Immer dieser Heißhunger

Ob Kaffee, Eis oder Pizza: Bei mindestens einem davon werdet ihr schwach – und das regelmäßig. Grund genug, bei jeder Vorliebe mal genauer hinzusehen – denn oft steckt mehr dahinter, als ihr denkt!

Süchtig nach Süßem, egal ob in fester oder flüssiger Form? Schuld sind wahrscheinlich die Hormone...

Jetzt habt ihr euch schon wieder erwischt, mit der Eisbox in der Hand. Fehlende Selbstdisziplin? Nicht unbedingt. Frust, Lust oder Langeweile? Eventuell. Woran allerdings bei den Gelüsten zu selten gedacht wird: Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel könnte auch ein (Warn-)Signal eures Körpers sein, dass ihm schlichtweg gewisse Nährstoffe fehlen. Also Löffel und schlechtes Gewissen beiseite legen und lieber den Ess-Attacken auf den Grund gehen – damit ihr fit, gesund und zudem schlank bleibt.

Warum hat man Heißhunger auf Süßes?

"Ich kann nichts dafür, das sind die Hormone!" Wenn euch mal wieder eine Heißhunger-Attacke plagt und ihr zu Schokolade und Co. greift, ist diese Entschuldigung völlig legitim! Das sagen Forscher der Universität von Kopenhagen. In ihrer Studie fanden diese heraus, dass das Hormon FGF21 unseren Heißhunger auf zuckerhaltige Naschereien steuert. Wird das von der Leber produzierte Hormon in größeren Mengen ausgeschüttet, sinkt das Verlangen nach Süßem. Wenn ihr aber bestimmte Gen-Varianten in euch tragt, die eine geringe FGF21-Hormonproduktion zur Folge haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr häufiger zu Süßem greift, um ungefähr 20 Prozent. Euer Tabak- und Alkoholkonsum kann dadurch ebenfalls beeinflusst werden.

Schoko-Lust

Bei Schokolade schmelzt ihr regelmäßig dahin. Der Grund? Der Spezial-Mix aus Fett und Zucker sowie die zarte Textur auf der Zunge machen "süchtig".

Das meint euer Körper: Der Appetit auf Schokolade ist vor oder während eurer Tage besonders stark. "Auslöser dafür ist ein Ungleichgewicht der Hormone Östrogen und Progesteron", weiß Ernährungswissenschaftlerin Katja Porath. Vermutlich spielt bei Regelbeschwerden auch ein Magnesium-Mangel eine Rolle – oder ihr braucht mehr Zink.

Raus aus der Falle: Versucht es mit Banane, Joghurt oder einem Drink mit reinem Kakao. Extra-Tipp: Schoko-Zeiten variieren, um sich nicht an den Zuckerschub zu gewöhnen.

Kaffee

Der Kaffee-Kick

Von wegen es interessiert euch nicht die Bohne! Kaffee ist euer Lebenselixier – Espresso & Co. macht euch bei jedem Durchhänger schnell wieder fit.

Das meint euer Körper: Er hat sich an den Energiekick durch Koffein gewöhnt. Kein Wunder, dass er immer mehr von dem anregenden Stoff braucht, um Herz und Hirn auf Trab zu bringen. Unterschwellig fühlt er sich dagegen unterernährt und schlapp, denn viel Kaffee überdeckt den Hunger nach echten Energiequellen wie Müsli, Nudeln und Obst.

Raus aus der Falle: Ersetzt ihn durch grünen oder schwarzen Chai-Tee. Der indische Gewürztee enthält wenig Koffein und viele sanfte Fitmacher wie z.B. Ingwer.

Scharfe Schoten

Da seid ihr scharf drauf

Euer größter Abturner: mildes Essen. Für die richtige Würze sorgt ihr mit Chili, Senf oder Pfeffer. Und als Snacks für zwischendurch greift ihr gerne zu pikanten Chips und Crackern.

Das meint euer Körper: "Ihr habt euch die natürliche Abneigung gegen Schärfe abtrainiert", erklärt die Berliner Ökotrophologin Katja Porath. Jetzt seid ihr süchtig nach dem Adrenalin-Rush, den das scharfe Prickeln auf der Zunge auslöst. Vielleicht braucht euer Körper auch mehr Zink – das für sensible Geschmacksnerven so wichtige Spurenelement.

Raus aus der Falle: Mildert die Schärfe in eurem Essen langsam. Habt ihr euch entwöhnt, schmeckt es bald intensiver. Gute Zink-Quellen: Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte und Ei.

Kohldampf auf Kohlenhydrate

Eine Riesenportion Spaghetti? Kein Problem! Auch bei Nudeln, Brot und Reis seid ihr unersättlich. So enthält eure Ernährung mehr als die empfohlenen 60 Prozent Kohlenhydrate.

