Diana June: Momshaming - so gehst du damit um

"Starke Frauen, starke Themen" by Diana June: Momshaming - so gehst du damit um

Wenn wir doch alle im gleichen Boot sitzen – und trotzdem mit Pfeilen geworfen wird! Journalistin und Bloggerin Diana June schreibt über ihre Erfahrungen mit Momshaming und wie sich das Leben verändert hat, seitdem sie Mutter geworden ist.

"Starke Frauen, starke Themen": Diana June mit ihrem Baby Adrian
© Diana June
Heute spricht Diana June über Momshaming – den Hass unter Müttern!

Momshaming - was ist das überhaupt? Für mich bedeutet dieser Begriff, die oberflächliche Verurteilung einer Mutter, meist ohne Hintergrundwissen. Der „Momshamer“ kann Mutter oder Vater oder auch komplett ohne Kinder sein. Eine leichtere Version des Momshamings sind für mich ungefragte Ratschläge, die zum Teil auch sehr aufdringlich sein können. Ich habe dies auf Social Media sowohl als auch privat erlebt. Übrigens: Diesen Artikel kannst du dir hier auch anhören!

Momshaming - Die giftige Kritik an Mütter

Eine private Situation war zum Beispiel, als ein Familienmitglied gesehen hat, dass ich sehr aufpasse wenn unser 1-jähriges Baby mit unseren Hunden spielt. Sie (28, ohne Kinder) sagte:

„Du übertreibst doch voll! Auf dem Bauernhof spielen die Kinder mit Dreck und sind super gesund. Du machst das falsch!“

Ich wollte nicht, dass der Hund mein Baby ins Gesicht leckt und war demnach vorsichtig. Diese Kritik hatte mich überrumpelt, auch wenn sie nicht so schlimm ist. Ich war in dem Glauben, dass doch vor allem Familienmitglieder sensibler mit mir umgehen müssten, nachdem was ich mit unserem ersten Kind alles erlebt habe. So musste ich als Mutter alles noch einmal neu lernen, insbesondere den Punkt, dass nicht alle meiner Meinung sein werden. Ein weiteres Beispiel ist Social Media, denn da verstecken sich viele hinter Fake-Accounts oder schreiben mit privaten Profilen. So kann ein ungefragter Ratschlag zum Schlag werden. Man weiß nicht, ob die Mutter gerade eine schlaflose Nacht hinter sich hat, Beziehungs- oder Geldprobleme und andere Sorgen hat. Die Sanftheit und Nächstenliebe ist uns verloren gegangen oder war sie niemals da?

Wenn alle Augen auf dich gerichtet sind

Jeder Schritt wird beobachtet, beurteilt und leider auch zu oft verurteilt. Dabei weiß man nie die Wahrheit zu 100%. Eine Mutter, die nicht stillt, ist nicht weniger Mutter. Der Vergleich tötet, weshalb ich unbedingt raten möchte, dass man zum Beispiel nur Menschen auf Instagram verfolgt, die euch inspirieren und zu etwas Besserem motivieren. Sobald ihr das Gefühl habt, dass ihr euch schlechter fühlt, wenn ihr jemandem folgt, dann klickt einfach weg! So auch in der realen Welt. Und wenn ihr keine Wahl habt, dann muss man die Ohren auf Durchzug schalten. Gelingt mir auch nicht immer, aber ich habe mich mittlerweile auch sehr von der Außenwelt distanziert. Seit unserer Tragödie, als unser erstes Baby gestorben ist, habe ich angefangen, mehr auf meine Intuition zu hören und zu vertrauen. Viele Jahre habe ich durch andere Menschen geglaubt, dass dieses innere Gefühl von mir nicht richtig sei und ich einfach nur übertreibe. Und zu guter Letzt hatte ich leider wieder Recht, aber der Preis war zu groß. Deshalb lernt euch selber kennen und zieht den Fokus auf euch und eure Familie. Mein Regenbogenbaby Adrian ist mein größtes Glück und ich tue alles, damit es ihm gut geht. Lasst euch nicht von anderen Menschen und ihren Erfahrungen verunsichern und versucht auf euren Mutterinstinkt zu hören.

Wenn der ungefragte Ratschlag zum Schlag wird

Als ich Adrian bekommen habe, wurde ich plötzlich von allen Seiten kritisiert:

"Du schaukelst ihn in den Schlaf?"

"Hoffentlich stillst du!"

