Mental Health Week: Darum ist es wichtig, über "kleine" Dinge im Leben zu trauern

Mental Health Week: Darum ist es wichtig, auch über "kleine" Dinge im Leben zu trauern

Jeder Mensch erlebt Verluste und Trauer in seinem Leben. Doch egal, wie “klein” oder “unwichtig” diese Verluste erscheinen mögen: Es ist wichtig, seine Gefühle zuzulassen. Warum das so ist, erfährst du hier.

Am 10. Oktober 2021 findet der Welttag für psychische Gesundheit, der #MentalHealthDay, statt. Besonders an diesem Tag und in der Woche davor, der Mental Health Week, soll der Fokus auf der Entstigmatisierung und Normalisierung von mentaler Gesundheit, psychischen Erkrankungen und einem bewusst liebevollen Umgang mit sich selbst liegen. Auf jolie.de findet ihr diese Woche aus diesem Anlass Texte rund um Selbstliebe, mentales Wohlbefinden und Psychotherapie.

Mit den Worten "Trauer" und "Verlust" assoziieren viele den Tod eines geliebten Menschen. Dabei können wir – abgesehen vom Tod – ganz unterschiedliche Verluste erleben, wie etwa das Ende einer Freundschaft, das Verlassen der Heimat oder die Krankheit eines geliebten Haustieres. Sie beschäftigen uns im Alltag ebenso wie die vermeintlich “größeren” Verluste wie Tod oder andere schlimme traumatische Ereignisse. 

Entrechtete Trauer: Was ist das?

Oft reden wir diese Art der Trauer aber klein oder erkennen sie im schlimmsten Fall gar nicht erst an. Man nennt sie auch “disenfranchised grief” oder zu deutsch “entrechtete Trauer” – eine Trauer, die von der Gesellschaft nicht als legitim anerkannt bzw. nicht unterstützt wird. Darunter zählt zum Beispiel das Ende von Beziehungen, Verlust des Arbeitsplatzes, Entfremdung von Familienmitgliedern oder Online-Freunden, Verlust von Besitztümern oder Unfruchtbarkeit. Auch stigmatisierte Verluste wie Suizid, eine Totgeburt, Fehlgeburt oder die Entfremdung von einem geliebten Menschen, der unter psychischen Problemen leidet, werden von Menschen oft nicht richtig anerkannt.

Dadurch haben wir das Gefühl, wir würden “übertreiben”, wenn wir über eine bestimmte Sache traurig sind. Schließlich haben es die anderen ja “viel schlimmer”. Diese toxische Positivität kann verheerende Folgen haben.

Laut Experten: Das passiert, wenn wir uns nicht über "kleine" Dinge trauern lassen

Zunächst scheint es leichter, unsere entrechtete Trauer nicht zuzulassen. Laut den lizenzierten klinischen Sozialarbeiterinnen Paulina Isabel Almarosa und Tiffany A. Wright ist das allerdings keine gute Idee. Almarosa erzählt gegenüber "HelloGiggles":

Wenn Menschen denken, ihr Verlust wäre es nicht wert zu trauern, verinnerlichen sie Scham und Schuldgefühle.

Dieser Scham könnte zu psychischen Belastungen, aber auch körperlichen Symptomen führen. Wir erleben keine Freude mehr, entwickeln vielleicht Depressionen oder Angstzustände, weil wir uns nicht erlauben, traurig oder wütend über das zu sein, was passiert ist. Alles, was wir nicht rauslassen, würden wir laut Wright im Inneren ständig mit uns tragen – das belastet.

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In einigen Fällen kann Trauer uns aber helfen, uns persönlich weiterzuentwickeln und zu verstehen, was uns im Leben wichtig ist, wie Almarosa im Gespräch “HelloGiggles” erklärt. Außerdem würde uns Trauer mehr Empathie verleihen und das Selbstvertrauen stärken. Wir akzeptieren, dass es im Leben Verluste gibt und lernen, wie wir mit ihnen umgehen können.

So gehst du richtig mit entrechteter Trauer um 

  1. Erkenne den Verlust an: Nur du kannst deine Emotionen fühlen. Wenn die Gesellschaft sie nicht anerkennt, dann musst du das für dich selbst tun. Es wird dir guttun! Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Falls es dir hilft, sprich deinen Verlust laut aus oder schreibe ihn auf ein Blatt Papier.
  2. Lasse deinen Gefühlen freien Lauf: Während des Trauerprozesses kannst du ganz unterschiedliche Emotionen fühlen, die sich vielleicht widersprechen: Wut, zwischendurch wieder Hoffnung, dann wieder Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit und so weiter. Erlaube dir, sie alle zu fühlen.
  3. Werde kreativ: Es kann helfen, deine Emotionen kreativ auszuleben. Male ein Bild, schreibe ein Gedicht, Lieder oder führe ein Tagebuch. Zahlreiche Studien belegen, dass Kreativität eine gute Trauerbewältigung darstellt.
  4. Kümmere dich um dich selbst: Bei all der Trauer können wir schnell vergessen, uns um unseren Körper und unser geistiges Wohlbefinden zu kümmern. Denke daran, mindestens zwei Liter Wasser am Tag zu trinken, gehe ab und zu spazieren und iss nahrhafte Lebensmittel – Körper und Geist werden es dir danken.

Verwendete Quellen: hellogiggles.com, wiesieliebt.de

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