Chefin werden, Chefin sein: 6 Tipps für weibliche Selbstständige

Chefin werden, Chefin sein: 6 Tipps für weibliche Selbstständige

Die Geschäftswelt ist seit jeher ein Haifischbecken. Das gilt auch heute noch und mit weiblicher Selbstständigkeit im Fokus. Wohin man schaut, muss Frau, wie die Amerikanerinnen es formulieren, die Extrameile gehen.

frau mit like a boss tasse in der hand
© Unsplash

Das bedeutet eine Anstrengung, die viele Frauen nicht gewillt sind, zu gehen – die wenigsten Startups hierzulande wurden von rein weiblicher Hand gegründet. Dabei hat genau das eine dringend benötigte Vorbildfunktion. Was also tun? Nun, mit den folgenden sechs Gründerinnen-Tipps anzufangen wäre bereits ein guter Schritt.

1. Überlege nicht lange, sondern handel

Gründungen sind naturgemäß ein Feld, das nicht ohne Risiken zu begehen ist. Doch viele Frauen neigen häufig dazu, sich davon zu sehr irritieren zu lassen. Sie betrachten eingehend von allen Seiten, wiegen Risiken ab, rechnen Chancen aus– und ehe man sich’s versieht, ist das Zeitfenster, das nur für eine gewisse Dauer offen war, wieder verschlossen, die Gelegenheit vertan; jemand anderes hat gewagt.

Das Gegenteil sind Männer: Sie gehen häufig mit viel mehr Ego in Gründungen hinein. Frei nach den Mottos Machen statt überlegen. Erst zugreifen, später nachdenken. Rein ins Wasser, ohne die Temperatur lange zu prüfen. Natürlich, es steht zu vermuten, dass diese risikoreichere Vorgehensweise sie auch an die Spitze der leider nicht nach Geschlechtern getrennten Insolvenzzahlen führt. Aber: Wer wagt, gewinnt auch häufiger.

Und risikofreudig muss man sowieso sein, wenn man sich aus dem sicheren Hafen des Arbeitnehmer-Daseins in das stürmische Fahrwasser der Selbstständigkeit gibt. Da bringen übertriebene Risikovermeidungstaktiken nichts, sondern nur ran an den Speck, bevor’s ein anderer tut. Genau das sollten Frauen auch tun.

2. Folge nicht der Gründerinnen-Herde

Eine Zahl: 15,7 Prozent. Das ist der traurige Anteil der Frauen an Gründungen, die im aktuellen Startup-Monitor erwähnt sind. Also die Gesamtheit aller weiblich gegründeten Startups.

Nicht besser wird es, wenn man sich anschaut, was Frauen gründen, wenn sie das Wagnis auf sich nehmen. Nimmt man nämlich die wenigen Ladies aus der Gleichung, die in der Tech-Branche gegründet haben, gehören die allermeisten weiblich geführten Startups auch zu ziemlich femininen Themen:

  • Baby und Kind

  • Liebe und Erotik

  • Mode und Kosmetik

  • Einrichtung und Design

Eine viel zu monothematische Auflistung. Das soll natürlich nicht den Erfolg bisheriger Gründerinnen kleinreden. Aber als Frau sollte man willens sein, auch in anderen Bereichen zu gründen. Ja, vor allem in MINT. Denn da kann man nicht oft genug wiederholen, wie wichtig Frauen und wie unterrepräsentiert sie aktuell sind.

3. Sei pedantischer als die anderen

Als sich selbstständig machende Frau bekommt man schon deshalb schärfer auf die Finger geschaut, weil man einer Minderheit angehört. Chef ist bei selbstgegründeten KMUs wie erwähnt nach wie vor eine Männerdomäne. Rein aus diesem Grund besteht bereits immer das Risiko, dass kleinste Fehler aufgebauscht, hochgepusht und gegen uns verwendet werden – im geschäftlichen Konkurrenzkampf sind die Mittel äußerst vielfältig.

Da gibt es nur eines: Als Selbstständige so pedantisch sein, dass wirklich niemand die leiseste Kritik üben kann. Das kann man sich digital mächtig erleichtern indem man Spezialsoftware für Abrechnungen in Sachen Lohn und Gehalt, ferner die Buchhaltung, nutzt – übrigens ist unsere Fähigkeit, solche Techniken zu nutzen, ein Vorteil: Frauen sind schneller in der Akzeptanz und Anwendung neuer Methoden, wo viele Männer sich nur widerwillig von Gewohntem trennen.

