Wie gesund ist die Body Positivity-Bewegung?

- Unter dem Hashtag Body Positivity finden sich bei Instagram knapp zwei Millionen Einträge. Hierunter finden sich Bilder von Frauen, die ihre Körper lieben oder dabei sind, genau das zu lernen. Wie wichtig das ist, wird einem wohl erst bewusst, wenn man selbst Probleme damit hat. Selbstliebe ist essentiell für ein glückliches Leben. Ob nun mehr oder weniger Kurven – so unterschiedlich Frauenkörper sind, so schön ist jeder einzelne. Wenn die Body Positivity-Bewegung ein bisschen dazu beitragen kann, ist das natürlich Gold wert. Was man aber trotzdem nicht außer acht lassen darf: Enormes Übergewicht ist per se ungesund. Und sollte nicht verherrlicht oder schön geredet werden. Ein paar Gedanken dazu.

Body-Positivity-Kritik-NEU

Wann wird Übergewicht ungesund? Wie gesund ist die Body Positivity Bewegung?

Man begibt sich auf dünnes Eis, wenn man als normalgewichtige Person die Body Positivity-Bewegung hinterfragt, sich gar kritisch dazu äußert. Klar, schließlich ist man selbst nicht betroffen – zumindest nicht in diese Richtung. Wir möchten deshalb vorab klarstellen, dass dies keineswegs ein Pro-Bodyshaming-Artikel ist. Keinesfalls. Es geht uns hier vor allem nicht um das ästhetische Empfinden, denn aussehen darf – nein soll – jeder, wie er mag. Und auch wohlfühlen soll sich jeder in seinem Körper, insofern ist die Body Positivity-Bewegung absolut zu unterstützen. Aber was man dabei nicht vergessen sollte: einen gesunden Lebenswandel. Und der ist ab 120 Kilo aufwärts einfach nicht mehr gegeben. Das ist Fakt.

Body Positivity ist wichtig und richtig

Ob Ashley Graham, Iskra Lawrence, Emily Bador, Tess Holliday, Megan Jayne Crabbe oder Angelina Kirsch – alle stehen exemplarisch für die Body Positivity-Bewegung, die via Social Media in den letzten Monaten und Jahren weite Kreise gezogen hat. Sie alle feiern ihre Kurven, setzen sich dafür ein, dass Frauen jeden Typs und Gewichts lernen, sich und ihren Körper zu lieben. Von jenen sprechen wir hier nicht. Der Grundgedanke hinter der Body Positivity-Bewegung ist richtig und wichtig. Schließlich ist jeder Mensch per se schön – ob er nun mit einer 34 daherkommt oder eben mit einer 44. Bei einer 54 hingegen wird es kritisch. Denn das ist nicht gesund. Wenn wir also bei Magermodels, die (noch immer) über die internationalen Runways der größten Designer laufen, aufschreien, dürfen – nein sollten – wir das nicht auch bei stark übergewichtigen Damen, die Body Positivity predigen?

Adipositas ist eine Krankheit

Fakt ist, dass jede vierte Frau in Deutschland adipös ist, also an Fettleibigkeit leidet. Das ist bei einem BMI ab 30 der Fall. Das ist nicht gesund – im Gegenteil. Fettleibigkeit kann langfristig zu chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herzproblemen, Bluthochdruck, hohen Cholesterin- und Leberwerten, Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Depressionen und Angstzuständen führen. Die Techniker Krankenkasse veröffentlichte 2016 eine Studie, laut der ein Viertel aller deutschen Frauen an ernährungsbedingten Herz-Kreislauf-Störungen leidet. Tendenz steigend. Das ist alarmierend und höchst bedenklich. Hier ist Body Positivity schlichtweg fehl am Platz. Und auch mit #EffYourBeautyStandards, dem Hashtag, das Plus Size-Model Tess Holliday als Reaktion auf kritische Kommentare hinsichtlich ihres fülligen Körpers ins Leben gerufen hat, ist jenes gesundheitsgefährdende Übergewicht nicht schön zu reden. Denn um "Beauty Standards", also um Schönheitsideale, geht es ab 150 Kilo aufwärts schlichtweg nicht mehr.

Ist es also nicht fragwürdig, die Bewegung zu feiern, ohne zumindest auf die zunehmende Fettleibigkeit unserer Gesellschaft hinzuweisen? Unsere Organe und Gelenke sind nicht dazu ausgelegt, Übergewicht mit sich rumzutragen. Ob Lunge, Hüften, Herz, Füße oder Knie – Übergewicht wiegt im wahrsten Sinne des Wortes schwer. Auf lange Sicht gesehen erhöht es das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. "Fett setzt sich überall an, vor allem an Kopf und Hals, speziell am Nacken. Zu viel Fett drückt auf die Nerven, kann Kopf- und Nackenschmerzen verursachen", erklärt Mike Hayton, Orthopäde in Manchester. Organe und Knochen leiden unter zu vielen Kilos, sie verkürzen bewiesenermaßen die Lebensdauer. Das ist Tatsache und sicherlich kein Wettern gegen Übergewichtige. 

Natürlich ist die Gesundheit anderer nicht unser Business und wir feiern jede Frau, die lernt, sich in ihrem Körper wohl zu fühlen, aber so schön man sich auch fühlt, die Gesundheit sollte doch immer vorgehen, oder?

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