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Finanzen: Interview mit Finanzheldinnen

Interview: Sparen oder Shoppen? Antworten auf 10 typische Ausreden zum Thema Geld und Finanzen

Katharina Brunsendorf (33) leitet die Initiative "finanz-heldinnen". Im Interview gibt sie Antworten auf Ausreden rund ums Geld und Tipps für die ersten Schritte.

Hand aufs Herz: Wie steht es aktuell um deine Finanzen? Wie viel Geld bleibt am Ende des Monats übrig und hast du dir schon einmal Gedanken über langfristiges Anlegen, ETFs und Co. gemacht? Wenn deine Antwort jetzt "Nein" lautet, bist du damit nicht alleine. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen Ländern weltweit sind die Mehrzahl der Privatanleger männlich. Frauen sind zwar tendenziell besser im Sparen als Männer, aber auch an der Börse und in der Finanzbranche sind Männer klar in der Überzahl. Das wiederum führt dazu, dass sich viele Frauen von allen Themen rund ums Geld eingeschüchtert und überfordert fühlen und sich nicht trauen, die Männer um Hilfe zu fragen oder es gleich ganz dem Mann überlassen, sich um die Finanzen zu kümmern.

Ein Fehler, findet Katharina Brunsendorf, Leiterin der "finanz-heldinnen" und Mit-Herausgeberin des Buches "finanz-heldinnen – Der Finanzplaner für Frauen". Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Frauen für Finanzen zu begeistern und sie mit Wissensformaten auf dem Weg in ihre finanzielle Zukunft zu begleiten. Die finanz-heldinnen versprechen: Finanzen können Spaß machen! Auf der Website, dem Instagram-Account oder im wöchentlichen Podcast "Schwungmasse" findet man wichtige Tipps, Hilfe und Infos rund ums Thema Geld – von Frauen für Frauen.

Aber muss man nicht ein totaler Sparfuchs oder zumindest ein Mathegenie sein, um seine Finanzen erfolgreich zu handhaben? Das verrät uns Katharina Brunsendorf im Interview.

Katharina Brunsendorf im Interview: "Finanzen sind ein Teil der Lebensplanung"

1. Frau Brunsendorf, wann haben Sie mit dem Sparen angefangen?

Eine fleißige Sparerin war ich schon immer. Als kleines Mädchen habe ich gern Münzen gesammelt. Mein Bruder hingegen hatte es auf die Scheine abgesehen. Erst später hatte ich verstanden, dass ich mich auch lieber aufs Papiergeld hätte konzentrieren sollen. Aber ich habe schon immer für bestimmte Dinge gespart, um sie mir selbst leisten zu können.

2. Haben Sie sich schon immer für Finanzen interessiert?

Ich habe mich schon sehr früh mit Geld beschäftigt. Als kleines Kind habe ich Gänseblümchen gepflückt und verkauft. Später bin ich mit selbst gebastelten Karten von Haus zu Haus gegangen, um sie zu verkaufen – je nach Saison gab es eine passende Auswahl für Ostern oder Weihnachten. Mit 15 Jahren fing ich dann an zu jobben und zu sparen. Ich würde sagen, dass schon früh eine Unternehmerin in mir steckte. Zumindest hatte ich immer neue Ideen, wie ich ein wenig Geld zusammenbekomme und hatte irre Spaß dabei! Dass ich heute die Initiative leite, ist glücklicher Zufall und harte Arbeit zugleich. Ich hatte mich bewusst in einer Bank beworben, um dort in der Kommunikation zu arbeiten. Das Thema hat mich einfach interessiert. Als ich unterschiedliche Studien zur Rentenlücke von Frauen gesehen habe und für mich festgestellt hatte, dass es nur wenige Stellschrauben bedarf, um sie aktiv anzugehen und da Finanzen Spaß machen können, wollte ich das gemeinsam mit meinen Kolleginnen an andere Frauen weitergeben.

3. Wann haben Sie das erste Mal in ein Aktiendepot oder ETFs investiert?

Mit Mitte zwanzig habe ich damit begonnen. Durch meine Tätigkeit in der Bank hatte ich einfach mehr Berührungspunkte mit dem Thema. Vor allem schockierte mich aber die Tatsache, dass Altersarmut weiblich ist. Dagegen wollte ich etwas tun. Für mich persönlich, aber auch für andere Frauen.

