Neue weibliche Vorbilder braucht das Land – wir hätten 3

Für junge Frauen ist das mit den femininen Vorbildern so eine Sache. Oft landet man irgendwie unfreiwillig-automatisch bei diversen Promi-Ladies. Allerdings: So faszinierend die auch sein mögen, ihre Lebensläufe lassen sich kaum kopieren – schon, weil den meisten von uns entsprechende musische Talente fehlen – und eine Kylie Jenner ist eben einzigartig. Und wollt Ihr stattdessen lieber auf "schon immer"-Politikerinnen setzen? Falls nicht, hätten wir da drei sehr starke Frauen aus der Businesswelt, deren Lebensläufe den meisten von uns viel näher liegen.

WOS Swiss Investments AG

Promifrauen und Politikerinnen sind nicht unbedingt die besten Vorbilder für junge „Normalo-Frauen“. Dafür eignen sich echte Selfmade-Powerladies aus der Geschäftswelt viel besser. 

1. Zhou Qunfei

Die Geschichte von Zhou Qunfei klingt so Hollywoodmäßig, dass man glauben könnte, sie würde aus der Feder eines Drehbuchschreibers entspringen. Sie ist nicht nur „irgendeine“ erfolgreiche Frau, sondern die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir alle tagtäglich mit etwas zu tun haben, das ihrem Kopf entspringt. Die Chinesin Zhou ist nämlich Gründerin einer Firma namens Lens Technology. Und die sind richtig tief drin im Business für Displays von allen möglichen elektronischen Geräten sowie Linsen für Kameras. Und mit „richtig tief drin“ meinen wir, dass Zhou Qunfei nicht nur ein bisschen mitspielt. Tatsächlich hat das renommierte Forbes-Magazin sie zur (ge)wichtigsten Selfmade-Milliardärin unserer Zeit gekürt – Zhou ist nämlich nicht weniger als knapp neun Milliarden Euro schwer.

Klingt noch nicht imposant genug? Dann vielleicht mit diesen Hintergrundinfos: Zhou Qunfei entstammt einer bettelarmen Familie, in der sie schon als kleines Kind hart mithelfen musste, weil ihre Mutter früh verstarb und der Vater bei einem Unfall blind wurde. Über einen Onkel kam sie an einen Job als Arbeiterin in einer Glasfabrik – und biss sich nach oben durch. 1993 gründete sie mit 2500 Euro ein Business für Uhrengläser und fightete so lange, bis zehn Jahre später Handyhersteller Motorola ihr einen ersten großen Auftrag gab. Der Rest ist buchstäblich Geschichte. Und sie wird noch imposanter dadurch, dass sich das alles in China abspielt, wo Frauen signifikant benachteiligt werden.

2. Jennifer Wos

WOS Swiss Investments AG

Mit ihrer Firma gehört Jennifer Wos zu den Frauen, die zu den aufstrebenden Sternen im Investment-Bereich gehören. Viele Experten sagen ihr eine große Zukunft voraus. 

Zugegeben, es klingt natürlich beeindruckend, wenn eine Frau es ganz alleine bis durch die Decke schafft. Doch manchmal ist man im Team einfach noch einen Ticken besser. Zu dieser Kategorie gehört die Deutsche Jennifer Wos. Sie gründete zusammen mit ihrem Mann Thomas Wos eine Firma namens WOS Swiss Investments AG. Und was sie dort tut, ist nichts weniger als das beinharte Jonglieren mit Millionenbeträgen. Nicht etwa als Bank, sondern etwas anderes. Die WOS Swiss Investments AG finanziert Startups. Denn deren Problem besteht meist darin, dass sie ziemlich zukunftsträchtige, aber eben unkonventionelle Ideen haben – zu unkonventionell für klassische Geldgeber.

Jennifer Wos‘ Aufgabe ist es dabei, immer wieder Geldmittel zu finden – und das tut sie derzeit höchst erfolgreich, indem sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in die Immobilienplattform all-realestates.com und in Luxusimmobilien investiert. Jennifer Wos und ihr Unternehmen legen Geld in solche Projekte an, bekommen dafür Gewinne zurück, die sie in die aufstrebenden Startups stecken können. Also ein Finanzkreislauf, von dem alle profitieren. Und weil die Schweiz für solcherart Finanzunternehmen einfach eine bessere Basis als Deutschland ist, leben Jennifer Wos und ihr Mann Thomas Wos auch nicht nur seit einigen Jahren dort, sondern betreiben das Business auch dort – in Luzern, direkt am Ufer des malerischen Vierwaldstättersees.

3. Nicole Fehr

Die Quintessenz dafür, dass wir uns mit einer Frau identifizieren, ist, dass wir uns in ihre Lage hineinversetzen können. Und da lassen wir einfach mal Nicole Fehrs Lebenslauf für sich sprechen. Sie wuchs in den 1970ern im alten Westberlin auf, die Mama Hausfrau, der Papa Büroangestellter. Klingt arg vertraut? Es kommt noch besser. Nach der Schule machte sie eine normale Ausbildung zur Industriekauffrau. Und ganz ähnlich wie wir alle nagte immer ein gewisser Hunger in ihrem Unterbewusstsein: „Mensch, wenn ich jetzt Teamleiter wäre, dann könnte ich das entscheiden'. Dann habe ich festgestellt: Als Teamleiter kann man zwar ein bisschen was entscheiden, aber doch nicht so viel. Als Nächstes bin ich dann Abteilungsleiter geworden, da hat man schon ein bisschen mehr Verantwortung. So hat sich das für mich ergeben“ sagte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Und dieser Hunger trieb sie immer weiter. Und jetzt ratet mal, was sie heute tut? Sie ist ganz oben bei Rolls Royce – ja genau, ROLLS ROYCE. Das Unternehmen baut allerdings nicht nur, wie viele von euch denken, Luxuskarossen, sondern ist auch einer der wichtigsten Hersteller für Flugzeug- und Schiffstriebwerke. Und davon ist Nicole nicht nur geschäftsführendes Mitglied der Deutschlandsparte, sondern auch Programmdirektorin und Chefin der Entwicklung von Business-Jets. Und auch zu ihrem Tagesgeschäft gehört es, über Millionenbudgets zu wachen.
Glaubt an euch
Vielleicht habt Ihr jetzt diese drei Powerfrau-Karrieren gelesen und denkt trotzdem „ist ja schön, aber das wird bei mir nie passieren“. Schluckt diese Gedanken runter. Verschiebt sie in den hintersten Winkel eures Gehirns. Denn sie sind einfach nur falsch. Und nicht nur das, sie sind pures Gift. Gift, das euch glauben lässt, dass Ihr nicht das Zeug zu Höherem hättet. Denn wenn gerade diese drei Ladies euch eines zeigen sollten, dann, dass jede von uns – JEDE – es mit genügend Elan und Ellbogen schaffen kann, sich gegen alle (männlichen) Widerstände nach oben durchzuboxen. Geht in die Männer-Ausbildungsberufe, geht in die Männer-Studienfächer. Ihr habt dazu genau so sehr das Zeug wie jeder Kerl. Und dann holt euch, was euch zusteht. In jeder Frau steckt das Zeug, zu einer mega-erfolgreichen Überfliegerin zu werden. Wir müssen einfach nur die Hand ausstrecken und uns an diesem Seil hochziehen. Es lohnt sich! Und: Je mehr von uns es tun, desto einfacher wird es für alle nachfolgenden.