Pamela Reif im Jolie-Interview

Pamela Reif im Interview: "Wenn ich als Person out bin, kann ich noch hinter den Kulissen arbeiten"

Die Sportskanone Pamela Reif hat uns gelehrt, durchzuhalten. Doch sie ist viel mehr als eine Sportlerin. Wir haben mit ihr über wichtige Dinge gesprochen.

Pamela Reif Interview
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Pamela Reif im Interview

Du bist ja jetzt Testimonial von Calzedonia und der Eco Strumpfhose von Calzedonia - wie wichtig ist dir persönlich das Thema Nachhaltigkeit? 

Total wichtig! Ich bin auch super froh, dass Calzedonia da nachgezogen ist und sowas auch in seinem Sortiment anbietet.

Im Alltag und auch auf meinem Instagram Account versuche ich den Leuten einen Anreiz zu geben, wie man Nachhaltigkeit mehr im Alltag einfließen lassen kann, ohne, dass es schwierig ist und ohne, dass man selber davon einen Nachteil hat. Und ich finde die Strumpfhose ist genauso. Sie sieht genauso aus wie eine normale Strumpfhose, ist gar nicht teurer, sie sieht wunderbar aus und sie ist trotzdem nachhaltiger und umweltfreundlicher. Ich finde immer, wenn man persönlich keinen Nachteil davon hat, warum sollte man dann nicht nachhaltiger leben? So mache ich das auch im Alltag: dass man seine eigene Einkaufstasche, seine eigenen Gemüsebeutel mitnimmt und nicht für jede Tomate eine eigene Plastiktüte braucht. Wir brauchen ja schließlich alle eine Tasche, um die Sachen mit nach Hause zu tragen und da kann man schon im Vornherein daran denken und seine Tasche mitbringen. Oder dass man umstellt und sagt, man kauft nur noch Wasser in Glasflaschen. Weil man Glas recyceln kann oder ich begehe zuhause richtige Mülltrennung. Das sind alles Sachen, die sind nicht so schwierig, können aber, wenn es ganz viele machen, unsere Welt ein bisschen besser machen. 

Und beim Thema Kochen? Du hast ja gerade dein eigenes Kochbuch rausgebracht…

Das Bewusstsein ist bei den Menschen beim Thema Essen und Ernährung schon viel mehr da als beim Thema Fashion und Klamotten. Jeder guckt auf Zutaten und Inhaltsstoffe und jeder weiß, dass man regionaler einkaufen soll und solche Sachen, aber die Materialien von Klamotten wurden bisher noch nicht so wirklich in Frage gestellt. Bei mir hat das auch so angefangen, dass ich erst bei Ernährung drauf geachtet habe und dann fängt man an, ok, wenn ich darauf achte, wieso interessiere ich mich dann nicht dafür, wie meine Sachen, meine Klamotten hergestellt wurden. 

In welchem Look fühlst du dich am wohlsten? Und hast du je von den Strümpfen oder der Strumpfhose her angefangen deinen Look zu stylen? 

Ja, habe ich neulich erst gemacht, als ich zur Calzedonia Fashion Show gegangen bin. Da haben wir nämlich diese spezielleren Strumpfhosen bekommen, diese mit dem CLZ drauf und da dachte ich wirklich, welchen Look style ich jetzt mit dieser Strumpfhose? Ich bin im Alltag nämlich eher jemand, der so Basic-Strumpfhosen trägt, so wie diese (eine schwarze, schlichte Strumpfhose) z.B. zu schwarzen Klamotten trage ich das immer, zu kurzen Kleidchen oder zu einem Rock und dann Overknees dazu. Da muss ich gar nicht drüber nachdenken, da weiß ich, es passt zusammen. Aber wenn es um Netzstrumpfhosen oder gemusterte Modelle geht, da stand ich erst mal da, wie kombiniere ich das denn jetzt. Das ist so ein Statement-Piece, da muss man dann den Rest schon darauf abstimmen. Aber als ich dann meinen Look dazu gefunden habe, fand ich das richtig toll. Da dachte ich, vielleicht sollte ich öfter mal andersherum anfangen und nicht nur die schwarze Basic-Strumpfhose dazu nehmen. 

