Migräne: Aura, Trigger & nervige Kommentare

- Klischees über Migräne gibt es viele, doch nur Betroffene wissen, was für unerträgliche Stunden man mit einem Migräne-Anfall durchmacht. Wir haben mit Migräne-Patientinnen gesprochen - das Ergebnis: Zehn Dinge, die nur Migräne-Patienten verstehen. Diese Liste mag witzig klingen, Männer und Frauen mit Migräne werden sich aber sicher schmerzlichst darin wiederfinden. Plus: Was genau ist Migräne, was bedeutet Aura, und wie entlarvt man seine "Trigger".

Migräne kann nervig werden, wenn man Sprüche wie

Migräne kann nervig werden, wenn man Sprüche wie "Bist du schwanger!" oder "Du musst dich mal richtig durchchecken lassen!" zu hören bekommt.

Migräne-Patienten

Es soll rund acht Millionen Menschen in Deutschland geben, die von dieser Krankheit betroffen sind. Weil diese Krankheit so ähnlich ist wie Kopfschmerzen, werden nur ca. 40 Prozent aller Migränepatienten auch als solche diagnostiziert.

Erst wer selbst einmal eine Migräne-Attacke erlebt hat, kann den Schmerz, die Übelkeit und Lichtempfindlichkeit nachempfinden... Findet ihr euch in dieser Liste wieder? 

Zehn Dinge, die nur Migräne-Patienten verstehen können
  • Warum wir uns plötzlich im Supermarkt eine Sonnenbrille aufsetzen

    Das Licht ist der Feind. Und kaltes, grelles Supermarkt-Licht ist der schlimmste und bösartigste Feind eines jeden Migräne-Opfers!

  • Wieso wir bei dem Satz "Du hast bestimmt was Falsches gegessen!" so wütend werden

    Es ist keine Magenverstimmung, es ist kein Virus, es ist Migräne!

  • Weshalb wir unseren Kopf so komisch schräg halten

    Sichtfeldeinschränkung! Röhrenblick! Wir können euch sonst nicht sehen!

  • Was wir mit "Scheiße, Aura!" meinen

    Migräne mit Aura ist nochmal ätzender als Migräne ohne Aura. Aura sind kleine Lichtblitze, die vor dem inneren Auge auftreten. Gerne begleitet von eben erwähnter Sichtfeldeinschränkung.

  • Warum wir die Schmerztabletten von hilfsbereiten Menschen ablehnen

    Wir brauchen unsere eigene Medizin! Auf die wir eingestellt wurden! Nach der wir lange gesucht haben! Deren Kombination nur wir kennen! Und nur die!

  • Was der hasserfüllte Blick bei dem Hinweis" Bist du vielleicht schwanger?!?!" soll

    Hass! Hass! Hass!

  • Was der noch hasserfülltere Blick bei dem Satz "Jaja, Migräne!" gepaart mit jovialem Augenzwinkern soll

    Ironische Anspielungen auf unsere Glaubwürdigkeit und Zweifel an der Existenz unserer Migräne würden uns, wären wir nicht körperlich und seelisch gerade extremst eingeschränkt, zu einer wütenden Bestie machen. So nicken wir allerdings bloß und heben uns die Flüche für nach der Genesung auf.

  • Wie nervtötend ein Lichtspalt sein kann

    Siehe oben: Der Feind, das Licht!

  • Warum wir es plötzlich so eilig haben, in unser "Safe House" zu kommen

    Wir wollen ein Bett, wir wollen unsere Tabletten, wir wollen Dunkelheit, wir wollen uns nicht länger unterhalten und rechtfertigen, wir wollen Ruhe, bevor es zu spät ist!

  • Warum wir uns bei dem bisschen Kopfschmerz auch noch übergeben müssen.

    Ja, eben, das sind keine Kopfschmerzen, das ist Migräne!

Migräne mit Aura

Migräne ohne Aura – diese Migräne nannte man früher auch einfache Migräne. Migräne mit Aura – bei rund 15 Prozent aller Betroffenen leitet eine sogenannte Aura die Attacken ein.

Die Aura wird begleitet von kleinen Lichtblitzen und Sehstörungen, oft mit einer Einschränkung des Sichtfeldes.

Wenn diese Symptome auftreten, wissen die meisten Migräne-Patienten schon, was ihnen droht. Oft kann jetzt aber noch die richtige Medikation einen üblen Migräne-Anfall verhindern.

Migräne-Trigger

Trotz aller Bemühungen ist noch immer nicht geklärt, wodurch genau eine Migräne ausgelöst wird. Es kommen verschiedene Lebesnmittel als Trigger in Frage, aber auch Lichteinwirkung, wie beispielsweise Strobo-Licht.

Bislang ist bekannt, dass es sich bei dieser Krankheit nicht um eine reine Blutgefäßerkrankung handelt. Es gibt sogar Hinweise, dass es eine Krankheits-Verwandtschaft mit Epilepsie gibt. Bewiesen ist aber noch nichts und es hilft bei der Behandlung auch nicht wirklich weiter.

Experten-Tipps für Migränegeplagte gibt's weiter unten...

Hier findet ihr unser Experten-Interview mit Dr. med. Thomas Muehlberger vom Migräne-Chirurgie-Zentrum Berlin, der sich auf die Krankheit Migräne und deren Therapiemöglichkeiten spezialisiert hat.

