Wenn der Burn-out droht: Anzeichen erkennen

Wenn der Burn-out droht: Anzeichen erkennen

Burn-out ist eine der Krankheiten, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung zugelegt hat. Immer mehr Menschen erkranken an diesem Syndrom. Oftmals wird der Burn-out nicht ernst genommen oder mit einer normalen Depression verwechselt. Teilweise müssen sich Betroffene auch mit den Vorwürfen auseinandersetzen, dass sie faul wären.

Burn Out Anzeichen
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So erkennst du einen Burn-Out.

Dabei zeigen sich ganz symptomatische psychologische Merkmale, die die Diagnose eines Burn-outs sowie eine Abgrenzung zu anderen psychologischen Erkrankungen erlauben. Wer von einem Burn-out betroffen ist, sollte möglichst schnell handeln und sich professionelle Hilfe holen, denn die Krankheit hat zahlreiche Stufen mit immer schwereren Auswirkungen auf die Psyche.

Diagnose eines Burn-out


Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten basiert die Diagnose eines Burn-out nicht rein auf klaren Symptomen des Körpers, die eindeutig messbar sein. Ein gutes Gegenbeispiel ist beispielsweise eine Grippe. Diese lässt sich ganz klar über einen Test nachweisen, indem das Virus im Körper gefunden wird. Bei einem Burn-out hingegen findet eine Bewertung verschiedener Faktoren statt. Gleichzeitig gibt es auch hier klare körperliche Anzeichen, die messbar sind. Die Gesamtdiagnose basiert dann auf einer Kombination der verschiedenen Anzeichen sowie einer Analyse der persönlichen Situation.

Zu den messbaren Symptomen zählt etwa das Ungleichgewicht von Kalzium und Magnesium im Körper. Durch dauerhaften Stress steigt der Energieumsatz im Körper, was zu einem Mineralstoffmangel führt. Kalzium lagert sich im Gewebe ab und kann Osteoporose hervorrufen. Gleichzeitig sinkt der Magnesiumgehalt im Körper, was bis zu Mangelerscheinungen führt. Dieses Ungleichgewicht des Mineralstoffgehalts lässt sich ebenso nachweisen wie ein hoher Milchsäureanteil im Blut. Auch sind häufig Adrenalin-, Noradrenalin- und Cortisolspiegel erhöht.

Ebenfalls messbar ist der Stresslevel im Körper. Diese Messung findet im Rahmen eines Clinical Stress Assessment statt. Hier erfolgt eine Messung des Stresslevels im Körper, wobei eine Unterscheidung zwischen temporärem, positivem Stress sowie dauerhaftem, krankhaftem Stress möglich ist.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Analyse des Lebensstils sowie der Work-Life-Balance. Anhand dessen lässt sich häufig beurteilen, welchem Stress und welchen Belastungen die Person ausgesetzt ist. Durch die Kombination der verschiedenen Messwerte sowie einem persönlichen Gespräch mit dem Patienten lässt sich dann die Diagnose Burn-out herleiten.

Symptome und Ursachen für einen Burn-out


Burn-out ist eine sehr komplexe Erkrankung, die gleichzeitig nicht an ganz bestimmten Krankheitsbildern festgemacht werden kann. Der deutsche Psychologe Matthias Burisch definierte in den 1980er Jahren etwa 130 typische Symptome und Ursachen eines Burn-outs.

Teilweise finden sich nur einige der Symptome bei Erkrankten. Ein Burn-out ist jedoch geprägt von drei zentralen Kategorien. Anhand dessen lassen sich auch unterschiedliche Typen eines Burn-outs erkennen. Da ist zunächst die emotionale Erschöpfung. Diese ist häufig mit emotionalem oder physischem Stress verbunden. Zu den Symptomen hier zählen Reizbarkeit, Antriebsschwäche und Kraftlosigkeit. Eine zweite Kategorie ist die Depersonalisierung. Betroffene sind durch soziale Interaktionen überfordert und reagieren mit Gleichgültigkeit, Zynismus oder einer sozialen Distanzierung. Die dritte Dimension ist ein konstantes Gefühl von Misserfolg. Hier haben die Personen das Gefühl, dass sie trotz großen Anstrengungen keine sinnvollen Ergebnisse liefern. Zu den Symptomen gehören Hyperaktivität, Unwirksamkeit und Gleichgültigkeit. Darüber hinaus zeigen alle von einem Burn-out betroffenen Erschöpfungserscheinungen und eine verminderte Leistungsfähigkeit.

