Free Bleeding: Brauchen wir diesen Trend wirklich?

- Gender Pay Gap, #metoo, #TimesUp, #Bodypositivity – natürlich sind wir Feministinnen, für die die Gleichberechtigung der Frau – in allen Bereichen – eine absolute Notwendigkeit ist. Trotzdem gibt es sie, diese feministisch angehauchten Trends, die uns fragend hinterlassen. Free Bleeding ist so ein Phänomen. Was Free Bleeding eigentlich ist und warum wir da ganz sicherlich nicht mitmachen werden, verraten wir euch hier.

Free-Bleeding

Hygieneartikel sind beim Free Bleeding tabu!

Die Menstruationstasse hat die von Tampons und Binden dominierte Industrie ganz schön aufgewirbelt. Immer mehr Anhänger sammeln ihr Regelblut in kleinen Plastik-Cups, die dann in der Toilette entleert werden. Eine ganz neue Möglichkeit, mit der Periode umzugehen, die von vielen als sehr angenehm empfunden wird. Wird es sich ähnlich mit Free Bleeding verhalten? Dabei geht es darum, "frei zu menstruieren". Also ohne jegliche Hygiene-Artikel. "Einfach laufen lassen" oder wie können wir uns das Phänomen vorstellen?

Free Bleeding: Was ist das eigentlich?

Ziel des Free Bleeding-Trends ist es, sich ganz bewusst mit dem eigenen Körper, bzw. dem eigenen Zyklus, auseinander zu setzen. Sämtliche Hygieneartikel, die das Menstruationsblut auffangen, also Binden, Slipeinlagen, Tampons, Menstruationstassen und Co., werden dabei abgelehnt. Free-Bleeding-Expertinnen wie Alisa Eresina etwa möchten damit die monatliche Regelblutung enttabuisieren und dem ausgeschiedenen Blut den vermeintlichen ekeligen Charakter nehmen.

Funktionieren kann das aber nur, wenn man seinen Körper wirklich gut kennt. Anders als viele Frauen denken, wird das Blut während der Periode nämlich nicht rund um die Uhr, sondern nur in Intervallen abgegeben. Ziel ist es also, die Signale des eigenen Körpers so gut deuten zu können, dass man einfach rechtzeitig auf die Toilette geht, um das Blut dann dort abzulassen. Zunächst kann man auf Slipeinlagen setzen, später ginge es allerdings komplett ohne – davon sind die Free Bleeding-Verfechterinnen überzeugt.

Wie lange dauert es, Free Bleeding zu lernen?

Wie lange es dauert, bis man komplett auf Hygieneartikel während der Periode verzichten kann, ist natürlich absolut individuell. Hast du etwa jahrelang die Pille genommen, wirst du sicherlich etwas länger brauchen, die Zeichen des Körpers deuten zu lernen. Immerhin werden sie durch die Hormonzufuhr verfälscht. In der Anfangsphase des Free Bleeding-Experiments solltest du auf jeden Fall Hilfsmittel wie Slipeinlagen dazu nehmen. Bist du sehr feinfühlig, wirst du irgendwann lernen zu merken, wenn das Periodenblut von der Gebärmutter hinunter wandert. Aber wie lernt man das Free Bleeding nun? Eine spezielle Technik gibt es nicht, aber hilfreich kann es sein, die Beckenbodenmuskeln zu trainieren. Abwechselndes Anspannen und Loslassen führt zu mehr Feinfühligkeit.

Free Bleeding: Eine Erfahrung, die wir NICHT machen wollen

Free Bleeding hat einige Vorteile, klar. So ist es etwa umweltschonend, auf Hygieneartikel zu verzichten. Weniger Müll = Happy Umwelt. Auch der Geldbeutel freut sich, immerhin brauchst du für Free Bleeding... NICHTS! Auch sollen die Periodenschmerzen (die übrigens so schlimm wie ein Herzinfarkt sein können!) deutlich abnehmen, wenn man auf Tampons verzichtet. Ein weiterer Vorteil: Beim Einführen von Tampons können Bakterien in die Scheide kommen, was zum Toxischen Schocksyndrom führen kann.

Trotzdem werden wir beim Free Bleeding-Trend passen. Warum? Weil wir es gerade NICHT als Befreiung empfinden, uns während unserer Periode stets in Toilettennähe aufzuhalten, immer in Alarmbereitschaft zu sein, um schnell losrennen zu können, wenn sich ein Schwall Blut mal wieder seinen Weg in Richtung Höschen bahnt. Die Periode ist eines der natürlichsten Dinge der Welt, sie ist der Grund, warum wir existieren, uns fortpflanzen können. Sie ist nichts, wofür man sich schämen muss, und jeder, der sich davor ekelt, hat ein großes Problem mit sich selbst. Trotzdem brauchen wir keine blutroten Flecken im Höschen, um uns weiblicher, befreiter, feministischer oder revolutionärer zu fühlen.

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