Das meint euer Körper: Selbstdiagnose: Frust! Kohlenhydrate gelten als Happy-Food, besonders, wenn es abends wieder schneller dunkel wird. Sie regen die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin an und liefern Energie.

Raus aus der Falle: Findet alternative Glücksbringer wie viel Licht, Sport oder auch Sex. Ansonsten mal scharf, süß oder sauer essen – denn Abwechslung beugt Heißhunger vor.

Burger

Ein deftiges Verlangen

6g Salz am Tag – mehr sollten es nicht sein. Doch ihr gebt immer noch eine Extraprise obendrauf. Was ihr liebt: Kapern, Sojasoße, Chips und Salzstangen.

Das meint euer Körper: Ihr schwitzt viel beim Sport oder unter Stress? "Dann versucht der Körper anscheinend, mit Salz den Verlust von Elektrolyten auszugleichen", erklärt Ernährungsberaterin Porath. Ungezügelter Appetit auf Salz kann aber auch auf eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder Nebenniere hindeuten. Eine ärztliche Untersuchung schafft Klarheit.

Raus aus der Falle: Vermeidet alkoholische Getränke, denn die machen besonders Lust auf Salziges. Würzt euer Essen mit Kräutern – für intensiven Geschmack und gesunden Nährstoff-Nachschub.

Schön sauer

Eigentlich eher nicht die Regel, aber ihr beißt gerne in den sauren Apfel. Alternativ genießt ihr saure Gurken, Grapefruitsaft, Zitrone oder viel Essig im Salat.

Das meint euer Körper: Heißhunger auf Saures heißt: Vitamine dringend gesucht! Die Nebenniere, die den Hormonhaushalt mitbestimmt, meldet vor allem Bedarf an Vitamin A, B, C und E. Die wirken als Antioxidantien gegen aggressive Stoffe – ausgelöst durch Stress. Vielleicht schwanger? Alles klar: Dann sind die Hormone schuld an den ungewöhnlichen Vorlieben!

Raus aus der Falle: Esst abwechslungsreich, um Vitaminmangel vorzubeugen. Dazu viel frisches Grünzeug, denn sogenannte Flavonoide (Pflanzenstoffe) pushen den Vitamineffekt.

Milch und Käse

Heiß auf Milch

Ihr liebt das erfrischende Gefühl gekühlter Buttermilch oder wie der Sahnejoghurt auf der Zunge zergeht. Auch Käse findet ihr unwiderstehlich.

Das meint euer Körper: So weit, so gut: Milchprodukte liefern die Mineralstoffe Calcium und Magnesium, die er gerade so dringend braucht. Müde? Dann könnt ihr darauf bauen, dass Milch die Produktion der Fitmacher Adrenalin und Dopamin anregt. Doch aufgepasst: US-Forscher vermuten, dass zu viel auf Dauer dem Organismus schadet.

Raus aus der Falle: Wählt öfters mal die fettarme Variante, um an gesättigten Fettsäuren zu sparen. Alternativ entsprechende Nährstoffe aus Nüssen oder Vollkornbrot holen.

Süße Verführung

Da werden wir doch alle schwach: Gummibärchen, Eis & Co. sind einfach zu große Verlockungen. Schließlich ist Süßhunger der Hauptgrund für Ess-Attacken.

Das meint euer Körper: Die angeborene Lust auf Süßes zusammen mit dem (unbewussten) Wunsch nach schneller Befriedigung oder Entspannung lässt gute Vorsätze schnell schwinden. Zudem ist Zucker für den Körper ein einfacher, wenn auch nährstoffarmer Energielieferant. Bei anhaltendem Süßhunger den Darm auf Pilze checken lassen.

Raus aus der Falle: Fragt euch ehrlich: "Bin ich beim Essen zu streng?" Wenn ja, ab jetzt bei den Hauptmahlzeiten satt essen – das beugt ungezügeltem Appetit vor.

So haltet ihr durch!

Schokokuchen, Käsepizza, Vanilleeis: Da fällt es schwer, nein zu sagen, aber es geht! Mit unseren Tricks verpasst ihr dem Heißhunger eine Abkühlung.

Gut zu wissen: Nach 10 bis 15 Minuten hat sich der Heißhunger meist selbst gelegt. Bis dahin: Hände intensiv beschäftigen, z.B. Papiere sortieren, Maniküre machen etc.

Lasst den Fernseher aus! Laut deutscher Studie wird da viel zu süß und fett geschlemmt, was euch zum Mitfuttern animiert. Übrigens: Krimis sollen besonders gefährlich sein.