Hürden und Probleme beim Shopping für Frauen mit Kurven

Eigentlich klingt Shopping ganz einfach: Ein schönes Teil entdecken, die eigene Größe nehmen, kurz anprobieren und im besten Fall sitzt es wie angegossen. Für viele Frauen mit Kurven sieht die Realität allerdings anders aus. Selbst wenn die richtige Größe vorhanden ist und das Kleidungsstück technisch gesehen passt, bedeutet das noch lange nicht, dass man sich darin auch gefällt.

Curvy Mode© Getty Images

Mal zeichnet sich der Bauch stärker ab als erhofft, mal sitzt eine Jeans zwar am Bund, aber nicht an Hüfte und Oberschenkeln. Und manchmal sieht das Kleid am Bügel fantastisch aus, während vor dem Spiegel sofort das Gefühl entsteht, dass irgendetwas nicht stimmt. Das kann Shopping deutlich anstrengender machen, als es eigentlich sein sollte.

Schwankungen bei Kleidergrößen

Eine der größten Herausforderungen beim Curvy-Shopping ist, dass eine passende Konfektionsgröße wenig darüber aussagt, wie gut ein Kleidungsstück tatsächlich am Körper sitzt.

Körper mit Kurven unterscheiden sich stark in ihren Proportionen. Bei einer Frau liegt mehr Volumen am Bauch, bei einer anderen an Hüfte oder Brust. Eine Hose kann deshalb an einer Stelle perfekt und an einer anderen völlig unvorteilhaft sitzen.

Hinzu kommt die eigene Wahrnehmung. Vielleicht lässt sich die Bluse problemlos schließen und auch der Rock kneift nicht. Trotzdem gefällt der Blick in den Spiegel nicht, weil genau die Körperstelle betont wird, die man eigentlich lieber etwas weniger in den Mittelpunkt rücken möchte.

Dann beginnt häufig das typische Ziehen, Zupfen und Drehen vor dem Spiegel. Das Oberteil wird ein Stück nach unten gezogen, die Hose höher geschoben und aus drei verschiedenen Winkeln geprüft, ob der Bauch wirklich so auffällt, wie es sich gerade anfühlt.

Das Problem ist dann nicht unbedingt, dass das Kleidungsstück nicht passt. Es passt nur nicht so, wie man es sich vorgestellt hat.

Und dann kommt das Licht in der Umkleidekabine

Als wäre die Situation nicht schon kompliziert genug, wartet im Laden noch ein ganz besonderer Gegner: die Umkleidekabine.

Greifbares Licht von oben, mehrere Spiegel und eine Perspektive, aus der man sich zu Hause wahrscheinlich niemals freiwillig betrachten würde, schaffen nicht gerade optimale Voraussetzungen für ein entspanntes Shopping-Erlebnis.

Wenn anschließend auch das fünfte Kleid nicht so sitzt wie erhofft, kann aus Frust schnell echte Enttäuschung entstehen. Manche Frauen kennen wahrscheinlich sogar die Situation, dass plötzlich die Tränen in der Umkleidekabine kommen. Nicht unbedingt wegen dieses einen Kleides, sondern weil nach mehreren Fehlversuchen irgendwann das Gefühl entsteht, dass einfach nichts richtig aussieht.

Gerade dann hilft es, sich bewusst zu machen, dass schlechtes Licht, ein ungünstiger Schnitt und ein schlecht platzierter Spiegel keine objektive Bewertung des eigenen Körpers liefern. Ein Kleidungsstück darf schlicht das falsche Kleidungsstück sein.

Die Auswahl macht es nicht einfacher

Dazu kommt, dass mit zunehmender Konfektionsgröße häufig weniger Modelle zur Auswahl stehen. Genau diesen Unterschied macht auch eine Marktanalyse von Ulla Popken sichtbar, für die das Größenangebot verschiedener Modeanbieter untersucht wurde. Die Auswertung zeigt, dass die Auswahl bei höheren Konfektionsgrößen deutlich kleiner ausfallen kann.

Das ist vor allem deshalb frustrierend, weil dadurch nicht nur die Suche nach der richtigen Passform schwieriger wird. Auch beim persönlichen Stil entstehen schneller Grenzen.

