Versicherung: Verliehen und trotzdem versichert?

Verliehen und trotzdem versichert? Wer haftet, wenn sich ein Freund das Auto leiht?

Einer guten Freundin kurz den eigenen Wagen leihen oder den Freund mit dem Auto zum Einkaufen schicken? Das ist für die meisten kein großes Problem. Doch was passiert, wenn der Auto-Ausleiher unterwegs in einen Unfall verwickelt wird? Wer haftet für Schäden und was sagt die Kfz-Versicherung dazu, wenn das eigene Auto aus der Hand gegeben wird?

auto gebrauchsgegenstand
© PixabayDas Auto: für die einen Statussymbol – für die anderen Gebrauchsgegenstand

Leichtfertiger Verleiher oder Hüter des Auto-Schatzes?

Prinzipiell gibt es zwei Arten von Autobesitzern: Die einen hüten, haben sie ihren Traumwagen einmal gefunden, den fahrbaren Untersatz wie einen Schatz. Sie kennen sich mit dem geliebten Wagen perfekt aus und studieren alles, was mit dem Thema Auto zu tun hat. Für die andere Gruppe der Autobesitzer hingegen ist der Wagen kein Schatz, sondern ein Gebrauchsgegenstand. Fachbegriffe rund ums Auto? Eine akribische Auswahl des passenden Kfz-Schutzes? Das ist diesen Autofahrern weniger wichtig. Hauptsache ist: Das Auto fährt, erfüllt seinen Zweck und ist pflichtversichert.

Geht es ums Verleihen des Autos, gibt die erste Gruppe ihren Wagen ungern und eher selten aus der Hand. Für die zweite Gruppe hingegen ist es kein Problem, einem Freund das Auto für den Kauf einer Waschmaschine zu leihen. Eine Freundin möchte mit dem Wagen kurz zum Supermarkt? Auch das ist für die zweite Gruppe kein Thema. Das eigene Auto wird gerne und ohne große Bedenken aus der Hand gegeben.

Klar ist: Ihre Hilfsbereitschaft bringt der zweiten Autobesitzer-Gruppe im Bekanntenkreis sicherlich viel Wertschätzung ein. Gleichzeitig steigt aber auch das Risiko, dass ein Freund oder Bekannter mit dem entliehenen Auto in einen Unfall verwickelt wird. Doch was sagt die Versicherung dazu, wenn nicht der Kfz-Halter selbst, sondern ein anderer Fahrer in einen Unfall verwickelt wird?

Ein Freund als Fahrer: Die Versicherung zahlt meist trotzdem

Wer sein Auto an einen Freund verleiht, muss sich über den Versicherungsschutz keine Sorgen machen. Auch wenn nicht der Versicherungsnehmer selbst, sondern ein anderer Fahrer in einen Unfall verwickelt wird, zahlt die Versicherung regelmäßig. Allerdings heißt das nicht unbedingt, dass der Pkw jederzeit völlig sorglos verliehen werden kann oder sollte.

Zwar muss der Halter des verliehenen Wagens meist nicht befürchten, eventuelle Unfallschäden selbst bezahlen zu müssen. Dennoch kann der Unfall eines anderen für ihn teuer werden. Schließlich können von der Versicherung zusätzliche Beiträge erhoben werden, wenn andere Fahrer den Wagen regelmäßig nutzen. Schlimmstenfalls können außerdem Vertragsstrafen drohen. Das gilt zumindest dann, wenn der Versicherer annimmt, dass die regelmäßige Nutzung des Wagens durch andere Fahrer bewusst verschwiegen wurde.

 

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© PixabaySchiefgegangen: Was, wenn der Entleiher in einen Unfall oder Schadensfall verwickelt wird?

Ein anderer Fahrer – das kann teuer werden

Leiht sich ein Freund das Auto und wird in einen Unfall verwickelt, zahlt die Versicherung üblicherweise trotzdem. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der Auto-Ausleiher einen Unfall grob fahrlässig – also etwa betrunken – verursacht hat. Dann kann der Fahrzeughalter von der Versicherung finanziell an der Schadensregulierung beteiligt werden.

Obwohl die Kfz-Versicherung also trotz Verleih üblicherweise einspringt, kann das großzügige Überlassen des Wagens im Nachhinein dennoch teuer werden. Schließlich kann sich der Unfall des anderen Fahrers in verschiedener Form nachteilig auf den Kfz-Versicherungsbeitrag auswirken:

  • Aufgrund des Unfalls kann die Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft werden.

