7. März 2020
Pille absetzen: Unser großer Erfahrungsbericht

Pille absetzen: Unser großer Erfahrungsbericht

Ihr überlegt, die Pille abzusetzen? Euch von den Hormonen zu befreien? Wir erzählen euch, wie es uns dabei erging und was sich seit dem verändert hat.

Pille absetzen: Unser großer Erfahrungsbericht
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Wir berichten von unseren Erfahrungen nach dem Absetzen der Pille.

Die Pille bekommt man relativ früh verschrieben, meist mit 14 oder 15 Jahren, wenn einen die Pickel zu sehr plagen oder weil jedes Mädchen im Freundeskreis sie bereits nimmt. Es wird früher oder später zu Gewohnheit, und über die wirklichen Auswirkungen auf unseren Körper hat uns damals im Jugendalter auch niemand aufgeklärt. So erfuhren manche erst mit Mitte 20, dass wir unserem Körper mit der Zufuhr von künstlichen Hormonen eine dauerhafte Schwangerschaft vorgaukeln. Dass Pharmaunternehmen Milliarden an Umsatz mit uns generieren und wir uns mit unserem natürlichen Zyklus nie auseinandergesetzt haben. Wie auch. Wir haben ihn ja immer beeinflusst.

Wir haben uns in unseren 20ern dazu entschieden, die Pille aus verschiedenen Gründen abzusetzen. Wie es zweien von uns seither ergeht und was sich mit dem Absetzen der Pille verändert hat, verraten wir euch hier.

Kristina: Die Pille vor 2 Jahren abgesetzt

Ich bin mit 15 Jahren aktiv auf meine Frauenärztin zugegangen und wollte die Pille. Ich hatte meinen ersten Freund und wollte einfach auf Nummer Sicher gehen. Man weiß ja nie, was so passiert! So verschrieb sie mir sie kurzerhand, ohne großartiges Vorgespräch. Ich kann mich tatsächlich daran erinnern, als wäre es gestern gewesen, obwohl es schon 12 Jahre her ist. Ich nahm also die Pille, ohne mich vorher mit meine Zyklus zu beschäftigen. Ich war froh, meine Periode verschieben zu können, wie es mir gerade passt. Da ich damals auch unter lästigen Pickeln litt, konnte ich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn auch die Pickel verschwanden schnell.

Zehn Jahre später, mit 24 Jahren, begann die Debatte um die Pille. Ich beschäftigte mich viel mit dem Thema, sprach mit Freunden, die die Pille bereits abgesetzt hatten und davon berichteten, ihren Körper erst jetzt richtig wahrnehmen zu können. Ich las Bücher wie „Freiheit von der Pille“ von Sabine Kray und entschloss, es ihnen gleichzutun. Es gibt ja schließlich auch andere Verhütungsmittel. Ich löste mein letztes Rezept einfach nicht mehr ein. Meine Periode kam trotzdem regelmäßig, die unaushaltbaren Unterleibsschmerzen, die ich sogar verspürte, als meine Periode nichtmal anstand, verschwanden bis auf leichte Krämpfe am ersten Tag der Periode.

Ich belaß mich viel über den weiblichen Zyklus, installierte die App „Flo“, um meinen Zyklus zu überwachen, und lernte tatsächlich meinen Körper auch neu kennen. Meine Libido kehrte zurück, oder zeigte sich nun zum ersten Mal, PMS suchte mich heim, ich fühlte mich kurzum wirklich frei.

Die Hiobsbotschaft vermittelte mir nach circa drei Monaten allerdings mein Kinn. Ich bekam Pickel in der Region, die ich fleißig überschminkte. „Die werden schon weggehen“, dachte ich mir. Es liegt sicher an der Umstellung. Auch Freunde bestärkten mich darin, dass eine gute Pflegeroutine und etwas Zeit alles wieder einpendeln lässt. Nun, 2 Jahren nach dem Absetzen, plagt mich die Akne immer noch. Im Gespräch mit meinem Hautarzt entschloss ich mich, eine Isotretinoin-Therapie zu machen. Da ich als Jugendliche unter Pickeln in der Pubertät litt, war es eigentlich abzusehen, dass die Einnahme der Pille die Hautkrankheit nur unterdrückt hat. Doch kein Grund, den Kopf hängenzulassen. Mit der Isotretinoin-Therapie lässt sich die Akne behandeln. Ich habe sogar kurzzeitig überlegt, die Pille wieder zu nehmen, doch damit würde ich das Problem wieder nur für eine bestimmte Zeit begraben. Ich bin eher ein Freund davon, das Problem an der Wurzel zu packen! Seit dem Absetzen der Pille geht es mir also kurz gesagt, sehr gut. Wir sollten uns als Frau wahrnehmen, und nicht als Maschine, die ihre Periode doch bitte unterdrücken soll, weil sie lästig ist und uns den Badeurlaub versaut. Ganz im Gegenteil. Wir sollten froh sein, dass wir gesund sind und einen funktionierenden Körper haben. 

