Über Konsumwahn, Shopping-Exzesse und die hohe Kunst des bedachten Einkaufens

- Ich gebe es zu! Ich bin ein Opfer! Ein Opfer der Shopping-Industrie, die mich mit verlockenenden Rabatten und Angeboten immer wieder in den bösen Strudel des Konsums zieht. Und die nächsten Tage werden besonders hart: das Black Friday Wochenende steht an. Und Cyber Monday ist ja auch noch. Ganz zu schweigen von sonstigen Pre-Sales und Sonderaktionen, die mich gefühlt jeden Monat aufs Neue in die Shops locken sollen. Wie soll man da noch standhaft bleiben, wenn der dritte 50%-Rabattcoupon im Emailpostfach eintrullert? Ich habe mir nämlich fest vorgenommen bedachter einzukaufen. Impulskäufe sollen der Vergangenheit angehören. Ich will nachhaltiger einkaufen, die Umwelt schonen und die Ausbeutung von Menschen in den Produktionsländern nicht noch unterstützen. Aber es wird mir nicht leicht gemacht. Ich werde trotzdem standhaft bleiben. Das habe ich mir fest vorgenommen. Und einen Masterplan gibt es auch schon. Der sieht folgendermaßen aus.

Frau beim Shoppen

Ständig locken Rabatte, Sales und andere Verkaufsaktionen - wie kann man da standhaft bleiben?

Früher gab es den Winterschlußverkauf - heute ist das ganze Jahr über Sale

Bevor ich euch einweihe in meinen Masterplan für bedachtes Einkaufen, muss ich nochmal kurz ausholen und einen Blick zurück werfen. Früher gab es einen Winterschlußverkauf. Darauf hat man lange gewartet und sich dann wie ein Schnitzel über ein Schnäppchen gefreut. Das ist lange her und inzwischen ist gefühlt das ganze Jahr über Sale. Mal von Black Friday, Cyber Monday und anderen Shopping-Events ganz abgesehen. Ständig landen Emails mit Rabattcodes in meinem Postfach, denen ich häufig einfach nicht widerstehen kann. Ich könnte schließlich richtig sparen. Viel zu oft habe ich mich davon schon verleiten lassen und Dinge bestellt, die ich "ganz nett" fand - und dank der 30% Rabatt dann auch behalten habe, weil sie eben supergünstig waren. Wie ihr euch vorstellen könnt, wurden das natürlich keine Lieblingsteile sondern Schrankleichen. Mein Kleiderschrank quillt sowieso schon über und es ist sogar schon vorgekommen, dass ich beim Ausmisten auf Teile mit Originaletikett gestoßen bin - nach dem letzten Shopping-Exzess sind die im Schrank gelandet und waren schneller vergessen als getragen. Traurig. I Know! Das soll ein Ende haben.

Zu meiner Verteidigung sei an dieser Stelle erwähnt: Ich sitze sozusagen an der Quelle der bösen Konsum-Verführung. Das ist irgendwie toll, aber auch irgendwie fatal. Denn ich bekomme Neuheiten aus Mode, Beauty und anderen Bereichen noch vor der großen Öffentlichkeit zu sehen und kann mir also schon ein halbes Jahr vor Markteinführung überlegen, welche Teile ich nächste Saison unbedingt haben muss. Und da wäre ich auch schon beim ersten Punkt meines ultimaten Masterplans in Sachen "bedachtes Einkaufen". Der sieht nämlich u.a. vor Einkäufe einfach länger und ausführlicher zu überdenken.