Die Ursachenforschung hingegen ist ein weiteres Kapitel für sich. Grundsätzlich gibt es drei Faktoren, die als primäre Auslöser eines Burn-out gelten. Dies sind Stress, ein Ungleichgewicht zwischen Leistung und Anerkennung sowie übermäßige Belastung am Arbeitsplatz. Hinter diesen Faktoren können jedoch eine Vielzahl an Ursachen stecken. Von Person zu Person ist es unterschiedlich, welche konkrete persönliche Situation zur Überlastung führt.

Viele Menschen sind seit den jungen Jahren im Karrieredruck gefangen. Dies beginnt bereits während der Schulzeit, wenn es darum geht, gute Noten zu erzielen und das von den Eltern, vielleicht auch unterschwellig, geforderte Abitur zu erreichen. So kann es bereits in jungen Jahren zu einem Burn-out kommen. Eine vergleichbare Situation kann sich aber auch an ganz anderen Situationen im Laufe des Lebens einstellen. Eine leitende Funktion im Beruf kann soviel Druck erzeugen, dass dies in einem Burn-out mündet. Die Situation kann auch mit einem bestimmten Beruf in Verbindung stehen. Es ist inzwischen belegt, das bestimmte Berufe depressiv machen. Dazu gehören überraschenderweise auch Berufsgruppen wie die eines Sozialarbeiters oder eines Callcenteragents. Hier ist es weniger der hohe Leistungsdruck, der die Menschen in den Burn-out treibt, sondern die fehlende Anerkennung der eigenen Arbeit oder die hohe psychische Belastung im Arbeitsalltag.

Auch das Arbeitsumfeld ist ein Faktor, der ein Burn-out auslösen kann. Die weltweite Corona-Pandemie zeigt, dass auch das Homeoffice als Faktor für das Burn-out in Betracht kommt. Hier sorgen gleich mehrere Eigenschaften für eine Belastung der Mitarbeiter. Zum einen ist dies der fehlende soziale Kontakt. Während eines normalen Arbeitstags im Büro gibt es zahlreiche Interaktionen mit Kollegen. So kommt es beim Kaffee, während der Pausen oder auch bei beruflichen Konversationen zum persönlichen Austausch. Im Homeoffice fallen diese Kontakte und Interaktionen alle weg. Zum anderen steigt auch die individuelle Belastung. Für die Erledigung einer bestimmten Aufgabe gibt es Deadlines und keine helfenden Kollegen mehr. Gleichzeitig sind Kontakte auf der Arbeit keine Garantie für ein ausgeglichenes Sozialleben. Themen wie Mobbing oder Diskriminierung auf der Arbeit führen häufig zu ausweglosen Situationen, die für die betroffenen Personen in einem Burn-out enden.

Im privaten Umfeld finden sich weitere Faktoren, die zu einem Burn-out führen können. Hier ist die Liste an Ursachen ebenfalls lang und kann individuell sehr unterschiedlich aussehen. Eine unausgeglichene, unglückliche Partnerschaft kann ein Problemfaktor sein, wenn die erkrankte Person das Gefühl hat, sie wird nicht wertgeschätzt oder hat keinen Freiraum, sich auszuleben. Fehlende Freizeit und keine Möglichkeit, sich selbst auszuleben, sind ebenfalls häufige Faktoren für einen Burn-out. Gerade in der modernen Gesellschaft kommt dies immer häufiger vor. Familien, besonders mit Kindern, stehen dauernd unter Zeitdruck und Stress. Dies betrifft sowohl Familien, in denen beide Elternteile einer Arbeit nachgehen, als auch Situationen, in denen sich einer der beiden ausschließlich um die Kinder kümmert. Hiervon können ebenfalls beide Elternteile betroffen sein.

