So geht natürliche Verhütung

Natürliche Verhütung: So funktionieren die hormonfreien Verhütungsmethoden

Keine Lust mehr auf künstliche Hormone? Dann könnte die natürliche Verhütung etwas für dich sein. Alles, was du wissen musst und wie sicher die Methoden wirklich sind, erfährst du hier.

Zykluskalenderfür natürliche Verhütung
© Aleksandr Koltyrin
Natürliche Verhütung: So geht's

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der natürlichen Verhütung geht es darum, die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage einer Frau im Zyklus zu identifizieren.
  • Willst du eine Schwangerschaft vermeiden, solltest du ungeschützten Sex nur an den unfruchtbaren Tagen haben. An den fruchtbaren Tagen kannst du zusätzlich andere Verhütungsmittel wie ein Kondom oder ein Diaphragma verwenden.
  • Wünschst du dir ein Baby, sorgst du natürlich an den fruchtbaren Tagen für intime Momente mit dem future Baby Daddy.

Natürliche Verhütung: Was ist das?

Pille, Hormonspirale und Co. zählen zu den beliebtesten Verhütungsmitteln für Frauen und gelten als besonders sicher. Doch leider gehen mit der Verwendung dieser Verhütungsmethoden auch oft einige Risiken und Nebenwirkungen einher. Viele Frauen leiden besonders unter hormonellen Präservativen wie der Pille. Stimmungsschwankungen, sexuelle Unlust und Gewichtszunahme sind nur wenige der Side Effects hormoneller Verhütung.

Willst du komplett auf hormonelle Methoden verzichten und natürlich verhüten, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Grundlage der natürlichen Empfängnisverhütung ist es, herauszufinden, welches die fruchtbaren und welches die unfruchtbaren Tage sind. Ist keine Schwangerschaft erwünscht, solltest du nur an den unfruchtbaren Tagen Sex haben oder an den fruchtbaren Tagen zusätzlich mit einem Kondom oder einem Diaphragma verhüten. Welche unterschiedlichen Methoden der natürlichen Verhütung es gibt, erfährst du weiter unten.

Wie sicher ist die natürliche Verhütung?

Wie sicher eine natürliche Empfängnisverhütung ist, kann nicht eindeutig gesagt werden. Die Methode hängt immer stark davon ab, wie geübt die Frau mit der jeweiligen Methode ist und wie verlässlich sie angewendet wird.

Es braucht in der Regel mehrere Monate, bis du ein Gespür für deinen Zyklus hast und weißt, wann der ungeschützte Verkehr im Hinblick auf eine ungewollte Schwangerschaft sicher ist und wann nicht. Vergisst du beispielsweise an einem Tag deine Temperatur zu messen, kann das die Sicherheit der natürlichen Verhütung trüben. Deshalb gilt die natürliche Verhütung grundsätzlich als nicht so verlässlich wie Pille, Kondom und Co.

Vorteile und Nachteile der hormonfreien Verhütung

Vorteile

  • Du nimmst keine künstlichen Hormone zu dir
  • Keine Nebenwirkungen wie bei Pille, Spirale und Co.
  • Deine Stimmung ist nicht durch Hormone getrübt
  • Du bekommst ein Gespür für deinen Zyklus und deinen Körper
  • Du lernst, deinen Körper besser einschätzen zu können und auf seine Bedürfnisse zu hören

Nachteile

  • Es dauert mehrere Monate, bis du deinen Zyklus einschätzen kannst
  • Du musst die Methoden verlässlich und konsequent anwenden
  • An fruchtbaren Tagen sollte zusätzlich mit Kondom oder Diaphragma verhütet werden
  • Medikamente, Schlafmangel, Alkohol oder andere Faktoren können deinen Zyklus beeinflussen

Die Methoden: So funktioniert die natürliche Verhütung

Temperaturmethode

Bei der Temperaturmethode geht es darum, die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage mittels der Messung der Körpertemperatur zu bestimmen. Anhand der Körpertemperatur einer Frau kann man nämlich erkennen, an welchem Zeitpunkt in deinem Zyklus sie sich in etwa befindet. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur der Frau nämlich um etwa 0,2 bis 0,4 Grad an. Das klingt nach nicht viel, lässt sich aber mithilfe eines Thermometers gut feststellen. Und so funktioniert’s:

Wichtig ist, dass du täglich deine Basaltemperatur misst. Dafür brauchst du ein Thermometer, das auf zwei Stellen hinter dem Komma die genauen Temperaturwerte anzeigt. Du kannst auch einen speziellen Zykluscomputer verwenden, der deine Daten direkt speichert und dir einen genauen Überblick über deinen Zyklusverlauf gibt und dir automatisch anzeigt, ob du fruchtbar bist oder nicht.