"Zeig bitte nicht, dass du stillst."

Ich war wirklich traurig, denn ich dachte, dass ich alles richtig mache, warum also haben das andere nicht so gesehen? Ich dachte zwischenzeitlich, dass ich mit Social Media aufhöre. Ich konnte jegliche Kritik zu meinem Äußeren ertragen, aber nichts, was mich als Mutter und mein Kind angeht. Wenn man eine frisch gebackene Mama wird, dann ist man eh total sensibel. Bei mir kam noch mein Kindsverlust hinzu, warum ich wahrscheinlich jetzt auch noch mehr Sorgen habe als eine Mama, die ihr Kind nicht begraben musste. Aber hier geht es nicht um den Vergleich, denn wir alle haben unsere Ängste, Sorgen und Gefühle. Also sollten wir öfter solche Fragen stellen:

"Wie geht es dir?"

"Hast du geschlafen?"

"Hast du irgendwelche Sorgen?"

Die vielen Rollen einer Frau

„Sobald du Mutter wirst, bist du kein Mensch mehr, sondern Mutter.“ Es ist vielleicht ein wenig überspitzt, aber so ein Gefühl hat sich in mir über die Zeit angebahnt. Man vergisst so schnell, dass hinter diesen ganzen Rollen auch ein Mensch mit Träumen, Gefühlen und auch Ängsten steckt. Als Kinder idealisieren wir unsere Eltern, was normal ist, aber jetzt sollten wir doch keine Fremden diese Rolle aufzwängen oder?

Ich habe eben mit meiner Freundin aus London telefoniert und sie hat mir ihre Beziehungsprobleme geschildert. Frauen haben generell einfach so viel Druck. Wir müssen gut aussehen, Kinder gebären und großziehen, schlau sein, aber nicht zu viel, damit der Mann sich nicht entmannt fühlt. Wenn wir drei Tage wegen den Kindern kaum geschlafen haben und mit zerzausten Haaren und altem Shirt dastehen, heißt es, dass wir uns gehen lassen. Ein Freund von meinem Mann sagte mir einmal: „Diana du hast so krass abgenommen, nach zwei Kindern. Bitte, bitte kannst du meiner Frau sagen, wie sie abnehmen soll, sie ist so dick geworden.“ Er, selber kein Geschenk des Himmels, erzählte noch, wie er ihr das Essen verbietet, aber sie nachts noch heimlich Süßigkeiten isst, er sie dabei aber erwischt hat. Ich habe kein Verständnis für sowas. Als Frau bemitleidest du die ganze Welt und keiner hört dir dann zu. Wenn dann noch andere Frauen kommen, die doch eigentlich ähnliche Erfahrungen gemacht haben, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir als Frauen wären viel weiter, wenn dieser Konkurrenzkampf und das ständige Vergleichen nicht wären. 

It’s the Selflove for me. Wir wollen Momshaming in 2021 adieu sagen!

Momshaming - Who is she? Ich liebe mein momentanes Alter von 27 sehr, denn jetzt interessiere ich mich immer weniger für das, was andere von mir halten. Wenn ich früher bei einem negativen Kommentar in Tränen ausbrechen konnte, bin ich jetzt entspannt. Dazu muss ich sagen, dass der Blockier-Button und ich mit den Jahren eine enge Freundschaft aufgebaut haben. Wenn mir was nicht passt oder negative Gefühle in mir erzeugt, dann blockiere auf Social Media und auch im echten Leben. Manchmal lösche ich auch Kommentare, wenn ich merke, dass die Abonnentinnen sich gegenseitig zerfleischen und ich merke, dass es ungesund wird. 2021 ist ein Jahr, wo wir uns selber besser kennenlernen sollten und endlich bedingungslos in uns selber verlieben. Das möchte ich auch meinen Kindern weitergeben, aber das kann ich nicht nur mit Worten tun, sondern möchte das auch vorleben. Lasst euch nicht verunsichern und filtert die Information, die euch wirklich weiterbringt als Mutter, Mensch und Frau. 

Diana

Diana June mit Schwangerschaftstesten
Mit diesen Tipps ist Journalistin und Bloggerin Diana June nach ihrem tragischen Kindsverlust schnell wieder schwanger geworden. Hier teilt sie ehrlich und detailliert, was ihr geholfen hat, ihr Regenbogenbaby Adrian zu bekommen.  Weiterlesen
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