  • War mit der Kfz-Versicherung ein Einzelfahrerrabatt vertraglich vereinbart, kann dieser wegfallen.

  • Eine Nachforderung von Versicherungsbeiträgen für das laufende Versicherungsjahr ist möglich. Das gilt zumindest dann, wenn die regelmäßige Nutzung des Autos durch andere nicht zur Beitragsermittlung angeben war.

  • Wurde die regelmäßige Nutzung des Autos durch andere dem Versicherer absichtlich verschwiegen, ist dieser zur Kündigung berechtigt.

Allerdings gilt: Diese negativen Konsequenzen drohen selbstverständlich nicht, wenn das Auto einem anderen aufgrund einer Notfallfallsituation überlassen wurde. Ein Notfall liegt vor, wenn das Auto beispielsweise für eine dringende Fahrt ins Krankenhaus verliehen wird.

Zusatzversicherungen sparen Extrakosten

Um sich Zusatzkosten und böse Überraschungen zu ersparen, bestehen zwei Möglichkeiten:

  • Wird das Auto regelmäßig von einer anderen Person gefahren, sollte diese bei der Kfz-Versicherung angegeben werden. Zwar steigt dadurch der Versicherungsbeitrag und ein Einzelfahrerrabatt entfällt. Im Schadensfall erspart sich der Kfz-Halter aber jede Menge Ärger und plötzliche Nachzahlungen.

  • Wird das Auto nur ausnahmsweise von einem anderen Fahrer gefahren, lässt sich der Kreis erlaubter Fahrer auch vorübergehend erweitern. Viele Versicherer ermöglichen es, einen Dritten etwa für 24 Stunden mitzuversichern. Üblicherweise kosten solche Zusatzversicherungen nur wenige Euro. Sie erlauben es dem Kfz-Halter aber, seinen Wagen sorglos zu verleihen.

Checkliste: So funktioniert sicheres Autoverleihen unter Freunden

Wer sein Auto privat an Freunde verleihen möchte, kann das gefahrlos tun. Voraussetzung ist allerdings, die versicherungsrechtlichen Konsequenzen zu kennen und folgende Grundregeln zu beachten:

  • Wird das Auto regelmäßig verliehen, sollte der Nutzerkreis im Kfz-Versicherungsvertrag erweitert werden. So kann auch der Entleiher offiziell mitversichert sein.

  • Stellt der Verleih eine Ausnahme dar, muss mit dem Versicherer geklärt werden, wie dieser solche Verleih-Ausnahmen handhabt.

  • Selbstverständlich darf das Auto nur an zuverlässige Fahrer mit gültigem Führerschein verliehen werden!

  • Auch wenn es unangenehm ist: Vor dem Verleih sollte eine Vereinbarung mit dem Entleiher bezüglich Schäden, Unfällen und einem eventuellen Anstieg der Versicherungsprämie erfolgen. Diese Vereinbarung sollte am besten schriftlich festgehalten werden.

Wer kommt für Strafzettel und Bußgelder auf?

Es muss nicht immer gleich ein Unfall sein. Nach dem Verleih des Autos können den Halter auch andere unangenehme Überraschungen erwarten. Nicht selten flattern diese nämlich einige Zeit nach dem Ausleihen in Form von Strafzetteln oder Bußgeldbescheiden ins Haus. Selbst wenn ein Dritter mit dem Wagen unterwegs war: Hiermit richtet sich die Behörde immer zuerst an den Fahrzeughalter.

Allerdings gilt:

  • Geht es um ein Bußgeld für eine Geschwindigkeitsüberschreitung, richtet sich dieses stets gegen den Fahrer. Der Fahrzeughalter erhält allerdings einen Zeugen- bzw. Anhörungsbogen und muss den tatsächlichen Fahrer benennen. Anhand des polizeilichen Beweisfotos zur Geschwindigkeitsüberschreitung ist dieser dann zu identifizieren. Reicht das Foto hierfür allerdings nicht aus, ist der Halter darauf angewiesen, dass der wirkliche Fahrer sein Vergehen zugibt.

  • Wird der entliehene Wagen falsch geparkt, gehen entsprechende Strafzettel stets an den Fahrzeughalter. Anfallende Geldbußen muss der Halter vorstrecken und anschließend selbst vom Ausleiher zurückfordern.

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