Vielleicht gefällt der kurze Jeansrock besser als das längere Modell, der Shop führt ihn aber nur in kleineren Größen. Oder das angesagte Kleid ist grundsätzlich verfügbar, allerdings nicht mehr in der benötigten Größe. Die Entscheidung lautet dann nicht mehr nur: „Was gefällt mir?“, sondern zunächst: „Was davon kann ich überhaupt bestellen?“

Verstecken ist nicht die beste Lösung

Nach einigen enttäuschenden Shopping-Erlebnissen liegt eine Reaktion besonders nahe: möglichst weite Kleidung kaufen.

Vor allem ein Bauch, kräftige Oberschenkel, dicke Waden oder breite Hüften gelten schnell als vermeintliche Problemzonen, die unter möglichst viel Stoff verschwinden sollen. Das funktioniert optisch jedoch nicht automatisch besser. Sehr lange und weite Oberteile können beispielsweise dafür sorgen, dass die komplette Silhouette weniger Kontur bekommt.

Manchmal erzielt genau das Gegenteil den schöneren Effekt.

Ein Shirt oder einen Pullover vorne in eine High-Waist-Hose oder einen Rock zu stecken, kann die Körpermitte klarer definieren und die Proportionen verändern. Dadurch erscheint der Übergang zwischen Oberkörper und Beinen deutlicher und die Beine können optisch länger wirken. Auch ein komplett eingestecktes Oberteil kann zusammen mit einem höheren Bund eine schöne Silhouette schaffen.

Der Bauch verschwindet dadurch natürlich nicht. Das muss er aber auch nicht.

Viel hilfreicher ist es häufig, Kleidung nicht danach auszuwählen, welche Körperstelle sie möglichst vollständig versteckt, sondern danach, welche Proportionen sie erzeugt. Auch Curvy-Modeprofis empfehlen, die Taille bewusst zu zeigen und Oberteile beispielsweise in den Bund zu stecken, anstatt Kurven grundsätzlich unter weiter Kleidung zu verstecken.

Kleine Stylingtricks können viel verändern

Oft liegt zwischen „Irgendwie gefällt mir das nicht“ und einem richtig guten Outfit nur eine kleine Veränderung.

Ein paar Stylingideen können deshalb beim nächsten Shoppingversuch helfen:

  • Ein Oberteil zumindest vorne in den Hosen- oder Rockbund stecken, wenn ein langer Schnitt die Silhouette sehr gerade wirken lässt.

  • High-Waist-Hosen und -Röcke ausprobieren, wenn die Taille stärker definiert werden soll.

  • Ein Kleid mit Gürtel testen, bevor es aussortiert wird. Schon eine leicht veränderte Position der Taille kann die Proportionen komplett verändern.

  • Nicht automatisch zur größten und weitesten Variante greifen. Kleidung darf den Körper berühren und Konturen zeigen.

  • Verschiedene Längen testen. Schon einige Zentimeter bei Shirt, Jacke oder Rock können beeinflussen, wie ausgewogen ein Outfit wirkt.

  • Fotos mit dem Smartphone machen. Das Bild aus etwas Entfernung kann einen Look ganz anders zeigen als der kritische Blick aus 30 Zentimetern Entfernung in den Umkleidespiegel.

Dabei geht es nicht darum, für jede Figur neue Regeln aufzustellen. Ein Stylingtrick ist nur dann gut, wenn man sich damit selbst wohler fühlt.

Die Zahl im Etikett darf ruhig egaler werden

Auch unterschiedliche Größenangaben können Shopping unnötig emotional machen. Bei der einen Marke passt die 44, beim nächsten Hersteller braucht es eine 48.

Das kann im ersten Moment frustrieren, sagt aber wenig über den eigenen Körper aus. Schnitte und Größensysteme unterscheiden sich von Marke zu Marke. Entscheidend ist deshalb nicht, welche Zahl im Kleid steht, sondern ob es angenehm sitzt und man sich darin gerne anschaut.

Vielleicht ist genau das der wichtigste Perspektivwechsel beim Curvy-Shopping: Nicht der eigene Körper muss zu einem Kleidungsstück passen. Das Kleidungsstück muss zum eigenen Körper und zum persönlichen Stil passen.

Und wenn das fünfte Kleid in der Umkleidekabine immer noch nichts ist, darf es auch einfach zurück auf den Bügel. Manchmal liegt es wirklich am Kleid und nicht an der Frau darin.