Und was sind deine Safety-Teile? Also, wenn es mal morgens schnell gehen muss oder du weißt, du hast heute ein wichtiges Meeting. Oder du hast schlechte Laune und brauchst etwas, um dich gut zu fühlen. Was sind deine "Die-gehen-immer-Teile"?

Zum Einen ist das eine High Waist Skinny Jeans. Ich finde, die geht immer. Hohe Schuhe, wenn der Rest des Looks es nicht so raushaut oder es noch was braucht. Obwohl ich mich in Sneakern wohler fühle. Aber man bekommt mit hohen Schuhen mehr Selbstbewusstsein, mehr Körperspannung, wenn man höher steht. Und ein bisschen Haut zeigen am Bein gibt einem ganz viel, gerade wenn man schlechte Laune hat. Klar im Sommer zieht man dann ne kurze Hose an, aber im Winter ist dann die Strumpfhose ganz praktisch, weil man dann nicht erfriert. 

Du gehörst zu den erfolgreichsten Influencern, du warst auf dem Titel des Forbes Magazins. Wie erklärst du dir selber diesen Erfolg? 

Das ist ganz schwierig. Denn es gibt ja bei Instagram keine Formel bei der man sagt, damit bekomme ich viele Follower. Aber ich glaube und ich habe das in letzter Zeit immer mehr realisiert, dass all das, was ich für selbstverständlich angesehen habe, gar nicht so selbstverständlich ist. Die Sachen aber zum Erfolg beitragen. Also z.B., dass ich alleine arbeite, dass ich mich nicht von jemand anderes managen lasse, dass ich sehr sehr viel arbeite, jeden Tag 10 bis 12 Stunden lang. Und das auch wirklich jeden Tag durchziehe. Das kann man beim Sport ganz gut sehen, ich mache auch schon seit sieben Jahren Sport, vier Mal die Woche und das ist etwas, was man langfristig jeden Tag einfach macht auch wenn man mal keinen Bock hat, man macht es einfach und das ich jede Nacht noch dasitze und die Follower Nachrichten beantworte und versuche so viele wie möglich zu reposten. Klar, irgendwann ist es total zeitaufwendig, aber es gibt einem auf die lange Sicht was und so habe ich auch bei Instagram immer sehr langfristig gedacht. Ich habe nie Sachen gemacht, die ich dann danach bereut habe. Oder ich habe schon immer versucht, ein bisschen Mehrwert bei Instagram reinfließen zu lassen. Dann habe ich irgendwann die Sportvideos zum Mitmachen angefangen, damit Leute nicht nur zugucken, sondern auch mit einem mitmachen können. Oder das Kochbuch jetzt, bei dem Leute selber was langfristig haben. Ich glaube dadurch, dass ich das relativ schnell erkannt habe , bin ich weggerannt von diesem oberflächlichen Instagram. Das man sagt, ok ich entfolge jetzt all meinen Leuten, weil die mir zu oberflächlich sind. Ich brauch nicht nur Strandbilder angucken. Obwohl ich das auch liebe, aber ich finde der Mehrwert bei Instagram ist super wichtig. Wenn man den hat, kann man auch langfristig erfolgreich sein. 

Nimmst du dir eigentlich auch Auszeiten? Gibt es so was bei dir?

Ja, das ist halt das Ding, wenn man alles selber macht, kann man es nicht wirklich abgeben an jemanden. Ich kann es mir auch gar nicht leisten, länger weg zu sein. Natürlich gibt es dann mal ein langes Wochenende wo ich sage, ok, jetzt gehe ich mal privat wohin oder poste einfach nicht so viel oder ich habe auch meine Postings vorbereitet für den Feed, aber dann mache ich meistens trotzdem Stories. Ich kann mich in den letzten Jahren an keine Situation erinnern, in der ich gesagt habe, nö, ich will weg davon. Aber ich hatte bis jetzt auch nicht das Gefühl, dass ich das bräuchte. Wenn ich wirklich meinen würde, ich bräuchte das jetzt für mich selber, dann könnte ich mir das schon nehmen, weil wenn man mit niemanden arbeitet, kann man es auch selbst entscheiden. Aber ich habe es bis jetzt noch nicht so verspürt. 

