Harvey Weinstein: Das müsst ihr zu seiner Verhaftung wissen

Missbrauch, sexuelle Belästigung und Übergriffe in Dutzenden Fällen – die Vorwüfe gegen den ehemaligen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wiegen schwer. Jetzt ist der 66-Jährige von einem Gericht in New York angeklagt worden. Wir haben alles, was ihr zu dem Fall wissen müsst, noch einmal aufgeschrieben.

Harvey Weinstein betritt mit Anwälten ein Gerichtsgebäude in New York

Harvey Weinstein ist am Freitag in New York verhaftet worden

Die Geschichte des Falls um US-Mogul Harvey Weinstein liest sich wie ein dramatischer Film, den die Traumfabrik selbst nicht besser hätte schreiben können. Doch das, was über hundert Frauen dem ehemaligen Filmproduzenten vorwerfen, ist keine Fiktion. Vielmehr wiegen die Vorwürfe schwer – sehr schwer. Von sexuellen Übergriffen, Belästigungen und sogar Vergewaltigungen ist die Rede. Ein "Fehlverhalten" hatte der 66-jährige Vater von vier Töchtern und einem Sohn eingeräumt, jedoch nie zugegeben, nicht-einvernehmlichen Sex gehabt zu haben.

Harvey Weinstein: Diesen Vorwürfen muss er sich vor Gericht stellen

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Angst vor einer Verurteilung scheint Harvey Weinstein allerdings nicht zu haben

Hunderte Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen Weinstein, in zwei Fällen ist der Ex-Filmproduzent jetzt von einem Gericht in New York angeklagt worden. Dabei ginge es um Vergewaltigung und einen kriminellen sexuellen Akt, derer er sich 2010 und 2004 schuldig gemacht haben soll. Am Freitag, 25. Mai 2018, stellte sich Weinstein in Begleitung mehrerer Anwälte den Behörden in New York, kam gegen eine Kaution von einer Million Dollar aber wieder frei. Zudem müsse er ein Überwachungsgerät tragen, habe seinen Pass abgeben müssen und dürfe die US-amerikanischen Bundesstaaten Conneticut und New York nur nach Erlaubnis verlassen, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Die zwei Fälle, in denen es nun zur Anklage kommt, sollen dabei aber nur die Spitze des Eisbergs sein.

Das offene dunkle Geheimnis der Traumfabrik

Im Oktober 2017 wurden erste Gerüchte gegen Harvey Weinstein laut. Hunderte Frauen – darunter vor allem auch Hollywood A-Lister – begannen, ihr jahrelanges Schweigen zu brechen und traten an die Presse. Belästigungen, Übergriffe, unsittliches Verhalten gegenüber angehender Schauspielerinnen – die Vorfälle, die Harvey Weinstein sich zu Schulde hat kommen lassen sollen, reichen bis in die 80er Jahre zurück. Noch schlimmer: Viele Beschäftigte der US-Medienbranche sollen davon gewusst haben!

Ich schäme mich dafür, aber: Auch ich bin ein Sexist.

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Was droht Weinstein?

Angeklagt ist Harvey Weinstein aktuell nur im Bundesstaat New York. Hier geht es zunächst um die Vorwürfe von Ex-Schauspielerin Lucia Evans. Weinstein habe sie zu sexuellen Handlungen gezwungen, sagte sie einem US-Magazin. Auch die Anschuldigungen einer weiteren Dame sollen in die Ermittlungen einbezogen werden. Diese äußerte sich aber nicht öffentlich. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 66-Jährigen 25 Jahre Haft. Doch Weinstein könnte auch in anderen Bundesstaaten noch angeklagt werden.

Diese Stars erheben schwere Vorwürfe

Seit Herbst 2017 äußerten immer mehr Promi-Damen Anschuldigungen gegen den ehemaligen US-Mogul, der in seiner Karriere Hunderte Filme, darunter Klassiker wie "Pulp Fiction", "Kill Bill", "Sin City", "Good Will Hunting", "Gangs of New York" und "Shakespeare in Love", produziert hat. Vorwürfe wurden unter anderem von den US-Schauspielerinnen Ashley Judd, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Rosanna Arquette, Salma Hayek Léa Seydoux, Cara Delevingne und Uma Thurman laut.

Auch Rose McGowan gehört offenbar zu den Betroffenen. Die 44-Jährige wirft Weinstein vor, sie vor 20 Jahren vergewaltigt zu haben. Seine neuerliche Verhaftung bezeichnet sie gegenüber der Nachrichtenagentur AP als "Sieg für uns alle. Weil alles wahr ist. Nichts von dem (den sexuellen Kontakten) war einvernehmlich."

Kollektives Bewusstsein schaffen durch #MeToo

Die Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein wiegen schwer. Was aber noch schlimmer daran scheint: Große Teile der Branche haben bei seinen "Fehltritten" offenbar zu- bzw. weggeschaut und sich somit mitschuldig gemacht. Um auf das Schicksal der vielen weiblichen Betroffenen aufmerksam zu machen und ein kollektives Bewusstsein dafür zu schaffen, wurde die Kampagne "MeToo" mit zugehörigem Hashtag ins Leben gerufen. Alyssa Milano machte #MeToo populär, indem sie im Herbst 2017 dazu aufrief, die eigene Geschichte in den sozialen Netzwerken zu teilen. Der Hashtag wurde bis heute millionenfach verwendet. Der Fall Weinstein ein Einzelfall? Wohl kaum!

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Die Akte Weinstein: Leider kein Einzelfall

Dass der Fall Weinstein offenbar nur die Spitze eines ziemlich massiven Eisbergs, gebaut in der Traumfabrik Hollywood aus Lügen, Unterdrückungen, sexuellen Belästigungen und Übergriffen, ist, wird durch mehr und mehr Anschuldigungen deutlich. Auch Bill Cosby und Morgan Freeman etwa sollen jahrelang Frauen gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Kevin Spacey wird jenes Verhalten von einem männlichen Kollegen vorgeworfen.

Ein Drama, wie es die fähigsten Autoren der US-amerikanischen Traumfabrik selbst nicht hätten besser schreiben können – was sich offenbar schon seit Jahrzehnten in Hollywood hinter verschlossenen Büro- und Filmstudiotüren abspielt, kommt nach und nach ans Licht. Auch wenn man im Zweifel zunächst einmal zum Angeklagten halten soll, können wir die Freude über die Anklage gegen Harvey Weinstein nicht verstecken und halten es wie Rose McGoan, die im Interview mit AP zur Verhaftung Weinsteins sagte: "Ich hoffe, das gibt Opfern und Überlebenden überall Hoffnung, dass wir einen Schritt näher an der Gerechtigkeit sind."