Die verschiedenen Phasen eines Burn-out


Der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger hat in den 1970er Jahren insgesamt zwölf Phasen des Burn-out erkannt und diese definiert. Die Reihenfolge der einzelnen Phasen ist nicht vorgegeben und nicht jede Erkrankung muss alle Phasen durchlaufen. Die zwölf Phasen im Einzelnen sind:

  1. das Gefühl, sich oder anderen etwas beweisen zu müssen

  2. streben nach Leistung und der Erfüllung hoher Ziele

  3. persönliche Bedürfnisse und soziale Kontakte werden aufgrund von Überarbeitung vernachlässigt

  4. eigene Probleme und Konflikte werden ignoriert

  5. das eigene Wertesystem mit Freunden und Hobbys wird infrage gestellt

  6. bestehende Probleme werden ignoriert und die Toleranzgrenze sinkt

  7. soziale Isolierung, Rückzug von Freunden

  8. Veränderungen im Verhalten, Angstgefühle

  9. Kontaktverlust und Aufgabe von Emotionen

  10. Gefühl von Leere und Überreaktion durch Ventile wie Drogen oder Essstörungen

  11. einsetzende Depression, Gleichgültigkeit, Erschöpfung und Verlust von Perspektiven

  12. mentaler und physischer Zusammenbruch, Gedanken an einen Selbstmord

Einem Burn-out vorbeugen


Mit bestimmten und gezielten Verhaltensweisen ist es möglich, einem Burn-out vorzubeugen. Viele Erkrankungen hängen eng mit dem Berufsleben oder dem Leistungsdruck im Alltag zusammen. Der dadurch permanent vorhandene Stress ist eines der Probleme, das langfristig zu einem Burn-out führen kann.

Deshalb ist es möglich, mit einem effektiven Stressmanagement dem Burn-out vorzubeugen. Stressmanagement ist immer individuell, denn jeder Mensch reagiert anders auf verschiedene Situationen. Für einige ist es primär die Arbeit, die für übermäßigen Stress sorgt. Andere reagieren auf Lärm, Zeitdruck, das soziale Umfeld oder ganz andere Faktoren. Dementsprechend beginnt das Stressmanagement erst nach einer Selbstfindungsphase. Hierbei können auch ausgebildete Stressmanager helfen.

Nachdem also erforscht ist, welcher Faktor im Alltag den eigenen Stress erzeugt, beginnt die Phase des Gegensteuerns. Auch dies kann sehr unterschiedliche Formen haben. Es gibt beispielsweise Menschen, die haben mit ihrem Umfeld in der Stadt Probleme. Tagsüber im Büro in der Innenstadt und dann durch den Berufsverkehr in die enge Vorstadtwohnung. Verkehrslärm, die Ansicht von Beton, große Menschenmenge und die Enge der Großstadt begleiten einen den ganzen Tag. Was für den einen kein Problem ist, sorgt bei anderen für permanenten Stress. Hier kann beispielsweise ein Umzug helfen. Wer ins Umland der Stadt zieht, in ein kleines Dorf, der entgeht der Hektik der Großstadt zumindest am Abend. Auch der Wechsel vom eigenen Auto zum Zug als Verkehrsmittel für das Pendeln kann den Druck wegnehmen. Wie bereits erwähnt, können dies alles individuelle Faktoren sein, die jeder für sich selbst identifizieren muss.

Für viele betroffene Menschen ist es auch wichtig, Nein sagen zu lernen. Oftmals zeigt sich, dass ein Burn-out entsteht, weil die Person keine Grenzen zieht. Dies hat zahlreiche verschiedene negative Effekte. Zum einen steigt der Druck auf einen selbst immer weiter. Dies gilt sowohl im Beruf als auch im Privatleben. Zum anderen kommen die eigenen Bedürfnisse zu kurz. In diesem Sinn ist es wichtig, tatsächlich von Zeit zu Zeit auch egoistisch zu sein. Die eigenen Interessen sind mindestens genauso wichtig wie die anderer Personen.

Sport, Auszeit oder Medikamente – Hilfe bei einem diagnostizierten Burn-out


Wer mit einem Burn-out-Syndrom diagnostiziert ist, der benötigt einen radikalen Wandel im Lebensstil. Anhand von praktischen Beispielen zeigt sich immer wieder, wie sich das Lebensgefühl vieler Personen dadurch schlagartig wandelt und verbessert. Eine medikamentöse Behandlung ist hingegen nicht möglich, da ein Burn-out-Syndrom an sich keine Krankheit wie eine Virusinfektion darstellt. Es können höchstens die Begleiterscheinungen unterstützend behandelt werden, sodass die Auswirkungen auf den Organismus weniger negativ sind.

