Diana June: Kindsverlust – so findet ihr zurück ins Leben

"Starke Frauen, starke Themen" by Diana June: Kindsverlust – so findet ihr zurück ins Leben

Nach ihrem tragischen Kindsverlust fand Diana June wieder zurück ins Leben und ist schließlich Mutter ihres Regenbogenbabys Adrian geworden. Hier erzählt sie euch, wie sie das Licht am Ende des Tunnels wiedergefunden und das quälende Warum für sich beantwortet hat. Wie auch ihr zurück ins Leben findet, das erzählt euch Diana in diesem Artikel. 

Diana June in ihrem zu Hause
© Diana June
Kindsverlust – der größte Schmerz eines Menschen

Fehlgeburten passieren häufiger als ihr denkt, denn jede zweite Frau hatte statistisch gesehen eine Fehlgeburt, wissend oder unwissend. Ob Fehlgeburt oder Kindsverlust einer anderen Art, der Schmerz ist so groß, dass man ihn im ersten Moment nicht zu tragen vermag. 

Warum ist mir das passiert? Womit habe ich das verdient?

Fragen wie diese quälen und haben mich teilweise verrückt gemacht. Als unser Baby nach nur drei Tagen nach einer zu spät erkannten Lungenentzündung und darauffolgenden Sepsis noch im Krankenhaus verstarb, brach meine Welt zusammen. Mein Mann und ich, mein Vater und meine Schwiegereltern standen in der Lobby mit leerer Babyschale, während die Gerichtsmediziner unser totes Kind in weißen Laken vorbeitrugen. Es fühlte sich an, als ob meine Seele meinen Körper verließ und das Geschehen von weitem betrachtete. So fremd fühlte ich mich in dieser Welt noch nie. So einsam und unverstanden. Alles war still und die Uhren hörten auf zu ticken. 

Doch ich bin mit meinem Kindsverlust nicht alleine...

Mit einem lauten Knall wurden wir zurück ins Leben gerufen, als plötzlich die tausenden Nachrichten von Gleichgesinnten bei Instagram eintrudelten. Ich hatte mein Leid damals auf Instagram geteilt, weil wir so hilflos waren. Ein einziger Hilfeschrei und die Welle war groß. Plötzlich waren wir nicht mehr allein! Plötzlich waren da so viele Frauen, denen so etwas oder ähnliches passiert ist. Es war wie eine Rettung, auch wenn es egoistisch klingen mag, aber das Gefühl, nicht allein sowas erlebt zu haben, hilft extrem. Es ist zwar kein Wettbewerb, aber wenn ich ehrlich bin, haben Geschichten, die ich in meinen Augen für „schlimmer“ empfand, mir das Gefühl gegeben, dass ich es dann auch schaffen kann.

Wenn andere aus der Trauer wieder zurück ins Glück gefunden haben, kann ich das doch auch?

Deshalb kann ich von Herzen empfehlen, offen zu sprechen und Gleichgesinnte zu suchen. Und vertraut mir, es gibt sie, wohl oder übel, ihr seid nie allein!

Die quälende Frage "Warum?" 

Ich habe sie gehasst und ich habe meine Gedanken gehasst, dass sie nicht loslassen konnten.

Warum ich? Warum nur ich?

Diese Fragen wurde zu meinem stündlichen Begleiter und keiner konnte es mir erklären. Ich ging zu einer Psychologin, die mir empfohlen wurde, weil sie Frauen betreut, die ihre Kinder verloren haben. Ich saß in einem engen Sessel in diesem kleinen Zimmerchen. Hinter mir war ein Fenster und man hatte einen Blick auf Berlin Mitte. Sie saß mir gegenüber und sagte kein Wort. Nach 45 Minuten brach sie mich ab und ich fragte sie, was ich nun tun soll und wie es weiter geht. Sie erwiderte nur: „Sie müssen das selber für sich entscheiden.“ Ich war so verwirrt und hilflos. Ich wollte wissen WARUM, aber es kam keine Antwort. Ich muss gestehen, dass ich auf eine Lösung oder einen Rat gehofft habe. Aber den konnte ich hier nicht bekommen, denn Psychologen helfen vor allem dabei, selber auf das Problem zu kommen und geben kaum Ratschläge. Das wusste ich damals nicht und ging weinend aus dem Gebäude raus. Ich fühlte mich noch leerer und einsamer als sonst. 

Ich nahm mein Leben in die Hand

Also habe ich das Ganze selbst in die Hand genommen. Die Psychologin hatte nämlich recht: Ich muss selber entscheiden wohin die Reise geht. Es ist in solchen Momenten die schwierigste Aufgabe überhaupt, aber ich habe mir ein Ziel gesetzt. In solchen Momenten, in denen das Leben wert- und sinnlos erscheint, muss man sich selber am „imaginären“ Kragen packen und ein Ziel definieren.

Was willst du? Abgesehen von dem ganzen Schmerz, was willst du? Was würde dich jetzt und in näherer Zukunft glücklich machen?

Für mich war es: ein Kind. Ich wollte unbedingt Mutter sein und die Rolle auch ausüben dürfen. Und so fing ich an, nach allen Kräutern, Heilmitteln und Tricks zu suchen, die meinen Zyklus wieder starten und ich so schnell es geht wieder schwanger werde. Meine Tipps, wie ihr bei einem Kinderwunsch schnell wieder schwanger findet, lest ihr hier. 

