Die Laufmaus: Revolution im Laufsport – mit den Händen

Die Laufmaus: Revolution im Laufsport – mit den Händen

Laufsport war schon immer populär – hat aber durch die geschlossenen Fitnesscenter in Coronazeiten und dem starken Wunsch, etwas für die Gesundheit und Bewegung zu tun, einen zusätzlichen Schub erhalten.

Frau im Homeoffice
© Pexels/Vlada Karpovich
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Wirkliche Neuerungen beim Laufen sind aber rar. Die Ausrüstung scheint seit Jahrzehnten auf ordentlichen Laufschuhen und passender Kleidung beschränkt zu sein; irgendwann kam der MP3-Player dazu. Eine der wenigen und obendrein äußerst wirkungsvollen Innovationen hat Dr. med. Horst Schüler aus Münster geschaffen. Und die Entstehungsgeschichte dahinter ist höchst bewegend.

Dr. Schüler, selbst promovierter Sportmediziner und Osteopath, erlitt im Jahr 2007 einen tragischen Verkehrsunfall – mit dramatischen Folgen: Sein Rückenmark war gequetscht. Der vormals so aktive Doktor war ans Bett gefesselt. Den Chirurgen-Kollegen erschien eine Operation vorerst zu riskant. Und so begleiteten Bewegungsunfähigkeit und chronische Schmerzen Dr. Schüler durch seinen neuen Alltag. Er hatte keine Kontrolle über seine Arme und Beine und war aus dem beruflichen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Ein Jahr später endlich wagte ein Spezialist eine OP und konnte seinen Zustand um etwa 50 Prozent verbessern.

Das reichte aber noch lange nicht. Schmerzfreies Gehen und Sitzen war auch weiterhin nicht möglich. Keine medizinische Behandlung schlug an. Doch Dr. Schüler kämpfte sich nicht nur durch diese sieben lange Jahre andauernde Phase hindurch – er erfand auch selbst die Lösung. „Irgendwann kam ich darauf, meine Arme und Hände in eine Entlastungsposition zu bringen, die diese Verkrampfungen minderte: Ich habe die Arme angewinkelt und die Handflächen nach oben gewendet. In dieser Position entspannte sich mein gesamter Körper“, berichtet der Mediziner. Dies war die Geburtsstunde der „Laufmaus“, die ihm sein früheres Leben zurückgeben sollte – und bis heute 40.000-mal an Leidensgenossen verkauft wurde, aber vor allem auch an Sportler und Läufer.

In der Höhle der Löwen

Gemeinsam mit einem fachübergreifenden Team – darunter Sportwissenschaftler Martin Rutemöller, Gründungsmitglied und Geschäftsführer der eigens dazu gegründeten Firma Flowtastic – entwickelte Schüler mit der Laufmaus ein ergonomisch geformtes Griffelement für die Hände. Im Mai 2020 war das erste Produkt fertig – und nach drei Monaten bereits wurde er mit seinem Startup zur Vox-Erfolgssendung „Höhle der Löwen“ eingeladen. Ergebnis: die beiden Starinvestoren Carsten Maschmeyer und Nils Glagau stiegen bei ihm ein. Daneben konnte Dr. Schüler zahlreiche weitere Partner, Produktbotschafter und Kunden gewinnen, darunter Europameister Jan Fitschen (10.000 Meter; 2006) und Sven Kruse, DOSB-Physiotherapeut und Betreuer von zahlreichen Olympiasiegern und Weltmeistern.

Was aber macht das Gerät mit unserem Körper? Die aus medizinischem Kunststoff made in Germany gedruckte Laufmaus löst anatomische Kettenphänomene aus, vergleichbar mit sensormotorischen Schuheinlagen – allerdings von den Handflächen aus, die direkter mit dem Gehirn und der Motorik verknüpft sind als Füße und andere Körperteile. Die Wirkung ist überwältigend: Die Laufmaus senkt den Energieverbrauch, verbessert die Haltung, verringert Laufprobleme und Gelenkbelastungen und löst Verkrampfungen. Unterm Strich macht sie das Laufen effizienterer, ökonomischer und ergonomischer.

Reicht nicht auch ein Stück Holz?

Die Wirkung der Laufmaus ist wissenschaftlich belegt. Genussläufer, Walker, Gesundheitsläufer, Trailrunner, Wettkämpfer gehören neben jenen, die sich wie Dr. Schüler nach einem Unfall zurück ins Leben kämpfen, zur Zielgruppe. Vertrieben wird die Laufmaus direkt von Flowtastic und 100 Partnern, oft Laufgeschäften und Physiotherapeuten. Wer sich für das Gerät entscheidet, benötigt in der Regel sechs Übungseinheiten, bis der Körper die neue Bewegung adaptiert hat.

Gerade auch deswegen werden sich Viele nun fragen: „Reicht nicht auch ein Stück Holz in den Händen?“ „Nein“, sagt Erfinder Dr. Schüler: „Gerade die Ansteuerung der richtigen Handareale ist essenziell, um die motorische und sensomotorische Wirkungsweise der Laufmaus zu erreichen. Genau in der Adressierung der idealen Handareale unterscheidet sich ein Stück Holz massiv vom Wirkprinzip der Laufmaus.“ Dies liege unter anderem an der offenen Handhaltung und leichten Außenrotation, hervorgerufen durch die besondere Formgebung. Hintergrund ist, dass besonders beim Sport die aufrechte Körperhaltung Voraussetzung für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit ist. Der Körperschwerpunkt und die Stellung des Schulter-Arm-Komplexes haben für alle Bewegungsabläufe des menschlichen Körpers eine extrem wichtige Bedeutung. 

Die Abläufe in unserem Körper – auf die die Laufmaus abzielt – sind dabei seit Jahrzehnten bekannt. Sie wurden jedoch kaum beachtet und haben nicht zu entsprechenden Innovationen geführt. Es war leider ein Unfall nötig, der Dr. Schüler in der Folge mit einem Entwicklerteam aus Medizinern, Sportwissenschaftlern, Ingenieuren und Produktspezialisten zusammenbrachte. Daher steckt in der Laufmaus auch Wissenschaft aus so vielen unterschiedlichen Bereichen: Allgemein- und Sportmedizin, Evolutionsforschung, Hirn- und Verhaltensforschung, Verhaltensforschung und sogar der chinesischen Medizin. Längst ist die einzigartige Erfindung international patentiert. Und die Expansion auf den US-Markt steht kurz bevor. Die Laufmaus läuft um die Welt.

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