Hierzu gehört beispielsweise der Schlafmangel, an dem Menschen mit Burn-out teilweise leiden. Aus diesem Grund kommen häufig auch homöopathische und pflanzliche Mittel zum Einsatz. Lavendel und Baldrian beispielsweise sind bekannt dafür, dass sie beruhigende Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben und bei Schlafproblemen helfen. Auch Hopfen und Melisse können bei Einschlafschwierigkeiten, Angstzuständen oder Unruhe helfen. Es gibt viele verschiedene Anwendungsmethoden, von Schlafkissen über Raumsprays bis hin zu Beruhigungsbädern oder Arzneitees.

Eine andere Methode, einen Burn-out zu bekämpfen, ist mit Veränderungen im Bereich der Work-Life-Balance. Das betrifft oftmals die Freizeiteinteilung sowie das Verhältnis zwischen Arbeit und Hobbys. In vielen Situationen raten Ärzte den Erkrankten dazu, sich ein entspannendes Hobby zu suchen oder durch Sport für Ausgleich zu sorgen. Hier legen die individuellen Präferenzen fest, in welche Richtung dies gehen soll. Wichtig ist jedoch, dass es bei dem Hobby oder dem Sport nicht um Leistung geht. Beliebte sportliche Aktivitäten sind beispielsweise Yoga oder der Wellnesstrend Floating. Beim Floating treiben die Teilnehmer in warmem Wasser mit einem hohen Salzgehalt. Dies führt zu einem Gefühl von Schwerelosigkeit. Während dieser Zeit ist es möglich, komplett zu entspannen und den Alltag hinter sich zu lassen. Darüber hinaus hilft das warme Salzwasser bei der Entspannung der Muskeln. So können sich sowohl der Geist als auch der Körper erholen, sodass von einer Tiefenentspannung gesprochen wird.

Durch einen veränderten Tagesablauf lässt sich ein Burn-out ebenfalls behandeln. Bei vielen Betroffenen zeigt sich, dass der gesamte Tag ein einziger Spießrutenlauf ist. Bereits morgens beginnt der Stress, wenn nach dem Aufstehen direkt der Zeitdruck einsetzt. Kinder, Schule und Arbeit überfordern viele Menschen bereits in der ersten Phase des Tages. Dies zieht sich häufig bis zum Abend durch und es bleibt keine Zeit für die eigenen Bedürfnisse oder die Entspannung. So gehen viele gestresst ins Bett und können über Nacht nicht ausreichend regenerieren. Deshalb raten Ärzte oftmals dazu, das eigene Arbeitspensum oder gar den eigenen Beruf zu überdenken.

Teilweise haben Personen mit Burn-out ihre Karriere mit einem gut bezahlten Job aufgegeben und sind auf alternative Lebensweisen umgeschwenkt. Für viele, die in der Leistungsgesellschaft gefangen sind, ist dies im ersten Moment undenkbar, denn es geht gegen alles, was wir in unserem Leben gelernt haben. Ziele und Erfolge werden häufig durch Leistungen im Beruf definiert. Auch Statussymbole wie ein neues Auto, das Eigenheim oder eine teure Uhr sind in unserer Gesellschaft als Maßstäbe für den Erfolg anerkannt. Dementsprechend streben wir in diesen Bereichen nach Anerkennung und suchen nach dem persönlichen Glück. Für viele Menschen sind dies jedoch keine erstrebenswerten Ziele im Leben, nur ist dies nicht allen bewusst. Deshalb berichten Menschen, die nach einem Burn-out ihr Leben komplett umgekrempelt haben, dass sie nun viel glücklicher sind, abseits von Karriere, Großstadt und täglichem Stress.

Wie bei allen Maßnahmen im Bereich Burn-out ist dies jedoch auch kein Erfolgsrezept, sondern dient nur als Beispiel. Wie bei kaum einer anderen Krankheit gilt es bei einem Burn-out, in sich selbst hineinzuhorchen und nach dem persönlichen Glück zu suchen. Die Behandlung eines Burn-out ist somit auch immer ein Stück weit ein Selbstfindungsprozess.


 

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