Damit die Methode funktioniert, musst du die Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen noch vor dem Aufstehen messen und mindestens 5 Stunden geschlafen haben. Trage die Werte in eine Zyklus-App oder einen Zykluskalender ein, solltest du keinen Zykluscomputer haben. Das musst du konsequent jeden Tag machen, um deine Temperaturkurve richtig interpretieren zu können. Es dauert meist mehrere Monate, bis du ein Gespür für deinen Körper und deinen Zyklus bekommst und deine Körpertemperatur in- und auswendig kennst.

Mehr zur Temperaturmethode hier: Natürliche Verhütung mit Basalthermometer

Billings Methode / Zervixschleim Methode

Die Billings Methode, auch Zervixschleim Methode genannt, untersucht den Schleim am Muttermund. Dieser verändert sich nämlich in Abhängigkeit vom Hormonzyklus. Dafür nimmst du den Schleim mit deinen Fingern oder einem Tupfer aus der Scheide und überprüfst ihn auf Farbe und Konsistenz.

Kurz vor, während und kurz nach dem Eisprung ist der Östrogenspiegel bei der Frau erhöht und der Zervixschleim verändert sich. Er ist nun nicht mehr milchig und dickflüssig, sondern wird dem Eisprung näher rückend immer klarer und flüssiger und zieht Fäden, wenn du den Schleim zwischen den Fingern spannst. Dann sind deine fruchtbaren Tage und du solltest zusätzlich mit Kondom oder Diaphragma verhüten, solltest du dir keine Schwangerschaft wünschen.

Knaus-Ogino Methode / Kalendermethode

Bei der natürlichen Verhütungsmethode nach Knaus-Ogino musst du deinen Zyklusverlauf genaustens protokollieren, um dann die fruchtbaren und die unfruchtbaren Tage berechnen zu können. Die Methode beruht auf der Erkenntnis, dass der Eisprung einer Frau immer in der Mitte des Zyklus auftritt.

Da der weibliche Zyklus aber oft schwankt, sollte die tägliche Dokumentation mindestens über sechs Monate besser über ein Jahr erfolgen, damit du ein Gespür für deinen Zyklus bekommst. Der Zyklus beginnt immer mit dem ersten Tag der Periode. Du solltest genau dokumentieren, wann die Menstruation einsetzt und wann sie zu Ende ist. Auch körperliche Veränderungen, Stress, Reisen mit zeitlicher Verschiebung, die Einnahme von Medikamenten und Diäten müssen protokolliert werden. 

Hast du 12 Monate lang deinen Zyklus genaustens dokumentiert, kannst du mit der Berechnung starten. 

  • Nimm hierfür den kürzesten Zyklus und ziehe davon 18 Tage ab. Beispiel: Der kürzeste Zyklus war 27 Tage. 27 - 18 = 9. Somit beginnen die fruchtbaren Tage ab dem 9. Tag im Zyklus. 
  • Um den letzten fruchtbaren Tag zu bestimmen, betrachte den längsten Zyklus der letzten 12 Monate und ziehe hier 11 Tage ab. Beispiel: Der längste Zyklus war 30 Tage. 30 - 11 = 19. Die fruchtbaren Tage enden also am 19. Tag im Zyklus.
  • Eine Empfängnis ist in diesem Beispiel also zwischen dem 9. und dem 19. Tag im Zyklus möglich. 

Symptothermale Methode

Die symptothermale Methode achtet gleich auf mehrere Körperanzeichen, die dir verraten, ob du aktuell fruchtbar oder unfruchtbar bist. Dazu kombiniert diese natürliche Verhütung die Temperaturmethode mit der Billings Methode und der Knaus-Ogino Methode. Basaltemperatur, Zervixschleim und die Gewohnheiten deines Zyklus gemeinsam geben dir Aufluss über deinen Zyklus.

Du wendest alle drei Methoden wie oben beschrieben gleichzeitig an und bekommst so ein besonders gutes Gespür für deinen Körper. Das macht die symptothermale Methode zu der wohl sichersten und verlässlichsten Methode unter den natürlichen Verhütungsmethoden.

Coitus Interruptus

Viele denken, der sogenannte Coitus Interruptus, also das rechtzeitige Herausziehen des Penis aus der Vagina kurz vor dem Samenerguss, sei eine gute Methode der natürlichen Verhütung. Wir (und auch viele Frauenärzte und -ärztinnen) empfehlen diese Methode aber nicht (zumindest nicht als einzige Verhütungsmethode). Denn diese verlässt sich darauf, dass der Mann genau einschätzen kann, wann es bei ihm zum Samenerguss kommt. Vielen Männern fällt das aber schwer, sodass es schnell zu einem Ups-Moment kommen kann.

Und natürlich dürfen wir nicht den guten alten Lusttropfen vergessen. Auch vor dem großen Höhepunkt des Mannes kann schon eine geringe Menge Sperma aus dem Penis kommen und hier unter Umständen für eine ungewollte Befruchtung sorgen.

