Mansplaining: Männer entlarven, die dir die Welt erklären

Mansplaining: So entlarvst du Männer, die dir die Welt erklären wollen

Vom Mansplaining spricht man, wenn Männer Frauen bestimmte Sachverhalte unaufgefordert und ohne spezifisches Fachwissen erklären wollen. Wie du die Besserwisser entlarvst, erklären wir dir hier.

Vor einiger Zeit habe ich in meinen Instagram Stories einen Beitrag geteilt, in dem verkündet wurde, dass Spanien nun als erstes europäisches Land einen Menstruationsurlaub einführen will. Ich habe insgeheim schon die Minuten gezählt, bis die erste aufgeregte Nachricht von einem (männlichen) Follower eintrudelt. Und nicht mal 15 Minuten nachdem meine Story online gegangen war, hatte ich auch schon die erste DM.

Ein Bekannter erkläre mir, dass der Menstruationsurlaub garantiert von vielen Frauen ausgenutzt werden wird. Man würde es so den Frauen, die keine Unterleibsschmerzen hätten (als wären es nur die Unterleibsschmerzen 😄) leicht machen, einfach ein paar Tage auf der Couch zu chillen. Gleichzeitig wären die zusätzlichen Urlaubstage unfair, denn immerhin hätten Männer ja auch keine vergleichbaren Urlaubstage. 

Wie ich reagiert habe? Ich habe ihm einen Link geschickt, über den er sich umfangreich über das Thema Menstruationsurlaub informieren kann, einen weiteren Link zum Thema Menstruationsbeschwerden und zu guter Letzt noch einen Link zum Thema Mansplaining. Dann habe ich ihm viel Spaß beim Lesen gewünscht.

Mansplaining: Wenn Männer einem die Welt erklären

Ob im Büro, im Fitnessstudio oder auf einer Geburtstagsfeier – überall lauern sie: Männer, die ungefragt ihren Senf dazugeben wollen. Sicherlich hast du es auch schon mal mit den Besserwissern zu tun gehabt, die dich auf herablassende Art und Weise an ihrem vermeintlichen Wissen teilhaben lassen wollen – ohne Aufforderung selbstverständlich.

Dieses Phänomen ist keine Seltenheit. Dass einige Männer denken, sie könnten einer Frau die Welt erklären, kommt fast Tag täglich vor. So häufig sogar, dass es mittlerweile schon einen Begriff dafür gibt: "Mansplaining". Das Wort setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern "man" (Mann) und "explaining" (erklären). Mansplaining wird im Deutschen übrigens mit dem Wort "Herrklären" übersetzt.

Beim Mansplaining erklärt ein Mann einer weiblich gelesenen oder nicht-binären Person ungefragt und meist auf arrogante Art und Weise Dinge, zu denen er keine Expertise hat, sein weibliches Gegenüber aber möglicherweise schon. 

Der Begriff entstand auf der Grundlage des 2008 in der L.A. Times erschienenen Essays "Men explaining things to me“ von der US-amerikanischen Schriftstellerin Rebecca Solnit. Hier berichtet Solnit von einer Party auf der sie von einem Herren auf sehr arrogante Art und Weise über ein Buch belehrt wurde und dieser sich trotz mehrerer Versuche beim Erklären nicht unterbrechen ließ. Der Mann hatte jedoch keine Ahnung, dass das Buch, das er gerade so besserwisserisch in seinem Vortrag erklärte, von Solnit selbst geschrieben wurde. Im Essay stellt sie zwar klar, dass nicht jeder Mann automatisch auch ein Mansplainer ist, sie erklärt aber auch, dass Männer vergleichsweise häufig erklärende Reden schwingen, Frauen werden hingegen oft übertönt.