Du hast gesagt, dass du super viel Sport treibst, das sieht man ja auch. Was sagst du zu jemandem, der sagt, ich habe keine Zeit, Sport zu machen oder ich bin beruflich zu sehr eingebunden, um mich gut zu ernähren oder genügend Sport zu treiben?

Also bei der gesunden Ernährung sehe ich das weniger als Entschuldigung. Jeder muss essen. Man isst sowieso. Es erfordert nur anfangs ein bisschen Zeit, um sich umzustellen und um neue Rituale zu finden, was man gerne kocht zuhause, weil man kocht ja schlussendlich immer die gleichen Sachen. Und da muss man ein bisschen suchen , welches gesunde Gericht geht genauso schnell, schmeckt mir genauso gut, aber ist halt gesund. Und dann kauft man halt lieber den gesünderen Nussriegel und nicht den Schokoriegel. Das sind eigentlich genau die gleichen Zeitaufwände. Man muss sich nur kurz einlesen und gucken, was sind meine Alternativen, die mir auch schmecken. Deshalb bei gesunder Ernährung sehe ich eigentlich keine Entschuldigungen, weil entweder man will es machen oder eben nicht. Zeit kann da nicht wirklich ein Grund sein. Beim Sport sehe ich das schon eher und finde das auch nicht schlimm. Ich finde nicht, dass jeder Sport machen muss, sondern das sollte man machen, wenn es einem Spaß macht. Und wenn man davon ein gutes Körpergefühl bekommt. Ich muss sagen, z.B. meine Familie ist gar nicht so sportlich wie ich. Ich finde das auch nicht verwerflich. Sport macht man für sich selber und wenn man es gut findet. Das sind dann einfach Prioritäten. Ich finde nicht, dass man sagen kann, ich würde es gerne machen, aber ich kann nicht, weil dann hat es halt keine hohe Priorität. Ich habe auch viel zu tun und bekomme es irgendwie noch hin. 

Wenn wir von Körpergefühl und Ernährung sprechen, der Begriff Body Positivity ist ja überall zu lesen und zu hören. Was hälst du davon?

Frauen zeigen sich so wie sie sind. Finde ich eigentlich total schön, weil man ist nicht perfekt und ich finde, dass das Bild davon, dass man z.B. schlank sein muss, das nagt bestimmt an dem Selbstbewusstsein ganz vieler Mädchen. Wenn man mehr hervorhebt, dass es ok ist, wenn jemand schlank ist, aber es ist auch ok, wenn man nicht so schlank ist, dann gibt das viel mehr Mut. Was ich nicht gut finde, wenn man einen ungesunden Lebensstil damit vertuschen will und gut heißen. Von wegen, ich gehe jeden Tag Burger essen, ich gehe jeden Tag Pizza essen. Aber das ist ok, weil Body Positivity. Das ist nicht gesund für den Körper. Ist ja nicht verwerflich, wenn man mal Pizza isst, aber wenn man es jeden Tag, die ganze Zeit nur macht und dann sagt, ist ja gar nicht schlimm, weil Body Positivity, das finde ich nicht gut. Das ist nicht langfristig gedacht für die Gesundheit des Körpers. Aber man muss ja nicht alles in der Extremen tun. Ich finde es ingesamt eine schöne Bewegung. 

Was würdest du machen, wenn du nicht das machst, was du jetzt machst?