4. Was ist für Sie persönlich die größte Herausforderung in Sachen Sparen, Anlegen oder Vorsorge?

Sich von dem Gedanken zu distanzieren, dass die Rente noch so lange hin ist. Man glaubt immer, man hätte noch so viel Zeit, sich zu kümmern und könnte das Geld im Hier und Jetzt besser ausgeben. Das ist aber nicht der Fall und ich versuche immer, eine gute Balance für mich zu schaffen.

5. Was muss man Ihrer Meinung nach verstanden haben, bevor man ins Thema Finanzen einsteigt?

Dass Finanzen ein Teil der Lebensplanung sind. Es geht um viel mehr als nur Zahlen und das Produkt an sich. Es geht darum, was ich als Person für Vorstellungen vom Leben habe, was ich mir ermöglichen möchte. Wenn man es von dieser Seite aus betrachtet, macht es auch gleich viel mehr Freude einzusteigen.

6. Wie sind Ihre Erfahrungen im Finanzbereich als Frau? Wurden Sie von Männern gefördert und unterstützt oder eher belächelt?

Auf jeden Fall gefördert! Wenn das so nicht gewesen wäre, würde ich heute nicht hier stehen. Ich hatte schon immer das Glück, tolle Chefs und auch Chefinnen zu haben, die mich gefordert und gleichzeitig viel Freiraum gegeben haben.

7. Was wünschen Sie Frauen in Sachen Finanzen?

Ich glaube, dass Austausch motiviert. Und bei Finanzen ist das schlussendlich auch wie beim Joggen. Wenn ich alleine loslaufe, schaffe ich vielleicht drei Kilometer. Wenn ich noch jemanden dabeihabe und man sich gegenseitig motiviert, schaffe ich vielleicht fünf oder sechs Kilometer. Und genau so wollen wir das auf unseren Kanälen schaffen: Dass sich die Menschen austauschen und gegenseitig unterstützen.

8. Was macht Ihnen an Finanzen am meisten Spaß?

Der Gedanke, unabhängig zu sein und zu wissen: Ich habe einen Notgroschen und später ein finanzielles Polster, auf das ich zurückgreifen kann. Und ich kann es mir leisten, essen zu gehen und mal was Nettes einzukaufen – ohne mir Gedanken machen zu müssen. Das ist für mich ein wahnsinnig großes Privileg und genau das bereitet mir auch Freude.

9. Haben Sie einen finanziellen Geheimtipp?

Starte mit kleinen Summen. Hauptsache der erste Schritt wird gemacht. Bei meinen ersten Sparplänen habe ich mit 25 Euro im Monat begonnen und dann die Investitionssumme erhöht. Das war einfach für mein persönliches Gefühl gut. So war ich schon aktiv, hatte aber nicht das Gefühl "all in" zu gehen. Aber ich habe mir auch immer eine maximale Frist von drei Monaten gegeben. Dann wurde der Sparplan aufgestockt – nur in einem Fall habe ich ihn so belassen.

10.  Ist der "Coffee to go" wirklich so schlimm, wie alle immer sagen?     

Nein. Ich finde es immer schwierig, bestimmte Dinge so zu verteufeln. Klar ist es nicht förderlich, wenn ich täglich 10 Euro oder mehr für Kaffee und Co. ausgebe. Das ist im Monat dann schon ein ordentlicher Posten. Wenn es aber in meine Budgetplanung passt und mir im Alltag so viel gibt – warum nicht. Ich finde es wichtig, dass es nicht immer nur um Verzicht geht, sondern viel mehr um Bewusstsein. Wenn ich mehr shoppe, muss ich in einer anderen Kategorie zurückstecken. Daher ist es wichtig, seine eigenen Prioritäten zu kennen. Und wenn das der Coffee to go ist, dann go for it!

10 Ausreden – 10 Antworten

Du hast dir schon lange vorgenommen, dich besser um dein Bankkonto und deine Anlagen zu kümmern, aber irgendwie kommt immer etwas dazwischen? Eine neue Rechnung, ein Urlaub oder du kannst dich einfach nicht für das Thema begeistern? Jetzt ist Schluss damit – Katharina Brunsendorf liefert Antworten auf typische Geld-Ausreden.

1. "Um die Finanzen kümmert sich mein Partner, das muss ich nicht verstehen."

