Diana June: So stille ich harmonisch und bedürfnisorientiert ab

"Starke Frauen, starke Themen" by Diana June: So stille ich harmonisch und bedürfnisorientiert ab

In der heutigen Kolumne verrät Journalistin und Bloggerin Diana June, wie sie bedürfnisorientiert und harmonisch abgestillt hat. 

Diana June mit ihrem Baby Adrian
© Diana June
Diana June erzählt bei "Starke Frauen, starke Themen" von ihrer Abstillgeschichte. 

Ich kann’s kaum glauben, aber wir haben es geschafft! Alles ohne Theater und Schreierei. Mein Kleiner wollte weder Schnuller, noch hat er die Flasche genommen. Die zahlreichen Geschichten meiner Community und meines Umfelds haben mir Angst gemacht. Ich war so fertig mit der Welt und wollte einfach nicht mehr stillen. Gleichzeitig hatte ich ein super schlechtes Gewissen, dass ich aufhören möchte und nicht einfach weiter „ertrage“. Insbesondere das nächtliche Stillen war für mich sehr kräftezehrend und der Kleine hing mir die ganze Nacht an der Brust, hauptsächlich nuckelnd. Er aß auch nicht gut und sein Gewicht war immer ein Thema beim Kinderarzt. Denn dort hieß es: "Er ist so groß, aber könnte mehr wiegen."

Nun kam der Moment, wo ich entschieden habe, dass ich endlich abstillen möchte. Trotz Momguilt, habe ich mich aufgerafft und für mich entschieden, dass mein Baby eine starke und glückliche Mutter braucht.

Ich habe versucht, mir etwas auf die Brust zu schmieren, Zitrone und Ingwer. Das hat aber nichts gebracht. Dann habe ich versucht, im anderen Zimmer zu schlafen, dass mein Papa sich mit ihm hinlegt, aber vergebens. Dann habe ich mich gefragt, wie es alleinerziehende Mamas wohl machen. Ich habe gegoogelt und eine Abstillberatung kontaktiert. Schließlich hat es geklappt, ganz harmonisch und positiv.

Ich möchte meine Abstillzeit in zwei Stadien unterteilen: Tag und Nacht. Der längste Prozess des Abstillens war für mich tagsüber, was mich ca. zwei Wochen gekostet hat. Und das Finale war die Nacht. Dafür habe ich drei Nächte gebraucht. Man kann es auch schneller und länger machen, insbesondere für tagsüber hätte auch eine Woche gereicht. Es kommt auch auf das Kind und auf euch selbst an. Ich bin ein großer Freund von einer harmonischen und bedürfnisorientierten Abstillgeschichte und kann eine Abstillberatung wärmstens ans Herz legen. Ich fand die Abstillberatung sehr informativ, jedoch kann das Ganze recht kostspielig sein. Eine Stunde Telefonat hat in meinem Fall 75€ gekostet. 

Meine bedürfnisorientierte Abstillgeschichte: Wie habe ich tagsüber abgestillt?

Ich habe das große Glück gehabt, dass mein Papa, der fürsorglichste Opa aller Zeiten, mich in meinem Abstillprozess unterstützt hat. Das heißt aber nicht, dass ihr das auch nicht alleine schafft, falls ihr niemanden habt. Am Ende konnte mein Vater mir nämlich nicht helfen, denn mein Sohn brauchte mich und meine Nähe am meisten. Also kann ich euch nicht empfehlen zu gehen. Mit eurem Verschwinden strapaziert ihr nicht nur die Nerven von den „Aufpassern“, die euer Kind beruhigen müssen, weil Mama plötzlich weg ist, sondern insbesondere die Nerven eures Kindes. Ein super Beispiel ist meine Cousine: Sie hat zwei Töchter und als sie eine Notoperation brauchte, war ihre kleine Tochter gerade acht Monate alt. Sie war insgesamt vier Tage im Krankenhaus und ihr Mann und ihre Mutter haben auf die Kinder aufgepasst. Als sie dann nach Hause gekommen ist, hat die Kleine direkt wieder die Brust gesucht, weil sie Mama mit der Brust und Milch assoziiert hat. Und siehe da, die Kleine ist jetzt drei Jahre alt und sie hat jetzt abgestillt. Nicht weil sie nicht konnte, sondern weil sie wollte. Damit möchte ich sagen, dass der Entzug eurer selbst nicht den Erfolg versprechen kann wirklich Abzustillen. 

Also was können wir machen? 

