Model Felix Nieder im Interview über Mental Health, Ziele und Unterschiede in der Männer Modelwelt

Model Felix Nieder im Interview über Mental Health, Ziele und Unterschiede in der Männer Modelwelt

Wie oft werden in Serien, Filmen und Co. männliche Models thematisiert? Gar nicht so oft, oder? Genau deshalb haben wir Male Model Felix Nieder interviewt und mehr aus seinem Model-Alltag erfahren.

Shows und Serien wie GNTM oder "Keeping Up with the Kardashians" zeigen uns immer wieder reale Einblicke in die glamouröse Welt der weiblichen Models und Frauen. Doch wie sieht es eigentlich bei den Männern aus? Irgendwie wird das Leben der Herren im Model-Business kaum thematisiert oder in den Vordergrund gestellt. Dabei wäre es doch ganz interessant zu wissen, ob es da Unterschiede gibt und was die Gemeinsamkeiten zu den Female Models sind. Wir haben Male Model Felix Nieder im großen Jolie Interview ausgefragt und genau darüber gesprochen. Der gebürtige Elmshorner hat von 2017 bis 2020 bereits in Mailand, Los Angeles, Paris und London als Model gelebt. Neben Auftritten für die Berlin und Los Angeles Fashion Week wurde der 28-Jährige in 2021 sogar zum Mann des Jahres von GQ Gentleman nominiert. Welche Unterschiede er in der Industrie sieht, für welche wichtige Message er steht und was er in der Branche gerne ändern würde, hat er uns jetzt verraten.

1. Wie und wann hast du in der Model-Industrie Fuß gefasst?

Im Frühjahr 2016 wurde ich von einer Modelagentur mit einem Sitz in New York angesprochen, ob ich Model sein möchte. Dem bin ich nachgegangen und im selben Jahr im Sommer lief ich das erste Mal auf der Berlin Fashion Week für zwei Shows. Das war ein richtig kalter Sprung ins Wasser, aber von da an ging es stetig weiter. Ich war auf der Fashion Week in Mailand und danach ging es für einige Zeit nach Los Angeles, weil mein Typ als "Surfer Boy" da sehr gefragt ist. Es hat einige Jahre gedauert, bis ich mein Modelbuch aufgebaut habe und es zu größeren Jobs und Aufmerksamkeit kam. Seitdem ich 2021 von GQ Germany nominiert worden bin, stieg meine Bekanntheit schlagartig und damit verbunden höhere Modeljobs.

2. Welche Eigenschaften sollte ein Model deiner Meinung nach mitbringen?

Für mich sollte ein Model neben der Ausstrahlung Mut zur Hässlichkeit haben, Ecken und Kanten zulassen und sich von der Modeindustrie nicht unterkriegen lassen. Heutzutage sind wir Models keine Puppen mehr, sondern wir haben Charakter und das sollten wir nutzen. Mut ist demnach für mich die wichtigste Eigenschaft für ein Model.

3. Was am Modeln macht dir am meisten Spaß?

Mir macht am meisten Spaß, dass ich jeden Tag woanders aufwache und so viele Menschen kennenlernen darf. Dadurch habe ich viel an Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und Dankbarkeit dazu gewonnen. Der Laufsteg gibt mir immer einen Adrenalinkick, weshalb ich den am liebsten mag. Immer kurz bevor ich rausgehe, pocht immer sehr mein Herz, aber dann, während ich laufe, blende ich alles aus und genieße die große Bühne.

4. Gibt es Dinge, die du in der Model-Branche gerne ändern würdest?

Ich würde gerne ändern, dass weniger physische Maßstäbe an uns Models gestellt werden. Also dass ein Männermodel zum Beispiel ein Sixpack haben muss und wenn er es nicht hat, aussortiert wird oder von seiner Agentur Ärger bekommt. Ich würde mir mehr Verständnis wünschen, dass ein Model nicht so aussehen muss, wie es erwartet wird, sondern dass es auch Überraschungen geben darf und wir aus der Box herausdenken.

5. Hast du schon mal negative Erfahrungen bei einem Job gemacht? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen und wie motivierst du dich in solchen Situationen wieder?

Ich weiß noch genau, eine Modelagentur aus New York meinte zu mir, jeder einzelne Muskel an deinem Sixpack sind Tausende von Dollar wert – behalte das in deinem Hinterkopf. Ich musste relativ schnell mein T-Shirt ausziehen, um meinen Oberkörper zu zeigen. Ich fühlte mich danach relativ unwohl. Ich wusste, es geht nur um meinen Körper und wie perfekt er ausschaut und nicht, was da drin steckt. Ich war Anfang 20 und für mich war das ganze Business neu. Ich vertraute somit dem Modelagenten und machte danach eine Handvoll Diäten, weil ich eben "perfekt" aussehen wollte, wie es von einem Model erwartet wird – zumindest damals. Ich kann mich noch erinnern, dass ich eine ketogene Diät gemacht habe, wo man komplett auf Kohlenhydrate verzichtet hat. Mir ging es danach überhaupt nicht gut, aber ich dachte mir wenigstens war das Sixpack da. Im Nachhinein war das alles gar nicht gesund für mich. Auf den Fotos hatte ich natürlich eine Top-Figur, aber im Inneren sehnte ich mich einfach etwas Süßes zu essen. Später gab es auch in Los Angeles noch eine andere Situation, wo eine Agentur zu mir meinte, ich solle meine Zähne abschleifen lassen, weil ich heftige Vampirzähne habe. Heutzutage ist es mein Markenzeichen und ich bin froh, dass ich da standhaft blieb und keine Operationen an mir machen ließ, denn das machen sehr viele Models und sehen danach austauschbar aus.