Beispiele: Das sind typische Mansplaining-Momente

Natürlich ist nicht gleich jede Situation, in der ein Mann einer Frau eine Sache erklärt, ein Mansplaining-Moment. Entscheidend sind folgende Fragen

  • Kennt sich die Person mit dem Thema gut aus und hat eine Expertise?
  • Wurde die Person nach ihrer Meinung gefragt oder aufgefordert, ihr Wissen zu teilen und bestimmte Sachverhalte zu erklären?
  • Hat die weibliche Person den jeweiligen Informationsstand noch nicht?

Ist die Antwort auf alle Fragen ja? Dann explain away! Ist die Antwort nein? Dann ist es höchste Zeit, aufzuhören zu reden.

Wir schauen uns einmal an, was typische Mansplaining-Momente sind. Hier einige Beispiele:

  • Ein Mann erklärt einer Frau (ohne jegliche Expertise) etwas über Feminismus
  • Ein Mann erklärt einer Frau (ohne jegliche Expertise) etwas über Periodenschmerzen
  • Ein Mann erklärt einer Frau, wie sie sich gerade fühlt
  • Ein Mann erklärt als Laie einer Frau als Kfz-Mechatronikerin, wie sie eine Starthilfe beim Autoüberbrücken zu geben hat

Mansplaining: Das steckt dahinter

Nicht selten erleben wir Frauen, wie uns ein Mann ganz besserwisserisch und arrogant etwas erklären will, wovon er nicht ansatzweise so viel Ahnung hat wie wir. Doch immer wieder spielen wir diese Situationen runter, rollen zwar die Augen und sagen trotzdem nichts. Dabei ist es wichtig, sich bewusst zu machen, was eigentlich hinter dem Phänomen Mansplaining steckt.

Doch was ist die Ursache von Mansplaining und warum haben Männer immer wieder den Drang, uns Frauen die Welt erklären zu müssen? Wir haben mit Autorin, Aktivistin und Influencerin Tara-Louise Wittwer gesprochen. Auf TikTok und Instagram spricht sie in ihrem Format "TikToxic" toxische Verhaltensweisen an. Im Interview erklärt sie uns:

Ich glaube, es ist eine Mischung aus Gewohnheit, Strukturen, in denen wir aufgewachsen sind und tatsächlich "helfen wollen". Dass die Hilfe aber ab einem gewissen Punkt übergriffig sein kann, will noch nicht so richtig in die Köpfe der Erklärenden. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.

Es dreht sich hierbei im Grunde auch um ein ungleiches Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen. Frauen werden in unserer patriarchalischen Gesellschaft aufgrund ihres Geschlechts immer wieder Kompetenzen und Fähigkeiten abgesprochen. Sie werden häufig als unterlegen und weniger kompetent eingeschätzt – egal auf welchem Fachgebiet. Das kann sogar so weit gehen, dass einige Männer meinen, sich mit Themen wie Schwangerschaft, Periode oder weibliche Orgasmen besser auszukennen oder als Laie eine Frau über ihr Fachgebiet belehren wollen. Hierbei handelt es sich um einen in der Gesellschaft tief verankerten Sexismus. Deshalb sind sich viele Besserwisser nicht einmal darüber bewusst, was sie da gerade tun, wenn sie einer Frau die Welt erklären. Um so wichtiger, dass wir Frauen laut werden und dem Mansplaining mit Nachdruck entgegenstehen.

Mansplaining erkennen: So entlarvst du einen Besserwisser

Wir betonen noch mal an dieser Stelle: Nicht jeder Mann, der etwas erklärt, ist auch gleich ein Mansplainer. Doch wie entlarvt man diesen denn nun? An diesen Anzeichen kannst du Mansplaining erkennen:

  • Die Person nimmt eine autoritäre Haltung ein
  • Die Person fragt nicht, ob der Gesprächspartner bzw. die Gesprächspartnerin ihre Meinung hören will
  • Die Person erkundigt sich nicht nach dem Wissensstand des Gegenübers
  • Die Person spricht dem Gegenüber die Expertise ab
  • Die Person verfällt in einen ausschweifenden Monolog
  • Die Person lässt sich nicht unterbrechen
  • Die Person duldet keinen Widerspruch