Katharina Brunsendorf: Und wenn genau dieser Partner mal nicht mehr da ist? Und woher weißt du, dass er in deinem Sinne agiert? Du nimmst dein Leben in allen Bereichen selbstverständlich in deine Hand. Warum dann nicht auch hier? Eine eigene Planung schließt es in der Beziehung nicht aus, das Thema auch gemeinsam anzugehen.

2. "Ich war schon immer schlecht in Mathe, ich kann das gar nicht verstehen."

Finanzen sind Lebensplanung. Es geht erstmal um deine Ziele im Leben und um dich als Person. Dann erst um ein paar Zahlen. Die wichtigste Zahl: Deine Rentenlücke. Diese gilt es zu schließen. Dafür benötigt es ein paar Dinge, aber keineswegs schwierige Berechnungen. Vor allem musst du dich aktiv um deine Finanzplanung kümmern.

3. "Bei Aktien und ETFs habe ich zu viel Angst vor einem Risiko."

Ohne dass du etwas tust, verliert dein Geld aktuell aufgrund der Inflation an Wert. Zwar sind 2.000 Euro heute und auch noch in einem Jahr auf deinem Girokonto als Zahl verfügbar, du wirst dir aber immer weniger davon kaufen können. Damit gehst du also schon automatisch ein Risiko ein.

4. "Ich habe kein Geld um zu investieren oder zu sparen."

Mit 25 Euro im Monat kann man bei vielen Onlinebrokern beginnen, in Sparpläne zu investieren. Bedeutet, dass jeden Monat diese Summe automatisch investiert wird. Jede:r von uns hat 25 Euro schon schlechter "investiert" als in ETFs. Man muss einfach nur mal in den Kleiderschrank schauen.

5. "Wenn ich mit Männern über Finanzen spreche, fühle ich mich dumm und eingeschüchtert."

Dann sprich mit anderen Frauen! Es gibt so viele verschiedene Angebote und Communities. Diese kannst du dir aussuchen, wie auch den Kanal, über den du Infos dazu konsumierst.

6. "Ich bin ja noch unter 30, um Finanzen kümmere ich mich später."

Großartig, dass du noch so jung bist und so viel Zeit hast! Wertvolle Zeit, in der dein Geld für dich arbeiten kann. Je länger der Anlagehorizont an der Börse desto besser. Und vor allem: Du kannst mit kleineren Beträgen arbeiten. Je später du anfängst deine Rentenlücke schließen zu wollen, desto teurer wird es für dich.

7. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit Sparen oder Anlegen."

Führe ein Haushaltsbuch, mache einen Kassensturz und stelle dir Budgets auf. Was willst du für was genau ausgeben, aber vor allem auch: Wie viel möchtest oder kannst du Sparen, bzw. Investieren? Das sind die ersten wichtigsten Schritte.

8. "Ich habe ein Sparkonto, das sollte doch reichen."

Wenn wir die Zeit 50 Jahre zurückdrehen, dann hätte es auf deinem Sparkonto noch vernünftige Zinsen gegeben. Wir sind aber im Jahr 2022 angekommen. Da reicht das einfach nicht mehr, denn du verlierst aufgrund der Inflation Geld. Ganz einfach, wenn du nichts tust. Und das reicht aus meiner Sicht auf keinen Fall.

9. "Ich habe Angst, dass ich bei meiner Bank ausgelacht oder nicht ernst genommen werde, wenn ich Fragen stelle."

Wenn du in einem Beratungsgespräch das Gefühl vermittelt bekommst, nicht ernst genommen zu werden, dann sprich es aktiv an oder teste ein anderes Institut. Diese Gespräche sind dafür da, dass du dich informierst und auf dieser Basis eine Entscheidung triffst. Daher schreibe dir vorab alle Fragen auf, lass dir Gebühren berechnen und sprich Alternativen durch. Und meistens hat man mehr Horrorvorstellungen als es später dann der Fall ist.

10. "Wenn ich mich um meine Finanzen kümmere, dann darf ich mir nichts mehr gönnen."

Es geht beim Thema Sparen nicht nur darum, sich zurückzuhalten und immer mehr beiseite zu legen, sondern auch aktiv zu schauen, was du an der Einkommensseite tun kannst. Wir Frauen sind zwar unheimlich gut darin zu sparen, aber male dir aus, welche Möglichkeiten du hast, wenn du klug verhandelst, einen Nebenjob beginnst oder regelmäßig ausmistest und die Dinge verkaufst. Das ist bares Geld, welches du auch investieren kannst!

Mehr Infos zur finanz-heldinnen Initiative findest du hier.

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