Um die Frage Warum für mich zu beantworten, fing ich an, in der Religion und Spiritualität nach Antworten zu suchen. Wenn man etwas traumatisches erlebt, kommt der Geist dieser Antwort näher und wird vom oberflächlichen Alltag aufgeweckt. Wir sind fähig, etwas an uns zu ändern, denn wir schauen mit anderen Augen auf das Leben. Alles was uns im Leben passiert, bringt uns unserer Evolution näher. Ich hatte früher diesen Satz nicht verstanden: „Gott gibt nur den starken Menschen schwere Schicksale, weil nur sie sie tragen können.“ Ich habe mich wirklich geärgert über diesen Satz, denn ich dachte mir „Wozu“? Aber ich denke, dass einige von uns unserer tieferen Bestimmung und Seelenmission näher kommen müssen und unsere Seele diesen bestimmten Pfad für sich ausgesucht hat. Es ist der Weckruf und der Beginn von etwas Großem. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr werdet ihr euch selber kennenlernen und Frieden finden. Es geht nicht um vergessen, auch wenn man das möchte, sondern es geht darum, wie man damit umgeht. Man lernt damit zu leben und wird stärker.

Holt euch euren Alltag zurück!

Abgesehen von dem Austausch mit Gleichgesinnten und der Suche nach neuer Motivation und Zielen, habe ich durch meinen Job sehr schnell zurück in meinen alten Alltag gefunden. Ich habe zwar Journalismus studiert, bin aber in den Social Media Bereich gerutscht und habe schnell als Bloggerin Fuß gefasst. So habe ich mit den Jahren eine große und treue Community aufgebaut. 

Mit dem Hilfeschrei und der Antwort vieler Frauen habe ich für mich ein Ventil der Aussprache gefunden. Ich habe meine Trauerbewältigung öffentlich geteilt und es hat mir und meiner Familie unfassbar gut getan. Wie gesagt, das Gefühl alleine zu sein, war somit fast wie erloschen. Instagram wurde zu meinem Tagebuch, Therapeuten und meine Community zu meiner besten Freundin, die mich auffängt. Im Gegenzug hat dies so vielen Frauen geholfen, die das selbe oder ähnliches erlebt haben. Damit möchte ich sagen: Holt euch euren Alltag zurück! Was habt ihr vorher gerne gemacht? Tastet euch langsam ran, Step by Step. Wenn es zu viel wird, macht eine Pause, weint und atmet durch. Ich habe viel geweint und alles rausgelassen. Es ist nicht die Zeit, um alles in sich hineinzufressen. Sucht euch einen Ort und nehmt euch die Zeit, um es alles mal raus zu weinen. Wenn man natürlich Kinder hat und nicht die ganze Zeit vor ihnen weinen möchte, muss man sich die Momente suchen oder das Umfeld um Hilfe bitten.

Nehmt das Leben Schritt für Schritt

Wenn ihr wieder eine neue Motivation, bzw. ein Ziel gefunden habt, könnt ihr in alltäglichen Momenten und Dingen Freude üben. Ich habe mir letztens eine tolle Vorlesung von Kurz Tepperwein angehört und finde sie hilft, die Träume zu manifestieren, egal wie tief man gerade ist und in welcher Lebenslage. Sein Kind zu verlieren ist ein ganz besonderer Schmerz, der sich gefühlt bis ins Knochenmark verankert. Aber es wird besser, versprochen! Diese Erkenntnisse haben mir geholfen und helfen mir bis heute in meinem Alltag: Imaginiere vom Ergebnis aus. Das „Imaginieren vom Ergebnis aus“ ist der Anfang aller Wunder. Die Realität entsteht so in uns durch Imagination. Dazu brauche ich die Gewissheit der Erfüllung. Ich kann erst bekommen, wenn ich habe, nicht wenn ich gerne hätte. Wir denken am Tag zwischen 50k-80k Gedanken. Wieviel davon sind positiv? 

Richtet das Bewusstsein auf das Leben was ihr euch wünscht

Das was ich befürchte, zieht das an, was ich befürchte, denn im Unterbewusstsein gibt es das Wort NICHT nicht. Die Sprache des Lebens ist positiv. 

  1. Ich schaffe ein Bild dessen was sein soll. Eine Vision. Ein Foto oder Visionboard, sodass man es sich bildhaft vorstellen kann. 
  2. Diesen erwünschten Endzustand nehme ich geistig in Besitz. Ich verbinde die Vorstellung des erwünschten Endzustands mit mir. Ich erlebe mich am Ziel. Ich habe erreicht. Es ist geschehen. 
  3. Ich lasse los, denn ich habe manifestiert. Ich vertraue, dass es zu mir gehört und arbeite weiter an meinen Zielen. Ich arbeite täglich an meiner Energie und achte darauf, dass meine Frequenz auf der Dankbarkeitsebene ist. Ich bin dankbar für alles was ich habe.

Das Licht am Ende des Tunnels existiert. Ich schätze das Leben so sehr, denn es ist so fragil. Ich verbringe meine Zeit nur noch mit Menschen, die mir gut tun. Das Leben ist so wertvoll und wunderschön. Ich musste mein erstes Kind zu Grabe tragen, aber ich habe meine Hoffnung, meine Freude und Lebensenergie wiedergefunden. Und das schafft ihr auch!

"Starke Frauen, starke Themen": Diana June mit ihrem Baby Adrian
Wenn wir doch alle im gleichen Boot sitzen – und trotzdem mit Pfeilen geworfen wird! Journalistin und Bloggerin Diana June schreibt über ihre Erfahrungen mit Momshaming und wie sich das Leben verändert hat, seitdem sie Mutter geworden ist.
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