  1. Wenn ihr Hilfe habt: Ihr könnt tagsüber unterwegs sein, arbeiten oder euren Erledigungen nachgehen. Am Anfang für eine Stunde und dann immer mehr. Aber nicht über Nacht. So gewöhnt ihr euer Kind daran, dass auch jemand anderes sich gut um es kümmern kann und ihr immer wieder kommt. Adrian liebt seinen Opa, weil er sich zu 100% mit ihm beschäftigt und ihm alles beibringt. Wenn ihr euch einen entspannten Zeitraum gebt, wie z.B. zwei, drei Wochen, könnt ihr das entspannt steigern und auf das nächtliche Stillen reduzieren.
  2. Wenn ihr KEINE Hilfe habt: Als ich in Berlin bei meinem Ehemann war, hatte ich keine Hilfe und habe mich immer gefragt, wie es alleinerziehende Mütter machen. Ich möchte mich nicht beschweren, ich fand die Situation nur sehr vereinsamend, wenn du alleine mit deinen Gedanken und Sorgen bist. Dazu kommt, dass ich dachte, es nicht alleine schaffen zu können. Ich bin dann nach Hamburg gegangen zu meiner Familie. Ich habe dann verstanden, dass man niemanden wirklich braucht und auch gar nicht gehen vom Kind weggehen muss. Der Schlüssel ist, die Kinder abzulenken, sobald sie an die Brust wollen. Kleine Snacks und Spiele haben bei meinem Sohn Wunder gewirkt. Und auch ganz wichtig: Lasst den Druck raus. Wenn ihr bereit seid abzustillen, dann gebt euch eine vernünftige Zeit und versucht nicht alles in drei Tagen abzufertigen. Es ist auch möglich, aber schöner für euch, wenn ihr diesen Prozess in Ruhe durchmacht. Warum? Ihr werdet es vermissen, wetten? Ich vermisse es so sehr gerade. Diese Nähe ist einfach unbeschreiblich schön, auch wenn ich sie damals so oft als anstrengend empfunden habe. 

Meine Abstillgeschichte: Wie habe ich das nächtliche Abstillen in drei Nächten bewältigt?

Diesen Teil habe ich alleine gemacht. Mein Vater konnte mir nicht helfen, denn mein Kleiner brauchte die Nähe von Mama.

Adrian ist immer bis zu neun Mal nachts wach geworden und hat die Brust gefordert. Er hat die Brust als Einschlafritual assoziiert und hat sich daran natürlich gewöhnt. Er kannte es schließlich nicht anders. Euer Baby will euch ja nicht ärgern, sondern möchte seine alten Gewohnheiten befriedigen, was völlig normal ist. Wie gewöhnen wir es also ab? 

Ich habe mich mental entschieden abzustillen. Ich war bereit, kein Weg zurück. Ich habe enge Klamotten und einen Rollkragenpullover angezogen, damit er mit seiner Hand nicht einfach reinkommt. In diesem Alter können sie sehr stark und fordernd sein, weshalb enge Kleidung mein Lifesaver war. Dann habe ich ihm erlaubt in der ersten Nacht vor dem Schlafengehen noch einmal an die Brust zu gehen. Jedoch habe ich Adrian nicht an der Brust einschlafen lassen! Ich habe dies bewusst im Wohnzimmer gemacht, nicht im Schlafzimmer. Das Kind muss lernen, dass die Brust nicht mehr zum Einschlafen notwendig ist. Als er fertig war, bin ich mit ihm ins Schlafzimmer und habe ihn da rumgetragen und mit ihm gekuschelt, bis er eingeschlafen ist.

Die erste Runde war geschafft. Nun kam die echte Nacht! Nach einer Stunde fing er an sich zu wälzen und ich wusste, er wird jetzt aufwachen. Ich habe ihn genommen und wieder herumgetragen. Zu meinem Erstaunen schlief er ein. Und so kam er die nächsten Stunden auch dazu. Wobei zwei oder drei Male hat er mehr gequengelt und geweint. Aber meine Nähe und das Tragen haben Wunder gewirkt. Ich war zwar mega müde, weshalb tagsüber eine Hilfe super wäre, aber nicht ein Muss ist. Es ist machbar und kann wirklich harmonisch sein. Der nächste schwierige Anlauf war der Morgen, denn dann lieben es die Babys an die Brust zu gehen. Hier habe ich ihn schnell gepackt und ihm Wasser angeboten. Ihr könnt nachts auch Wasser anbieten, mein Kleiner trinkt bis heute, einen Monat nach der Abstillzeit, nachts gerne mal einen Schluck Wasser.

Die Muttermilch hat natürlich Kalorien und dadurch, dass er nachts immer viel gesaugt hat, war er morgens nie hungrig. Diesmal war es anders, er hatte einen Bärenhunger. Ich habe ihm sofort nach dem Aufwachen Wasser und danach Brei gegeben. Er hat noch nie so gut gegessen. Seitdem ist er ein toller Esser geworden und liebt Opas gesunde Suppen. Die zweite Nacht war ähnlich. Aber er wachte nur noch fünf Mal auf. In der dritten Nacht nur noch zwei Mal. Danach war es geschafft. Er hat seine Essroutine so gut umgestellt, sodass er tagsüber so gut gesättigt war, dass Nachts kein Essen mehr kommen musste. Mamas Kuscheln musste aber natürlich bleiben. Adrian hat gelernt, dass er zum Einschlafen nicht mehr die Brust braucht. Wir als Erwachsene haben schließlich auch Schlafzyklen, aber Babys brauchen manchmal ein bisschen mehr Hilfe wieder in den Schlaf zu finden. 

Das war meine Abstillgeschichte. Vermisse ich es? Ja! Bin ich glücklich darüber, dass er so gut isst und schläft: doppelt Ja! Es hat sich wirklich gelohnt auf mich und mein Kind zu hören. Probiert es aus und berichtet unbedingt, wie es bei euch gelaufen ist. 

Diana

"Starke Frauen, starke Themen": Diana June mit ihrem Baby Adrian
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