Frühling: Zeit zum Verlieben!

Wetten ihr verliebt euch diesen Frühling? Dafür müsst ihr nur eines tun: umdenken – und drei Sätze vergessen, die ihr bisher in Sachen Herz im Kopf hatten. Ihr findet unsere Wette gewagt? Mag sein. Immerhin gibt es keine Bedienungsanleitung fürs Verlieben, nicht den einen Weg, um glücklich zu werden. Aber manchmal haben wir ein paar Barrieren im Kopf, die uns daran hindern, unser Herz zu öffnen. Zum Beispiel...

Eine neue Liebe im Frühling: So klappt's! (Bild: Thinkstock)

Eine neue Liebe im Frühling: So klappt's! (Bild: Thinkstock)

"Es muss sofort kribbeln!"

Es gibt bei einem Date zwei Möglichkeiten: Wenn sich unsere und seine Hände zufällig berühren,
bekommen wir es entweder gar nicht mit – oder wir sind wie elektrisiert. Wenn er uns dann nach Hause gebracht hat, schalten wir entweder den Fernseher ein – oder wir hüpfen vor Freude auf der Stelle und rufen sofort unsere Freundin an, um ihr alles zu erzählen. Peng! So fühlt sich Verliebtsein an! Wir wollen feuchte Handflächen vor Aufregung, ein Schwindelgefühl von seinem Duft und die große Sehnsucht bis zum Wiedersehen. Passiert all das nicht, ziehen wir eben weiter. Laut einer Emnid-Umfrage glauben 59 Prozent der Deutschen an die Liebe auf den ersten Blick. Wozu einen zweiten wagen? Die Antwort lautet: weil Liebe auch langsam wachsen kann. "Man glaubt immer, das Schicksal müsste wie ein Donnerschlag über einen hereinbrechen. Dann, eines Tages, stellt man fest, dass es viel feinere Manieren hat. Es meldet sich leise, klopft an. Dann erst tritt es ein", schreibt Autor Sándor Márai. Der Liebesrausch, den wir uns erhoffen, ja, erwarten, kann auch erst nach und nach entstehen. Bei einer Umfrage unter US-Frauen, die gerade aus dem Standesamt kamen, verriet jede Fünfte, dass sie ihren frisch Angetrauten nicht mal mochte, als sie ihn das erste Mal traf. Auch Keira Knightley kann als Elizabeth in "Stolz und Vorurteil" ihren Mister Darcy erst nicht ausstehen – dabei ist er, wie sie später merkt, ihre große Liebe. Am Ende gehen sich die beiden im Sonnenaufgang durch Nebelschwaden entgegen und küssen sich (fast). Jetzt verläuft das wahre Leben natürlich nicht immer wie in einer Jane-Austen-Verfilmung – und das ist auch gut so.

Dennoch: Von den Romantik-Komödien dieser Welt kann man das "Sich-langsam-Verlieben" lernen – der Klassiker "Harry und Sally" ist nur ein Beispiel von vielen. Laut einer Umfrage hat sich schon jeder vierte Singlemann im Laufe der Zeit in seine beste Freundin verliebt – ohne es vielleicht sofort zu merken. Gutes Beispiel ist da Café-Besitzer Luke aus der TV-Serie "Gilmore Girls" – erst in Folge 87 führt ihn eine Selbsthilfekassette zur Liebes-Erleuchtung: Auf Fragen wie "Wessen Anrufe sind nie unerwünscht oder zu lang?", "Wenn etwas Schönes geschieht, mit wem möchten Sie das am liebsten teilen?", "Von wem wollen Sie getröstet werden?" heißt Lukes Antwort immer: Lorelai. Vielleicht ist Ihnen Ihr bester Kumpel auch schon lange der liebste, nur haben Sie es noch nicht bemerkt – und sollten den 500. Blick wagen.

"Irgendwann kommt der Richtige."

