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Affe auf Bike: Alleine mit dem Motorrad um die Welt – Interview

Alleine um die Welt: "Affe auf Bike" über Freiheit, Ängste und Glücksgefühle – Interview

Ann-Kathrin Bendixen (22) ist eine absolute Abenteurerin. Im Interview verrät sie uns, was sie an ihren Reisen besonders liebt und worauf sie on the road niemals verzichten könnte.

Ann-Kathrin Bendixen war mit 18 Jahren schwer krank und hat viele Operationen am Kopf hinter sich. So musste sie leider früh lernen, dass das Leben schnell enden kann. Eine Lektion, die sie zurück ins Leben führen sollte: Nach dem Abitur schnappte sie sich ihr Motorrad, eine alte Suzuki Bandit, ihren Plüschaffen, 400 Euro und begann eine Reise ins Ungewisse. Ohne Lottogewinn oder Zuschuss der Eltern, fährt sie heute, drei Jahre später, immer noch auf ihrem Motorrad um die Welt. Afrika, Südamerika und Europa hat sie bereits befahren, Asien wird folgen. Auf Instagram und Tiktok folgen ihr als "Affe auf Bike" mehrere tausend Menschen und begleiten sie auf ihren Abenteuern. Fühlt man sich auf solchen Reisen einsam, wann hat man Angst und was darf in Annkas Gepäck niemals fehlen? Diese Fragen und mehr beantwortet die Abenteurerin uns im Interview.

1. Annka, was bedeutet Freiheit für dich?

Das Gefühl auf dem Motorrad zu sitzen, das Rattern des Motorrades zu hören, den Wind auf der Haut zu spüren... einfach so dahinzufahren. DAS ist für mich Freiheit. Dieses Gefühl nicht zu wissen, wo der Weg mich hinführen wird, wo ich noch am Abend schlafen werde oder am nächsten Tag vielleicht landen werde. Abenteuer bedeuten für mich Freiheit pur. Keine Verpflichtungen, Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, all das steht für mich in Zusammenhang mit dem Gefühl von „Freiheit“.

2. Wann fühlst du dich (auf deinen Reisen) einsam?

Einsam fühle ich mich nur selten. Durch meine Social Media-Kanäle „Affe_auf_Bike“ kann ich immer in Kontakt mit vielen reiselustigen Menschen stehen. Auch trifft man auf so einem Abenteuer wahnsinnig viele Menschen, die meine Reise gerne auch mal 1 - 2 Tage begleiten.

Richtig einsam fühle ich mich nur dann, wenn mir etwas passiert. Verletzungen, Vergewaltigungen... Momente, in denen man nicht alleine sein will, sich alles andere als schwach fühlen möchte! Genau in diesen Momenten fühle ich mich einsam und wünsche mich in die Arme von Personen, denen ich etwas bedeute. Manchmal fehlt mir dann die Nähe zu einem Menschen, den man liebt, einem Menschen, mit dem man alle seine Gedanken teilen kann.

3. Was sind deine größten Glücksmomente auf deinen Reisen?

Ohhh, da habe ich viele! Ganz banale Dinge machen mich auf so einer Reise meist am glücklichsten. Wenn es in Strömen regnet, ich klitschnass bin und vor Kälte nur so zittere... Dann aber mein Zelt aufbaue, in meinen warmen Schlafsack schlüpfe und dem leisen Tröpfeln des Regens lausche. Das sind pure Glücksmomente.

Und dann gibt es noch die Momente, die sich für mich riesig anfühlen und sich tief in mein Herz einbrennen. So zum Beispiel die Begegnungen mit Menschen. Die Momente, wenn ich auf Bauernhöfen geholfen habe und mit Großfamilien am Tisch gesessen bin. Erinnerungen, die einmalig bleiben. Das gemeinsame Lachen, das „Für einander da sein“. Gegenseitiges Helfen, Liebe, Freude... unbezahlbare Momente, die mir beweisen, dass Glück nicht käuflich ist.

