Toxische Beziehung: Wie erkenne ich sie?

Toxische Beziehung: Wie erkenne ich sie?

Wie erkenne ich eigentlich eine toxische Beziehung? Psychologin Linda erklärt es dir beim Selflove Sunday.

Linda Leinweber
© Linda Leinweber
Wir haben alle diesen tiefen Wunsch, wahre und echte Liebe zu finden. Doch was, wenn ich merke, dass meine Beziehung toxisch ist.

Es gibt sie leider viel zu häufig – Verbindungen zu Menschen, die uns gar nicht guttun. Sie saugen dir Energie und lassen dich wertlos, falsch und manchmal sogar „durchgedreht“ oder „psychisch krank“ fühlen. Was sind Warnsignale einer toxischen Beziehung, die dich aufhorchen lassen sollten?

Toxische Beziehungen können überall dort auftreten, wo du tiefe Beziehungen lebst: Im Freundeskreis, in der Paarbeziehung, an der Arbeit oder auch in der Familie. Toxische Paarbeziehungen haben meistens den größten Einfluss auf unser Wohlbefinden, weil sie in der Regel mit der intensivsten emotionalen und körperlichen Nähe verbunden sind. Daher möchte ich mich in den folgenden Zeilen auf die toxische Paarbeziehung fokussieren. Natürlich kannst du einiges davon auch auf andere Beziehungen in deinem Leben übertragen. 

Woran erkenne ich eine toxische Beziehung?

Die Erkenntnis: Ich bin in einer toxischen Beziehung!

Der erste und absolut wichtigste Schritt bei der Heilung toxischer Beziehungen ist, dass du selbst bemerkst, dass du in einer drinsteckst. 

Diese Erkenntnis tut weh. Denn eigentlich liebt man diesen Menschen doch! Und er hat doch auch so viele tolle Seiten…Ich weiß, wie schwer es sein kann, sich einzugestehen, dass man sich in den letzten Monaten oder Jahren lange selbst belogen hat. Wir haben doch alle diesen tiefen Wunsch, endlich wahre und echte Liebe gefunden zu haben. Sich davon zu lösen, kann hart und manchmal langwierig sein. Ich sag dir: I feel your pain! Ich steckte selbst mal in der Situation, mir nicht eingestehen zu wollen, dass ich in eine toxische Beziehung gerutscht war. Aber weißt du, was ich dir heute – fast vier Jahre später – versprechen kann? Es gibt Menschen, mit denen du eine glückliche und FRIEDVOLLE Beziehung führen kannst. Keine Lügen, keine Intrigen, kein anhaltendes Drama. Deswegen nimm dir die kommenden acht Warnsignale einer toxischen Paarbeziehung bitte zu Herzen und reflektier‘ ehrlich, was du auch in deiner Beziehung erlebst. 

1. Love Bombing

Der Name sagt es schon: Zu Beginn der Beziehung wirst du mit Liebesschwüren, Geschenken, ellenlangen, schmachtenden Whatsapp Nachrichten „bombardiert“. „Du bist die tollste Frau, die ich jemals getroffen habe!! Lass uns zusammenziehen! Schenk‘ mir Kinder!“. Alles fühlt sich an wie bei Hollywood. Eine leise Stimme in deinem Inneren sagt vielleicht kurz mal: „Aber er kennt mich doch erst ein paar Tage…woher nimmt er diese Sicherheit??“ Aber ehrlicherweise schmeichelt es dem eigenen Ego so sehr, dass du diese Stimme sehr schnell wegdrückst.

2. Future Faking

Nach der hyper-emotionalen Anfangsphase beginnt oft das Future Faking. Es beschreibt, dass Versprechen vom toxischen Part in der Beziehung nicht umgesetzt werden. Ein Beispiel: Du hast dich in einen verheirateten Mann verliebt und er sich auch in dich. Er beteuert immer wieder, dass er sich von seiner Frau trennen wollen würde. Aber die Monate und Jahre streichen ins Land und nichts passiert. Denn der richtige Zeitpunkt kommt nie, es ihr zu sagen…

3. Gaslighting

Gaslighting ist ein Begriff für das Verdrehen von Tatsachen und das Nutzen kleiner Lügen, um dich zu manipulieren. Der Begriff ist durch einen Hitchcock Film entstanden, in dem eine Gaslampe flackert – die Frau sagt zu ihrem Mann „Die Lampe flackert“ und der Mann antwortet: „Nein, die Lampe flackert nicht. Du bist nur verrückt!“. Er möchte die Frau gezielt in den Wahnsinn treiben. Ich erlebe es häufig, dass sich der toxische Part nicht an Regeln der Beziehung hält. Dabei schiebt er die Schuld jedoch dem gesunden Part in die Schuhe. „Du bist schuld daran, dass ich fremdgegangen bin.“, „Wegen dir, habe ich keine andere Wahl als abzuhauen…“. Das kann dazu führen, dass der gesunde Part mit der Zeit beginnt, sein Verhalten den Wünschen des Partners anzupassen. Das kann bedeuten, dass du beginnst deine Interessen, dein Aussehen oder deine grundlegenden Werte an die Vorlieben deines Freundes anzupassen. Vielleicht nicht bewusst, sondern einfach nur, um Harmonie und Frieden in die Beziehung zu bringen. 

