Nach FOMO kommt FOBO: Über die neue Angst, nicht mehr mithalten zu können

- Wir alle kennen den Begriff der "FOMO", der "Fear of missing out", der sich in Zeiten von Social Media etabliert hat. Die Angst, etwas zu verpassen, wächst quasi mit der Anzahl der Instagram Stories, die wir am Tag durchklicken. Während wir im Büro sitzen, folgen wir anderen virtuell in den Sommerurlaub oder zum Mittags-Vino in der Sonne – und fragen uns, warum wir eigentlich nicht eingeladen wurden. Hm, wieder das High-Life verpasst! Doch jetzt überrollt uns auch schon ein neues Phänomen: "FOBO"! 

Sektglas

"FOBO" ist das neue Phänomen auf Social Media

FOBO macht jetzt FOMO Konkurrenz

Doch nicht nur das: Mit zunehmendem Social Media-Konsum und der wachsenden Wichtigkeit der Selbstdarstellung, wächst auch langsam das Gefühl einfach nicht mehr mithalten zu können. Immer höher, schneller, weiter muss es gehen. Nur den Halbmarathon laufen? Hah, was für Amateure! Nur auf der Uni in Buxtehude studiert und keine fünf Bachelor gemacht? Laaangweilig und überhaupt völlig unterqualifiziert.

Es ist heutzutage nicht mehr einfach, jemand besonderes zu sein. Es gibt so viel Konkurrenz

witzelte Oscar Wilde 1895. Was sollen wir sagen, die Konkurrenz scheint in Zeiten der Leistungsgesellschaft und des Gefühls immer schneller immer besser werden zu müssen, wohl nicht einfacher geworden zu sein. Doch es ist nicht nur die scheinbare Konkurrenz, die sich geändert hat, sondern auch die Art des Wettbewerbs. Das "Sein" von dem Wilde spricht, ist für unser Selbstverständnis heute viel wichtiger geworden.

Neben "FOMO", dem Gefühl des Versäumnisses, gibt es jetzt also auch "FOBO": das Gefühl, von anderen ständig überholt zu werden, auf englisch "Fear of being competed out". Was Oscar Wilde schon 1895 erkannt hat, hat in Zeiten von Social Media eine ganz andere Dimension bekommen.

Wir definieren uns als Kenner der vietnamesichen Küche, exquisiter Weine oder Fans einer bestimmten Netflix-Serie. Wir betrachten diese Merkmale als konstitutiv für das, was wir sind, und wir suchen andere, die sich über gleiche Interessen definieren. Denn im Grunde gibt es so viele Menschen, die uns ähnlich sind – große Kenner der vietnamesischen Küche, exquisiter Weine oder große Fans einer bestimmten Netflix-Serie.

Studie bestätigt: Wir überschätzen uns in allem, was wir tun

Die Crux: Laut einer Studie denken wir, dass wir in so ziemlich allem besser als der Durchschnitt sind. 93 Prozent der Fahrer denken, dass sie überdurchschnittlich gut fahren. Mehr als 90 Prozent der Universitätsprofessoren halten ihre Lehre für überdurchschnittlich und 85 Prozent der Teenager denken, dass sie sich mit anderen überdurchschnittlich gut verstehen. Tatsächlich glauben 25 Prozent von ihnen, dass sie in dieser Hinsicht zu den ersten 1 Prozent gehören. Die Studie zeigt: Wir überschätzen uns eigentlich in so ziemlich allem, was wir tun. Und je mehr Zeit wir in etwas investieren, desto eher denken wir, dass wir es besser können als der Rest der Welt.

Vergleiche machen uns unzufrieden

Natürlich hört niemand gerne die Realität und sieht sich selbst als mittelmäßig. Doch Social Media ändert diesen Blick und es ist nahezu schwierig, nicht ständig daran erinnert zu werden, wie viel besser Andere in den Dingen sind, die uns am Herzen liegen. Wir vergleichen uns, und wir vergleichen uns mit Leuten, die wir nicht einmal kennen. Wie bei dem Gefühl der "FOMO", ist "FOBO" ein Hauptgrund für Unzufriedenheit, die sich im Zeitalter von Social Media entwickelt hat.

Schauen wir durch unseren Facebook- oder Instagram-Feed, so überkommt einen schnell das Gefühl, dass all unsere Freunde viel glamourösere oder lustigere Dinge tun als wir selbst. Es gibt uns das Gefühl, von anderen ständig überholt zu werden, und dass es immer schwieriger wird mitzuhalten.

Social Media zeigt eine inszenierte Welt

Umso wichtiger ist es, sein Leben in der heutigen Zeit nicht von Social Media dominieren zu lassen. Präsentiert werden uns schließlich auch nur die guten Momente, und niemand weiß, was für Probleme unsere vermeintliche Konkurrenz plagen – niemand ist schließlich perfekt. Statt uns ständig zu vergleichen sollten wir den Fokus auf unser eigenes Leben legen. Denn jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

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