Achtsamkeit: Wie du den Kritiker in dir selbst besänftigst

Achtsamkeit: Wie du den Kritiker in dir selbst besänftigst

In einer neuen Folge unserer Reihe "Selflove Sunday" mit Psychologin Linda, geht es um Achtsamkeit. Sie erklärt, wie man den inneren Kritiker in sich bezwingt und so zu mehr Selbstliebe findet! 

Linda Leinweber am Strand
© Linda LeinweberWie du den Kritiker in dir selbst besänftigst und achtsamer lebst, erklärt dir Linda Leinweber bei unserem Selflove Sunday.

Ich könnte ja, ich würde gern, ich wäre schon längst – Konjunktiv über Konjunktiv, aber die wahre Aktion bleibt aus, weil der Kritiker in dir dir die Motivation für die Umsetzung schon längst wieder genommen hat. Ich bin zu jung, zu alt, nicht gut genug, nicht schlau genug – woher kommt das und was kannst du tun, damit du deine Vorhaben und Ziele wirklich erreichst?

Wieso reden wir immer so schlecht mit uns selbst?

Vielleicht kennst du das – deiner besten Freundin traust du gefühlt alles zu. Natürlich schaffst sie das! Na klar bekommt sie den neuen Job! Und der hotte Typ an der Bar? Der ist gerade gut genug für sie. Sie bringt einfach alles mit. Und selbst wenn nicht, dann kann sie es ja noch lernen! Aber wie verhält es sich, wenn du mit dir selbst redest? Meistens sehr viel strenger. Und weniger wohlwollend. 

Mit niemandem gehen wir so hart ins Gericht wie mit uns selbst.

Du denkst täglich im Schnitt 80.000 Gedankenketten. Davon sind uns zum Glück nur 0,1-0,5 Prozent bewusst, sonst wären wir alle schon komplett durchgedreht. Nur sind diese inneren Dialoge, die jeder von uns im Stillen mit sich selbst führt, leider in den seltensten Fällen positiv. Wir sehen unsere Makel, die ungelösten Probleme, die Hürden und nicht erreichten Ziele. Woher kommt das? 

Selflove Sunday mit Psychologin und Coach Linda: Wie du den Kritiker in dir besänftigst!

    Hohes Stresslevel = Mehr Gedanken im Kopf

    Ein Faktor ist dein Stresslevel. Je gestresster du bist, desto enger wird dein Problemfokus. Das liegt unter anderem an Cortisol. Dieses Hormon wird in Stresssituationen freigesetzt und sorgt die nächsten 12h dafür, dass wir die Probleme gedanklich immer und immer wieder wälzen. Weil sich dein Hippocampus denkt: „Wenn wir nur lange genug über das Problem nachdenken, werden wir sicher eine Lösung finden!“. Leider funktioniert das nicht immer und dann sitzt du in deinem eignen negativen Gedankensumpf fest. Du kannst über nichts Anderes mehr nachdenken als dein „Versagen“ und du machst dich selbst zum größten Loser auf Erden. Dem entsprechend laut wird natürlich auch dein innerer Kritiker werden! Das ist seine Chance richtig „gut“ zu performen. 

    Neben Stress können auch deine „inneren Antreiber“ der Grund für deine stetige Unzufriedenheit mit dir selbst sein. Im Laufe deines Lebens hast du hilfreiche und weniger hilfreiche Einstellungen entwickelt, die maßgeblich beeinflussen, wie du Situationen für dich bewertest. Jeder von uns hat diese Antreiber – sie sind weder immer gut noch immer schlecht, aber du solltest einen bewussten Umgang damit lernen, damit sie nicht dich kontrollieren, sondern du sie gezielt einsetzen kannst, um deine Performance und Zufriedenheit zu steigern. Ursprünglich aus der Transaktionsanalyse ergaben sich fünf Antreiber: 

    • Sei perfekt!
    • Beeil dich!
    • Streng dich an!
    • Mach’s allen recht!
    • Sei stark!

    Was kann man konkret tun, um den inneren Kritiker in dir zu besänftigen?

    Ich habe fünf Tipps für dich, wie du freundlicher zu dir selbst werden kannst. 

    • Frage dich immer, wie gestresst du gerade bist. Vielleicht bist du so streng zu dir, weil dein Körper in Alarmbereitschaft ist.
    • Wie fühlt es sich an, wenn du die Augen für eine Minute schließt und in dich hinein hörst. Spürst du dich? Oder ist es eher ein taubes Gefühl? Vielleicht fühlt es sich nach einem Flimmern an? Nach einem Karussell, das sich zu schnell dreht? Wie schnell schlägt dein Herz? Ist dir heiß und du hast trotzdem kalte Füße und Hände? Wenn du diese Fragen bejahen kannst, dann ist dein Organismus höchst wahrscheinlich in einem Ausnahmezustand und du solltest deine innere Stimme absolut nicht ernst nehmen. Sie erzählt nur Quatsch. 
    • Gönn dir eine Pause und tu‘ etwas, das deine Batterie wieder auflädt. Danach darf dein innerer Kritiker noch einmal zu Wort kommen. 
    • Werde dir über deine inneren Antreiber bewusst! Lade dir den Test herunter und finde heraus, welche deine stärksten Motivatoren sind. 
    • Wenn du dein Ergebnis hast und du weißt, welche deine Antreiber manchmal zu stark in dir sind, überlege dir, was die Chancen und die Risiken von diesen Antreiber sind. Jemand der stark perfektionistisch ist, arbeitet unglaublich genau – hat aber das Risiko sich im Detail zu verlieren. Überlege dir für deine zwei stärksten Antreiber zwei „Erlaubersätze“, die du dir selbst sagst, wenn du merkst, dass eine Situation aus dem Ruder gerät, weil du wieder zu streng mit dir bist. Für einen Perfektionisten könnte das z.B. sein „Manchmal sind 80% völlig ausreichend. Ich muss nicht jede Aufgabe im Job mit 120% erfüllen.“

    Mit Hilfe dieser fünf Schritte wirst du nach und nach ein Bewusstsein für dich entwickeln, das dir hilft, den Kritiker in dir zu besänftigen. Denn auch dieser will gesehen werden. Das bloße Verdrängen wird ihn nur größer machen. Deswegen: Schau hin! Werd‘ dir über deine Trigger bewusst und findet gemeinsam – du und dein innerer Kritiker ;) – einen Weg, der euch beide sieht und wertschätzt. Denn im Grunde genommen, will dein innerer Kritiker nur das Beste für dich: Er versucht dich zu beschützen oder zu motivieren. Finde einen Weg, der euch beide glücklich macht. Denn in dir wohnen auch noch andere Stimmen, die mindestens genauso wichtig sind. Was ist mit dem verspielten Kind in dir? Oder der Abenteurerin? Der Gemütlichen? Der Genießerin? Auch diese Stimmen gehören zu dir und machen dich zu dem wunderbaren Menschen, der du bist. Finde eine Balance deines inneren Teams. 

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