Stilldemenz: Alles über die Vergesslichkeit nach der Geburt

Stilldemenz: Das hat es mit der Vergesslichkeit nach der Geburt auf sich

Von der Stilldemenz spricht man, wenn Mütter in der Zeit nach der Geburt besonders vergesslich sind. Ursachen, Symptome und was hilft, findest du hier.

Von der Schwangerschaftsdemenz hast du bestimmt schon einmal gehört. Doch wusstest du, dass man auch in der Zeit nach der Geburt oft vergesslich und schusselig ist? Die Schwangerschaft und besonders, was danach kommt, ist unglaublich aufregend für uns Frauen, der Körper stellt sich um und auf einmal hat man einen neuen Menschen in Arm, für den man 24/7 sorgen muss. Da kann es schon mal sein, dass die Konzentration und das Gedächtnis etwas zurückbleiben. Wir erklären dir, was es genau mit der sogenannten Stilldemenz auf sich hat.

Was ist Stilldemenz?

Nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch nach der Geburt macht der Körper der Frau jede Menge Veränderungen durch. Wochenfluss, Milcheinschuss und hormonelle Veränderungen sind in den Wochen und Monaten nach der Geburt allgegenwärtig. Hinzu kommen die allgemeinen Umstellungen des Alltags. Man hat nun einen neuen Menschen an der Seite, der umsorgt werden will. Die Sorge, ob es dem Baby gut geht, was es braucht und ob man alles richtig macht, ist da ein ständiger Begleiter. Das Leben wird einmal komplett auf den Kopf gestellt.

Die Zeit nach der Geburt ist für viele Mütter eine echte Achterbahnfahrt. Viele Faktoren können dafür sorgen, dass Mamas gestresst sind, die Konzentration lässt nach und man leidet unter Vergesslichkeit. Man spricht hier von der sogenannten Stilldemenz, da die Vergesslichkeit bei vielen Mamas während der Stillzeit auftritt. Es gibt auch die Schwangerschaftsdemenz, die schon während der Schwangerschaft auftreten kann.

Doch keine Sorge: Mit einer richtigen Demenz hat das nichts zu tun. Der Begriff Demenz wird in diesem Kontext eher mit einem Augenzwinkern gesehen. Stilldemenz und Schwangerschaftsdemenz sind also keine richtigen Krankheiten, sondern beschreiben lediglich das Phänomen, das viele Frauen während der Schwangerschaft und in den ersten Wochen nach der Geburt erleben.

Was sind die Symptome?

An diesen Anzeichen erkennst du deine Stilldemenz:

  • Du bist schusselig und vergesslich
  • Deine Konzentration lässt nach
  • Du hast Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden

Was sind die Ursachen?

Dass du während der Stillzeit vergesslich wirst, hat meist nicht nur eine Ursache, sondern ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Wir klären die Hauptgründe, die die Vergesslichkeit und Schusseligkeit von Müttern in der Stillzeit verursachen können:

Hormone: Die Hormone fahren Achterbahn nach der Geburt. Sie müssen sich wieder neu einstellen und das kann einige Zeit dauern. Während der Stillzeit wird das Hormon Kortisol vermehrt ausgeschüttet. Das Stresshormon kann die Vergesslichkeit begünstigen. Und auch das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin, das ausgeschüttet wird, wenn du dein Kind im Arm hältst, kann Gedächtnisschwäche verursachen. Gegen die Hormonumstellung kann man leider nichts machen. Hier muss man einfach abwarten, bis die Hormone wieder im Gleichgewicht sind.

Schlafmangel: Wir alle kennen es: Haben wir mal nicht genug geschlafen, sind wir am nächsten Tag zu kaum etwas zu gebrauchen. In der Zeit nach der Geburt erleben junge Mütter einen Schlafmangel wie nie zu vor. Das wiederum schlägt sich in einer Konzentrationsschwäche und Leistungsschwäche nieder. Das ist leider erst einmal unumgänglich, denn immerhin will dein Baby regelmäßig gestillt werden.

Vitaminmangel: Das Stillen entzieht dem Körper jede Menge Vitamine und Mineralstoffe. Eng gekoppelt mit dem Erinnerungsvermögen sind vor allem Vitamin B12, Folsäure, Zink und Eisen. Wird das Gehirn nicht ausreichend mit diesen Stoffen versorgt, muss es auf die Reserven zurückgreifen. Das wiederum macht dich vergesslich.

Stress: Gerade wenn es das erste Kind ist, fühlen sich viele jungen Mütter überfordert in der neuen Rolle und sind gestresst. Sie sind sich unsicher, ob sie alles richtig machen. Gerade, wenn man keinen oder nur wenig Rückhalt von der Familie und Freunden hat, kann das in stressigen Situationen dafür sorgen, dass man schusselig wird.