Mansplaining kontern: Tipps und was du tun kannst

Mansplaining ist nicht nur extrem nervig, es ist auch eine Form der Diskriminierung und Machtdemonstration, die einem auf Dauer das Selbstvertrauen rauben kann. Um das zu verhindern, solltest du das Herrklären nie einfach abnicken oder versuchen zu überhören. Tara-Louise Wittwer erklärt uns im Interview, wie man auf Mansplaining reagieren kann:

Höflich sagen, man braucht jetzt keine Erklärung dafür, da man nicht darum gebeten hat und / oder über genug Fachwissen verfügt. Ich bleibe dabei freundlich, aber setze klare Grenzen, dass ich es nicht wissen will. Freundlich heißt übrigens auch nicht "lieb sein" und das Gegenüber einlullen à la: "Ohhhh danke wie lieb von dir aber weißt du, gerade brauche ich es nicht. Aber vielleicht nächstes Mal, aber danke trotzdem!!!💓💓💓💓💓" Nein. Es muss schon deutlich sein, dass es unangebracht ist.

Wie genau du darauf reagierst, ist immer sehr typabhängig. Während einige Frauen sich nicht scheuen, direkt zu sein und mit Sprüchen wie: "Ich habe dich nicht nach deiner Meinung gefragt“ oder "Du brauchst mir nichts über xy erklären, da ich Expertin auf diesem Gebiet bin“ kontern, können andere Personen nicht ganz so mutig reagieren.

Dann kannst du zum Beispiel entlarvende Fragen wie "Was genau weißt du über das Thema? Hast du persönliches Fachwissen? Woher nimmst du deine Informationen zu dem Thema?“ stellen. Auch konsequentes Nachfragen kann mit etwas Geduld das Halbwissen des Mansplainers entlarven. Gleichzeitig kannst du die eigenen Kompetenzen mit einbringen und dem Gegenüber signalisieren, dass du ihn als Täuscher enttarnt hast.

Beim Kontern kommt es aber auch immer auf die Situation, den Kontext und die Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen an. Manchmal kann auch eine Prise Sarkasmus nicht schaden. "Das ist sehr spannend, was du da erklärst. Womit du dich auch mal beschäftigen könntest, ist das Thema Mansplaining. Vielleicht recherchierst du ja mal etwas dazu und wenn du noch Fragen hast, kannst du dich immer an mich wenden“, ist zum Beispiel eine gute Reaktion mit einem Augenzwinkern.

Wichtig ist vor allem, dass du dir Folgendes bewusst machst: Du musst dir nicht die unaufgeforderten Vorträge von Mansplainern anhören und du musst auch nicht so viel deiner eigenen Zeit und Energie darin investieren, den Mansplainern dieser Welt immer wieder den Spiegel vorzuhalten. Da ist die Gesellschaft gefragt – jede und jeder einzelne von uns sollte etwas dazu beitragen, um für mehr Gleichberechtigung und weniger Sexismus im Alltag zu sorgen.

Womansplaining: Sich auch mal an die eigene Nase fassen

Natürlich ist die Angewohnheit, Personen ungefragt und unaufgefordert am eigenen Halbwissen teilhaben zu lassen, nicht gender-exklusiv. Heißt: Natürlich mansplainen nicht nur Männer. Auch Frauen können Besserwisserinnen sein. "Womansplaining" nennt sich das Gegenstück zum Mansplaining. 

Dieses Verhalten hat in der Regel aber keinen sexistischen Hintergrund. Immerhin ist der Eindruck, dass Männer grundsätzlich kompetenter als Frauen sind, fest in unserer patriarchalischen Gesellschaft verankert. Das bedeutet: Beim Womansplaining spricht eine Frau einem Mann seine Kompetenzen und Fähigkeiten in der Regel nicht aufgrund seines Geschlechts ab (wie es beim Mansplaining der Fall ist), sondern aufgrund anderer Faktoren (fehlende Bildung auf dem Gebiet, keine Erfahrungswerte etc.).