4. On-Off-Phasen

Toxische Beziehungen zeichnen sich durch viele Heiß-kalt-Phasen aus. Momente der intensiven Nähe und Harmonie wechseln sich mit Eiseskälte und Distanz ab. Der toxische Part zieht sich dabei extrem zurück, isoliert sich und dich von ihm. Nicht selten werden die Partner auf allen möglichen Kommunikationskanälen blockiert. Dieses anhaltende Drama von Nähe und Distanz ist unglaublich stressig für deine Psyche und dein Herz. Du lebst in einem stetigen Hormon-Cocktail, der dich nicht mehr entspannen lässt. Schöne Momente werden mit angezogener Handbremse genossen, denn man weiß ja nie, wie lange der Frieden währt. Damit fehlt eurer Beziehung die wichtigste Basis: Emotionale Sicherheit. 

5. Super Ego

Es kann sein, dass du in einer Beziehung mit einem Menschen bist, der ein überzogenes Selbstbild hat. Narzisstische Züge verhindern, dass er empathisch deine (und übrigens auch seine eigene) Gefühlswelt versteht. Er handelt nach seinen eigenen Bedürfnissen und sieht sich immer im Recht. Du hast du Schuld für das Drama, für die Probleme, für sein toxisches Verhalten. Er backt sich seine Welt, wie sie ihm gefällt. Der schlimme Nebeneffekt: Wenn Menschen lange in toxischen Beziehungen stecken, dann fangen sie irgendwann an, das zu glauben, was sie täglich hören. Die Folge: Menschen zweifeln an ihren Werten, an ihrem Selbstwert und der Gewissheit, dass sie genau so richtig sind, wie sie sind. 

6. Family & Friends-Hater

Der toxische Part isoliert dich häufig geschickt von Freunden und Familie. Auch dieser Prozess ist schleichend und manchmal schwer zu durchblicken. Wenn du merkst, dass dein Partner ALLE deine Freunde seltsam und blöd findet, keinen Respekt vor deiner Familie zeigt und es zur Folge hat, dass ihr die meiste Zeit nur noch zu zweit verbringt, dann sei wachsam. Ein aktives soziales Umfeld ist wichtig für jeden Menschen. Egal ob Single oder in einer Beziehung. Lass dir das nicht ausreden. 

7. Alle Ex-Freundinnen sind CRAZY

Ein Klassiker! Dein Freund erzählt dir, dass alle Frauen vor dir absolut krank und psychisch gestört waren? Nur du bist anders…ja ja. Stell dir vor, du würdest so in einem Bewerbungsgespräch über deine letzten Arbeitgeber sprechen: „Also alle Unternehmen, bei denen ich vor ihnen gearbeitet habe, waren der letzte Dreck!“ Wie würde dein neuer Arbeitgeber das empfinden? Erscheint dir dieser Kandidat ehrlich und reflektiert?

8. Stalking

Das absurde bei toxischen Beziehungen ist: Oft verhindert der toxische Part durch die stetigen On-Off-Phasen einen Aufbau intensiver Nähe. Wenn du die Beziehung dann von dir aus beendest, folgt häufig ein Nicht-loslassen wollen vom toxischen Part! Das hängt mit seinem Bindungstyp zusammen – der Fakt, dass du auf einmal nicht mehr erreichbar bist, lässt die Verlustangst in ihm hochkochen. In der Beziehung dominiert seine Bindungsangst, weil er die Nähe nicht erträgt. Durch das Beenden der Beziehung wendest du das Blatt. Hierbei ist es wichtig, dass du klar signalisierst, dass du keinen Kontakt möchtest und dich selbst daranhältst. Ihr braucht den klaren Cut, um euch voneinander zu lösen. Ohne Kontakt!

Die toxische Beziehung beendet - und nun?

Wenn du den Schritt für dich aus der Beziehung geschafft hast, dann nimm dir Zeit für dich. Gönn dir Ruhe von dem Drama und dem Dauerstress. Du warst lange genug für andere Menschen da, jetzt bist du nur für dich da. 

Halte dich an die „Kein-Kontakt-Regel“. Nur so kannst du das Trauma-Bond mit der Zeit zwischen euch lösen und dich von der Sucht befreien. Kein Stalken seines Profils auf Instagram. Eliminier‘ ihn aus deinem Leben. Warum ist diese Konsequenz so wichtig? Stell die vor, du hättest ein Alkohol-Problem und hast den Entzug geschafft. Das ist ein riesiger Schritt! Aber bei der ersten Schnapspraline hast du den Geschmack zurück auf der Zunge und deine Sucht ist wieder entflammt. Genauso geht es dir, wenn du dir Bilder von deinem Ex anschaust oder in euren Nachrichten wühlst – deine emotionale Sucht wird aktiviert und du kannst nicht mit der Verarbeitung der ungesunden Beziehung beginnen. Somit bleibt dein Herz in der toxischen Vergangenheit und du kannst dich nicht weiterentwickeln. 

Welche Methoden und Tipps nach einer toxischen Beziehung noch helfen, wieder zu sich zu finden und endlich gesunde Beziehungsmuster aufzubauen und zu leben, folgt in den kommenden Artikeln. 

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