6. Inwiefern wird das Thema Mental Health in der Model-Industrie kommuniziert? Findest du, dass Leute aus der Branche viel Wert darauflegen?

Von den meisten wird es immer noch verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Dabei ist es viel stärker, über seine Probleme zu reden. Das macht einen auch viel authentischer, sowohl auf Social Media als auch für Kunden. Man merkt immer noch, dass wenn jemand aus dem Model Business über Essprobleme, Depressionen oder andere seelische Probleme redet, dass es einen Aufschrei gibt und viel Diskussion entsteht. Ich würde mir da wünschen, dass gerade Agenturen auch auf die seelische Gesundheit ihrer Models achten. Denn wenn wir von innen gesund sind, strahlen wir das letztendlich auch nach außen.

7. Inwiefern gibt es Unterschiede in der Female und Male Model Industry?

In der Female Model Industry hat sich gerade in den letzten Jahren viel getan. Es wird viel mehr Diversity gezeigt. Auf Modenschauen sehen wir jetzt curvy, kleine oder ältere Models – wie zum Beispiel aktuell bei "Germany’s Next Topmodel". Bei den Männermodels ist das auf jeden Fall noch nicht angekommen. Immer noch sind alle groß, schlank und mit Sixpack.

8. Hast du ein Ziel oder eine bestimmte Message, die du in der Model Industry verbreiten möchtest?

Schon seit meiner Nominierung als GQ Gentleman versuche ich zu zeigen, dass wir Models auch eine Stimme haben. Einen wunderschönen Charakter, den wir nach außen zeigen sollten. Ich schreibe sehr viele Gedichte und habe für eine Kampagne eines geschrieben. Es heißt "(K)ein Mann" und es geht darum, dass wir sein können, wer wir sind und unsere Facetten lieben sollten. Auch wenn in meinem Fall ich nicht den Stereotyp-Mann erfülle. Ich mag auch gerne feminine Kleidung anziehen, wie zum Beispiel (siehe Bild) einen Kimono. Ich nehme bewusst einige Jobs nicht mehr an, damit ich genau meinen Wert definiere und äußere mich, wie auch hier, durchaus kritisch zu Themen. Wir Models sollten uns nicht von einer Industrie abhängig machen, die uns definieren will, sondern wir definieren uns. Und dann muss der Kunde auch mal mit einem "Nein" rechnen, aber das tue ich gerne, weil es ein authentisches "Nein" ist. Es kommt der nächste Job, der umso besser zu mir passt und ein wunderschönes "Ja" sein wird.

9. Hand aufs Herz. Wie schwer oder einfach ist es, sich nicht mit anderen Models zu vergleichen? Wie gehst du damit um?

Gerade auf Instagram passiert mir das häufiger, dass ich mir manchmal sogar denke, der ist schöner als ich oder das gefällt mir besser. Da bin ich ganz ehrlich und das liegt uns wahrscheinlich in der Natur. Manchmal ist es einfach auch nur der Kleidungsstil, den ich besser finde und dann hole ich mich immer schnell wieder ab und sage mir: Hey, das ist ihr Leben und das passt perfekt zu denen und ich bin perfekt so wie ich bin. Und da gibt es auch ganz viele, die das ansprechend finden. Jeder hat ein individuelles Aussehen und da ist immer eine Nische. Nachmachen ist da der falsche Weg.

10. Viele sagen, dass das Model-Business sehr oberflächlich ist. Was ist deine Meinung dazu?

Leider immer noch. Angefangen unter den Models. Denn da herrscht oft ein Konkurrenzkampf oder wenn Beziehungen aufgebaut werden, dann oft nur um weiter im Business zu kommen. Richtige Freundschaften entstehen da leider selten. Auch Modelcastings sind immer recht zackig. Das Modelbuch wird aufgeschlagen, es wird einmal hin und her gewalked und im besten Fall werden in den Outfits des Designers Polas gemacht. Wenn ich dann einen Job bekomme, dann ist es mir aber schon möglich zu den Designern eine Verbindung aufzubauen. Bis heute halte ich zu einigen guten Kontakt.

11. Wie findet man seriöse Modelagenturen?

Eine gute Anlaufstelle ist Velma (Verband lizenzierter Modelagenturen) eine Website, die alle Modelagenturen auflistet, die seriös sind. Ihr könnt auch jemanden fragen, der schon im Business ist. Generell gilt das Kredo niemals für etwas zu zahlen oder ungewollte freizügige Bilder zu machen.

12. Welchen Tipp würdest du jungen Menschen geben, die mit dem Modeln beginnen möchten?

Das Modelleben ist kein leichtes und es schaut eben niemand, ob es dir mental gut geht und erstmal würde ich mir selbst die Frage stellen, ob ich seelisch stark genug bin, um den Druck auszuhalten. Dann würde ich auch im Internet schauen, welche Agentur am besten zu mir passt und welchen Schwerpunkt diese hat, damit keine falschen Maßstäbe gesetzt werden.

Vielen Dank für das Interview, Felix! 

Diese Themen könnten dich auch interessieren:

5 Mental Health-Accounts, die deiner Seele und deinem Feed guttun

3 Anzeichen, dass du in einer toxischen Freundschaft bist

Diese 3 Bücher sind wahre "Mental Health"-Booster!

Leni Klum About you
Leni Klum (17) ist die Tochter von Supermodel Heidi Klum (48): Wir verraten dir fünf spannende Fakten über das Nachwuchs-Model. Weiterlesen
Lade weitere Inhalte ...