4. Was darf in deinem Gepäck niemals fehlen?

Ein guter Schlafsack, ein scharfes Messer und ein wasserdichtes Zelt sind ein „Must have“. Na ja, und wenn ich an man meine „Schrottkarren“ denke, ist Werkzeug ebenfalls überlebenswichtig. So kann ich mir auch in Afrikas Wüsten, mein Bike wieder zurechtbasteln. Oder... es zumindest probieren. (Haha)

5. Was hast du immer dabei, obwohl es eigentlich nicht nützlich ist?

Ich reise mit meinem „Glücksaffen“. Klingt etwas kindisch, lässt mich aber auf meiner Reise häufig, weniger alleine fühlen. Es hat in dem Sinne also schon seinen „Nutzen“, aber einen, auf den man im Ernstfall verzichten könnte.

6. Was ist die wichtigste Lektion, die du unterwegs über dich gelernt hast?

Wir leben nur EINMAL. Ich lebe nur EINMAL! Etwas, was mir auf meiner Reise nochmals bewusst geworden ist und mich zu dem Menschen geformt hat, der ich heute bin. Ein Mensch, der jede Sekunde in vollen Zügen nutzt, sein Leben so gestaltet, wie es ihm gefällt. Denn schon morgen könnte alles vorbei sein...

7. Was ist die wichtigste Lektion, die du unterwegs über Menschen gelernt hast?

„Schenke Vertrauen“ - Menschen sind so viel besser als wir denken. Afrika, Südamerika, Europa... Wir sind am Ende doch alle irgendwo gleich. Oft wurde ich überrascht, wie bestimmte Länder, Kulturen etc. in den Medien schlecht gemacht wurden und dieses Bild fiel, als ich es selbst sah. Die Lektion: „Bilde dir erst ein Urteil über Menschen/Länder/Kulturen, wenn du sie mit eigenen Augen gesehen hast.“

8. Wie sieht deine Morgenroutine on the road aus?

Ich habe keine. (Haha) Traurig, aber wahr. Ich versuche mir immer zweimal am Tag die Zähne zu putzen und meine Intimzonen zu waschen. Dafür brauche ich aber einen See, Meer, Fluss oder Wasserfälle. Daher ist es nicht zwingend früh am Morgen, sondern ganz oft auch erst mittags, mitten on the road.

Was ich natürlich jeden Morgen mache, ist mein Zelt zusammen packen, die Aussicht auf mich wirken lassen und dann ganz entspannt auf meinem Bike in den Tag zu starten.

9. Was vermisst du an zu Hause, wenn du unterwegs bist?

Manchmal eine heiße Dusche. Vor allem, wenn ich in kalten Ländern unterwegs bin und ich mich dann teils im Gletscherwasser wasche... Das sind die Momente, in denen ich mich zurück zu mehr Komfort wünsche. Aber diese Momente sind kurz. Sehr kurz.

Ganz davon abgesehen vermisse ich natürlich Zeit mit der Familie oder das Ausgehen mit Freunden.

10. Welchen Tipp gibst du jemandem, der schon immer mal alleine reisen wollte?

Relax. Mach dir nicht so einen großen Kopf. Dein Haus, deine Arbeit, dein Studium... alles das gibt dir vielleicht Sicherheit. Dennoch ist es am Ende materielles, was in häufigen Fällen ersetzbar ist. Und ersetzbar ist so ein Abenteuer, so eine einmalige Erfahrung, definitiv nicht. Du brauchst kein großes Geld und keinen handfesten Plan. Geh raus in die Welt. Selbstbewusst. Geh offen auf Menschen zu, arbeite auf deiner Reise, minimiere dich und du wirst sehen, mit wie wenig du glücklich sein kannst.

Und wenn du scheitern solltest? Dann bist du um eine Erfahrung reicher und wirst in deinem Sterbebett nicht bereuen, dass du deine Träume nicht bis zum Scheitern hin verfolgt hast. Der Schlüssel ist Vertrauen in dich selbst. Du schaffst das!

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