Pärchen
Habt ihr in eurem bisherigen Leben auch schon ganz viel Chemie geschluckt? Dann geht es euch wie vielen anderen Frauen auch, die mit der normalen Pille verhüten! Es gibt jedoch so manche Alternative: Für alle, die keine Hormone mehr nehmen wollen... Weiterlesen

Unsere Erfahrungen mit der hormonfreien Verhütung

Ich habe nun schon vor über drei Jahren die Pille abgesetzt und verrate dir hier, wie ich mit der hormonfreien Verhütung zurechtkomme.

Ich habe die Pille abgesetzt, weil ich (wie viele Frauen) keine Lust mehr auf Hormone hatte. Diese ständigen Stimmungsschwankungen und das Gefühl, nicht mehr eins mit einem Körper zu sein, haben mich einfach nur noch aufgeregt. Natürlich hatte ich kurz vor dem Absetzen der Pille Angst, dass meine Haut schlechter wird, meine Haare vermehrt ausfallen oder ich Gewicht zunehme. Aber all das war es mir Wert, endlich wieder mich selber spüren zu können. 100 Prozent Kyra, uncut und unlimmited so zu sagen. Und ich hatte wirklich Glück. Nebeneffekte des Absetzens der Pille, wie andere sie oft berichten, hatte ich zum Glück nicht. Ich spürte einfach nur von Monat zu Monat, wie ich wieder zu meinem alten Ich zurückkehrte. Mit besserer und stabilerer Laune, mehr Motivation und auch mehr Lust auf Sex.

So weit, so gut. Doch wie sieht es mit der Verhütung aus? Ein Kind wollte ich jetzt noch nicht, also musste eine Alternative zur Pille her. Da ich eine längere Zeit lang wechselnde Sexualpartner hatte und mich in keiner Beziehung befand, war das Kondom sowieso immer am Start. Neben einer ungeplanten Schwangerschaft hatte ich nämlich auch keine Lust auf Geschlechtskrankheiten. Für mich ist das Kondom die aktuell beste und für mich sicherste Methode der hormonfreien Empfängnisverhütung. Nun, da ich einen Partner habe, dem ich vertraue, kann ich mir auch vorstellen, das Gummi an den unfruchtbaren Tagen meines Zyklus in der Schachtel zu lassen.

Doch dafür muss ich erst mal eine der natürlichen Verhütungsmethoden auswählen. Ich habe mich jetzt für die Temperaturmethode entschieden, das Thermometer habe ich schon und ich bin auch schon fleißig dabei, meine Werte täglich zu notieren. Zum Glück passt diese Methode in meinen geregelten Alltag und bedarf nicht viel Aufwand. So ganz traue ich dem Braten aber noch nicht und habe daher nur dann ungeschützten Verkehr, wenn ich mir wirklich sicher bin, dass mein Eisprung einige paar Tage zurückliegt. Grundsätzlich kann ich diese Methode aber sehr empfehlen, wenn man sie gewissenhaft und konsequent anwendet und man damit klar kommt, dass man an einigen Tagen im Monat halt eben doch noch zum Präservativ greifen muss.

Natürliche Verhütung für den Mann: Geht das?

Im Internet kursieren auch so einige Tipps, mit denen auch der Mann natürlich verhüten können soll. So soll zum Beispiel ein Hodenbad im 35 Grad warmem Wasser oder das Essen von Papayasamen die Spermien in Schacht halten. Wissenschaftlich und medizinisch sind diese Methoden aber nicht belegt und mehr als zweifelhaft. So bleibt diese Aufgabe besser bei der Frau.

Natürliche Familienplanung: Das Spiel geht auch anders herum

Drehen wir den Spieß mal um. Willst du die Schwangerschaft nicht verhindern, sondern wünschst dir ein Kind, kannst du mit den natürlichen Methoden weiter oben auch die Familienplanung angehen. Hier achtest du in diesem Fall natürlich nicht auf die unfruchtbaren, sondern auf die fruchtbaren Tage und sorgst hier für reichlich intime Momente zwischen dir und dem future Baby Daddy.

Fazit

Natürliche Verhütung ist eine tolle Möglichkeit, auf hormonelle Verhütungsmethoden zu verzichten und ein besseres Gefühl für dich und deinen Körper zu bekommen. Wichtig ist nur, dass du die Methoden konsequent und gewissenhaft anwendest und dir zunächst ein paar Monate Zeit nimmst, um deinen Zyklus besser einschätzen zu können. Bist du dir unsicher, welche Methode die beste für dich ist, lass dich auch gerne von deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin beraten.

Verwendete Quellen: aok.de, apotheken-umschau.de

Anti-Baby-Pille
Keine Lust mehr auf die Pille und du weiß nicht genau, welche Alternative die beste ist? Dann pass jetzt gut auf. Hier kommen 10 hormonfreie und hormonelle Verhütungsmethoden. Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...