Barnum-Effekt: Darum glaubst du, was im Horoskop steht

Barnum-Effekt: Darum glaubst du immer alles, was in deinem Horoskop steht

Der Barnum-Effekt erklärt, weshalb Horoskope und Persönlichkeitstests scheinbar immer auf einen zutreffen. Was dahintersteckt, erfährst du hier.

Hast du auch das Gefühl, dass jede Aussage über dich in deinem Horoskop stimmt? Hast du schon mal einen Persönlichkeitstest gemacht und dieser hat deinen Charakter perfekt widergespiegelt? Oder warst du vielleicht schon mal beim Kartenlegen und alles, was dir die Hellseherin erzählt hat, schien zu 100 Prozent zu stimmen? Dann kann es eventuell sein, dass du auf den sogenannten Barnum-Effekt reingefallen bist. Was es mit dem Phänomen der Psychologie auf sich hat, erklären wir dir nun.

Teste dich: Fällst du auf den Barnum-Effekt rein?

Lust auf ein kleines Experiment? Gib auf einer Skala von 1 bis 5 an, wie sehr diese Aussagen auf dich zutreffen (1 = gar nicht zutreffend, 5= absolut zutreffend).

  • Du neigst dazu, selbstkritisch zu sein.
  • Du zweifelst hin und wieder daran, ob deine Entscheidungen richtig sind.
  • Manche deiner Hoffnungen und Wünsche sind eher unrealistisch.
  • Du möchtest, dass andere dich mögen.
  • Du magst Abwechslung und Abenteuer in deinem Leben.

Und wie hast du deine Punkte vergeben? Vermutlich hast du bei fast jeder Aussage eine relativ hohe Punktzahl verteilt. Das liegt aber nicht daran, dass jede der Aussagen perfekt deinen Charakter widerspiegelt, sondern daran, dass die Aussagen sehr allgemeingültig und unspezifisch sind. Je vager die Beschreibung, desto eher erkennen wir uns in ihr wieder. Dieses psychologische Phänomen nennt man auch den Barnum-Effekt.

Das steckt hinter dem Barnum-Effekt

Der Begriff geht auf Phineas Taylor Barnum zurück. Dieser leitete Mitte des 19. Jahrhunderts in New York das Kuriositätenkabinett Barnum’s American Museum, in dem er verschiedene Ausstellungen und Shows zeigte, die jeden im Publikum ansprechen sollten. Das Motto des Zirkusses war: Da ist für jeden etwas dabei.

Der Barnum-Effekt wird in der Psychologie häufig auch als Forer-Effekt bezeichnet, da der amerikanische Psychologe Bertram R. Forer genau dieses psychologische Phänomen untersuchte. In seiner Studie gab er Studenten die Aufgabe, einen Persönlichkeitstest zu machen. Anschließend ließ er ihnen die Auswertung des Tests zukommen. Nun sollten die Studenten auf einer Skala von 1 bis 5 angeben, wie zutreffend die Analyse des Persönlichkeitstests ihrer Meinung nach ist. Die große Mehrheit der Studenten fand die Ergebnisse des Tests sehr zutreffend. Der Clou des Ganzen: Es gab nie eine genaue Analyse der einzelnen Persönlichkeitstests. Alle Studenten haben denselben Text als persönliche Auswertung erhalten. Forer hatte diesen aus verschiedenen Horoskopen selber zusammengebastelt. In seiner Studie konnte Forer so beweisen, dass Menschen dazu neigen, allgemein gehaltene Aussagen und vage Behauptungen über sich als zutreffend und akkurat aufzufassen. Laut Psychologie erkennen wir uns also in unspezifischen Beschreibungen leicht wieder.

Beispiele für den Barnum-Effekt

Verantwortlich für den Barnum-Effekt sind bestimmte Barnum-Aussagen. Diese sind besonders vage, allgemein gehalten und unspezifisch. Aussagen, mit denen sich nahezu jede Person identifizieren kann. Ganz nach dem Motto: Da ist für jeden etwas dabei. 

