Klimaneutrales, nachhaltiges Leben – Verantwortung ist allen gemeinsam

Klimaneutrales, nachhaltiges Leben – Verantwortung ist allen gemeinsam

Dass das Weltklima in großer Gefahr ist, darüber ist sich in zwischen fast jeder bewusst. Dass es im wahrsten Sinne lebensnotwendig ist, das Klima mit Blick auf kommende Generationen zu schützen, darüber gibt es im Grunde keinen Dissens. Wie aber können wir ein klimaneutrales, nachhaltiges Leben gestalten? Jeder einzelne Mensch ist aufgefordert, einen Beitrag zu leisten.

Ist-Zustand beim Projekt Klimaneutralität

Im Klimaschutzgesetz ist festgeschrieben, dass Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein muss. „Klimaneutral“ heißt, dass ganz Deutschland nicht mehr Treibhausgase ausstößt, als die Natur wieder aufnehmen kann. Zudem verfolgt das Gesetz das Ziel, dass die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre nicht weiter ansteigen darf. Viele Experten sagen allerdings, der Anteil an Erneuerbaren Energien sei dazu noch viel zu gering. Anja Fricke von Lichtblick zum Beispiel ist hier anderer Meinung:

„Im Mai (2022) lag der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor bei fast 50 Prozent, d.h. so klein ist der Anteil inzwischen nicht mehr. Aber gerade im Eigenheim ist das Potential für die Energiewende bisher kaum ausgeschöpft, dabei zahlt sich die Investition in Solar, Wärmepumpen und Batteriespeicher angesichts der steigenden Marktpreise für Strom, Gas und Öl auch finanziell aus. Seit Beginn des Jahres steigt die Nachfrage auch spürbar an.“

Andere Fachleute wie DLF-Umweltexperte Georg Ehring (Deutschlandfunk Umweltredaktion) haben allerdings errechnet, dass sich lediglich eine Reduktion um etwa 97 Prozent realisieren lässt. Die Reduzierung der restlichen 3 Prozent CO2 lassen sich etwa mithilfe von Aufforstungen oder durch unterirdische Speicherung erreichen. 

Auch ein negatives Klimaziel wurde gesetzlich definiert. Nach 2045 sollen demnach negative Emissionen erreicht werden. Drüber hinaus finden sich im Gesetz verbindliche Emissions-Reduktionsziele für die Jahre 2030 (65 Prozent), 2035 (77 Prozent) und 2040 (88 Prozent. Bis 2021 konnten die Emissionen im Vergleich zu 1990 um etwa 40 Prozent reduziert werden.

In allen Lebensbereichen klimaneutral haushalten

Wertvolle Erkenntnisse zum Thema Klimaneutralität präsentiert auch der Marktreport 2035 von LichtBlick. Der deutsche Ökostromanbieter rund um Anja Fricke als Expertin für klimaneutrales Haushalten mit Energie durch Selbstversorgung benennt im Report verschiedene Möglichkeiten, wie Haushalte sinnvoll mit Energie umgehen können.

Dazu zählen hauptsächlich die Verwendung von „grünem“ und damit sauberem Strom, der nicht durch Nutzung emissionserzeugender fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle oder Erdgas entsteht, sondern durch klimaneutral gewonnene Sonnen- oder Windenergie. Vor allem die Sonnenenergie gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, lässt sie sich doch über Solarpaneele auf dem Dach oder Balkon bzw. im Garten des Eigenheims gewinnen. Im Idealfall wird also kostengünstiger und klimaneutraler Solarstrom auf dem eigenen Grundstück erzeugt, der Eigenverbrauch über einen Solarspeicher optimiert, mit einer Wärmepumpe elektrisch geheizt, das E-Auto geladen und Energieflüsse dank smarter Energiemess- und Energiemanagementsysteme gesteuert. Das ermöglicht auch die Vernetzung mit anderen Haushalten – wie eine Art virtuelles Kraftwerk – und führt gleichzeitig zu sinkenden Energiekosten.

Anja Fricke
© LichtBlick SE
Expertin Anja Fricke von Ökostromanbieter LichtBlick.

Sollen die Klimaziele erreicht werden, müssen vor allem im Bereich der Mobilität alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt werden. Ein wichtiger Bestandteil ist der Abschied vom Verbrennungsmotor hin zum E-Fahrzeug. Dies gilt auch für den Öffentlichen Nahverkehr, also für Busse, Straßenbahnen, Taxis und Züge sowie für den Transport per Flugzeug. Klima- und Energieexpertin Anja Fricke meint zu diesem Thema: „Bei Mobilität sollte verstärkt aufs Rad oder öffentliche Verkehrsmittel gesetzt werden. Außerdem sind Flugreisen natürlich der absolute Klimakiller – vor dem nächsten Urlaub also einfach mal prüfen, ob es nicht eine klimafreundlichere Alternative gibt.“

Viele Hersteller sind mit Hochdruck dabei, Turbinen und Motoren zu entwickeln, die weniger Kerosin bzw. Benzin verbrauchen und so einen Beitrag zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen leisten. Hier braucht es aber auch ein Umdenken derer, die bisher mit dem Auto oder Flugzeug unterwegs waren. Zudem ist es notwendig, die Infrastruktur und hier vor allem das Netz der E-Ladestationen schnellstmöglich auszubauen.

Klimaneutrales Bauen

Trotz der wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation wird immer noch eine große Zahl an Wohnungen errichtet. Auch hier kann schon bei den Planungen ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Dazu ist es notwendig, ein Gebäude so zu planen, dass es sich im Idealfall nicht nur vollständig selbst mit Energie versorgt, sondern die erzeugte Energie auch möglichst effizient nutzt.