Sind nur stillende Mütter vergesslich?

Der Begriff Stilldemenz vermittelt den Eindruck, dass die Vergesslichkeit mit dem Stillen zusammenhängt. Das ist jedoch nicht unbedingt der Fall. Der Name kommt nur dadurch zustande, dass die Symptome vor allem in der Stillzeit, also in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt auftreten. Auch wenn du nicht stillst, beeinflussen dich viele Faktoren, die die Stilldemenz fördern. Hormonumstellung, Schlafmangel, Überforderung… all das nimmst du auch wahr, wenn du deinem Kind die Flasche gibst. Und sogar Väter können von der Stilldemenz betroffen sein und unter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit leiden.

Wie lange hält die Stilldemenz an?

Wie lange die mütterliche Amnesie anhält, kann von Mutter zu Mutter verschieden sein. Bei einigen Frauen setzt die Vergesslichkeit schon gegen Ende der Schwangerschaft ein, sie kann aber auch erst nach der Geburt beginnen. Bis zu einem Jahr kann das Phänomen dann anhalten. Es kann aber auch schon deutlich früher vorbei sein. Haben du und dein Baby euch gut aufeinander eingestellt und du bekommst wieder mehr Schlaf, kommt meist auch dein Gehirn wieder zur alten Stärke.

Was hilft bei Stilldemenz?

Leider kann man gegen die Vergesslichkeit (und deren Ursachen) nur bedingt etwas tun. Schlafmangel, Stress und Co. sind leider in der Zeit nach der Geburt bei vielen Müttern meist unumgänglich. Trotzdem kannst du auf einiges achten. Wir geben dir nützliche Tipps mit an die Hand:

  • Ausreichend schlafen: Schlafmangel steht die ersten Wochen nach der Geburt auf dem Tagesplan. Ständig wirst du aus dem Schlaf geholt, weil dein Baby gestillt werden will. Was du da tun kannst, ist das Stillen (vor allem in der Nacht) so einfach wie möglich zu gestalten. Lass dein Baby in einem Beistellbettchen schlafen, sodass du nachts nicht aufstehen musst, sondern es einfach nur rüber heben und anlegen musst. Bleib beim Stillen liegen, lass das Licht aus und versuche anschließend, schnell wieder in den Schlaf zu finden. Versuche auch so oft wie möglich ein Nickerchen zu machen, wenn dein Baby schläft. Jede Tiefschlafphase hilft deinem Gedächtnis auf die Sprünge.
  • Gesunde Ernährung: Kochen ist in den ersten Wochen nach der Geburt zwar schwierig, weil du alle Hände voll zu tun hast, doch auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung solltest du nun besonders achten. Dein Körper braucht die Vitamine und Mineralien, die ihm durch das Stillen entzogen werden. Am besten kochst du schon vor der Entbindung vor und frierst die nährstoffreichen Gerichte ein. Manchmal reicht aber auch schon ein Salat und etwas Obst zwischendurch. Frag deinen Partner oder deine Partnerin oder Freunde und Familie um Unterstützung und bitte sie, etwas Frisches und Gesundes für dich zu kochen.
  • Viel trinken: Auch wenn der Alltag stressig ist, vergiss bitte nicht, ausreicht zu trinken. Trinken fördert deine Gedächtnisleistung. Hab immer ein Glas Wasser griffbereit.
  • Bewegung an der frischen Luft: Auch wenn es manchmal schwer mit Baby sein kann, ein langer Spaziergang an der frischen Luft tut dir gut und beugt Vergesslichkeit vor. Drehe hin und wieder eine Runde mit deinem Kind und dem Kinderwagen und die Bewegung und der Sauerstoff bringen dein Gehirn wieder in Gang.
  • Gute Organisation: Gerade nun, da deine Konzentration etwas nachlässt und du schusseliger wirst, sollte dein Alltag gut organisiert sein. Trage deine wichtigen Termine wie die U-Untersuchungen in einen Terminkalender ein, stell dir Erinnerungen von Alexa oder anderen Sprachassistenten ein, lege wichtige Dinge wie Autoschlüssel, Portemonnaie und Co. immer auf denselben Platz und mach dir Notizen zu To-Dos, die du unbedingt noch erledigen musst.
  • Hilfe vom Papa: Es sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber natürlich sollte der Vater im Alltag mithelfen. Natürlich musst du das Stillen übernehmen, aber für allen anderen Aufgaben sollte der Papa genauso zuständig sein wie du. Teilt euch die Aufgaben untereinander auf und wenn gerade mal Daddy-Zeit ist, kannst du dich ausruhen und schlafen.

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Verwendete Quellen: mutterberatung.de, babyartikel.de

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