Im Freundeskreis sind alle glücklich liiert, jemand Neues kommt kaum noch dazu. Und in der Arbeit? Bei nahezu jedem vierten Deutschen hat es zwischen Kantine und Kopierer schon einmal gefunkt, so eine Studie von stepstone.de. Und was, wenn ihr bereits alle Kandidaten in der Mittagspause abgecheckt habt – und wenig Potenzial entdecken konnten? Kapitulieren und mit Schokolade auf der Couch aufgeben? Keine Option. Wer keine Bewerbungen verschickt, bekommt keinen Job. Und wer nicht ausgeht, lernt niemanden kennen. Also, raus aus der Komfortzone, sprich: aus der Lieblingskneipe, wo man jeden Kratzer auf den Tischen und jeden Stammgast kennt. Wechselt das Jagdrevier: Der Vorteil von Vernissagen und Lesungen zum Beispiel ist, dass man sofort Themen hat, um mit Unbekannten ins Gespräch zu kommen. Bevor ihr jetzt denkt "Das ist nichts für mich", checkt mal eure Klischees im Kopf: Drücken sich auf der Ü30-Party wirklich nur Loser an der Bar herum? Trifft man bei Single-Kochkursen ausschließlich Muttersöhnchen? Sind Singleplattformen Auffangbecken für Verzweifelte? Unwahrscheinlich, dass die 70 Prozent, die laut Infratest das Internet als Amors Helfer sehen, alle in die Kategorie "Schwer vermittelbar" gehören. Wagt also einen Blick, der frei ist von Selbstblockade. Dazu gehören auch Gedanken wie "Da kommt bestimmt noch was Besseres". Klar wollen wir einen guten Mann. Aber so schnell, wie wir nach anfänglicher Begeisterung beim Online-Shopping wieder etwas aus dem Warenkorb entfernen, weil uns doch eine Kleinigkeit stört, sollten wir Männer nicht aussortieren. Schlägt uns sein Stakkato-Lachen wirklich in die Flucht – oder macht sein Kusstalent dieses Manko wieder wett? Ist seine Vorliebe für Scooter ein Ausschlusskriterium – oder zählt die gemeinsame Vorliebe für Pasta mehr? In einer Beziehung machen wir ja auch nicht wegen des Schnarchens Schluss, sondern ziehen ihm liebevoll das Kissen unterm Kopf weg. Anders gesagt: Wer immer nur seine Idealmann-Liste im Kopf hat, wird betriebsblind. Freunde können helfen herauszufinden, wer und was euch glücklich macht, ohne sich in unwichtigen Details zu verlieren.

"Aus einem One- Night-Stand kann nichts werden."

90 Prozent der deutschen Frauen wollen laut Online-Partneragentur Parship beim ersten Date nicht mit dem Mann schlafen. Angesichts der Tatsache, dass Männer einen "Jagdinstinkt" besitzen, eigentlich keine doofe Idee. Trotzdem ist auch wahr: Sex hat eine angenehme Nebenwirkung. Denn durch die Hormone, die dabei ausgeschüttet werden, wird unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert – eine legale Droge, die Menschen stark miteinander verbinden kann. Oxytocin und Vasopressin etwa sind verantwortlich für Vertrautheit, Wohlgefühl und Nähe. Die beiden Stoffe sorgten laut Nachrichtenmagazin "Spiegel" bei einem Versuch dafür, dass sich Präriewühlmäuse nach einem 24-Stunden-Sex-Marathon fürs Leben banden. Natürlich sind Mäuse einfacher gestrickt als wir. Aber die amerikanische Anthropologin Helen Fisher unterstellt uns Menschen ein ganz ähnliches Verhalten und rät: "Passen Sie auf, mit wem Sie schlafen, Sie könnten sich verlieben." Wenn es ihm genauso geht, könnt ihr ja ein paar Tage berauscht genießen. Und wenn der Hormon-Cocktail nachlässt, immer noch sehen, ob er der Richtige ist. Die erste Verbindung wäre auf jeden Fall geschaffen. Männer finden es abtörnend, wenn Frauen mit ihnen beim ersten Date ins Bett gehen? Stimmt nicht. Eine JOLIE-Umfrage unter 555 Männern ergab: 70 Prozent stört das gar nicht.

(Bilder: Thinkstock)