  • Barnum-Aussagen können zum Beispiel wünschenswerte positive Eigenschaften enthalten wie zum Beispiel "Du bist ein liebenswerter und ehrlicher Mensch". Wer würde dem nicht zustimmen?
  • Sie können allgemeine Ängste und Sorgen beinhalten, die fast jeder Mensch hat. Zum Beispiel "Du hast Angst zu versagen".
  • Sie beschreiben ungenaue Aussagen, in denen sich fast jeder wiederfindet wie zum Beispiel "Du würdest gerne deine Ziele erreichen".
  • Extreme lassen sich in Barnum-Aussagen nicht finden. Die Aussage "Du bist immer guter Laune" findet wohl nicht so viel Zustimmung wie "Du bist manchmal guter Laune".
  • Auch subjektive Aussagen wie "Du schreckst oft vor großen Risiken zurück" finden in Barnum-Aussagen statt. Immerhin definiert jeder ein "großes" Risiko für sich selbst. Deshalb empfinden wir subjektive Aussagen meist als zutreffend.

Darum fallen wir auf den Barnum-Effekt rein

Du liest dein Zeitungshoroskop und findest dich zu 100 Prozent in den Aussagen wieder? Das geht nicht nur dir so. Wir alle sind anfällig für dieses Phänomen. Der Grund: In Horoskopen werden häufig Barnum-Aussagen verwendet. Auch Persönlichkeitstests, Wahrsager und Kartenleger profitieren von dem Barnum-Effekt.

Sie alle verwenden vage und unspezifische Aussagen über den Charakter einer Person, sodass es wahrscheinlicher ist, dass diese die Behauptungen über sich als akkurat wahrnimmt.

Würde in deinem Horoskop stehen: "Du wirst am 08. August 2022 den Partner kennenlernen, den du zwei Jahre später heiraten wirst", würdest du dem Horoskop sicherlich nicht so viel Glauben aberkennen. Steht in deinem Horoskop hingegen: "Eine neue Liebe tritt bald in dein Leben", ist es wahrscheinlicher, dass du diese Aussage für dich annimmst. Ähnlich ist es bei Persönlichkeitstest. Steht hier: "Du bist immer ehrlich und lügst deine Mitmenschen nie an", empfindest du die Aussage sicherlich nicht so zutreffend wie "Du neigst dazu, sehr ehrlich zu deinen Mitmenschen zu sein".

Grund dafür, warum fast jeder Mensch auf den Barnum-Effekt hereinfällt, ist unter anderem unsere selektive Wahrnehmungen von Dingen. Man sieht also nur das, was man sehen will und konzentriert sich auf die Punkte, die tatsächlich übereinstimmen. Punkte, die einem widersprechen, blendet man hingegen aus. Ein weiterer Grund für den Erfolg des Barnum-Effekts ist der sogenannte Bestätigungsfehler. Man nimmt eine positive Beschreibung über sich als akkurat wahr, ohne sie zu reflektieren. Wird dir zum Beispiel gesagt, dass du zuverlässig bist, fühlst du dich automatisch in deinen eigenen Ansichten und Erwartungen bestätigt. 

So entkommst du dem Barnum-Effekt

Um dem Barnum-Effekt zu entkommen, ist es erst einmal wichtig, diesen zu kennen. Da du diesen Artikel gelesen hast, bist du dem Ganzen also schon ein Stück näher gekommen. Eine skeptische Grundhaltung und ein Bewusstsein über die Auswirkungen des Barnum-Effekts auf einen sind das A und O, um diesem zu entkommen. Das kannst du also in Zukunft tun:

  • Sei achtsam in Situationen, in denen der Barnum-Effekt eintreten könnte. Prüfe die Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt und bleib skeptisch. Lass dich nicht von vagen Behauptungen überzeugen.
  • Reflektiere dich selber und sei dir deiner realen Fähigkeiten und Defizite bewusst. Kennst du deine Stärken und Schwächen genau, kann dir niemand mehr etwas vor machen. Selbstkritik kann dir also helfen, den Barnum-Effekt zu überwinden.

Auch interessant:

Aufschieberitis: So packst du die Dinge endlich an

Fear of missing out: Tipps und Hilfe bei FOMO

Selbstvertrauen stärken: Tipps und Übungen für den Alltag

Verwendete Quellenbernardzitzer.com, idw-online.de

Frau in einem weißen Kleid schaut von oben in die Kamera
Es gibt ein paar Dinge, an denen man mentale Stärke erkennt. Hier kommen die fünf deutlichsten Anzeichen. Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...