Wir sollten uns als Frau wahrnehmen, und nicht als Maschine, die ihre Periode doch bitte unterdrücken soll, weil sie lästig ist und uns den Badeurlaub versaut.

Tatjana: Pille? Nein danke.

Das erste Mal bekam ich mit 15 Jahren die Pille verschrieben. Ich hatte einen Freund und ich war mir sicher, dass ich nun bereit bin, die Pille zu nehmen. Ging auch recht schnell und ohne Probleme beim Frauenarzt. Alle meine Freundinnen hatten die Pille schon genommen und haben deswegen auch mir dazu geraten, damit anzufangen. Ganze drei Jahre habe ich sie genommen. In der Zeit habe ich die Pille ungefähr fünf mal wechseln müssen. Die erste verpasste mir lästige Pickel, durch die andere habe ich innerhalb weniger Monate über 15 Kilogramm zugenommen. Eine Alternative zur Pille kam aber damals für mich nicht in Frage und mein Frauenarzt beharrte darauf, weitere Pillen auszuprobieren – ich habe ihm vertraut. Im Nachhinein ist mir natürlich klar, was für ein Schwachsinn das ist. Ich setzte die Pille ab und verlor über zehn Kilo. Zwei Jahre später gab ich der Pille wieder eine Chance und hielt etwa ein halbes Jahr durch. Mein Gewicht hat sich dadurch wieder verändert und ich hatte durchgehend Hunger. 

Im Vorfeld erkundigte ich mich bei meinen Freundinnen und las auch sehr viel im Internet über hormonfreie Alternativen. Eine hormonfreie Verhütung war das, wonach ich gesucht habe. Meine Freundin sprach immer wieder von der Kupferspirale. Die Spirale wäre eigentlich etwas für Frauen, die bereits Kinder geboren haben. Die Kupferspirale allerdings solle sich auch für heranwachsende und junge Frauen eignen, die noch keine Kinder auf die Welt gebracht haben. Also bin ich kurzerhand wieder zu meinem Frauenarzt gegangen und erzählte davon. Er war mit meinem Vorschlag nicht so ganz zufrieden, setzte mir die Kupferspirale aber trotzdem ein. Die Kosten sind bei einer Kupferspirale etwas hoch (200-300 Euro), aber sie soll bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. Sie wird während der ersten Tage der Menstruation eingesetzt. Ein schmerzhafter Prozess, der sich für mich leider nicht richtig gelohnt hat. Beim Geschlechtsverkehr merkte ich ab und zu ein unangenehmes Piksen im Bauch und kontaktierte meinen Frauenarzt. Die Spirale war verrutscht und müsse sofort gezogen werden. Na toll, was jetzt?

Nichts! Fürs Erste zumindest. Erneut vergingen drei Jahre, bis ich wieder in der Pille eine kleine Hoffnung gesehen hab. Dieses Mal war ich bei einer neuen Gynäkologin. Sie versprach mir eine reine Gestagen Mikropille, die ich durchnehmen kann. Östrogen sei das Hormon, was für mich nicht noch einmal in Frage kam. Dadurch, dass ich sie durchnehmen muss, würde meine Periode ausbleiben – was aber nicht schlimm sein sollte. Also ließ ich mir das Rezept verschreiben und nahm die erste Pille, wie es sich gehört zu Beginn meiner Periode. Der Unterschied bei dieser Gestagen Mikropille ist der, dass sie täglich zur gleichen Uhrzeit genommen werden muss. Die Zeitspanne zum Nachholen der vergessenen Pille liegt bei nur drei Stunden – alles okay, ich hatte mir die Clue App installiert und die Pille immer rechtzeitig eingenommen. Eine der Nebenwirkungen von der Mikropille sei die Schmierblutung. Ausgerechnet diese Nebenwirkung hatte ich dann etwa fünf Monate. Mal mehr, mal weniger. Mein Gewicht blieb zwar gleich, aber ich wurde launischer und meine Libido verabschiedete sich. 

Deswegen kam ich zum Entschluss das Projekt „Pille“ ein für alle Mal für mich abzuschließen. Wir werden keine Freunde – in diesem Leben zumindest. Seit zwei Jahren bin ich frei von der Antibabypille und bereue es nicht. Ich fühle mich besser, habe keine Stimmungsschwankungen und meine Periode kommt regelmäßig. Meine Unterleibschmerzen sind zwar etwas stark, aber es lässt sich aushalten. 

Pille-absetzen
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