Pheromone: Welchen Einfluss haben die Duftstoffe auf uns?

Pheromone: Welchen Einfluss haben die Duftstoffe auf uns?

Pheromone sollen beeinflussen, wen wir anziehend finden und uns unwiderstehlich machen– mittlerweile gibt es sogar Pheromon-Parfums! Doch was machen Pheromone wirklich mit uns?

Ein, zwei Spritzer eines Pheromon-Parfums und dein Gegenüber fühlt sich sofort zu dir hingezogen? Damit werben zumindest die Anbieter dieser Düfte. Doch ist die Anziehung zweier Menschen wirklich so einfach? Wir erklären dir hier, was Pheromone mit uns machen.

Was sind Pheromone?

Pheromone sind Duftstoffe – das wissen wir alle ungefähr. Genauer gesagt, sind Pheromone aber chemosensorische Reize. Machen wir einen kleinen Exkurs in das Reich der Tiere: Denn besonders Tiere kommunizieren über diese Duftstoffe mit ihren Artgenossen – und meist geht es dabei um die Fortpflanzung. Es werden zwei verschiedene Arten von Pheromonen unterschieden:

  • Releasing-Pheromone: Diese Art der Pheromone führt zu einer schnellen Verhaltensänderung. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Tier verletzt wird und es einen Schreckstoff absetzt, der seine Artgenossen warnt.
  • Primer-Pheromone: Die andere Art von Pheromonen bringt eine langfristige Veränderung mit sich. Primer-Pheromone können nämlich das Hormon- und Nervensystem von Artgenossen langfristig beeinflussen. So funktionieren Pheromone zum Beispiel als Sexuallockstoff.

Für die Wahrnehmung von Pheromonen ist bei vielen Wirbeltieren das Jacobson-Organ verantwortlich, das sich neben der Nasenhöhle befindet. Durch dieses werden Pheromone unbewusst wahrgenommen. Anders als Gerüche riechen Pheromone nicht!

Wie wirken Pheromone auf Menschen?

Auch Menschen haben ein Jacobson-Organ, doch anders als bei Tieren wird durch dieses keine Nasenflüssigkeit gepumpt. Dort sind auch keine Sinneszellen zu finden, die eigentlich dafür verantwortlich sind, Pheromone wahrzunehmen und sie so ans Gehirn weiterzuleiten. Da es aber auch Tiere gibt, die Pheromone wahrnehmen können, ohne ein Jacobson-Organ zu besitzen, schließen die fehlenden Sinneszellen nicht aus, dass der Mensch Pheromone wahrnehmen kann.

Es wurde herausgefunden, dass wir Menschen Rezeptoren für Pheromone besitzen. Sie sitzen neben den Riechrezeptoren auf der Riechschleimhaut innerhalb der Nase. Pheromonzellen werden jedoch im Gehirn anders verarbeitet als normale Gerüche, die wir aufnehmen. Denn treffen Geruchsmoleküle auf unsere Riechrezeptoren, nehmen wir den Geruch wahr – auf Pheromone reagieren die Pheromonzellen – nehmen jedoch keinen Geruch auf. Der Unterschied ist hier, dass ein Tier etwa 150 aktive Rezeptoren für Pheromone besitzt, beim Menschen wurden bislang fünf Rezeptoren gefunden.

Welche Auswirkungen haben Pheromone auf das menschliche Verhalten?

Chemosensorischen Reize der Pheromone wirken unbewusst auf uns. Sie beeinflussen unsere vorbewussten Entscheidungen, also unser Verhalten.

Wie stark uns Menschen Pheromone beeinflussen, ist jedoch noch nicht klar. Bestimmte Gerüche können die Pheromonrezeptoren anregen. Bereits herausgefunden wurde, dass Pheromone unsere Empathie steuern. Schwitzt jemand, können wir alleine durch seinen Geruch nicht ausmachen, ob ihm warm ist, er gerade Sport gemacht hat oder ob er Angst hat. Trotzdem wird in uns Empathie ausgelöst, wenn wir Angstschweiß riechen.

Entscheiden Pheromone, wen wir anziehend finden?

Es gibt einige Studien, die untersuchen, ob die Anziehung zweier Menschen durch Pheromone zu begründen ist. Dabei ist eines der Ergebnisse, dass die Duftstoffe aus dem Achsel- oder Vaginalbereich einer Frau vor dem Eisprung erregender auf Männer wirken soll als nach dem Eisprung. Laut dem Zellphysiologen Hans Hatt haben diese Studien jedoch das Problem, dass eine Verhaltensänderung auch durch eine normale Duftwirkung ausgelöst worden sein kann und nicht explizit durch Pheromone.

Fakt ist also, dass es nicht wissenschaftlich bewiesen wurde, ob Pheromone beeinflussen, in wen wir uns verlieben und auch nicht, ob sie beim Menschen als Lockstoff fungieren. Eine Theorie dazu ist, dass Männer und Frauen Gerüche von anderen Menschen attraktiv finden, die gegensätzliche Gene haben. Das Immunsystem würde sich demnach deutlich vom eigenen unterscheiden, wodurch die Wahrscheinlichkeit für gesunde Kinder steigen würde. Bewiesen ist das allerdings nicht.

Wirken Pheromon-Parfums auf uns?

Auch wenn die Hersteller zahlreicher Pheromon-Parfums damit werben, dass die Duftmoleküle der Parfums aphrodisierend auf uns wirken, ist auch das bisher noch ein Mythos. In den Sprays werden angebliche Pheromone künstlich hergestellt, die die Sexualhormone Androstadienone und Estratetramol nachahmen. Androstenon, Androstenol, Androstadienon und Estratetramol sind die Namen dieser Stoffe. Und diese werde mit zahlreichen anderen Substanzen vermischt, die in einem Parfum eben enthalten sind. Eine Studie der University of Western Australia aus dem Jahr 2017 hat getestet, ob die beiden Stoffe der Pheromone, die in den Parfums enthalten sein sollen, die Wahrnehmung von Attraktivität veränderten. Das Ergebnis der Forscher und Forscherinnen: Es konnte kein Einfluss der beiden Duftmoleküle gefunden werden. Doch Menschen, die Parfums mit solchen Substanzen benutzt haben, berichten teilweise von einer positiven Wirkung. Vielleicht hilft an die Wirkung zu glauben auch, selbstbewusster aufzutreten, was ja bekanntlich attraktiv macht.

Fazit

Pheromone haben eine wichtige Aufgabe – zumindest in der Tierwelt. Ob sie als Sexuallockstoffe dienen oder um ihre Artgenossen vor einer potenziellen Gefahr zu warnen, sie sind essenziell für ihr Fortbestehen. Auch wenn Menschen die Voraussetzungen durch das Jacobson-Organ haben, Pheromone wahrzunehmen, konnten Forscher und Forscherinnen bis heute nicht beweisen, dass die vorhandenen Rezeptoren die Botenstoffe der Pheromone auch wahrnehmen. So bleibt auch die Frage offen, ob Pheromone die Anziehungskraft zweier Menschen beeinflussen kann und uns so für das andere Geschlecht unwiderstehlich macht.

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Verwendete Quellen: quarks.de, welt.de, activebeauty.at

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