Die Stichworte sind hier energetisches Bauen oder auch Sanieren (bei Bestandsimmobilien). Sogenannte Niedrigenergiehäuser und klimaneutrales bauen werden vom Staat gefördert, hauptsächlich über Zuschüsse und zinsgünstige Kredite der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau).

Verantwortungsbewusster Umgang mit Energie

Energie sparen und dadurch das Klima schützen, liegt bei immer mehr Verbraucherinnen und Verbrauchern im Trend. Tatsächlich reicht schon eine kleine Veränderung des ganz alltäglichen Verhaltens, um weniger Strom zu verbrauchen. Eine Reduktion des Energieverbrauchs lässt sich schon durch das Herunterdrehen der Heizung beim Verlassen der Wohnung, das gründliche und richtige Lüften, das Ausschalten des Lichtes in nicht genutzten Räumen oder das richtige Befüllen der Waschmaschine erreichen.

Anja Fricke möchte die Menschen aber noch stärker motivieren, wenn sie sagt: „Energie und Mobilität machen etwa 40 Prozent des persönlichen CO2-Fußabdrucks aus, sie sind deshalb der Grundpfeiler für eine klimafreundliche Zukunft und auch die größte Stellschraube. Spätestens jetzt, nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, sollte jede*r in den eigenen vier Wänden auf Ökostrom umsteigen. Der Wechsel ist einfach und mit wenigen Klicks gemacht – der neue Anbieter kümmert sich um alles. Und mit Ökostrom schützen wir nicht nur das Klima, sondern verringern auch die Gasabhängigkeit Deutschlands.“

Umweltfreundlich einkaufen

Eine von der Unternehmensberatung McKinsey durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass drei Viertel der deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern bei der Auswahl der Produkte verstärkt auf die Nachhaltigkeit achten. Etwas weniger als die Hälfte investiert seit der Pandemie deshalb mehr Geld beim Einkauf. Wären nachhaltige Produkte preisgünstiger, würden sogar zwei Drittel sie kaufen.

Verpackungen ohne Plastik, niedriger CO2-Fußabdruck, Berücksichtigung des Tierwohls und faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung sind haben sich vor allem während der Corona-Pandemie für eine wachsende Zahl von Einkaufenden zum Inbegriff für nachhaltige Produkte entwickelt. 78 Prozent bzw. über drei Viertel achten beim Einkauf ganz bewusst auf diese Faktoren. Immerhin 51 Prozent geben (gemessen am Verhalten vor der Pandemie) laut der Umfrage grundsätzlich mehr für nachhaltige Produkte aus.

Ein positives Beispiel sind die Produkte von WLDOHO. Das auf nachhaltige Rasierhobel und ihr Zubehör spezialisierte junge Unternehmen hat kürzlich Damenpflegeprodukte auf den Markt gebracht, die Klimaneutral, regional produziert und damit besonders nachhaltig sind. Tung Do, einer der Founder von WLDOHO sagt zur Verantwortung der Verbraucher: „Wenn wir mehr darüber nachdenken, was wir konsumieren, sollte uns klar werden, dass wir nur Dinge kaufen sollten, die uns nachhaltig keine Gedanken mehr daran verschwenden lassen.” Er ist sich allerdings bewusst, dass es Konsument nicht immer ganz leicht haben. “Den Konsument wird es zugegeben nicht immer leicht gemacht. Im nächsten Supermarkt nachhaltige und vor allem umweltfreundlich verpackte Produkte zu finden, ist nicht einfach. Da machen es Startups häufig besser als die ganz großen Hersteller. Aber viele echte Alternativprodukte findet man eben nicht im nächsten Geschäft.“

Aus einzelnen Faktoren entsteht ein ganzheitlich nachhaltiges Leben

Wer die Zukunft gestalten möchte, der ist aufgefordert, einen ganzheitlichen Ansatz hinsichtlich des Klimaschutzes zu verfolgen. Der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten gepaart mit dem Kauf und der Verwendung nachhaltiger, klimaneutraler Produkte ist ein wesentlicher Beitrag, den jeder und jede Einzelne leisten kann, um den folgenden Generationen eine Umgebung zu hinterlassen, die Lebensbedingungen bietet, bei denen man sich nicht täglich Sorgen um die eigene Gesundheit machen muss.

Klimaexpertin Fricke hat eine klare Vorstellung, was geschehen muss, um das Leben klimaneutral zu gestalten: „Die Verhältnisse müssen sich verändern, damit sich das Verhalten ändert. Klimaneutrales Leben kann schon 2035 weitestgehend Normalität sein – dafür müssen aber jetzt die Weichen gestellt werden. Es braucht umfassende Reformen, damit einer grüneren Zukunft nichts mehr im Wege steht, und klimaneutrales Leben für viel mehr Menschen als bisher Wunschzustand wird. Trotzdem, und auch das ist immer wieder wichtig zu betonen, lässt sich auch im Kleinen mit wenig Einschränkungen etwas bewegen. Ökostrom ist dafür ein super Beispiel – der Aufwand für einen Wechsel ist so gering und die Wirkung ist groß.“

Vor allem aber müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten. Wir brauchen gemeinsame Konzepte, wie wir das Klima möglichst effizient schützen und die selbstgesteckte Klimaziele erreichen können. Diese gemeinsame Anstrengung ist überlebenswichtig, denn es geht letztlich um nichts weniger als die Zukunft.

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