Das ist eine gute Frage und ich habe absolut keine Ahnung. Das war ein sehr glücklicher Zufall in meinen Leben, dass das so geflossen ist von Abitur zu Instagram als Beruf. Das war von mir gar nicht so geplant, aber das hat einfach hingehauen. Und ich bin unendlich dankbar, dass es so hingehauen hat und ich mir nie wirklich groß Gedanken machen musste, was ich überhaupt in meinem Leben anfangen will. Weil einfach alles so geklappt hat. Alle meine Hobbys wurden irgendwie zu meinem Beruf und wenn Instagram jetzt nicht mehr funktionieren würde, dann kann ich vielleicht trotzdem weiterhin Kochbücher schreiben. Oder ich kann dann beratend agieren, weil ich kenne mich jetzt inzwischen echt gut aus was Marketing und Social Media angeht und ich muss nicht nur selber vor der Kamera stehen. Sondern dadurch, dass ich die Managementseite auch mache, schreibe ich ja auch Marketing-Konzepte und berate Firmen wie man welche Marketing-Maßnahmen einsetzt. Wenn ich als Person out bin, kann ich noch hinter den Kulissen arbeiten. 

Wäre das auch etwas, was du dir in der Zukunft vorstellen könntest? Sagen wir mal in 10 Jahren? 

Also eigentlich mag ich es total gerne, beides zu kombinieren. Wenn ich dann mal Mama bin, bin ich eben Mutter-Bloggerin. Ich mag das total, immer meine Meinung und meine Erfahrung zu teilen. Die Leute sind ja momentan auch sehr dankbar darüber, dass ich wirklich nur das teile, was ich selber gut finde. Und sie darauf auch vertrauen können. Ich glaube eigentlich, dass ich das ausbauen kann. Vielleicht sind die Leute irgendwann genervt von einem. Man weiß ja nie. Das ist die schlechte Seite von Social Media, weil wirklich alles auf der eigenen Person aufgebaut ist. Aber auch dann, ich bin nicht auf den Kopf gefallen und ich werde bestimmt irgendwas finden.

Wie gehst du damit um Vorbild zu sein? Man sieht, hier vor dem Store stehen sehr viele Leute, um dich heute zu treffen. Du stehst ständig unter Beobachtung. Ist das auch ein Druck, der zu spüren ist?

Das kann eigentlich nur ein großer Druck sein, wenn man versucht, etwas vorzuspielen, was man nicht ist. Wenn man so wie man ist zum Vorbild wurde, dann muss man sich ja eigentlich nur selber repräsentieren. Dann ist es eigentlich eher der Druck, in der Öffentlichkeit zu stehen. Was ich manchmal schon verspüre. Ich habe z.B. vor jedem Meet & Greet Angst, dass keiner kommt. Das ist zwar noch nicht passiert, aber ich habe wirklich keine Ahnung. Weil man dann denkt, haben die mich irgendwo schon mal gesehen. Oder haben die vielleicht keine Lust sich in der Schlange anzustellen. Mir fallen nicht viele Leute ein, für die ich in der Kälte in der Schlange anstehen würde. Da verspüre ich schon inneren Druck. Aber für diese Prinzipien gerade zu stehen, die ich repräsentiere, gar nicht . Das ist ja wirklich das, was ich selber bin und wovon ich überzeugt bin und deshalb finde ich, kann ich da ja auch nicht so viel falsch machen. Man steht natürlich immer wieder in Kritik, aber ich versuche die Rolle des Vorbilds so gut wie möglich umzusetzen, weil Sport ist gut. Gesunde Ernährung ist auch nichts, was man schlecht heißen kann. Und Nachhaltigkeit zu repräsentieren, zumindest in bestimmten Gebieten, ich bin kein Öko-Freak , aber das so in den Alltag einfließen zu lassen - das sind ja alles Sachen, die man positiv für sich mitnehmen kann. Und natürlich gibt es Social Media Leute, die alles negativer interpretieren oder damit nicht zurechtkommen, dass alles so schön ist, aber genauso gibt es auch Leute, die in der Schule Probleme haben oder bei der Arbeitsstelle Probleme haben. Klar, gibt es auch Leute, die sich bei Social Media nicht wohl fühlen. Aber ich finde das ist kein Grund die ganze Positivität, die man damit schaffen kann wegzuschmeißen. 

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