Trotzdem: Arrogante Besserwisser mag niemand. Deshalb sollte sich jede Person einmal an die eigene Nase fassen und sich in Konversationen folgende Fragen stellen:

  • Hat die Person mich nach meiner Meinung, meinem Wissen oder meinen Erfahrungen gefragt?
  • Weiß ich zu dem Thema vielleicht mehr als mein Gegenüber und kann ihm oder ihr etwas Neues beibringen?
  • Habe ich wirklich eine Expertise auf dem Gebiet oder ist das nur gefährliches Halbwissen, das ich hier versuche, zu erklären?

Buchtipp: Wenn du mehr über Mansplaining und Feminismus erfahren willst

  • Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären 🛒: Nach ihrem Essay in der L.A. Times hat Rebecca Solnit ein Buch zu dem Thema Mansplaining veröffentlicht. Hier untersucht sie die Mechanismen von Sexismus und verrät, warum es so wichtig ist, sich für Gleichberechtigung von Männern und Frauen einzusetzen.
  • Fee Brembeck: Jetzt halt doch mal die Klappe, Mann! Warum wir auf Mansplaining keinen Bock mehr haben 🛒: Die Feministin und Poetry-Slammerin Fee Brembeck erklärt in ihrem Buch, warum sie die Nase voll hat von arroganten Männern, die weiblich gelesenen Personen immer wieder unaufgefordert die Welt erklären wollen. Außerdem geht sie der Ursache für dieses toxische Verhalten auf den Grund.
  • Tara-Louise Wittwer: Dramaqueen. Frauen zwischen Beurteilung und Verurteilung 🛒: Influencerin, Aktivistin und Autorin Tara-Louise Wittwer untersucht in ihrem Buch Dramaqueen, das im Oktober 2022 auf den Markt kommt, warum Frauen immer als dramatisch und hysterisch abgestempelt werden und erklärt, warum nicht nur Männer sich misogyn (frauenfeindlich) verhalten. Sie reflektiert ihre eigene Rolle als Frau in der Gesellschaft und zeigt auf, wie wir alle solidarischer miteinander umgehen können.

Fazit: Feminismus geht uns alle etwas an

Was muss sich ändern, damit in unserer Gesellschaft nicht mehr so viel Mansplaining geschieht? Tara-Louise Wittwer teilt mit uns ihre Meinung:

Mehr Leute müssen klar Kante zeigen und sagen, dass es nicht automatisch erfragt wird und dass "Hilfe" nicht immer Hilfe ist, sondern oft auch nur unangenehm.

Wichtig zu betonen ist noch: Feminismus heißt nicht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu behaupten, dass alle Männer unsere Gegner sind. Und es heißt schon gar nicht, dass wir Männer hassen. Im Grunde sind ja auch sie das Ergebnis der patriarchalischen Strukturen, die seit Jahrhunderten in unserer Gesellschaft herrschen. Und auch sie bekommen eine bestimmte Rolle in der Gesellschaft zugewiesen, die im Grunde toxisch ist. Doch das bedeutet nicht, dass wir diese Strukturen einfach hinnehmen müssen und nichts an der fehlenden Gleichberechtigung tun können.

Wir alle sollten etwas für die Gleichberechtigung der Geschlechter tun. Mansplaining, übergriffiges Verhalten, sexuelle Belästigung. All das sind Teilbereiche, die am Ende das große Ganze ausmachen. Arbeiten wir nicht gemeinsam daran, diese Verhaltensweisen zu stoppen, wird sich nie etwas ändern.

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Verwendete Quellen: zeit.de, pinkstinks.de

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