
Frauenfußball wird auch von Männern verfolgt und andersherum verfolgen auch Frauen Männerfußball. Bei der kommenden EM im Sommer in Deutschland werden unter den Zuschauern sicher wieder viele Frauen sein, obwohl es sich um Männerfußball handelt. Neben den klassischen Angeboten wie EM, Bundesliga und WM gibt es aber auch noch weitere Alternativen, die sich anbieten. Darunter befinden sich neue Formate wie die Baller League oder die King’s League. Dabei stellt sich die Frage, welche Events für Frauen interessanter sind und ob die neuen Formate für Frauen attraktiver sind.
Bundesliga der Frauen als Erfolgsbeispiel
Das Interesse am Frauenfußball ist gegenüber dem Männerfußball eher gering, aber zwischen den Geschlechtern gibt es dahingehend kaum einen Unterschied. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass 12 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer in einer Umfrage angaben, dass sie sich für Frauenfußball im Allgemeinen interessieren. Die Frauen-Fußball-Bundesliga dient als Erfolgsbeispiel, denn es kommen immer mehr Fans zu den Spielen und so verwundert es nicht, dass das zuschauerstärkste Spiel mit knapp 40.000 Besuchern im Stadion zwischen Frankfurt und Köln auch mit den Fußballspielen der Männer mithalten kann. Auch beim Spiel Bayern gegen Frankfurt kamen ungefähr 23.000 Zuschauer ins Stadion.
Große Fußball-Events für alle gleichermaßen interessant
Die letzten beiden Parteien der deutschen Männer-Nationalmannschaft verzeichneten mit je über 10 Millionen Zuschauern die höchsten Einschaltquoten seit vier Jahren und dadurch wird klar, wie groß die Erwartung und die Spannung auf die kommende EM im Sommer in Deutschland ist. Viele Fans fiebern dem Turnier im Sommer entgegen und dabei handelt es sich nicht nur um männliche Fußballfans.
Da EM und WM einen wahren Eventcharakter haben, ziehen diese Turniere auch mehr Frauen als Zuschauerinnen an, als dies beispielsweise bei der Bundesliga der Fall ist. Die Turniere finden nur alle 4 Jahre statt und sind daher auch schon eine Besonderheit. Bei den großen Turnieren im Sommer kommt hinzu, dass es in fast allen deutschen Städten große Partys und Events sowie Public Viewing rund um diese Turniere gibt.
Für viele der Besucher und Besucherinnen der Events rund um die diesjährige EM in Deutschland steht deshalb vielleicht nicht unbedingt der Sport im Mittelpunkt, sondern die Party, die Stimmung auf den Fanmeilen und das Gefühl von Zusammengehörigkeit. Aus diesen Gründen sind die großen Fußballevents ein idealer Zugang für Frauen zum Fußball, die zuvor nichts mit dem Sport anfangen konnten.
Neue Formate für Frauen attraktiver?
Eine andere Möglichkeit für Frauen, Zugang zum männerdominierten Fußball zu finden, könnten neue, alternative Formate wie die Baller League sein. Diese Hallenfußballliga wurde 2024 ins Leben gerufen und aktuell läuft dort die erste Saison. Wie ExpressVPN berichtet, bestehen die Teams der Baller League aus Profis, die nicht mehr aktiv sind, und Amateuren, die sich über ein Bewerbungsverfahren für den Draft qualifizieren können. Um für mehr Spannung und Action zu sorgen, wurden neue Regeln eingeführt und so unterscheidet sich diese Liga deutlich von den üblichen Profiligen.
Es gibt zudem Teammanager*innen und Trainer*innen, die aus Influencern, Streamern und anderen Stars wie Jule Brand, Selina Cerci und Alisha Lehmann bestehen. Dabei handelt es sich vor allem um jüngere Menschen, die einen anderen Zugang zu Fußball möchten und den Zuschauern eine Alternative zu den gewöhnlichen Profiligen bieten wollen. Allerdings äußerte sich einer der Gründer der Baller League, Lukas Podolski, dahingehend, dass er nicht möchte, dass in Zukunft auch Frauen in der Baller League mitspielen dürfen. Mit dieser Aussage dürfte er wohl einige weibliche Fans vergrault haben, die Hoffnung darauf hatten, auch Frauen in der Halle spielen zu sehen.
Denkbar wäre auch eine Art Baller League, in der sich Frauen auf dem Platz gegenüberstehen, allerdings müsste es dazu Initiatoren, wie es Podolski beim Original ist, geben, die eine entsprechende Liga gründen.
Frauennationalmannschaft besonders beliebt
Die deutsche Nationalmannschaft der Frauen ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Frauen einen Zugang zum männerdominierten Fußball finden können. Im Sommer vor zwei Jahren stand die deutsche Nationalmannschaft bei der EM sogar im Finale und sorgte für Einschaltquoten von fast 18 Millionen Zuschauern in ganz Deutschland. Damit erreichten die Frauen das meist gesehene Sportveranstaltung im TV des Jahres und die Mannschaft entfachte einen wahren Hype. Für die aktuelle Saison erhielt die Bundesliga der Frauen zudem mit Google einen namhaften Sponsor, der Ausdruck dafür ist, wie beliebt Frauenfußball mittlerweile ist.
Und auch das Finale der Frauenfußball-WM in Australien und Neuseeland beeindruckte mit einer hohen Zuschauerquote, denn über fünf Millionen Menschen sahen das Finale im TV in Deutschland. Es wird spannend zu sehen sein, ob auch die kommenden großen Events im Frauenfußball so intensiv verfolgt werden wie es bei der EM der Fall war. Am 9. Mai steht das DFB-Pokalfinale der Frauen an, was ebenfalls wieder zu sehr hohen Einschaltquoten führen könnte und am 25. Mai kommt es zum Finale in der Champions League der Frauen.
Ein ganz besonderes Highlight im Frauenfußball wird die Sommerolympiade in Paris. Beim Turnier spielen vom 25. Juli bis zum 10. August insgesamt 12 Frauenteams gegeneinander und die Spielstätten können sich mit Paris, Bordeaux, Nizza, Marseille, Nantes, Lyon und Saint-Étienne sehen lassen.
Durch die Erfolge der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft finden mehr Frauen Zugang zum Sport und beginnen eventuell auch selbst damit. Während WM und EM entstanden Heldinnen und Vorbilder, die für viele Fans und Zuschauerinnen einen besonderen Anreiz bieten. Mit diesen Identifikationsfiguren haben sie jemanden vom selben Geschlecht, der einen Sport professionell betreibt und den Männern in nichts nachsteht.