Anwendung eventuell sogar zu 100 Prozent schützen würde.

So findest du das richtige Verhütungsmittel für dich

Wie du weiter oben in der Liste der Verhütungsmittel siehst, gibt es eine Vielzahl an Methoden zur Verhütung. Schwer, da die Richtige für einen zu finden. Neben dem Pearl-Index, also die Sicherheit der jeweiligen Methode, gibt es noch weitere Faktoren, die du bei deiner Entscheidung berücksichtigen solltest. Stell dir dabei folgende Fragen:

  • Welche Kosten entstehen bei der Anwendung des jeweiligen Verhütungsmittels?
  • Wie einfach ist die Anwendung der Methode zur Empfängnisverhütung?
  • Lässt sich das Verhütungsmittel gut in meinen Alltag integrieren?
  • Will ich ein Verhütungsmittel, das Hormone enthält oder will ich lieber hormonfrei verhüten?
  • Wie lange will ich noch verhüten? Habe ich vielleicht bald einen Kinderwunsch?
  • Will ich ein Verhütungsmittel, das einmal einsetzt wird und wo ich mich um nichts weiter kümmern muss? Oder will ich eins, das ich selber regelmäßig anwenden muss und über das ich mehr Kontrolle habe?
  • Bin ich bereit, einen Eingriff zum Einsetzen des Verhütungsmittels in Kauf zu nehmen, der eventuell mit Schmerzen verbunden ist?

Willst du genau wissen, welches Verhütungsmittel das passende für dich ist, dann kannst du auch unseren Test machen: Welches Verhütungsmittel ist das beste für mich?

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Verwendete Quellen: profamilia.de, dak.de

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