Wie erkenne ich, dass ich unter Migräne leide und nicht "nur" unter Kopfschmerzen?

Dr. Thomas Muehlberger: Der gravierende Unterschied zwischen einer Migräne-Attacke und Kopfschmerzen ist, dass die Schmerzen bei einer Migräne explosionsartig schlimmer werden, wenn sich der Betroffene bewegt. Es reicht oftmals, wenn nur der Kopf gedreht oder geneigt wird. Das ist bei "normalen" Kopfschmerzen nicht so.

Migräne - wie Theaterstück in vier Akten
  • Vorbotenstadium

    Jeder Migräne-Patient hat individuelle Merkmale, woran er merkt, dass es wieder losgeht. Bei manchen ist es übermäßiges Gähnen, bei anderen eine nicht erklärbare Euphorie, wieder andere werden depressiv verstimmt. Migräne-Patienten und deren Migräne-Symptome kann man nicht ins Schema F pressen und so behandeln. Jeder reagiert anders, hat andere Kombinationen von Auslösern.

  • Aura

    Nicht jeder hat sie – vermutlich rund 15 Prozent aller Patienten leiden im Vorfeld der Schmerzattacke unter Sehstörungen und anderen neurologischen „Ausfällen“. Die Aura kann – je nach Patient – von zehn Minuten bis zu einer Stunde andauern. Auch das sind nur Zirka-Werte. Manche bekommen eine Aura vor der Schmerzattacke, manche Menschen danach.

  • Schmerz

    Licht, Gerüche, Lautstärke, wenn man das alles nicht mehr ertragen kann, ist der oft stechende und pulsierende Schmerz nicht mehr weit. Es hilft in der Regel nur, sich in ein abgedunkeltes Zimmer zu legen.

  • Rückbildung

    Die Rückbildungsphase beginnt, wenn der Schmerz nachlässt und den Patienten völlig ausgepowert, antriebslos und wie nach einem schweren Kater zurücklässt.

Welche Heilungschancen habe ich mit der Operation?

Es ist schwierig von Heilungschancen zu sprechen, es kommt immer auf den Menschen individuell an. Bei den Vortests zeigt sich, dass nur etwa fünfzig Prozent der Patienten, die den Test durchlaufen, eine deutliche Verbesserung erleben. Die Erfolgsquote einer Operation ist nahezu 100 Prozent. Das Schwierige an der Behandlung des Krankheitsbilds "Migräne" ist, dass es nicht eine Erkrankung alleine ist, sondern ein Zusammenwirken verschiedener Probleme.

Wie funktioniert die chirurgische Therapie und für wen ist sie geeignet?

Vor der Migräne-Operation steht immer ein mehrstufiges Auswahlverfahren, um herauszufinden, ob ein Migränepatient überhaupt für den Eingriff in Frage kommt.

Frau mit Migräne

Erst Vorboten, dann Aura und Schmerz

Im Wesentlichen geht es um folgende Schritte: Mit dem Ausfüllen eines Migräne-spezifischen Fragebogens ermöglichen Sie uns eine Zuordnung Ihres Migränetyps. Nach Auswertung dieser Daten werden Sie kontaktiert und es kann ein Beratungstermin in einem der Migräne-Chirurgie-Zentren vereinbart werden. Hierbei ist es von großer Bedeutung, die so genannten Triggerpunkte zu identifizieren.

Sind diese Schmerzpunkte lokalisiert, wird der Botox-Test durchgeführt. Daran anschließend dokumentiert der Patient über einen Zeitraum von acht Wochen die Veränderungen der Symptome in einem Migräne-Tagebuch. Bessern sich die Beschwerden in dieser Testphase deutlich, entscheidet der Arzt in einer weiteren Beratung gemeinsam mit dem Patienten über die Möglichkeit einer Operation.

Die chirurgische Migränetherapie ist kein Allheilmittel und nicht für jeden Migränepatienten geeignet. Durch das Auswahl- und Testverfahren kann jedoch die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Operation verlässlich bestimmt werden, da der Operationseffekt zuvor durch das Botox simuliert wird.

Kann ich Migräne vorbeugen?

Man sollte zuerst selbst analysieren, wann die Migräne auftritt und dann begünstigende Umstände ändern. Beispielsweise, wenn die Migräne immer nach Alkoholgenuss zuschlägt. Dann sollten Sie den Alkohol künftig weglassen und sehen, wie es Ihnen dann geht. Und so verfahren Sie am besten mit allen Merkmalen, die Ihnen auffallen. Erst wenn gar nichts mehr hilft, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen.

Generell gibt es vorbeugende Medikamente (Prophylaktika) und eine Akutmedikation durch Triptane. In beiden Klassen gibt es unterschiedlich „schwere“ Medikamente. In Antiepileptika sehen manche Patienten den letzten Ausweg. Trotz allem würde ich es aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen niemals empfehlen.

Einer kleinen Gruppe können wir mit einer chirurgischen Therapiemöglichkeit helfen. Sie besteht aus der Druckentlastung des Trigeminusnervs. Die chirurgische Behandlungsmethode eignet sich für Patienten, deren Migräne mit der bisherigen medikamentösen Behandlung nicht erfolgreich therapiert wurde.