Mein Masterplan für bedachtes Einkaufen

  1. Ich habe mir eine Liste angelegt, auf der ich mir bei einem Anflug von Shoppinglust notiere, welches Teil ich mir noch zulegen möchte. Da stehen dann zehn oder mehr Dinge, über die ich mir Gedanken machen kann, ob ich sie wirklich auch kaufen werde. Nach und nach streiche ich immer wieder Dinge runter, die ich plötzlich für doch nicht mehr so dringend nötig erachte und priorisiere immer wieder neu. Bevor ich wirklich zuschlage muss eine Frist von mindestens zwei Wochen vergehen. In der Zeit kann ich mir unterschiedliche Modelle ansehen und eventuell auch anprobieren. Aber nicht shoppen. Impulskäufe will ich damit vermeiden. Außerdem kann ich so besser einschätzen, ob ich das Teil wirklich "brauche". Aktuell steht übrigens ein flauschiger Mantel mit Leomuster ganz oben auf meiner Wunschliste (und das schon seit über drei Wochen auf Platz 1!)
  2. Ich habe mir vorgenommen jeden Monat nur zwei Teile zu kaufen. Das hängt mit Punkt eins zusammen. Ich muss mir also genau überlegen, welche beiden Teile das sein sollen. Damit will ich vermeiden, dass ich Dinge nur kaufe, weil sie gerade günstig oder im Angebot sind. Diese zwei Teile trage ich nach reiflicher Überlegung sicher mit einem anderen Gefühl, als das zehnte 5-Euro Shirt aus dem Sale. Da bin ich mir sicher. Und mir geht es schließlich auch um das Bewusstsein und die Wertschätzung von Dingen. Lieber ein oder zwei hochwertige Teile, als ein ganzer Kleiderschrank voller Billigteile.
  3. Für jedes Teil, das ich mir zulege, muss in Zukunft ein anderes gehen. So will ich den Überblick in meinem Schrank behalten. Die aussortierten Teile landen natürlich nicht im Müll. Entweder ich verkaufe sie weiter oder ich gebe sie an eine Sammelstelle.
  4. Wer weniger shoppt, hat mehr Zeit. Deshalb habe ich neben meiner Prioritäten-Wunschliste (Punkt 1) noch eine andere Liste angelegt. Eine Treat-Yourself-Liste mit Dingen, die ich statt Shoppen tun will und die mir einfach guttun. Eine Art Belohungsprogramm für tapferes Standhaftbleiben sozusagen. Darauf stehen Dinge wie Ausstellungen oder Konzerte, die ich besuchen will, aber auch kleinere Dinge wie Sauna- oder Restaurantbesuche, ein Städtetrip mit Mama oder das Telefonat mit einer Freundin, die ich schon viel zu lange nicht gesehen habe.
  5. Und auch das Thema Rabattcodes und Angebote per Email bekommt einen Punkt auf meinem Masterplan, weil sie mich eben immer wieder verführen. Für all die Mail-Rabattaktionen habe ich deshalb einen Ordner in meinem Email-Postfach angelegt. Dort schiebe ich Rabattaktionen ungelesen rein (Ganz nach dem Motto: "Drum führe mich nicht in Versuchung" oder "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß"). Habe ich mich nach reiflicher Überlegung für ein Teil von meiner Wunschliste entschieden und plane den Kauf eines bestimmten Teils, dann gehe ich in besagten Ordner und checke, ob zufällig ein Angebot dabei ist, das passt. Falls ja, darf ich es nutzen - falls nicht, kaufe ich das Teil eben ganz reguär. Ich will meine Kaufentscheidungen einfach nicht mehr von diesen Coupons und Aktionen abhängig machen, sondern frei entscheiden.

Bald ist Weihnachten, doch von weihnachtlicher Besinnung kann nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil, der Konsumwahn erreicht dann seinen alljährlichen Höhepunkt. Doch ich habe mir geschworen, dass ich in diesem Jahr nicht mitmache. Ich habe tatsächlich schon fast alle Geschenke für meine Lieben zusammen. Weniger shoppen bedeutet nämlich mehr Zeit und so hatte ich tatsächlich schon Ende Oktober die meisten Geschenke für meine Lieben beisammen. Zu großen Teilen in liebevoller Handarbeit selbst gebastelt. Ich hatte Zeit, Lust und Muse und habe gemeinsam mit einer Freundin dabei zwei echt schöne Abende mit der ein oder anderen Flasche Wein verbracht. Da sag mir mal noch einer weniger shoppen würde weniger Spaß bringen. Von wegen! Und wenn am kommenden Black-Friday-Wochenende viele Menschen hektisch durch die Shops rennen, arbeite ich einen weiteren Punkt meiner Treat-Yourself-Liste ab und werde ein entspanntes Wochende in Wien verbringen. Ohne Shopping versteht sich! Da war ich nämlich noch nie, wollte aber schon immer mal hin. Und nächste Woche, wenn das Black-Friday-Fieber vorbei ist, schlender ich dann ganz entspannt nach Feierabend in die Stadt und kaufe mir diesen unverschämt schönen Leomantel, der seit über drei Wochen Platz 1 meiner Wunschliste anführt. Ohne Rabatt, aber mit einem guten Gefühl und der Gewissheit, das ich ihn garantiert jeden Tag tragen will!