Auf Alkohol verzichten: der Selbstversuch

- Ich mache das immer mal wieder: Ich verzichte für mehrere Wochen auf Alkohol. Neben den körperlichen Veränderungen merke ich die Unterschiede aber am meisten in meinem Umfeld!

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Meine Erfahrung: Wenn man nichts trinkt, ist man tatsächlich immer außen vor.

Ich trinke gern mal ein Gläschen Wein. Oder Sekt. Oder auch einen Cocktail. Vor allem mit Freunden. In einer Bar, im Restaurant, aber auch Zuhause beim Mädelsabend. Weil es immer gesellig ist, die Laune etwas hebt und irgendwie dazugehört. Aber manchmal habe ich keine Lust auf Alkohol. Und dann lehne ich das Gläschen auch mal ab. "Bist du schwanger?" "Nimmst du Medikamente?" "Wirst du jetzt zum Langweiler?" Den Reaktionen zufolge ist so ein Alkohol-Detox zwischendurch aber nichts Normales. Im Gegenteil: Ich fühle mich dann tatsächlich etwas ausgeschlossen.

Letztens bei den Nachbarn

So auch, als mein Mann und ich vor Kurzem bei unseren Nachbarn auf einer WM-Grillparty waren. Kaum hatten wir den Garten betreten, wurde uns schon das erste Gläschen in die Hand gedrückt. Ohne dass man überhaupt wusste, ob wir etwas trinken oder nicht. Man hat es einfach angenommen. Weil es doch für viele selbstverständlich ist. Als ich aber das Glas einfach unangetastet auf den Tisch zurück stellte, merkte ich sofort die Blicke. Was die wohl alle dachten? Ob ich eine Vorgeschichte habe? Einen Alkoholiker-Fall in meinem Umfeld? Oder einfach eine Spaßbremse bin? Und wenn man dann erzählt, dass man dem Körper eigentlich nur mal wieder etwas Gutes tun möchte, glaubt einem das auch keiner. "Hat dir der Arzt dazu geraten? Oder warum trinkst du wirklich nicht?" Ähh, weil ich mich gut im Griff habe und auch mal ohne Promille Spaß haben kann. Oder geht das etwa nicht mehr?

Kein Spaß ohne Alkohol?

Scheinbar ist das mit dem Spaß ohne Alkohol wirklich nicht so leicht: Alle hatten an dem Abend zwei, drei Gläser intus und die Laune wurde besser (trotz der Niederlage des deutschen Teams, wohlgemerkt!), die Lautstärke größer. Auch das Schamgefühl sank immer mehr und seltsame Witze fand plötzlich jeder lustig. Außer mir. Nicht, dass ich nüchtern nicht auch Spaß habe und lustig sein kann. Aber es ist doch wirklich etwas anderes, wenn man als Einzige nichts trinkt und beim Pegel der anderen nicht mithalten kann. 

Wenn du nichts trinkst, bist du immer der Fahrer

Genauso ist es beim Feiern: Wenn klar ist, dass du nichts trinkst, wirst du natürlich direkt zum Fahrer auserkoren. Muss man ja direkt ausnutzen und kann nicht wie sonst auch nachts gemeinsam mit der Bahn fahren oder sich ein Taxi teilen. Dass ich aber auch müde bin und vielleicht unkonzentriert, wenn es mitten in der Nacht nach Hause geht, juckt keinen. Nach dem Motto: Irgendeinen Vorteil muss die Langeweilerin ja haben, wenn sie schon mitkommt. So fühlt es sich wirklich an, wenn man mal nichts trinkt und trotzdem mit in den Club möchte. Man wird so mit durchgeschleppt. Soll am besten noch auf die anderen aufpassen. Die nüchterne Party-Mama eben. Und deshalb bleibe ich beim Alkohol-Detox auch gern mal zu Hause. Mit leckerem Essen und einem Gläschen Wasser auf Eis. Und komme mir dabei vor, als sei es verwerflich, mal auf seinen Körper zu achten.

Das Seltsame: Wenn sich jemand vegetarisch oder vegan ernährt, haben viele heute Respekt davor. Man tut sich schließlich etwas Gutes. Toll. Aber mit dem Verzicht auf Alkohol ist das doch etwas anders. Dabei hat es so viele Vorteile, wenn man mal abends am Wochenende zu Wasser und nicht zum Gin Tonic greift

Was sich im Körper verändert

Zumindest merke ich das immer recht deutlich, was der Verzicht auf Alkohol mit mir macht: Meine Haut wird besser, die Augenringe kleiner, die Müdigkeit weniger, aber die Energie dafür größer! Ehrlich! Die Verbesserungen im Körper werden doch recht schnell deutlich.

Die Nachteile

Neben den seltsamen Reaktionen im Freundes- und Bekanntenkreis macht der Verzicht auf Alkohol aber auch unschöne Dinge mit mir. Zumindest immer zu Beginn: Während ich am Wochenende nach ein, zwei Gläschen Sekt immer sofort schlafen konnte, dauert es ohne Alkohol etwas länger. Aber: Der Schlaf ist dafür erholsamer! Größerer Nachteil: Ich greife vor allem am Wochenende vermehrt zu Süßigkeiten. Gemütlich auf dem Sofa mit einem Glas Wein fällt weg, also muss das Glas ja durch irgendwas ersetzt werden. Oh, hallo, Gummibären, Schoki und Eis! Nicht die beste Idee, aber irgendwie brauche ich das dann ab und zu. Und schließlich spare ich ja auch Kalorien ein, wenn ich die Umdrehungen im Glas weglasse ...

Das Fazit?

Mir und meinem Körper tut es wirklich gut, wenn ich dem Alkohol ab und zu konsequent den Rücken kehre. Das ist für mich auch keine große Überwindung. Und deshalb gönne ich meinem Körper diesen Detox auch immer mal wieder gern. Was mein Freundes- und Bekanntenkreis davon hält, ist mir relativ egal. Denn ich bin ja kein anderer Mensch, nur weil ich mich nicht volllaufen lasse. Und mittlerweile bin ich auch in einem Alter, in dem man nicht mehr Dinge tut, um anderen zu gefallen. Wer also auch gerne mit Wasser auf Eis statt Martini auf Eis abends mit mir chillt, der ist doch sowieso der bessere Freund