4. Bevorzuge niemanden

Mit dem Erfolg kommt häufig auch die Notwendigkeit, Angestellte haben zu müssen, weil ein gesundes Unternehmen oft über die Arbeitskraft der Gründerin hinauswächst. Mit Angestellten kommt aber eine Tatsache: Wir neigen dazu, weil es ganz menschlich ist, zu unterscheiden. Und zwar normale Angestellte und solche, die wir besonders mögen.

Ein guter Rat: Dieses menschliche Gefühl sollte man unterdrücken. Jeden einzelnen Angestellten sollte man gleich behandeln – gleich nüchtern-freundlich wohlgemerkt. Wer kühl ist, ist nämlich schnell die „Eiskönigin“, wer zu allen superlieb ist, wird rasch zur „Kuscheltante“ (übrigens haben männliche Gründer das gleiche Problem). Beides ist zwar unfair, unterminiert aber die Autorität des Vorgesetzten. Also: Freundlich, aber geschäftlich distanziert, bitte.

Es ist auch als Gründerin unmöglich, everybody’s Darling zu sein.
Und das sollte man auch nie anstreben!

5. Konzentriere dich auf die wirklich wichtigen Dinge

Es stimmt zwar nicht, dass Frauen besser multitasken können als Männer. Wozu wir aber erwiesenermaßen eher neigen, ist, uns allzu sehr in Details zu verlieren. Ja, es gibt unglaublich viele Beispiele, wann und wo das enorm wichtig ist. Das Gründen eines Unternehmens ist jedoch keines davon.

Denn die Natur vieler Frauen, mehrere Dinge gleichzeitig im Auge zu behalten, sorgt in diesem speziellen Fall dafür, dass leicht ein Overload entsteht. Da wirkt die aktuell aufzubauende Webseite wichtiger als ein Pitch für Investoren, wird das Gründertreffen beinahe vergessen, weil Bewerbergespräche terminiert werden wollen.

So sieht es aus:

Die wichtigste Aufgabe einer Chefin ist es, das Unternehmen auf Makro-Ebene zu
führen. Alles andere kann und sollte von Mitarbeitern erledigt werden.

Zugegeben, geschlechtsübergreifend leiden viele Gründer unter der „Selbstständigen-Krankheit“, über jeden Aspekt die Kontrolle behalten zu wollen – deshalb scheitern sie ja auch oft. Als Neu-Gründerin sollte man schlauer sein und sich von Anfang an nur den wirklich wichtigen Dingen widmen: Umsatz erhöhen, Gewinn mehren, Unternehmen vergrößern.

6. Verhalte dich wie eine Anführerin – nicht wie eine Bittstellerin

Folgende Problemstellung: Ein Angestellter soll noch heute eine wichtige Liste anfertigen, obwohl der Feierabend vor der Tür steht. Wie vermittelt man ihm das?

  • Ich weiß, es ist schon spät, aber könnten Sie vielleicht heute noch rasch diese Liste erstellen, bitte?

  • Ich weiß, es ist schon spät, aber ich brauche bitte noch heute diese Liste.“

Wer jetzt zu ersterem tendiert, denkt verständlich, aber nicht wie jemand, der sich als toughe Führungsfrau beweisen kann: Höflich, viel zu zaghaft – und somit für eine Chefin vollkommen falsch. Wer auf diese Weise seinen Angestellten fast schon als Bittsteller begegnet, darf sich nicht wundern, wenn er sich nicht durchsetzt.

Ja, der zweite Satz mag kühl klingen, wenn man ihn sich mehrfach vorsagt. Tatsächlich ist jedoch dieser Ton geschäftlich richtig: Es ist eine klare Anordnung vom Vorgesetzten zum Angestellten, ohne jedoch harsch zu sein.

Als Chefin muss man sich daran gewöhnen, jede Anordnung auf
direktem Weg zu erteilen. Selbst wenn der eigene Kopf es noch so
sehr für Höflichkeit hält, führt Herumlavieren um das
eigentliche Thema leider zu nichts.

Allerdings: Auf keinen Fall darf das Befolgen dieser Regel dazu führen, dass man als harsch angesehen wird. Sonst kreiden einem die Mitarbeiter rasch einen „Kasernenhofton“ an – ja, es ist tatsächlich sehr schwer, die Balance zu finden. Auch das ist ein Grund, warum viele Menschen sich nicht vorstellen können, Chef zu sein.

Fazit

Frauen gründen zu wenige Firmen und wenn dann in gut gefüllten Bereichen. Das muss sich ändern. Damit es das tut, braucht es mehr weiblichen Mut und den Willen, in jeder Sparte nach guten Geschäftsideen zu fahnden. Schwierig? Zweifellos. Aber es lohnt sich, denn was wir wirklich brauchen, sind viel mehr weibliche Vorzeige-Selfmade-Women.

Frau sitzt an Schreibtisch mit Laptop
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